Martyrium

Martyrium

Originaltitel: Calvaire
Genre: Drama • Thriller
Regie: Fabrice du Welz
Hauptdarsteller: Laurent Lucas • Jackie Berroyer
Laufzeit: Ca. 88 Minuten
Label: Splendidfilm / I-On New Media
FSK 18

Martyrium   07.03.2011 von Beef Supreme

„Das wird ein tolles Weihnachten, Liebling. Wo ist meine Axt?“   Dieser Satz hört sich doch klasse an, oder? So ganz ohne Kontext könnte man meinen, dass einem mit "Martyrium" ein gewalthaltiger, spannender, aber dennoch lustiger Horror-Slasher erwartet. Dann schauen wir mal was unser besonnenes Nachbarvolk mal wieder fabriziert hat.


Marc Stevens, ein Künstler der sich gerne mal schminkt, hat gerade einen Auftritt in seinem Stamm-Altersheim beendet. Das Publikum, im Alter von gesetzt bis scheintot, ist hingerissen von seiner Darbietung französischer Chansons. Eine der Damen gar so sehr, dass sie seine Zeilen über Liebe und Sehnsucht für bare Münze nimmt und ihm sogleich eindeutige Avancen macht. Für Marc ist dies ein guter Zeitpunkt sich gekonnt abzusetzen. Und so tingelt er von einem nicht näher genannten Ausgangsort zu einer Weihnachtsgala. Da Marc nicht auf den Spuren der Rolling Stones wandelt, bleibt ihm sein Vorkriegs-Citroen natürlich mitten in der Nacht irgendwo im Nirgendwo liegen. Er hat aber Glück im Unglück, denn ein leicht verwirrter Passant, der auf der Suche nach seiner Hündin ist, führt ihn zur Herberge "L’auberge Bartel", wo er die Nacht verbringt.

 

Da die Herberge schon bessere Tage erlebt hat und Frankreich für seine liberale Einstellung  Fremden gegenüber bekannt ist, wirkt alles nicht gerade einladend. Doch Herr Bartel erweist sich als gekonnter Gastgeber und man erfährt, dass er einst ein Komiker war. Als ihn seine Frau Gloria, ihres Zeichens Sängerin, verlassen hat, ging es mit seiner Herberge bergab. Eines schönen Abends fordert Bartel Marc auf ihm etwas vorzusingen. Wieder packt Marc seine Gassenhauer über Sehnsucht und Liebe aus.  Diese scheinen nicht nur auf rüstige Rentnerdamen eine anziehende Wirkung zu entfalten, denn Bartel fängt an verrückt zu werden und schlägt Marc mit einer Autobatterie nieder. Ab diesem Zeitpunkt existiert Marc nicht mehr. Er ist jetzt Gloria, die Schlampe, die damals fort gelaufen ist.

 

So plätschert dann der Reigen des Wahnsinns weiter vor sich hin. Marc bleibt in einem vollkommen isolierten Ort liegen und soll nun die Rolle der liebenden Ehefrau einnehmen. Bis hierhin ist schon gut die Hälfte des Films an einem vorbeigezogen. In dieser Zeit lässt man sich von einem hübschen Grau in Grau berieseln und darf eine in die Länge gezogene Szene nach der anderen mit verfolgen. Man merkt hier schon, dass der Film sehr lange braucht, um in die Gänge zu kommen. Das macht ja aber nichts, denn das Cover bewirbt ihn ja mit Schlagworten wie 'brutal', 'schockierend' und 'spannend'. 40 Minuten sind ja immer noch genug Zeit davon etwas zu zeigen.

 Nur schade, dass der Film darauf wohl keine Lust hat. Denn nach der Gefangennahme Marcs passiert handlungstechnisch kaum mehr etwas. Man erlebt noch einige verstörende Szenen, welche aber aufgesetzt und erzwungen wirken und zwei bis drei blutige Szenen, wodurch Martyrium schon mal nicht als Gore-Granate bezeichnet werden kann. Vielleicht ist es aber eher ein Drama? Ansätze sind vorhanden, doch irgendwie gelingt es kaum mit Marc, dem Rentnerschwarm, mitzufiebern. Zu wenig erfährt man über ihn und zu lasch ist sein Leidensweg. Alles wird zu belanglos dargestellt, denn er findet sich sehr schnell mit seinem Schicksal ab.

 

Schauspielerisch erlebt man ebenso keine Offenbarung. Bartels Hang zum Wahnsinn überzeugt nur mäßig und der Sprung von der Normalität zum durch geknallten Psycho geschieht ohne jegliches Vorzeichen. Es wirkt, als ob etwas vom Film fehlen würde. Die Dorfbewohner geben zwar auch ein paar passable Verrückte ab, aber auch hier ist alles aufgesetzt und nicht wirklich überzeugend.  Einzig Marc macht seinen Job einigermaßen gut. Die technische Seite geht hingegen in Ordnung. Farben gibt es zwar nur wenige, aber das muss wohl so sein. Insgesamt ist der Film ein wenig zu dunkel, da man viele Szenen nicht so recht erkennen kann. Diese werden dann noch von leichtem Bildrauschen begleitet, was ich ebenfalls als störend empfunden habe. Manche Schnitte erwecken zudem den Eindruck, dass der Film gekürzt sein könnte. Handwerklich muss das noch besser werden. Der Ton ist ok, denn hier und da ein wenig abgedrehte Musik lockert das Geschehen ungemein auf. Die Synchronisation ist ganz passabel, wenn auch mehr drin gewesen wäre. Auffällig sind einige Szenen in denen französisch geschnauft wird. Dies ist nichts tragisches, doch die Stimmen unterscheiden sich doch merklich voneinander, was eigentlich nicht sein muss.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Es ermüdet immer wieder die bekannten Schinken „High Tension“ und „Inside“ heranzuziehen. Doch diese beiden haben die Messlatte in Sachen Härte derart hoch gehängt, dass sich quasi jeder französische Horrorfilm, der von sich behauptet, krank oder hart zu sein, daran messen lassen muss. Als der von mir erste geschriebene Satz gefallen ist, dachte ich wirklich, dass es jetzt endlich losgeht. Ich wurde aber herb enttäuscht, denn leider ist „Martyrium“ in allen Belangen einfach nur Durchschnitt. Marcs Schicksal hat mich überhaupt nicht interessiert. Nur der kleine Plott-Twist im letzten Drittel kam doch recht überraschend, doch das langt nicht um über die restliche Belanglosigkeit hinwegzutrösten.


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