Medal of Honor Warfighter

Medal of Honor Warfighter

Publisher: Electronic Arts
Entwicklerstudio: Danger Close
Genre: Ego-Shooter
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 25.10.2012
USK 18

Medal of Honor Warfighter   14.11.2012 von Torsten

Nach dem Relaunch der langjährigen Serie gab es heftige Kritik am fertigen Produkt. Für Medal of Honor: Warfighter hat EA nun verkündet den Shooter ordentlich umzukrempeln. Wir schauen einmal genauer hin und verraten, ob es geklappt hat oder ob es bei den gut gemeinten Vorsätzen blieb ...

 

Die Einzelspieler-Kampagne beschert einen fulminanten Auftritt auf einem Hafengelände Pakistans. Bereits in der ersten Viertelstunde geht hier mehr zu Bruch als in einem Blockbuster-Movie Roland Emmerichs. Es ist aber auch ein Treffen mit alten Bekannten. So sind viele der Protagonisten wie „Mother“, „Preacher“ oder „Dusty“ bereits aus dem ersten Teil bekannt und auch das Szenario wirkt wie ein Aufguss alter Tage. Vornehmlich wird in Wüstenbereichen des Nahen Ostens operiert. Die Story mit Ganoven arabischer Herkunft, Waffenschiebern und Terroristen wirkt weder innovativ noch sonderlich motivierend. Dafür sind einige Einsätze nicht fiktiv, sondern basieren auf wahren Begebenheiten. Auflockernd zum üblichen Missionsdesign, bei dem von Deckung zu Deckung gesprintet und auf gegnerische Moorhühner - ach nein Soldaten - gefeuert wird, kommen auch wieder Schleich- und Scharfschützeneinsätze vor. Und selbstverständlich gibt es auch die obligatorischen Fahreinlagen. Dieses Mal wird vornehmlich am Steuer von zivilen Fahrzeugen Platz genommen.

 

Die persönliche Komponente, die parallel der militärischen Handlung das Privatleben von Preacher und Mother beleuchtet fängt nur ansatzweise das ein, was herauszuholen möglich gewesen wäre. Größtes Manko des Vorgängers war die schwache KI, die nur aufgrund von endlosen Gegner-Wellen Probleme bereitete. Eine positive Nachricht vorab: Die unendlichen Gegner-Wellen, die erst mit dem Erreichen eines fest vorgegebenen Skript-Punktes verebbten gehören der Vergangenheit an. Auch hinter einer nicht so vom Spielverlauf vorgesehenen Deckung lassen sich die Gegner niederringen, solange die denn auch lange genug standhält. Negativ bleibt allerdings auch weiterhin das Vorgehen der gegnerischen Soldaten zu beurteilen. Wenigstens werfen sie nun zielgerichtete Granaten, bleiben aber die meiste Zeit über berechenbar hinter ihren Deckungen hocken, sodass nur auf das erneute Auftauchen des Kopfes gewartet werden muss. Bedrohlich wird es allerdings doch noch, denn die Gegner schießen äußerst gut, zu gut um genau zu sein. Die Entwickler haben sie mit unfairen Mitteln ausgestattet. So schießen sie selbst durch dichten Rauch absolut treffsicher und oft erwartet den geneigten Spieler bereits gegnerisches Feuer, bevor er überhaupt um die Ecke gebogen ist.

Oft versperrt dann irgendwann und irgendwo eine Tür das weitere Vorankommen. Hier wird dann Stellung bezogen und gemeinsam mit Blendgranateneinsatz vorgegangen. Auch das ist nichts Neues im Shooter-Genre. Neu ist hier allerdings die Art und Weise wie die Tür durchbrochen werden darf. Mit erfolgreichen Durchbrüchen werden nach und nach neue Möglichkeiten freigeschaltet. Das klingt nach einer abwechslungsreichen Taktik-Komponente, entpuppt sich am Ende jedoch als unnötiges Feature. Denn gleich, ob nun mit Schrotflinte, Tomahawk oder Sprengsatz das Türschloss zerstört wird, die Tür wird jedes einzige Mal auf dieselbe Art und Weise eingetreten. Damit reduziert sich die Abwechslung auf eine kurze Video-Animation, spielerische Freiheit Fehlanzeige. Der Rest ist der übliche Mix aus Skript-Ereignissen, überbordenden Effekten und Explosionen, da wird wenig riskiert und so bleibt anschließend leider festzustellen, dass hier lediglich Standard-Kost geboten wird.

 

Da Solo-Kampagnen heutzutage sowieso nur etwa 6 Stunden lang unterhalten besteht noch immer die Hoffnung, dass zumindest der erweiterte Multiplayer-Part das hält, was versprochen wurde. Dieser Teil verspricht motivierende Action für bis zu 20 Spieler. Die Spielmodi sind ein buntes Potpourri der im Multiplayer-Bereich vorherrschenden Platzhirsche. So gibt es neben Team Deathmatch auch so oder so ähnlich aus anderen Spielen bekannte Spielvarianten. In Sector Control müssen einzelne Kartenbereiche gehalten werden, in Hotspot müssen drei von fünf zufällig aktivierten Bombenspots gesprengt beziehungsweise verteidigt werden, während bei Combat Mission drei Ziele mit begrenzten Spawntickets gesprengt werden müssen. Wirklich neu ist natürlich auch Home Run nicht, bei dem Fahnen zur eigenen Basis gebracht werden müssen. Aber hier gibt es keinen Respawn und Fahnen können nicht zurückgetragen werden. Darüber hinaus gibt es noch einen Hardcore-Modus.

 

Bereits vorab wurde vom neuen Feature berichtet, das Spieler in einzelne Fireteams einteilt. Das ist bereits von Spielen wie Battlefield bekannt, erhält im vorliegenden Fall aber einen weiteren Fokus auf die aus nur jeweils zwei Spielern bestehenden Einzelteams. Dass Spieler nach ihrem Ableben bei ihrem „Buddy“ spawnen können ist nicht neu, auch nicht dass sie Erfahrungspunkte für das gemeinsame Kooperieren erhalten. Doch spätestens bei der Score-Tabelle wird deutlich, dass hier gemeinsames Vorgehen höheres Lob erhält, denn die Fireteams treten zum Vergleich gegeneinander an, nicht die Einzelspieler.

 

So viel zu den Fakten, doch wie spielt sich das Ganze? In der Konsolen-Version recht zügig und das trotz der Möglichkeit sich auch hinlegen zu dürfen. Die Karten sind allesamt recht kompakt und begünstigen schnelle Gefechte ohne lange Phasen von Leerlauf. Außerdem wird durch die Fireteams eine hohe Dynamik in das Spiel gebracht. Da es keine Spawn Protection gibt, sind gespawnte Buddies ebenso schnell einsatzbereit wie tot, wenn es dumm läuft. Denn unter Umständen befindet der noch in der Orientierungsphase befindliche Buddy bereits unmittelbar nach seinem Auftauchen unter Feuer. In bereits bestehende Feuergefechte kann der Buddy jedoch nicht einsteigen, denn es muss zumindest fünf Sekunden lang Feuerpause bestehen, bevor der Mitspieler spawnen darf. Alternativ dazu zieht er sich ohne derartige Zeitstrafe zurück und spawned bei der Heimatbasis oder aber lässt sich – soweit verfügbar - mittels Seilzug von einem Kampfhubschrauber ab. Für erfolgreiche Runden gibt es stets einen ganzen Sack voll Belohnungen, die sich in Form von neuen Waffen und Mods reinvestieren lassen.

 

Bildergalerie von Medal of Honor Warfighter (8 Bilder)

Entgegen des Vorgängers, der noch zwei verschiedene Engines für Einzel- wie Mehrspieler-Bereich nutzte, gibt es in Warfighter nur eine. Die Frostbite Engine 2 ermöglicht zerstörbare Umgebungen, sodass Deckungen in kürzester Zeit zu demontieren sind. Allerdings gab es da in Battlefield 3 mehr zu erleben, wenn ganze Gebäude in sich zusammenfallen. Hübsch schaut es dennoch aus. Hier wird selbst in der niedriger aufgelösten Konsolen-Variante mächtig viel Augenzucker verteilt: geschmeidige Animationen, detaillierte Umgebungen und realistische Charaktere. Leider erfolgt das Einladen der wirklich schönen Texturen oft zeitverzögert, sodass sich immer wieder hübsche Tapeten über matschige in Wellen legen. Auch für das Ohr wird mächtig was geboten. Neben dem atmosphärischen Soundtrack gibt es hervorragende Stimmgeber. Unter anderem sind die deutschen Stimmen von Samuel L. Jackson und Wesley Snipes mit von der Partie.


Das Fazit von: Torsten

Torsten

Medal of Honor: Warfighter ist ein schwieriger Fall. Vielleicht ist es ein Problem der Erwartungshaltung, aber objektiv betrachtet gibt der moderate Eindruck wirklich Sinn. Das Handling der Waffen, die zerstörbare Umgebung, das fühlt sich alles echter als bei Call of Duty an. Das Angebot an Spiel-Modi und Belohnungen ist umfangreicher als bei Battlefield. Und doch enttäuscht die austauschbar wirkende Story der Kampagne und die zunächst so verlockenden Möglichkeiten eines Battlelogs. Das Problem ist, dass Medal of Honor: Warfighter versucht es allen recht zu machen, anstatt eigene Wege zu bestreiten. Denn so bleibt es ein guter Shooter, der allerdings im Angebot von noch besseren gnadenlos unterzugehen droht.


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positiv negativ
  • Zerstörbare Umgebung
  • Guter Soundtrack
  • Hervorragende Sprecher
  • Realistisches Waffen-Handling
  • Hübsche Texturen
  • Schnelle Multiplayer-Gefechte
  • Geschmeidige Animationen
  • Belanglose Skills beim Durchbrechen einer Tür
  • Belanglose Story
  • Häufiges Nachladen der Texturen





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