Mordlust

Mordlust

Originaltitel: The Killing Kind
Genre: Horror/Drama
Regie: Curtis Harrington
Hauptdarsteller: John Savage
Laufzeit: DVD (91 Min)
Label: cmv Laservision
FSK 20

Mordlust   21.12.2013 von Beef Supreme

Und wieder beehrt uns cmv Laservision mit einem Vertreter aus der Reihe „uralte Schinken erstmals auf digitalem Medium“. Dieser Streich hört auf den wohlklingenden Namen Mordlust und hat stolze 40 Jahre auf dem Buckel. Von 1973 bis heute hat es gedauert, bis man der Auffassung war, dass eine Indizierung nicht mehr ganz zeitgemäß sei und der Film nun dem mittlerweile mündigeren Volke zugänglich gemacht werden könne. Um das zu feiern erschien der Film nun in Hartbox, ungekürzt, legal, ohne Remaster, dafür mit scharf und Zwiebeln. Partyhüte raus?

 

Der Film steigt mit einer zünftigen Massenvergewaltigung ein, die aber auf explizite Darstellung verzichtet. Auch der 19-jährige Terry war daran beteiligt landet dafür 2 Jahre im Knast. Nachdem er wieder frei ist, wird er bei seiner Mutter vorstellig, die eine Pension betreibt, welche hauptsächlich älteren Damen Obdach bietet. Terry bezieht ebenfalls einen Raum dort und gibt sich dem produktiven Nichtstun und halbnackt-durch-die-Wohnung-stolpern hin. Zu seiner Mutter pflegt Terry ein ambivalentes Verhältnis, das gelegentliche harsche Beleidigungen im Wechsel mit liebevoller Umsorgung verbindet.

 

Nach und nach kann der Zuschauer den Zerfall von Terrys gesundem Menschenverstand beobachten, der seinen ersten Höhepunkt darin findet, dass er sein Opfer von damals von der Straße drängt und es im Wrack verbrennen lässt. Was fällt der dummen Sau auch ein, sich von ihm vergewaltigen zu lassen und dann auch noch zu den Bullen zu gehen? Frechheit. Auch wenn er gerade niemanden in den Tod treibt, wird Terrys Verhalten immer seltsamer und es ist absehbar, dass das hübsche, wenn auch etwas verkohlte Mädel nicht das letzte Opfer von Terrys wahnsinnigem Zorn bleiben wird.

 

Harter Tobak, das Ganze. Eine richtige Handlung gibt’s in dem Film eigentlich nicht. Der Zuschauer wird lediglich Zeuge davon, wie Terry nach und nach immer irrer wird. Diese an sich recht fade Vorstellung wird hin und wieder durch kleine Morde zwischendurch etwas aufgepeppt, von denen man aber nicht zu viel erwarten sollte. Nachvollziehbare Beweggründe dafür gibt’s nicht, braucht unser Hobby-Soziopath allerdings auch nicht, da er scheinbar die Vergewaltigung noch nicht so richtig verarbeitet hat. Dieser innere Konflikt hätte besser dargestellt werden können, anstatt nichtssagende Bilder von sprechenden Vögeln oder anderem Firlefanz einzuflechten. So bleibt Terry nur ein unsympathischer Wahnsinniger, der ein Problem mit Frauen hat; alle seine Opfer sind nämlich weiblich.

 

Problem dabei ist, dass der Zuschauer für keines der Opfer wirklich Mitgefühl empfindet, weil diese Charaktere allesamt sehr flach bleiben und es der Film versäumt, ihnen eine Persönlichkeit zu verpassen. Auch die paar Morde bleiben, wie auch der Rest vom Film, unspektakulär. Zu früh wird abgeblendet, zu viel wird der Fantasie des Zuschauers überlassen. Die lahme Kameraführung, die sich durch den ganzen Film zieht, leistet ihr Übriges, das Gezeigte uninteressant zu transportieren.

 

Bildergalerie von Mordlust (13 Bilder)

Auf schauspielerischer Ebene sollten auch keine Wunder erwartet werden. Zwar gibt es keine Totalausfälle zu verzeichnen, aber wirklich überzeugen kann keiner der Darsteller. Terry wirkt nur sehr eingeschränkt psychisch gestört, was seine Taten noch weniger nachvollziehbar werden lässt, da er über weite Strecken recht klar im Schädel wirkt. Hier hätte mehr kommen müssen. Auch Mütterchen kann nicht so recht eingeordnet werdem. Klar ist nur, dass auch sie nicht alle Latten am Zaun hat und aus irgendeinem Grund total in ihren Sohn vernarrt ist, obwohl er sie aufs Übelste beschimpft. Der restliche Cast ist schneller vergessen, als deren Namen ausgesprochen werden.

 

Technisch entspricht der Film seinem Alter. Verwaschene, verrauschte Bilder werden, von für diese Zeit typischen, Synthie-Klängen untermalt. Das trägt zum nostalgischen Flair bei und überrascht auch nicht. Die Synchronisation geht gröstenteils in Ordnung, jedoch die deutsche Stimme von Terrys Mutter hätte mich auch zum Morden getrieben.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Vielleicht habe ich die Message nicht verstanden. Vielleicht bin ich auch einfach nicht empfänglich für Filme, die schon ihren Vierzigsten begießen. Fakt ist, mich hat der Film gelangweilt. Terry hat mächtig einen an der Klatsche und sinnt auf Rache. So habe ich die Handlung verstanden. Auf diese Weise lassen sich ohne kreative Ideen, von denen den Filmemachern keine einzige eingefallen ist, keine 90 Minuten interessant füllen. Die schwache Charakterzeichnung, die öden Morde und die wild zusammen gewürfelten Aneinanderreihungen von Szenen aus Terrys ziellosem Tagwerk wollten bei mir nicht zünden. Nostalgiker und Fans von älteren Filmen wird er vielleicht zusagen, mir jedoch nicht.


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