Northmen - A Viking Saga

Northmen - A Viking Saga

Originaltitel: Northmen - A Viking Saga
Genre: Action
Regie: Claudio Fäh
Hauptdarsteller: Tom Hopper
Laufzeit: DVD (95 Min) • BD (100 Min)
Label: Ascot Elite
FSK 16

Northmen - A Viking Saga   09.03.2015 von Beef Supreme

Yay, endlich wieder ein Film über Nordmänner… Von der Qualität solcher Outputs konnte ich mich bereits hier, hier und ganz besonders hier eingehend überzeugen. Ganz klar, dass ich brennend darauf gewartet habe, bis das nächste Talent das Drachenboot gegen die Sandbank setzt. Und mein Warten wurde belohnt – juhu… Mit Northmen – A Viking Saga flattert mir ausgerechnet eine deutsch-schweizerische Produktion ins Haus, die den Geist der skandinavischen Ahnen erwecken will. Mir schwant Übles …

 

Kein guter Tag für Asbjörn und seine Plündererkumpels. Anstatt den lindisfarner Mönchen zu zeigen, wo der Hammer einschlägt, treibt ein Sturm seine Mannschaft nach Schottland. Entschädigung gibt es aber im Form einer zünftigen Keilerei gegen ein paar schottische Lappen, und als Belohnung für die anstrengende Abstecherei fällt sogar eine Prinzessin ab. Asbjörn, ganz der Pragmatiker, kassiert die Dame und will sie an den Höchstbietenden verscheuern, um sich und seinen Recken die Freiheit zu erkaufen - oder so etwas in die Richtung. Spielt eigentlich keine Rolle, weil Papa König will ohnehin nicht blechen, sondern schickt karpatische Mordbrenner zu Kaffee und Köpfung los. Sehr gut, die Fronten sind geklärt, die Handlung abgearbeitet - lasst das Gemetzel beginnen.

 

Northmen - A Viking Saga trödelt nicht lange rum, sondern startet stramm mit einem ordentlich inszenierten Scharmützel, das direkt positiv zu überraschen versteht. Satte Action und fachmännische Kameraführung zeigen gleich, dass die Jungs hier wissen, wie man anständige Kämpfe inszeniert. Und als Schmankerl für Metal-Fans darf auch Amon Amarth-Frontmann Johann Hegg ein paar Bäuche aufschlitzen. Doch schnell wächst die Betrübnis, als der stämmige Krieger von einem schmächtigen Haderlump darniedergestreckt wird. Etwas mehr Screentime für den wohl überzeugendsten Wikinger der Truppe hätte auch nicht geschadet, aber gut. Die verbliebene Runde der illustren Axtschwinger wirkt ebenso erstaunlich authentisch und kann schnell des Zuschauers Sympathien für sich gewinnen. Ein weiterer Pluspunkt ist das ordentliche Tempo, dass hier an den Tag gelegt wird. Die Jungs mitsamt Mädel müssen nämlich weg, und das im Laufschritt. Das hat zur Folge, dass uns der Film mit ein paar wirklich hübschen Panoramen belohnt, da er sich nicht scheut auch mal Herr-der-Ringe-mäßig in die epische Totale zu schwenken. So wechseln sich ansehnliche ruhige Momente mit gut choreografierten Actionsequenzen ab, was für ein gelungenes Pacing sorgt und nur selten Längen aufkommen lässt.

 

Bisher ist alles knorke, wäre ja ein Drama wenn es so bleiben würde. Abgesehen davon, dass die Handlung auf den vielbeschworenen Bierdeckel passt, was in diesem Fall leicht zu verschmerzen ist, versammelt sich hier der Verein der Filmfehler und Logiklücken zum jährlichen Kopfschüttelkongress. Ohne zu viel spoilern zu wollen sei gesagt, dass hier so manche Drehbuchentscheidung mehr als nur fragwürdig ist, hinsichtlich der Logik. Das startet schon direkt zu Beginn des Films, als der Wikingertrupp ohne jegliche Erfahrung oder Kletterausrüstung eine Steilwand hoch soll. Kollege stürzt ab, doch verzaget nicht, holde Recken, der Gruppenopa fängt die arme herabstürzende Seele einarmig auf und setzt ihn wie einen Marienkäfer zurück an die Wand. Klar, was sonst. Aber auch mit der Kontinuität haben es die Macher nicht allzu genau genommen. Die Anzahl derer, die Asbjörns Leuten ans Leder wollen, wechselt quasi in jeder Szene. Manchmal so auffällig, dass nach dem Gefecht mehr böse Burschen unterwegs sind, als vorher. So etwas wäre wirklich zu vermeiden gewesen. Und wer sich über die Finalszene den einen oder anderen Gedanken macht wird sich schnell fragen, was das ganze Gehetze sollte, wenn es ja auch so geht. Aber gut, das sind Dinge, die man erkennt, sollte man sich zu viele Gedanken über einen Film machen, der gar nicht will, dass man über ihn nachdenkt. Genießt man einfach nur die Bilder und lässt sich im Hirn-aus-Modus berieseln, fallen diese logischen Unzulänglichkeiten zwar auf, stören aber vielleicht nicht so sehr.

 

Bildergalerie von Northmen - A Viking Saga (18 Bilder)

Auf technischer Ebene wurde ich ziemlich positiv überrascht ob der Qualität des Films. Man könnte fast schon meinen, dass die Leute hier die Kohle locker hatten. Das Bild macht einen durchweg überzeugenden Eindruck und kann auch bei Nacht durch Klarheit begeistern. Auch der Sound ist über weite Strecken gut gelungen, auch wenn man hin und wieder das Gefühl hat, genau das Geräusch schon einmal woanders gehört zu haben. Die Synchronsprecher leisten weitgehend solide Arbeit, außer die Stimmen der zwei Anführer der Schlimmen Finger. Selten so etwas Gelangweiltes und Unstimmiges gehört.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Als Northmen damals Kino lief, sind wir geschlossen mit knapp 20 Mann dort eingelaufen. Die Vorstellung war ein Fest, aber fast noch besser war die Diskussion, die danach folgte. Hitzig und durchaus belustigt wurden die beklopptesten Logikfehler des Films noch einmal ins Gedächtnis gerufen, um sich darüber auszulassen. Und derer sind wahrlich viele enthalten. Aber abgesehen davon waren wir uns alle einig, dass der Film als actiongeladene Unterhaltung für zwischendurch durchaus taugt. Gerade in bierseliger Runder kann der Film seinen größten Nachteil zu seinem Vorteil nutzen und prächtig amüsieren. Northmen – A Viking Saga hat zwar null historischen Anspruch, dafür aber sympathische Charaktere, sehr gelungene Panoramen und stabile Action, was durchaus für einen soliden Film spricht. Er wird zwar nicht lange im Gedächtnis bleiben, aber er ist allemal besser, als die eingangs angeführten Referenzen. 


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