Oh Boy

Oh Boy

Originaltitel: Oh Boy
Genre: Drama / Komödie
Regie: Jan Ole Gerster
Hauptdarsteller: Tom Schilling • Friederike Kempter
Laufzeit: DVD (83 Min) • Blu-ray (86 Min)
Label: X-Verleih
FSK 12

Oh Boy   08.10.2013 von DeWerni

Im Leben von Niko Fischer scheint an diesem Tag, nachdem er am Morgen einen Kaffee abgelehnt hat, so ziemlich alles daneben zu gehen: Die Freundin ist, genauso wie der Führerschein, weg. Vor einiger Zeit hat er sein Jurastudium geschmissen – die Beichte bei den Eltern steht noch aus. In den gezeigten 24 Stunden passiert Niko so einiges Komisches, aber auch seltsame und altbekannte Menschen treten in sein Leben...

 

Für Niko Fischer (Tim Schilling) fängt der Tag an, wie viele andere auch: Er verabschiedet sich ohne Hintergedanken von seiner Freundin, der er noch das abendliche Wiedersehen und einen gemeinsamen Kaffee zum Frühstück ausschlägt. Noch weiß er nicht, was ihm der Tag noch so alles bringen soll. Als er seine neu bezogene Wohnung erreicht, findet er einen Brief, der ihn daran erinnert, dass er gleich eine medizinisch-psychologische Untersuchung hat, die ihm seinen Führerschein zurückbringen soll. Gerade noch rechtezeitig erscheint er auf dem Amt, die Prüfung besteht er aber trotzdem nicht. Als er wieder heim kommt, wartet Matze (Marc Hosemann) bereits auf ihn. Dieser verschleppt ihn auf eine mehr oder weniger unfreiwillige Rundfahrt durch Berlin. Dabei treffen die beiden auf einige seltsame Menschen: Erst spricht eine Fremde Niko in einem Café an. Julika Hofmann (Friederike Kempter) stellt sich als Julika-Schwulika vor, sie ist mit Niko zur Schule gegangen und wurde immer mit diesem Spitznamen gehänselt. Später treffen sie noch auf den Schauspieler und Hitler-Darsteller Philipp Rauch (Arnd Klawitter), der sie ans Set seines neuen Films einlädt.

 

So treibt Niko weiter durch den Alltag und die unterschiedlichsten Szenerien Berlins. Er ist noch jung, hat sein Studium geschmissen und weiß noch nicht so ganz, wohin sein Weg führen soll. Dass er noch von den Eltern unterstützt wird, diese aber von seiner Studienaufgabe noch nichts wissen, sorgt für weiteren urkomischen Gesprächsstoff. Seine scheinbar endlose und nicht von Erfolg gekrönte Suche nach einem ordentlichen Kaffee reift während des Films von der Randnotiz zum Running Gag. Die kurzzeitige Tendenz ins Positive, als er sich mit der hübschen Julika verabredet, dreht sich schneller als er selber erwarten konnte. Irgendwie scheint an diesem Tag einfach gar nichts gelingen zu wollen. Nichtsdestotrotz gibt Niko nicht auf und versucht das Beste aus seiner miesen Lage zu machen …

 

Bildergalerie von Oh Boy (9 Bilder)

Welche Schicksalsschläge drohen Niko noch? Wird er weiteren seltsamen Menschen aus dem Jetzt oder seiner Vergangenheit begegnen? Wird er seinen Weg schließlich finden und sein Leben wieder in den Griff bekommen?

 

Von der technischen Seite her liefern die Macher ein erstaunlich gutes Werk ab. Das Bild, das stimmungsvoll und atmosphärisch in schwarz-weiß gehalten ist, glänzt mit Schärfe und hohem Detailgrad. Auch Schwarzwert und Kontrast sind gekonnt umgesetzt. Auf dem Bild liegt eine jederzeit sichtbare Körnung, die für das gewisse Etwas im Bild sorgt, aber hin und wieder auch etwas zu stark ausgeprägt ist, so dass einige Details darin untergehen. Der Ton kann mit der Qualität des Bildes nicht ganz mithalten, zumindest wenn man die aktuelle Technik als Maßstab voraussetzt. Denn ihren Zweck erfüllt auch die Audioumsetzung voll und ganz, auch wenn nie ein wirklicher Raumklang aufkommt und man Effekte vergebens sucht. Allerdings ist der Film auch absichtlich sehr ruhig gehalten. Die Dialoge, die im Fokus des Interesses stehen, sind jederzeit verständlich. Die musikalische Untermalung mit ruhiger Jazz-Musik ist passend gewählt. In Summe würde ich die technische Realisierung im HD-Bereich als überraschend gelungen bezeichnen.


Das Fazit von: DeWerni

DeWerni

So richtig mitreißend und überzeugend ist das Werk aus meiner Sicht nicht. Zudem passt es so gar nicht in das Genre des typisch deutschen Films, der von Werken aus der Hand von Bully und Till Schweiger bestimmt wird. Das ist allerdings positiv gemeint, denn das Erstlingswerk von Jan-Ole Gerster zeigt zumindest kreative und andere Ansätze, auf denen man zukünftig aufbauen kann. Außerdem gelingt es Gerster, die Atmosphäre und die negative Stimmung, in der sich der Hauptdarsteller befindet, sehr schön aufzufangen, was mit dem schwarz-weiß Bild gefördert wird. Einige sehr schöne und stimmungsvolle Aufnahmen aus Berlin sind weiter zu sehen. Wer also dem deutschen Film eine Chance geben mag und nicht nur dem Mainstream verfallen ist, der ist bei Oh Boy gut aufgehoben und sollte einen Blick riskieren. Alle anderen sollten eher die Finger davon lassen.


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