On bloody Sunday

On bloody Sunday

Originaltitel: On Bloody Sunday
Genre: Horror
Regie: Christian Sesma
Hauptdarsteller: Annemarie Pazmino • Yousef Abu-Taleb
Laufzeit: Ca. 90 Minuten
Label: KNM Home Entertainment GmbH
FSK 18

On bloody Sunday   17.04.2011 von Beef Supreme

Erinnern wir uns zurück an den Kinofilm "Machete". Danny Trejo, die coolste mexikanische Sau diesseits des Rio Bravo in seiner ersten Hauptrolle, welche ihm wie auf den Leib geschneidert war. Doch der Weg bis dorthin war weit, steinig und mitunter gepflastert von mittelmäßigen bis schlechten Filmen. Ein Beispiel dafür ist der blutige Sonntag.


Ein austauschbarer Ort, eine austauschbare Zeit. In nicht allzu ferner Zukunft erzählt Mütterchen Isabel ihrer Tochter von ihrer Vergangenheit, also quasi vom "Heute". Klar soweit? Gut. Ihre Tochter möchte einer Party beiwohnen, welche den einladenden Namen "Bloody Sunday" trägt. Schon kramt Mami im Nähkästchen und ihr fällt auch gleich eine Anekdote dazu ein. Einst, als sie noch jung war und die hässlichsten Hosen der High-School zur Schau stellte, trug sich Folgendes zu. Sie und ihre Freunde hatten ein Projekt für die Schülerzeitung zu erledigen und ihnen fiel natürlich nichts Besseres ein, als sich mit den aktuellen Vorfällen verschwindender Studenten aus ihrem Ort zu beschäftigen. Gut, vor allem wenn man selbst der Zielgruppe angehört. Isabel und ihr Kumpel Zeek, die Vorzeige-Nerds inmitten von Football- und Motocross-Prolos,  untersuchen auf eigene Faust die Vorfälle, während um sie herum immer mehr Studenten auf Nimmerwiedersehen verschwinden.
 

Dabei stoßen sie auf einen Herrn Az Reel (man lasse sich die englische Aussprache auf der Zunge zergehen) und dessen MySpace-Profil. Diese natürliche Person lädt alle Studenten aus dem Umfeld regelmäßig zu Partys ein. Irgendwelche Schlüsse ziehend wurde Isabel sogleich vom Kelch der Erkenntnis geschlagen und macht sich alsbald auf, das Geheimnis um Herrn Reel zu lüften. Währenddessen verschwinden noch ihre Redaktionskumpels und werden von Herrn Reel, stilecht in Kutte und verklärtem Christenfanatismus, in einer schummrigen Holzhütte gerichtet. Wer ist nur dieser Az Reel? Warum tötet er irgendwelche Studenten? Und warum hat er sich so einen läch… mysteriösen Namen gegeben?

 

Was für ein Film. Man weiß gar nicht wo man anfangen soll. Beginnen wir mit Danny Trejo. Betrachtet man die Rückseite des gelungenen Covers springt einem gleich das markant bezahnte Antlitz von Machete entgegen. Darunter titelnd: …“Slasher/Kickbox Film im Stile von Pit Fighter und Scream…“. Nichts gegen Übertreibungen, denn das ist man ja gewohnt. Doch dreiste Lügen gehen zu weit. Trejos Auftritt ist genauso lang, wie der des Wasserspenders und hat die storytragende Relevanz einer Küchenschabe. Und mit Kickboxen hat der Streifen genauso viel zu tun, wie Nordkorea mit Demokratie. Ganz zu Anfang feuert er zwei sich verdreschende MMA-Fighter an und das war‘s von Herrn Trejo und dem Kickboxen. Der Rest des Films zieht sich zäh dahin wie halb geronnenes Blut. Die Handlung um einen religiösen Fanatiker, der sich in seiner Freizeit selbst geißelt und Teens meuchelt, lockt den Papst auch nicht mehr aus dem Sessel.

 

Das Problem dabei ist nicht, dass es schon mehrere tausendmal durchgekaut wurde, sondern die lieblose Umsetzung. Irgendein Typ tötet irgendwelche gesichtslosen und wild fluchenden anderen Typen. Mit wem soll man Mitgefühl entwickeln, wenn innerhalb von 30 Sekunden die Opfer in den Raum geschleift, betäubt und sogleich abgeschlachtet werden? Kaum ein Charakter wird eingeführt, und wenn doch, so interessiert sein Schicksal nicht mal seine eigene Mutter. Und das kommt von den schauspielerischen Qualitäten der Darsteller. Es gibt nämlich keine.  Alle dümpeln vor sich hin und schlagen die Zeit tot. Die Prolls können nicht prollen, die Nerds nicht nerden und der von Gott berufene ist auch nicht besser. Was die ganze Situation verschlimmert, ist die Tatsache, dass, wenn man nicht mit der Auffassungsgabe eines Sektkorkens gestraft ist, man nach nicht ganz der Hälfte des Films weiß, wer hinter dem ganzen Aufstand steckt. Nur das "Warum?" erfährt hier niemand. Und ganz ehrlich, es interessiert auch nicht.


Technisch muss der Film leider einen weiteren Nierenhaken einstecken, sieht er doch aus wie die B-Movies aus den 80ern. Das Bild rauscht, dass einem die Augen flackern. Die Kameramänner müssen zweimal zu häufig von Trejos Tequilla probiert haben und die Ausleuchtung wurde allein vom verhangenen Mond übernommen. Goremäßig gibt’s zwar was zu sehen, aber das ist kaum der Rede wert, weil es so spannend inszeniert ist, wie QVC am Nachmittag. Zumeist geschehen die expliziten Szenen sowieso im Off und man darf sich anhand des Gesuppes an der Wand ausmalen, was gerade geschah.


Um doch ein gutes Haar dran zu lassen: Die Musikauswahl ist gelungen. Ein schöner Mix aus Metal, Punk und zuweilen auch Hip-Hop beschallen das maue Geschehen ganz ordentlich und werten einige Szenen auf. Nur macht die Musik allein keinen guten Film. Denn die Synchronisation zieht das Ganze wieder eine Etage tiefer. Gelangweilte Sprecher und deplatziertes Voice-Overacting tun dem Streifen keinen Gefallen. Englisch ist zwar atmosphärisch besser, aber aufgrund grottiger Qualität kaum zu verstehen. Den Abschluss bilden die Extras. Darunter fällt die obligatorische Trailershow in Originalsprache ohne Untertitel. Das ist gerade bei Trailern aus Thailand sehr amüsant. Dazu gesellen sich noch ein Audiokommentar und ein Making-Of. Immerhin darf auch ein Wendecover bestaunt werden.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Was habe ich mich bei diesem Cover blenden lassen. Danny Trejo in einer Geschichte um den verstoßenen Engel des Herrn, Azrael! Slasher! Kickboxen! Danny Trejo! Und was bekam ich? Das, was dem Gierigen gebührt. Anstatt einer epischen Schlacht erzürnter Engel gegen grausame Götter und verhärmte Menschen erreichte mich ein halbgarer, technisch aus dem letzten Jahrhundert stammender 08/15-Slasher. Das ist nur was für Leute, die wirklich alles sehen müssen. Der Bonus, dass ich diesen Film an einem Sonntag gesehen habe, zerrt auch nichts mehr aus dem blutigen Morast der Mittelmäßigkeit und des schnellen Vergessens.


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