Ostwind - Das Spiel

Ostwind - Das Spiel

Publisher: EuroVideo
Genre: Reitspiel
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 07.12.2017
USK 0

Ostwind - Das Spiel   10.12.2017 von LorD Avenger

Mika und ihr treues Pferd Ostwind erledigen für ihre Bekannten diverse Aufgaben um Gut Kaltenbach...

 

Bei Ostwind handelt es sich eigentlich um einen gleichnamigen deutschen Film aus dem Jahre 2013, der damals mit einer Publikumsbewertung von 1,31 gleichauf zog mit Fack ju Göhte. Darin wird die rebellische Mika aufgrund eines nicht bewältigten Schuljahres zum Disziplinieren auf den Reiterhof ihrer Großmutter geschickt, wo sie sich heimlich mit dem als gefährlich geltenden Hengst Ostwind anfreundet. Um seinen Verkauf zu verhindern, lässt sie sich von ihrem Großvater das Reiten beibringen und nimmt an einem Springturnier teil. Die Bücher zum Film zeigten sich ebenfalls erfolgreich und so gab es 2015 sowie 2017 Kino-Fortsetzungen.

 

"Mädchen-Liebling"

 

Bevor man sich näher mit dem Spiel zum Franchise beschäftigt, sollte man sich aber natürlich klar machen, für wen es gedacht ist - ein auffälliger Aufkleber vorne am Cover mit der Aufschrift "Mädchen-Liebling" macht das deutlich, falls es das Pferd ohne Cowboy daneben nicht ohnehin bereits getan hat. Kurzum: Die Zielgruppe sind Mädchen, die mehr Ahnung von Pferden als von Videospielen haben und das macht sich auch deutlich bemerkbar.

 

Story-Modus

 

Übermäßig viele Optionen bietet das Spiel einem nicht, daher stürzt man sich kurz entschlossen in den Story-Modus, nachdem man ein unnötig langes und dröges Tutorial über sich ergehen lässt. In voll synchronisierten Dialogen zwischen Mika und anderen Charakteren aus den Filmen, die als Cartoon-artige Zeichnungen dargestellt sind, bekommt man kurz den Kontext der nächsten Aufgabe erklärt und wird dann in diese hineingeworfen. Auch hier darf der Spieler relativ wenig Variation erwarten, da die Gameplay-Elemente auch sehr eingeschränkt sind. Mika ist quasi mit ihrem Gaul verwachsen und kann nicht absteigen, wodurch es lediglich die Funktionen des Reitens in vier verschiedenen Geschwindigkeiten sowie das Springen gibt. Das führt wiederum dazu, dass sich die Missionen in nicht mehr als 3 unterschiedliche Arten aufteilen: Entweder muss man Checkpoints ablaufen (üblicherweise in den Himmel ragende Lichtsäulen, zur Abwechslung aber auch mal als Äpfel getarnt oder mit Springhindernissen versehen), ein entflohenes Pferd einholen (oder eine Kuh namens Frau Holle) oder etwas in einem markierten Bereich finden, bzw. einsammeln (glitzernde Holzschnitzereien, gefährliche Pflanzen, Bücher). Bevor diese Eintönigkeit aber frustrierend langweilig werden kann, ist die Geschichte auch schon zu Ende und der Abspann rollt - nach nicht einmal zwei Stunden.

 

Mit Beenden der Geschichte - oder auch bereits dazwischen - hat man noch die Option, die nicht unerheblich große Spielwelt auf eigene Faust zu erkunden. Auf dem Rücken des dunklen Pferdes kann man so durch Wälder und Höhlen, über Wiesen und Straßen reiten und dabei diverse Sammelsachen einsacken. Eine Pinnwand-artige Übersicht mit optionalen Aufgaben verrät einem, welche Orte und Pflanzenarten noch nicht entdeckt wurden und wie viele der 120 Schnitzereien noch zu finden sind. Die meisten Sammelsachen sind aufgrund ihrer Größe und des auffälligen Glitzerns nur schwer zu übersehen, aber durch die weitläufigen Gebiete und stark verwinkelten Reitwege kann es schon deutlich länger als die Story dauern, alles zu finden. Eine digitale Karte, die sich auch auf der Innenseite der Spielverpackung findet, hilft beim Orientieren.

 

Mist wegräumen

 

Einzig anderes Spielelement und das mit Abstand nervigste ist das Pflegen von Pferd und Stall. In fünf für derartige Reitspiele nicht unüblichen Minispielen bürstet man das Fell des Gauls, kratzt den Dreck unter den Hufen weg, streichelt es oder räumt das mit Pferdeäpfeln versetzte Stroh aus dem Stall, um es anschließend mit frischem zu ersetzen. Nicht nur ist es unfassbar frustrierend die immer gleichen Minispiele nach allen zwei Missionen zu wiederholen, weil das Pferd ansonsten nicht mit Bestleistung reiten kann, sie sind gefühlt auch weitaus zeitintensiver als die eigentlich Aufgaben, unter anderem, weil die Bewegungen aus unerheblichen Gründen nur sehr langsam auszuführen sind.

 

Bildergalerie von Ostwind - Das Spiel (5 Bilder)

Nur auf Distanz hübsch anzusehen

 

Auf den ersten Blick macht die Umgebung schon einiges her und überzeugt mit sonnendurchfluteten Wiesen, idyllischen Wäldern und hübschen Seen, wenn man aber nur etwas genauer hinsieht, verfliegt dieser Eindruck sofort. Sämtliche Texturen sind alles andere als zeitgemäß, grob und wirken genauso schnell zusammengeworfen wie der Story-Modus. Gerade bei den Tamagotchi-artigen Minispielen im Stall tut es beinah weh auf den Boden im Hintergrund zu schauen, wo die Texturen sich teilweise sogar stufenartig eckig anstatt glatt oder rund zeigen, so als wären sie in Microsoft Paint gezeichnet oder stark runterskaliert worden. Teilweise nicht unerhebliche Ruckler stören beim Einleben in die Spielwelt, genauso wie das Steckenbleiben des Pferds in der Umgebung oder das Glitch-artige Herumwirbeln beim Berühren eines nicht überspringbaren Hindernisses. Auch Bänke und Parkbänke, durch die man hindurchreiten kann, als wären sie überhaupt nicht da, tragen nicht gerade zur Atmosphäre oder technischen Qualität bei. Trotz allem konnte ich jedem Steckenbleiben entkommen ohne das Spiel neuzustarten und sämtliche Missionen abschließen ohne von der Technik übermäßig behindert zu werden.


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Ostwind präsentiert sich unverhohlen als ein an junge Mädchen gerichtetes Spiel übers Reiten, in dem sie genau das tun können und sich nebenbei noch um Pferd- und Stallpflege kümmern dürfen und als solches funktioniert es auch. Hätte ich eine kleine Tochter wäre Ostwind sicherlich ein Spiel, das ich hier anschalten würde - auch wenn ich sie lieber für Leichtathletik als fürs Reiten begeistern würde. Rein vom Spiel an sich her aber, ohne Rücksicht auf die Zielgruppe, grenzt es schon an die unterste Schublade. Eintöniges Gameplay, Minispiele in einem nervigen Rhythmus und dem technischen Niveau eines Browserspiels sowie beim genauen Hinsehen eine wirklich schreckliche Grafik, bei der nicht einmal Maßstäbe stimmen. Hält man sich an die Story rollt nach kaum einer vollen Stunde bereits der Abspann und auch das eigenständige Erkunden der Open World bietet nicht viel längere Spielmotivation - macht mit den Sammelsachen aber selbst Spieler ein wenig süchtig, die nicht unbedingt kleine Mädchen sind.


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positiv negativ
  • Simpel und gut geeignet für die Zielgruppe junger Mädchen
  • Umfassende Open World mit zahlreichen Geheimnissen und Wegen
  • Äußerst kurzer Story-Modus von kaum einer Stunde
  • Wenig Spielmodi
  • Nervige Notwendigkeit der zeitraubenden Stall-Minispiele
  • Gameplay-Macken und schreckliche Grafik auf den zweiten Blick





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