PREVIEW: Nintendo Wii U

PREVIEW: Nintendo Wii U

Genre: Spiele-Präsentation

PREVIEW: Nintendo Wii U   06.07.2012 von Benji

Eine neue Konsolengeneration steht in den Startlöchern und Nintendo legt mit der Wii U direkt vor. Auf der Electronic Entertainment Expo in Los Angeles hat der Videospielriese bereits einige Details zu den ersten geplanten Spielen präsentiert. Da leider nicht alle deutschen Pressevertreter vor Ort sein konnten, hat sich Nintendo etwas Besonderes einfallen lassen. Sie haben ihre neue Konsole nach Deutschland gebracht und alle neugierigen Medienpartner eingeladen. Natürlich waren auch wir vor Ort, um das neue Spielkonzept unter die Lupe zu nehmen. Event-Reporter Benji lässt sich bei einer solchen Gelegenheit natürlich nicht bitten ...

Der Abend ist Jung in München und die Sonne überlegt sich gerade, ob sie den Weg in Richtung Horizont antreten möchte. Nintendo hat sich für das Event eine nette Location ausgesucht. In einem kleinen versteckten Szenelokal präsentieren sie ihre neue Konsole samt erster Titel zum Antesten. Gleich, nachdem ich das Lokal betrete, marschiere ich zur ersten freien Demo. Zunächst gilt meine Aufmerksamkeit dem neuen Gamepad. Dieses zeigt sich doch erstaunlich groß. Die Breite erinnert tatsächlich an jene einiger kleinerer Tablet-Computer. An den Randbereichen befinden sich, für die beiden Daumen perfekt zu erreichen, die einzelnen Buttons sowie zwei Analog-Sticks. Im oberen Bereich ertasten meine Zeigefinger jeweils zwei Schultertasten pro Seite. Zentral im Sichtfeld gelegen, zeigt das neue Pad seinen Glanzpart, einen großen Touchscreen. Um diesen zu bedienen, kann man seine eigenen Finger benutzen, oder auf die edlere Variante mit einem Pen zurückgreifen, der im oberen Teil des Controllers versenkt ist.

Das neue Spielkonzept wird vom Hersteller durch einen markanten Begriff beworben: „asynchrones Spielen“.
Das soll bedeuten, dass während einer Spielsitzung die Spieler zum Teil unterschiedliche Informationen besitzen. Während ein Großteil also altbekannt auf dem Fernseher spielt, nutzt ein Spieler den großen Touchscreen auf dem Controller und nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Was das im Beispiel bedeuten kann, zeigt Nintendo große Spieldemo Nintendolands. Hierbei handelt es sich ähnlich wie bei Wii Sports um eine Minispiel-Sammlung, die zusammen mit der Konsole verkauft werden soll. Die wichtigsten Titel der Sammlung kann ich auf dem Event bereits betrachten. In Luigi’s Ghost Mansion jagen vier Spieler einen Geist. Dafür müssen sie mit ihren Taschenlampen intelligent agieren. Sie spielen jeweils mit einer WiiMote und diese vibriert, sobald sich der Spieler dem Geist nähert. Dieser sieht sich samt Vibrationsaura auf dem Touchscreen des neuen Controllers. Sein Ziel ist es, die vier Spieler einzeln auszuschalten. Sobald ein Spieler dadurch bewusstlos wird, können die anderen ihn mit ihren Taschenlampen wiederbeleben. Das kostet allerdings Batteriekraft und Zeit.

Bildergalerie von PREVIEW: Nintendo Wii U (37 Bilder)

So ähnlich funktionieren die meisten von Nintendolands Minispielen. Zumeist wird der Monitor für spezielle Ansichten verwendet. Auch wenn dies bereits nach zwei bis drei Spielen etwas einfallslos wirken mag, zumindest bei Partys dürfte Nintendos neue Konsole damit wieder voll ins Schwarze treffen.

Ein ähnlicher Party-Hit könnte das Spiel mit dem Projekttitel Sing werden - zumindest in Japan. Hier zeigt sich die neue Konsole als potenzielle Karaokemaschine. Auf dem Touchscreen wird der Songtext präsentiert und auf dem Fernseher wird zum Mittanzen animiert. Im etwas steifen Europa funktioniert das aber scheinbar nicht wirklich. Denn von den angereisten Pressevertretern mag sich keiner so recht am Singen versuchen. Also müssen arme Nintendo-Mitarbeiter herhalten, die bei der gegebenen Einlage nicht wirklich zu beneiden sind.

Wahre Nintendofans warten auf zwei besondere Titel.
Mit Pikmin 3 und New Super Mario Bros. U bringt der Konsolenhersteller zwei Klassiker auf seine neue Konsole. Bei Letzterem hat sich im Vergleich zum Wii Vorgänger kaum etwas geändert. Bis zu vier Spieler können sich jeweils mit einer WiiMote ins Getümmel stürzen und in 2D von links nach rechts springen sowie laufen. Neu ist, dass ein fünfter Mitspieler mittels des neuen Touchscreens Blöcke setzen kann. In einigen chaotischen Multiplayer Sessions hat das leider eher störend, als hilfreich gewirkt. Gut möglich allerdings, dass gerade in kleinen Sitzungen bei zwei Freunden dieses Feature zu neuen Bestzeiten führen kann. Fakt ist zumindest, dass das Setzen der Klötzchen bereits nach kurzer Zeit langweilig wird. Die Rolle des fünften Spielers fällt also eher klein aus.

Pikmin 3
zeigt sich in der präsentierten Demo leider nur in einer Einzelspieler-Variante. Dabei wird der neue Controller überraschenderweise nur am Rande benutzt. Neben der Konsole stehend, befindet sich auf dem Touchscreen eine Karte der Umgebung. Ansonsten spiele ich das Spiel wieder klassischerweise mit WiiMote und Nunchuck-Aufsatz. Würde Pikmin 3 keine HD-Grafik aufweisen, könnte man böserweise behaupten, man spielt hier noch einen der letzten Wii-Titel. Schlecht ist das allerdings nicht. Pikmin spielt sich mit WiiMote besser denn je und versprüht wieder seinen typischen Charme. Für Nintendo-Fans ein Pflichtkauf.

Einen Geheimtipp liefert auch Platinum Games.
Die Entwickler haben zuletzt bereits mit dem ungewöhnlichen Titel Bayonetta Erfolg gefeiert. Für Nintendo liefern sie die 3rd-Party-Variante von Pikmin. In Projekt P-100 (so der vorläufige Projekttitel) spielt der Spieler eine Gruppe von Superhelden. Diese kann auf verschiedene Spezialattacken zurückgreifen und wird vor allem durch die Masse wirklich stark. Der gelungene Comicstil und das schnelle Gameplay machen diesen Titel direkt zu einem Geheimtipp.

Wusstet Ihr schon ...

Videospiele waren nicht immer die Haupteinnahmequelle von Nintendo. Tatsächlich ist das japanische Unternehmen bereits im 19. Jahrhundert gegründet worden. Im Gründungsjahr 1889 hat der heutige Videospielriese noch mit der Herstellung traditioneller Spielkarten sein Geld verdient. Die wundervoll gezeichneten Hanafuda-Karten unterscheiden sich stark von bekannten westlichen Kartenspielen und sind Teil der japanischen Spielkultur. Wer bei Nintendo noch einige Sterne sein Eigen nennt, kann sich ein solches Set im Nintendo-Store besorgen. So ganz hat das Traditionsunternehmen sich also nicht von seinen Wurzeln getrennt.

Für den sonst so geschundenen Core-Gamer hat Nintendo selber leider nicht wirklich etwas zu bieten. Der Konsolenhersteller überlässt in diesem Segment wieder den Drittherstellern den Platz. Bis auf eine Ausnahme gab es dabei aber nur Grausiges zu beobachten. Batman Arkham City hat in der Armored Edition keinen wirklich neuen Anreiz geliefert. Im Gegensatz zur bekannten Edition, die bereits für die großen Konsolen sowie PC erschien, wird hier natürlich auf den Touchscreen im Einsatz wert gelegt. Der Spieler kann dort nämlich das Equipment von Batman auswählen, sowie kleinere Minispiele absolvieren, die z. B. für das Öffnen von Terminals notwendig sind. Etwas beunruhigend ist die gebotene Grafik. Die Charaktere haben durchweg mit schwammigen Texturen zu kämpfen und kleinere Einbrüche der Framerate tragen nicht wirklich zu einem gelungenen Spielerlebnis bei.

Einen ähnlichen wenn auch leicht besseren Eindruck, macht Ninja Gaiden 3 Razer’s Edge. Hier fallen zwar auch kleinere Framerate-Einbrüche auf, dafür scheint allerdings zunächst die Grafik etwas stimmiger. Im Ganzen bleibt allerdings das Gefühl, dass die Wii U technisch noch hinter der aktuellen Konsolengeneration von Microsoft und Sony steckt. Das wiederum könnte für Fans des Herstellers eine bittere Pille werden. Denn die besagte Konkurrenz hat bereits durchblicken lassen, dass ihre neuen Konsolen technisch einen guten Schritt nach vorne gehen.

Dass die Präsentation für Core-Game dann nicht gänzlich zum Disaster wird, ist mal wieder Ubisoft zu verdanken. Sie präsentieren mit ZombieU einen potenziellen Blockbuster, der es in sich hat. Im England der Neuzeit sind die Untoten los, und der Spieler muss sich in bester Survival-Horror-Manier durch ein verseuchtes London kämpfen. Im Single-Player fällt neben einer passenden Grafik vor allem der gelungene Einsatz des neuen Controllers auf. Durchsucht der Spieler eine Tasche oder muss etwa ein Schloss knacken, verlagert sich das Spiel auf den Touchscreen. Nebenbei läuft die Handlung auf dem Fernseher weiter. So entstehen passende Stressmomente, die einem als Spieler gerne mal den Schweiß auf die Stirn zaubern. Stirbt der Spieler während seiner Sitzung, wird er als neuer Charakter wiedergeboren und muss sich seinen alten Vorrat von seinem ehemaligen Alter Ego zurückerkämpfen.

Ebenfalls erwähnenswert ist hier der Multiplayer-Modus.
Hier tritt ein Spieler samt normalem Gamepad gegen eine Gruppe von Zombies an, die ein anderer Spieler über den Touchscreen steuert. Interessant daran ist, dass der zweite Spieler seine Zombies nur indirekt unter Kontrolle hat. Er kann in regelmäßigem Abstand unterschiedliche Typen von Untoten über den Bildschirm platzieren. Diese müssen dann, ähnlich wie der Spieler, Flaggen erobern und sich wehren. Das Spielprinzip beider Spieler unterscheidet sich dadurch enorm, was dem Spaß definitiv zuträglich ist.

Preis und Erscheinungsdatum der neuen Konsole sind noch nicht bekannt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die neue Konsole von Nintendo noch vor Weihnachten in den Regalen stehen dürfte. Wir sind gespannt.




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