Die Abenteuer des kleinen Indianers Pow Wow gehen in die zweite Runde. Den Zuschauer erwarten laut Cover-Text "vergnügliche, lustige Geschichten und spannende Abenteuer, die die ganze Familie begeistern". Ob die Zeichentrickserie aus den 50er Jahren mit dieser Neuauflage auf DVD wohl endgültig zu Boden geht oder doch die nächste Runde erreicht?
Die Geschichten über den kleinen Pow Wow werden in etwa fünfminütigen, unzusammenhängenden Episoden erzählt. Die unbarmherzige Wiederholung von Opening und Ending wäre allerdings nicht nötig gewesen. Diese nehmen noch einmal etwa 40 Sekunden Laufzeit von den Episoden weg. Gegenstand der Episoden sind häufig Aktionen von Pow Wow, der gerne angelt und reitet und mit den Tieren der Wälder und Steppen spielt. Auch den Medizinmann konsultiert Pow Wow des Öfteren, um die Antworten auf so essentielle Fragen wie "Warum tragen Schildkröten Panzer?", "Warum haben Füchse weiße Schwanzspitzen?" oder "Wieso haben Bären so kurze Schwänze?" zu erhalten. Falls der geneigte Leser nun meint, einen potentiellen, pädagogisch wertvollen, temporären Elternersatz für die eigene Brut gefunden zu haben, sei er gewarnt: Der weise Medizinmann vermag es nicht, auch nur eine einzige der Fragestellungen annähernd realitätsgemäß zu beantworten.
So kämpft sich Pow Wow in stetig auffällig wechselndem Zeichenstil durch seine Problemchen mit dem fiesen Hasen, dem fiesen Fuchs, dem fiesen Bären, fiesen Fischen und anderem fiesen Getier, mit dem er am Ende einer Episode häufig völlig unverständlicherweise Frieden und Freundschaft schließt. Man möge für sich selbst entscheiden, ob man als ausgewachsener Bär jemanden Freund nennen möchte, der das zum Fischdiebstahl eigens erschaffene Kanu-U-Boot kaltblütig mit einem Felsbrocken zerschmettert während man sich an Bord befindet. Bei den übrigen Charakteren liegt auch bereits ein Teil der Krux begraben: Es werden teilweise die Animationen ganzer Geschichten recyclet und mit einer anderen, ebenso nichtssagenden Geschichte versehen. Das wäre vermutlich nicht ganz so schlimm, wenn die Animationen für heutige Verhältnisse nicht aussehen würden wie ein billiges Daumenkino, das nach dem Zufallsprinzip mal vor- mal rückwärts abgespielt wird.
Sein Übriges tut der offenhörbar einzige Synchronsprecher mit seinen etwa 20 verschiedenen Sprechrollen: Pow Wow selbst klingt wie ein 15-jähriger, der halb durch den Stimmbruch durch ist, während zum Beispiel der Medizinmann klingt, als hätte er gerade seine Nase aufgrund einer Nasenscheidewandoperation zutamponiert bekommen. Grässlich! Hinzu kommen noch das unfassbar langsame Sprechtempo und die Sätze auf Grundschuldiktatniveau, die sich nahezu vollständig streng an den Satzbau "Subjekt, Verb, Objekt, und mehr braucht es nicht!", halten. Da verwundert es kaum, dass der Stimme des Synchronsprechers nicht unbedingt die uneingeschränkte Begeisterung anzumerken ist. Ein monotones "Reiten ist den Ladies immer willkommen." vermag den Lippen des erwachsenen Zuschauers vielleicht unfreiwillig ein Schmunzeln abzuringen, Kinder jedoch kann der Sprecher mit seiner emotionslosen Leistung sicherlich nicht mitreißen.
Bildergalerie von Pow Wow - Der kleine Indianerjunge Vol.2 (22 Bilder)
Technisch gesehen ist die Serie heutzutage einfach nicht mehr herzeigbar. Man sieht ihr das Alter deutlich an. Das Bild ist total grisselig, und es wurde offensichtlich nicht einmal der Versuch gewagt, daran etwas zu ändern. Dasselbe gilt für die Vertonung: Die Effekte sind dermaßen alt und offensichtlich bezüglich ihrer Herkunft, dass es fast physische Schmerzen bereitet, den Sprungfedern und klappernden Tellern und so weiter zuzuhören.
Cover & Bilder © ...
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