Prison Break - The Conspiracy

Prison Break - The Conspiracy

Publisher: Koch Media
Genre: Action
Sub-Genre: Action-Adventure
Art: Vollpreistitel
Erscheinungsdatum: 19.03.2010
USK 16

Prison Break - The Conspiracy   19.03.2010 von Manu

Mein Name ist Tom Paxton und ich habe mich Undercover im Auftrag der geheimnisvollen "Company" in das Staatsgefängnis "Fox River" einschleussen lassen. Meine Mission: Heraus finden, warum sich Michael Scofield freiwillig in das Gefängnis hat stecken lassen. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass er vorhat, seinen zum Tode verurteilten Bruder Lincoln Burrows zu befreien. Das will mein Auftraggeber auf alle Fälle verhindert wissen, schließlich waren es die dunklen Mächte im Hintergrund, die dafür gesorgt haben, dass Burrows überhaupt hier drin gelandet ist. Dass Michael Scofield als Statiker am Bau des Gefängnisses beteiligt war, schürt die Vermutung, dass hier ein Ausbruch geplant ist. Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, dies zu verhindern...

"Prison Break - The Conspiracy" ist die Umsetzung der ersten Staffel der höchst erfolgreichen US-TV-Serie "Prison Break" des Senders FOX aus dem Jahre 2005. Als Kenner der Serie fühlt man sich sofort "heimisch", so fern man das bei einem Besuch im Gefängnis sagen darf, doch die Grafiker und 3D-Designer beim slowenischen Entwicklerstudio ZootFly haben wirklich ganze Arbeit geleistet und haben das Fox River State Penitentiary sehr detailgetreu nach gebaut. Auch die bekannten Charaktere, denen wir über den Weg laufen, sind den Schauspielern der Serie wie aus dem Gesicht geschnitten und ohne Probleme wieder zu erkennen. Dabei hilft es natürlich, dass auch die echten Schauspieler für die Stimmen gebucht wurden (und in der deutschen Fassung natürlich die Original-Synchronstimmen aus der Serie). Die Illusion wird nur durch stellenweise zu mechanische Bewegungsabläufe und seltsame Schattenwürfe in den Gesichtern gestört.

Das Entwicklerstudio stand sicherlich vor keiner leichten Aufgabe. Eigentlich hat Prison Break als Serie alles, was ein gutes Spiel braucht: Ein klares Thema, eine spannende, abwechslungsreiche und dennoch eingegrenzte Location, interessante Charaktere mit bewegten Hintergründen, eine gut erzählte Geschichte mit einem großen Spannungsbogen und unzähligen Möglichkeiten für Intrigen und Plot-Twists. Doch die Zielgruppe für dieses Spiel kennt diese Geschichte bereits. Wäre es nicht langweilig, diese einfach nur nach zu spielen? Zum Glück haben die Entwickler diese Frage mit Ja beantwortet und hatten dabei einen genialen Einfall: In diesem Spiel lassen sie uns als Spieler die Gegenseite spielen. Durch die Einführung eines neuen Charakters, der in der Serie zwar keine Erwähnung fand, aber im geheimen für die Verschwörung im Hintergrund arbeitet und uns als Spieler die Möglichkeit gibt, der Story der Serie aus einer andere Perspektive zu folgen. Diese Idee ist es dann auch, die das Spiel trägt und zum Glück auch bis zum Ende hin schlüssig und plausibel bleibt. Sie bleibt nah genug am Hauptgeschehen, um als Serienumsetzung zu funktionieren, hat aber wiederum genügend Freiräume, um auch den Ansprüchen gerecht zu werden, die es als Spiel braucht.

Spielerisch bewegt sich das Spiel irgendwo zwischen dem Klassiker Thief, Assassins Creed und Batman: Arkham Asylum. Das Schleichen und Klettern steht klar im Vordergrund. Im Gegensatz zu den drei großen Vorbildern gibt es jedoch eine ganz klare Differenzierung: Niemand wird getötet! Während des gesamten Spieles kann unsere Figur weder Waffen benutzen noch Wachen oder Hindernisse "ausschalten". Unsere einzige Chance ist es, unerkannt zu bleiben. So hangeln wir uns an Heizungsrohren entlang, erklimmen Fahrzugschächte und kriechen durch Abwasserkanäle, immer auf dem Weg zu unserem nächsten Missionsziel. Sei es ein gefälschter Ausweis für die Wäscherei, eine bestimmte Akte im Büro der Verwaltung oder ein Medikament in der Krankenstation. Dieses Gefängnis hat mehr Löcher als ein Schweizer Käse und wenn Scofield wüsste, wie frei wir uns in diesem Gefängnis bewegen: Er würde vor Neid erblassen. Doch so frei sich unser Alter Ego auf fühlt, so eingeengt sind dagegen wir als Spieler. "Prison Break" gibt uns den Weg ganz klar vor, verlaufen können wir uns nicht, da wir uns außer auf dem Innenhof des Gefängnisses nicht frei bewegen dürfen. Auch die Wahl der Missionen läuft linear ab, was bei der Dramaturgie der Serie natürlich auch gewollt ist. Dennoch: Wer ein GTA-ähnliches Spiel mit Gefängnis-Atmosphäre erwartet hat, liegt hier falsch.

Trotz der Linearität macht das Klettern und Schleichen Spaß, auch wenn es sich nicht so brillant und flüssig spielt wie im Venedig eines Assassin's Creed 2. Leider fehlt nach ein paar Stunden Spielzeit die Abwechslung. Wir erhalten weder neue Fähigkeiten dazu noch finden wir Hilfsmittel, die uns das Schleichen erleichtern. So geht es stundenlang immer im gleichen Schema weiter. Deckung suchen und verstecken und auf der GPS-ähnlichen Minimap die Blickrichtung der Wachen im Auge behalten, um dann im richtigen Moment an Ihnen vorbei zu schleichen. An Türen oder Sicherungskästen spielen wir ein kleines Minispiel, um die Schrauben möglichst leise zu drehen oder das Schloss so geräuscharm wie möglich zu knacken. Das funktioniert, ist stimmig, aber wird leider nun mal eintönig. Auch die Locations bleiben erwartungsgemäß immer ähnlich, ob wir nun an einem Heizungsrohr in der Wäscherei oder in der Kantine hängen, macht nicht wirklich einen großen Unterschied.

Was für Auflockerung hätte sorgen können (und am gewählten Konjunktiv erkennt man auch schon, dass es nicht gelungen ist): Die Schlägereien mit den Insassen. Natürlich quillt in einem Gefängnis das Testosteron über und nicht selten stellen sich uns ein paar schlecht gelaunte, schwere Jungs in den Weg. Wechselt das Spiel in den Kampfmodus haben wir genau zwei Optionen: Leichter Schlag und schwerer Schlag. Ach ja, und Blocken. So sieht 2010 bitte kein Kampfsystem mehr aus. Das klingt nicht nur langweilig, das spielt sich auch so. Dass man auch mit wenigen Knöpfen ein zumindest optisch sehr ansprechendes Kampfsystem entwickeln kann, zeigte jüngst Batman. Hier wurde wirklich viel Potential verschenkt, vor allem, weil die Charaktermodelle wirklich hübsch geworden sind und zwischen den Schleichphasen, die einem durchaus eine große Portion an Geduld abverlangen, ein wenig Action als Ausgleich wirklich gut getan hätte.

Zwischen den Kämpfen und dem Schleichen erwarten uns dann einige größtenteils gut inszenierte Storysequenzen, in denen die Geschichte weiter erzählt wird. Diese sind, bis auf die eingangs erwähnten mechanischen Bewegungen der Figuren gut gemacht und passen sich dem Stil der Serie sehr gut an. Atmosphärisch merkt man dem Spiel an, dass eng mit den Autoren der Serie zusammengearbeitet wurde. Doch immer genau dann, wenn man sich gerade wohl fühlt, wenn man eine schwierige Kletterphase überstanden hat und sich stolz zurück lehnt, um eine Zwischensequenz zu genießen, dann schlagen sie hinterhältig zu: Die Quick-Time-Events (QTE) des Grauens! Leider, leider, leider konnten die Entwickler nicht widerstehen und mussten an wichtigen Schlüsselszenen die wohl unfairsten und widerlichsten QTE einbauen, die ich meiner Spielkarriere bisher erleben durfte. Extrem kurze Reaktionszeiten, völlig ohne Zusammenhang blinkende Buttons, die bei dem kleinsten Fehler zum sofortigen Tod führen und uns erneut dazu zwingen von vorne anzufangen. Das Spiel lässt uns auch keine Wahl: Wir werden gezwungen diese Sequenzen auswendig zu lernen, um Sie zu schaffen. Dafür möchte ich persönlich die Entwickler direkt in das Fox River zu T-Bag in die Zelle sperren lassen.


Das Fazit von: Manu

Manu

Ein ganz klarer Fall: Dieser Gefängnisbesuch ist für Fans der Serie auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Original-Sprecher, sehr gute, weil treffende Charakter-Modelle und die packende, wie beklemmende Atmosphäre im Mittelpunkt einer Verschwörung zu stehen, sind die Stärken dieses Spiels. Freunde von Schleich-Spielen werden hier für ein paar Stunden gut unterhalten, trotz der geringen Abwechslung und der eher mittelmäßigen Kämpfe. Die extrem nervigen Quick-Time-Events sind zwar unfair, aber zumindest sind die damit verknüpften Szenen gut inszeniert und lassen die laut ausgerufenen Flüche auch schnell wieder vergessen. Für Fans dennoch ein lohnenswerter Ausflug in die Gemäuer von Fox River, wenn man gegen ein wenig Repetition nichts einzuwenden hat.


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positiv negativ
  • Fängt die Stimmung und Atmosphäre der Serie sehr gut ein
  • Man erlebt die Geschichte der Serie aus der Perspektive der Gegenseite
  • Tolle Charaktermodelle
  • Gut inszenierte Zwischensequenzen
  • (Fast) alle Originalsprecher (Englisch & Deutsch) mit dabei
  • Spiel kommt komplett ohne Waffengewalt aus
  • Die weibliche Hauptrolle Dr.Tancredi ist weder optisch noch stimmlich am Original
  • Schlechtes Kampfsystem
  • Extrem nervige QTE
  • zu wenig Abwechslung





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