Project Zero: Maiden of Black Water

Project Zero: Maiden of Black Water

Publisher: Nintendo
Entwicklerstudio: Koei Tecmo
Genre: 3rd-/1st-Person Shooter
Sub-Genre: Survival Horror
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 30.10.2015
USK 18

Project Zero: Maiden of Black Water   06.12.2015 von Beef Supreme

Mehr als sechs Jahre und eine Konsolengeneration hat es gedauert, bis man mit der Kamera wieder auf Geister anlegen darf. Project Zero – Priesterin des  schwarzen Wassers heißt der aktuelle Vertreter der Fatal-Frame-Reihe und ist exklusiv für die Wii U erhältlich. Schön zu sehen, dass die vermeintliche Kinderkonsole endlich mal wieder einen reiferen Titel spendiert bekommt. Mit wechselnden Hauptcharakteren schleppt man sich im aktuellen Geisterfotoshooting auf einen Berg und zeigt den Gespenstern, wo der Farbfilm hängt. Erlebnisfotografie oder ödes Tourie-Geknipse?

 

Im Wechsel folgt man den drei Protagonisten Yuri, Miu und Ren, die alle die Fähigkeit haben, Geister zu sehen. Sie alle haben eine bewegte und düstere Vergangenheit, die sie an den Ort des Geschehens Mount Hikami zieht, einem Ort, der in der lokalen Suizidszene stark im Trend steht. Unmengen von meist jungen und hübschen Teenie Mädels sind auf diesem Berg in den Freitod gegangen, weswegen es dort auch keinen Mangel an Motiven für die Geisterfotografie gibt. Neben den drei Hauptgeschichten erfährt man durch großzügig verteilte Notizen auch von seltsamen rituellen Menschenopfern und sektenartigen Praktiken, die das Einschließen von Priesterinnen in eine Kiste voller schwarzem Wasser beinhaltet. Es entspannt sich eine interessante Geschichte um den Berg und seine Mythologie voller Geister, Priesterinnen und der Bedeutung von Wasser.


Das Spiel beginnt mit einem ausgedehnten Tutorial, in dem man an die Basics der Steuerung herangeführt wird. Das ist auch bitter nötig, da sich die Spielmechanik gravierend vom klassischen Shooter unterscheidet. Bewegt man sich normalerweise in der 3rd-Person-Ansicht, wechselt man bei einer übernatürlichen Erscheinung in den First-Person-Modus, wenn man seine Kamera zückt. Dann fliegt der Blick aufs Wii U Tablet, da dieses als Sucher für die Kamera fungiert. Nur dort erkennt man die Schwachstellen der Geister, die man hinfortfotografieren soll. Gesteuert wird der Blick durch die Kamera entweder durch manische Fuchtelei des Tablets oder, und das ist wohl die praktischere Variante, klassisch über den rechten Stick. Ziel ist es, möglichst viele Schwachpunkte der übernatürlichen Erscheinungen gleichzeitig in den Sucher zu bekommen. Je mehr Schwachpunkte, desto mehr Schaden, desto mehr Punkte. Da sich aber die meisten Geister wie Faultiere durch zähen Sirup bewegen, hat man meist genug Zeit, gemächlich anzulegen. Die meisten Kämpfe stellen somit leider nur eine mäßige Herausforderung dar. Sollte man doch mal Probleme haben, kann man auf einen großzügig ausgeschütteten Pool von stärkeren Filmen, quasi verbesserte Munition, und Heil-Items zurückgreifen, die eigentlich nie ausgehen. Wenn man nicht gerade wild schreiend quer durch die Botanik fotografiert und seine Gesundheit im Blick behält, kann man eigentlich nicht sterben. Auch bei den spärlich anzutreffenden Boss-Gespenstern ändert sich das nicht. Etwas mehr Herausforderung hätte den Kämpfen nicht geschadet. So verkommen diese nämlich zur repetitiven Pflichtaufgabe, bei der man eher den Kopf schüttelt, als vor Ehrfurcht erstarrt.


Denn der eigentliche Feind sind nicht die Geister, die einem ans Leder wollen, sondern die Steuerung, ist es, die einem wahrlich nach dem Leben trachtet. Was die Geister an Agilität und Geschick vermissen lassen, wird durch die Tollpatschigkeit des eigenen Charakters ausgeglichen, der nicht imstande ist, sich normal umzudrehen oder in die gewünschte Richtung zu laufen. Kommt man auf offenem Gelände noch einigermaßen klar, steigt der Frustrationslevel in engen Gängen oder vollgestellten Räumen schnell in übernatürliche Sphären. Wie oft schon wurde ich von kleinen Beistelltischchen geblockt, von einem Teeservice gefesselt oder von Schränken an Ort und Stelle gebannt, während meine Feinde gemächlich durch alle Feststoffe gleiten. Kurzum, wenn ihr nicht eine hohe Toleranz für vermurkste Steuerung mitbringt, werdet ihr spätestens nach 30 Minuten schreien.


Neben den Kämpfen sind auch einige kleinere und anspruchslose Rätsel zu lösen, die sich immer auf das Suchen und Fotografieren von bestimmten Orten beschränkt. Auch hier verspürt man schnell das verschenkte Potential, da die Sucherei immer nach Schema F abläuft: Ein Bildchen zeigt den Ort, der geknipst werden möchte, man findet und fotografiert diese Stelle und ein Item erscheint. Daraufhin boxt einem ein frisch erschienener Geist ins Kreuz und es darf gekämpft werden. Wäre da nicht die spannende Geschichte und die wahrlich interessanten Hintergrundinfos in Form von herumliegenden Notizen würde das Spiel aufgrund seines mageren und wiederholenden Gameplays sehr schnell an Reiz verlieren.


Glücklicherweise macht Project Zero nicht alles falsch. Die Atmosphäre des Spiels ist konstant gelungen und beschert einem durch den geschickten Einsatz von Soundeffekten eine bedrohliche Atmosphäre, wie man sie schon aus japanischen Geisterfilmen wie Ju On oder The Ring kennt. Hinzu gesellen sich sehr gut gemachte und düstere Erinnerungsfetzen, die man im Laufe des Spiels durch Berührung gebannter Geister finden kann. Es mutet zwar seltsam an, dass Erinnerungen durchweg die Qualität ausgelutschter VHS-Kassetten haben, stimmungsmäßig ist dieses Stilmittel aber erste Wahl. Auch die gelungene Beleuchtung und das konstant miese Wetter tragen dazu bei, dass man sich durchweg bedroht fühlt, auch wenn man nach dem zwanzigsten Kampf mittlerweile weiß, dass die Gegner so lebensbedrohlich sind wie ein eingerissener Fingernagel.


Leider schafft es Project Zero jedoch nicht diese Konstanz auf die Logik des Spiels zu übertragen, was zu seltsamen Situationen führt wobei sich das Spiel keinerlei Mühe gibt, diese in irgendeiner Form zu erklären. Offensichtlichstes Problem sind die herumliegenden Items. Aufgrund der Tatsache, dass man episodenhaft immer an die gleichen Orte auf dem Berg geführt wird, wirkt es seltsam, dass bei jedem Durchlauf die gleichen Items an der gleichen Stelle liegen, obwohl der gesamte Berg verlassen ist. Wer verliert immer an den gleichen Stellen seine Fläschchen mit Heilwasser und Filme für eine Kamera von denen es auf der Welt nur eine Handvoll gibt? Und auch wenn man das als etwas misslungene Spielmechanik hinnehmen kann, gilt ähnliches für Notizen. Die Charaktere leiden wohl alle an Narkolepsie, denn sobald mehr als der spielbare Charakter auftauchen, schlafen die anderen ihren komatösen Schlaf der Gerechten, verlieren aber trotzdem laufend Gegenstände. Hebt man einen auf und verlässt den Raum, liegt beim nächsten Betreten die nächste Notiz an der gleichen Stelle. Als ob die inaktiven Charaktere eine Bibliothek mit ins Bett genommen hätten, der aktive Charakter aber nicht im Stande ist, den Stapel Bücher auf einmal zu erkennen. Generell hat es Project Zero nicht so mit der Logik. Es gibt zwei Kameras, mit denen man auf Geisterjagd gehen kann, jedoch aber drei Charaktere und trotzdem hat jeder Charakter immer eine Kamera an sich. Und als letzter Punkt sei noch die allgemeine Glaubwürdigkeit angeführt, da nicht einer der Protagonisten seltsame Vorkommnisse hinterfragt. Laufend passieren Dinge, die jedem Normalsterblichen die Haare sofort ergrauen lassen würden, doch die abgebrühten Drei lassen sich nicht einmal zu einem Schulterzucken hinreißen. Unter diese Kategorie fallen Telefonanrufe von Bekannten während man sich in fremden Häusern aufhält, das ständige Verschwinden von Personen, die eben noch hinter einem standen oder das Auftauchen unsichtbarer Gegenstände und realer Personen.

 

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Zu guter Letzt noch ein Wort zur Technik. Grafisch reißt Project Zero keine Bäume aus, sind die Texturen doch ziemlich matschig und die Animationen kantig. Abgesehen von den einigermaßen gelungenen Hauptcharakteren lässt sich das Spiel grafisch irgendwo zwischen PS2 und PS3 einordnen. Die Wii U kann bedeutend mehr, das zeigte schon Bayonetta 2. Dafür bleibt die Bildrate durchgehend stabil, was mittlerweile auch keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt. Der Sound ist alles in allem sehr gelungen und weiß immer an den passenden Momenten die richtigen Akzente zu setzen. Richtig ärgerlich ist allerdings, dass der Sound nicht vollständig über Kopfhörer am Gamepad ausgegeben wird. Während der Ingame-Sound problemlos über Kopfhörer verfolgt werden kann, sind die Cutscenes tonlos. Warum? Wer hält es für eine gute Idee, nur 70% des Tons über Kopfhörer verfügbar zu machen? Würde sich nicht gerade solch ein Horrorspiel für Kopfhörer mehr als anbieten? Kann man diesen Umstand verschmerzen gibt es ansonsten nichts am Sound zu meckern.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Project Zero – Priesterin des schwarzen Wassers macht es mir nicht leicht. Wer sich die Wall of Text angetan hat, wird feststellen, dass das Spiel mehr als nur ein paar Macken und einiges an verschenktem Potential aufweist. Logiklücken, miserable Steuerung, repetitives Gameplay und keine wirklich bedrohlichen Gegner. Und trotzdem macht’s irgendwo Spaß. Wie funktioniert so etwas? Die Antwort ist die wirklich interessante Geschichte und die starke Atmosphäre des Spiels. Obwohl der Großteil der Hintergrundinfos über schnöde Notizen läuft, erhält man immer tieferen Einblick in die Nummer die da auf dem Berg läuft. Kombiniert mit den Hauptgeschichten der spielbaren Charaktere, die sich nach und nach entfaltet, ergibt das ein spannendes Erlebnis, das die spielerischen Defizite in den Hintergrund rücken lässt. Es macht sie nicht ungeschehen, doch die Neugier und die Spannung überwiegen den Frust, sodass man doch wieder zum Gamepad greift. Ob es allerdings dafür reicht, alle acht Enden zu erspielen, wage ich zu bezweifeln. 


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positiv negativ
  • Gute Gamepad-Einbindung
  • Starke Atmosphäre
  • Interessante Geschichte
  • Gelungene Sounds
  • Mehrere Enden
  • Spannende Lore
  • Stimmungsvolle Cutscenes
  • Fade Kämpfe
  • Schwache Grafik
  • Nervige Steuerung
  • Kein Kopfhörersound bei Cutscenes
  • Logiklücken
  • Repetitives Gameplay
  • Uninspirierte Rätseleinlagen
  • Kämpfe zu leicht
  • Rückkehr zu immer gleichen Orten
  • Zu viele Items
  • Uninspirierte Rätseleinlagen





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