Prototype 2

Prototype 2

Publisher: Activision
Entwicklerstudio: Radical Entertainment
Genre: Action
Sub-Genre: 3rd Person Action
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 24.04.2012
USK 18

Prototype 2   13.05.2012 von Beef Supreme

Stellt euch mal vor: Richtig mies gelaunte Versionen von Superman, Spider-Man, Wolverine und Das Ding von den Fantastic Four treffen sich in New York, um mal richtig am Backpfeifenbaum zu rütteln. Da das auf Dauer stressig für den Spieler ist, vier wildgewordene Zerstörer zu kontrollieren, panscht Radial Entertainment die Trademarks dieser wandelnden Killermaschinen in einem einzigen Anti-Helden zusammen: James Heller, die alte Rampensau! Dabei kommt ein ganz und gar kindungerechtes Sandkastengemetzel für Männer heraus. So lasset Ströme von Blut die Gassen hinabfließen!


Man spielt James Heller, seines Zeichens Sergeant bei der Army. Seine Familie wurde vor Kurzem von Infizierten verputzt und dementsprechend schlecht drauf ist der gute Mann. Schuld an der Misere ist das neu getaufte Mercer Virus. Benannt nach der Plage und Protagonist aus Prototype 1, Alex Mercer, hat sich diese fast schon biblische Plage über New York ausgebreitet, welches nun in drei Zonen unterteilt wurde. Heller wurde ausgesandt, einige Infizierte - ehemals Menschen - welche mit dem Mercer-Virus in Kontakt gekommen sind, umzuhauen. Natürlich bekommt Hellers Team ordentlich den Frack voll und er steht allein da. Mercer war da nicht ganz unschuldig dran und nach kurzer Hetzjagd und mehreren misslungenen Kehlenschnitten infiziert Mercer nun auch Heller mit dem verhassten Virus. Gefundenes Fressen für die schnippelsüchtigen Metzgerchirurgen der Army und Gentek, einer Biochemie-Firma, die gerne mal unnützes Zivilfleisch Mutanten zum Fraß vorwirft. Diese beiden Fraktionen haben das Ziel, das Mercer-Virus zu kontrollieren und es waffenfähig zu machen. Dafür gehen beide über zahllose Leichen und am liebsten würden sie über Mercers und Hellers leblose Hülle stolpern. Also wird Heller nun ganz unkollegial und fachgerecht tranchiert, bis ihm die Flucht gelingt. Da nun das Vertrauen in die Bruderschaft des Militärs etwas gelitten hat, tötet Heller nun im Auftrag Mercers. Dass aber auch der keine redlichen Ziele vorzuweisen hat, gehört fast schon zum guten Ton.


So wird man also auf das ohnehin gebeutelte New York losgelassen. Schon von Beginn an ist man mit nicht zu verachtenden Kräften ausgestattet. Rennen wie Flash, an Wänden hochkraxeln wie Spider-Man, und beachtliche Strecken segeln gehören zum standardmäßigen Repertoire Hellers. Diese können nach und nach weiter verbessert werden. Doch davon nicht genug erhält Heller mit der Zeit weitere Mutationen, wie Wolverine-Gedächtnis-Klauen, lustige Tentakel und weitere Spielereien des Todes, mit denen man New York in ein blutiges Schlachthaus verwandeln kann. Des Weiteren kann man auch durch Assimilieren von allem, was lebt, seine Regeneration beschleunigen. Dies geht meist auf Kosten von unschuldigen Passanten, da diese am schnellsten zu verspeisen sind. Denn sollten die Kämpfe doch zu viel Blutzoll einfordern, nascht man sich einfach durch die belebten Fußgängerzonen. Was sehr verwunderlich ist, da Menschenleben mittlerweile weniger wert sind, als eine Scheibe Toastbrot. Armee, Mutanten, das Mercer-Virus, eigentlich alles will dem armen Fußvolk ans Leder, und nun auch Heller. Aber diese strunzdummen Lämmer flüchten selbst in den heftigsten Gefechten nur halbherzig, sodass immer genug Snacks für die "Heller’sche" Gesundheit auf den Straßen herumlaufen. Ein netter Nebeneffekt des Menschenfutterns ist, dass man deren Gestalt annehmen kann und deren Erinnerungen aufnimmt. Das fördert zum einen kleine Sidequests zutage und zum anderen dient die neue Hülle als Tarnung, hat man mal seine Feinde aufgeschreckt.
 

Hat man dann genug rote Grütze produziert, um den ersten Blutdurst zu stillen, wendet man sich an Vater Guerra, einem Prediger, den Heller von früher kennt. Dieser versorgt einen über eine lange Zeit mit den Story tragenden Hauptmissionen, welche die dubiosen und rücksichtslosen Machenschaften Genteks, des Militärs und später auch Mercers aufdecken. Falls man aber darauf keine Lust hat, kann man ganz in GTA-Manier frei durch die Stadt streifen und Unheil und Verderben bringen. Und das nicht zu knapp. Ordnungshüter gibt es keine außer der Armee. Widersinnig ist daher, dass Heller von der Geschichte und auch von Vater Guerra als Heilsbringer und Erlöser von der Geißel Mercer-Virus und des Militärs aufgebaut wird. Aber selten geht eine Mission vonstatten, ohne dass man, ob aus Versehen oder nicht, zig Zivilisten niederstreckt. Und das Spiel lässt keine Gelegenheit aus, einem mitzuteilen, wie egal die Zivilbevölkerung ist. Unschuldige abschlachten wird eigentlich nie bestraft, ist sogar zum Teil nötig, aber wehe man kitzelt einen Soldaten, dann hat man die gesamten Streitkräfte am Hals. Auch kleinere Info-Happen, die als Collectables zu finden sind, beschäftigen sich zum Großteil damit, dem Spieler die Grausamkeiten des Militärs und Genteks gegenüber den New Yorkern aufzuzeigen.


Und trotz dieser stereotypischen Darstellung  dieser Geißel der Menschheit bleibt die Charakterzeichnung im Allgemeinen auf der Strecke. Heller ist ein verbitterter, zorniger Mensch, der nur von Rachegelüsten und Hass angetrieben wird. Eine Entwicklung findet im gesamten Spiel nicht statt. Auch die anderen Charaktere bleiben von Anfang bis Ende zweidimensional. Sofern sie lange genug überleben. Denn die meisten Statisten werden nur eingeführt, um einige Momente später als blutiger Brei auf der Straße zu enden. So bleiben eigentlich nur zwei echte Widersacher, die man aber über sehr lange Strecken nicht zu Gesicht bekommt, nämlich Colonel Rooks, der Kommandant, und Mercer. Hier hätte auch mehr passieren müssen, um wirklich Empathie beim Spieler auszulösen.

 

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Abseits des spaßigen Lustmordens und der Story kann man noch kleine Nebenmissionen annehmen. Diese laufen aber fast immer nach Schema F ab: Suche jemanden, verspeise ihn, um an seine Erinnerungen zu kommen, nimm seine Gestalt an und töte/suche/vernichte/sammle irgendwas. Auf Dauer leider sehr eintönig, da hätte mehr Abwechslung gut getan, gerade angesichts der mannigfaltigen Möglichkeiten Mutantenhellers. Hier zeigt sich auch, dass scheinbar niemand in New York auch nur einen Funken Verstand besitzt. Niemand wundert sich, dass gerade ein Soldat die geschätzte 50 Meter hohe Mauer im Sprung überwunden hat, keinen kümmert‘s, dass der der Nebenmann gerade Bestandteil eines Frühstücks wurde und der Bevölkerung ist es egal, dass gerade eine Straßenschlacht epischen Ausmaßes stattfindet. Die bummeln einfach weiter, während Hubschrauber, Panzer und Soldaten auf einen wild gewordenen Mutanten ballern. Die kämpfende KI macht auch kaum einen besseren Eindruck, schickt sie doch nutzloses Kanonenfutter an die Front, obwohl klar sein müsste, dass Schusswaffen nichts ausrichten. Natürlich ist es der Action zuträglich und man kann effektvoller Gewalt ausüben, aber es trübt den Gesamteindruck schon etwas.


Die Hauptgeschichte kann leider in Sachen Abwechslung auch kaum punkten. Meist begnügt sie sich damit, Heller eine andere Gestalt aufzuzwingen, um die doofen Forscher und Kommandanten hinters Licht zu führen. Dabei hat die Geschichte durchaus ihre Momente. Erzählende Zwischensequenzen werden in stilisierten Grautönen wiedergegeben, einige tragische Momente wirken sogar richtig gut. Doch im Gesamteindruck lassen einen die Schicksale Hellers, New Yorks und aller anderen eigentlich kalt. Hauptsache stärkere Waffen, sodass auf einen Schlag noch mehr schwache Menschlein fallen. Das ist schade, da hier jede Menge Potenzial verschenkt wurde. Dieses quasi postapokalyptische Flair hätte viel mehr hergegeben, wenn man konsequentere dramaturgische Mittel eingesetzt hätte.

Aber trotzdem macht es richtig Laune, aus 200 Metern Höhe auf der Straße einzuschlagen und dann erst einmal richtig den Bär steppen zu lassen. In Sachen Action macht [Prototype 2] fast alles richtig. Riesige Mutanten, Hubschrauber, Panzer, genveränderte Soldaten und alle gleichzeitig wollen dem Protagonisten gleichzeitig an die DNA. Ja da fliegt die Kuh, wenn man unter all den Explosionen choreografisch ansprechend zwischen den Geschossen hindurch segelt und titanengleich aufräumt. Dabei werden die Kämpfe trotz der genetischen Überlegenheit Hellers durchaus fordernd gestaltet. Hier glänzt man nämlich mit Masse. Nicht einer, nein gleich drei Hubschrauber, mehrere Panzer und eine ganze Kompanie Fußsoldaten mit Raketenwerfern versuchen einen zurück die die Petrischale zu pressen. Und es sieht einfach cool aus, wenn man einen Hubschrauber anfällt, ihm die Cruise Missiles abmontiert und damit im Sturz Hubschrauber und einen Pulk Soldaten pulverisiert. An dieser Stelle ein Lob an die Kamera, denn trotz aller Hektik gibt es so gut wie nie Momente, in denen die Übersicht verloren geht. Doch sollte man das Ganze auf Schwer spielen, um wirklich bei Laune gehalten zu werden, da es sonst eben nicht so fordernd ist. Insgesamt ist [Prototype 2] etwas zu leicht ausgefallen, wenn man die niedrigeren Schwierigkeitsgrade wählt.

Das alles geht locker flockig von der Hand. Die Steuerung ist sehr intuitiv und erlaubt schnelles Hin- und Herschalten zwischen den einzelnen Mutantenwaffen oder auch menschlichen Schießprügeln. Fliegen, ob mit Hubschrauber oder ohne, Rennen und Fahren, alles funktioniert einwandfrei und wirkt absolut lässig. Auch die weiteren technischen Aspekte wissen zu überzeugen. Technisch zwar nicht auf dem allerneusten Stand der Dinge, sieht [Prototype 2] doch bei Weitem besser aus, als sein Vorgänger. Dieses glänzende Schimmern aus dem ersten Teil gehört der Vergangenheit an und der Detailgrad wurde kräftig nach oben geschraubt. Oberliga ist es auch hier nicht, aber dafür flimmern die Gewaltorgien mit ihren Tausenden Gallonen Blut ohne Ruckler über die Mattscheibe. Auch soundtechnisch wird man hier überzeugt, matscht und kracht es doch ordentlich an allen Ecken und Enden. Die englische Sprachausgabe ist mehr als gelungen und weiß eine stimmige Atmosphäre zu überzeugen. Alle Stimmen passen sehr gut zu ihren Charakteren, was es nur umso trauriger macht, dass die Charaktere und die Story so wenig hergeben.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Ich hatte so meine Zweifel. Der Vorgänger ging mir ziemlich schnell auf die Nerven und daher befürchtete ich Ähnliches für [Prototype 2]. Doch ich wurde positiv überrascht. Für ausufernde, vollkommen maßlose Blutbäder bin ich sowieso immer zu haben und das Spiel bietet genau das. Der Gewaltgrad ist enorm hoch, was es umso verwunderlicher macht, dass es im Gegensatz zum ersten Teil überhaupt in Deutschland erschienen ist. Der Open World Ansatz hat mich überzeugt, es macht richtig Spaß wie die Zehn biblischen Plagen durch New York zu ziehen. Nur seltsam, dass man in kürzerer Zeit mehr Unschuldige abschlachtet, als die Armee imstande wäre, doch das nur am Rande. Denn die Action stimmt einfach. Die Fähigkeiten, die man sich nach und nach aneignet, erweitern die Möglichkeiten des kreativen Metzelns  und gleichzeitig wird der Anspruch der Kämpfe gehoben, sodass es nie langweilig wird. Nur schade, dass Story und Charakterentwicklung so viel Potenzial verschenken, hier wäre echt so viel mehr Drin gewesen, gerade bei dieser quasi grenzenlosen Thematik. Das Missionsdesign ist leider auch wenig abwechslungsreich geraten, aber dennoch hat es mich irgendwie zwölf Stunden gefesselt und es ist nicht langweilig geworden, was für das Spiel spricht. Kein Meilenstein, aber sehr spaßig. Für alle die mal richtig antiheldenmäßig die Sau raus lassen wollen und denen Nico Bellic und Cole McGrath zu zahm sind. Noch eine Warnung zum Schluss, die deutsche Version ist gekürzt. Das betrifft zwar bloß das Zerstückeln von Passanten, doch hier geht’s ums Prinzip.


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  • Spaßige Massenschlachten
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  • Kompromisslos überzogene Gewalt
  • Saudumme KI
  • Missionsdesign wenig abwechslungsreich
  • Flache Charaktere
  • Dünne Story
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