Rad Rodgers

Rad Rodgers

Publisher: EuroVideo
Entwicklerstudio: Interceptor Entertainment
Genre: Platformer
Sub-Genre: Shooter
Art: Lowprice
Erscheinungsdatum: 21.02.2018
USK 12

Rad Rodgers   16.03.2018 von LorD Avenger

Rad strapaziert die Nerven seiner Mutter, indem er zu lange und zu oft an seiner in die Jahre gekommenen Retrokonsole sitzt. Eines Abends erwacht diese zum Leben und zieht ihn hinein in die magische Welt eines Platformers...

 

Kickstarter scheint eine hervorragende Grundlage für Retail-Versionen von Videospielen zu sein, Yooka-Laylee hat es sehr prominent vorgemacht und war ja ebenfalls eine Hommage an Games der 90er - Rad Rodgers reiht sich hier gekonnt ein. Im September 2016 startete das Crowdfunding-Projekt und sammelte über 80.000 US-Dollar über knapp 3.000 Unterstützer mit dem Versprechen, einen an den 90ern orientierten Platformer mit frischem Look und dem Humor von Rick & Morty zu erschaffen. Und gerade Letzteres muss man im Hinterkopf behalten, denn so kindlich das Spiel auch erscheinen mag, so blutig und nicht-jugendfrei kann und sollte man es spielen.

 

Zu Beginn darf man freundlicherweise auswählen, ob man die Kinder- oder Erwachsenenversion zocken möchte und in den Optionen lassen sich Blutspritzereien sowie herbe Dialoge de- oder aktivieren. Gerade die unverblümten und zweifelsfrei an zumindest junge Erwachsene gerichteten Sprüche sind das mit Abstand Beste an Rad Rodgers. Neben frechen Kommentaren von der zum Leben erwachten Spielekonsole Dusty, der vom Duke Nukem-Sprecher synchronisiert wurde, und ein paar Glanzmomenten von Rad selbst, der beispielsweise aus dem Retrobegriff Bit kurzerhand ein Bit...ch macht, startet das Gag-Feuerwerk tatsächlich primär abseits der Action. An einigen Stellen in den Leveln kann man die Hütten der Eingeborenen im Hintergrund besuchen, mit ihnen reden und erhält dafür Items. Lustigerweise wartet nahezu jeder davon mit einer eigenen Persönlichkeit und teilweise ziemlich herben Sprüchen auf. Nichts zu verachten sind natürlich auch die Splattereffekte, wenn man einen Gegner besiegt und er in einer kleinen Blutfontäne explodiert. Das verschafft doch immer ein klein wenig mehr Genugtuung.

 

Besiegt werden Gegner in erster Linie mit der Pistole, die Rad beim Weltenwechseln erhalten hat. Anfänglich schießt diese nur sehr gemächlich und unspektakulär, aber über den Spielverlauf hinweg kann man eine Handvoll Upgrades aufsammeln, welche die Schussgeschwindigkeit erhöhen oder die Patronen gegen brennende Phönixe oder gewaltige Lasterstrahlen austauschen. Auch gibt es die klassische zeitbegrenzte Ich-bin-jetzt-unbesiegbar-Waffe, die lustigerweise die einzige Nahkampfwaffe im gesamten Spiel ist. Abgesehen vom Schießen und Springen kann Rad mit der Hilfe von Dustys langen Armen auch noch einen Bodenschlag ausführen oder an vertikalen wie horizontalen Stangen entlangklettern - mehr muss er nicht können.

 

Dusty selbst allerdings hat noch die Fähigkeit in Realitätsrisse einzutauchen und in der Pixelwelt nach Lösungen für Probleme in der eigentlichen Spielwelt zu suchen. So schwimmt er einsam durch die düsteren Labyrinthe der Parallelwelt, löst simple Rätsel oder findet einfach Gegenstände, die sich auf die Welt auswirken, in der Rad wartet. So können beispielsweise benötigte Plattformen geschaffen oder sperrige Felsbrocken zerstört werden.

 

Die Gegner ähneln sich ziemlich, entstammen auch - genauso wie die Zivilisten in ihren Hütten - derselben fast schon süßen Alien-Rasse. Die flauschigen Tiergeschöpfe streifen entweder nur relativ ungefährlich durch die Gegend, beschießen einen von höher gelegenen Plattformen oder greifen einen in mutierter und etwas widerstandsfähiger Form direkt an. Zwei Male trifft man während des Spielverlaufs auch auf einen netten Miniboss, von dem es gerne hätte mehr geben können, ebenso wie von dem einen einzigen richtigen Boss am Ende des Spiels, der leider kein wirklich würdiges Ende ablieferte. Variieren muss man in der Bekämpfung sämtlicher Gegner eigentlich nie - einfach mit der Knarre draufhalten erledigt den Job in der Regel.

 

Die größte Gefahr stellen tatsächlich unbesiegbare Umgebungsobjekte dar, die Laserstrahlen schießen und von denen eine Variation Rad mit einem Treffer ausschalten kann. Speziell im letzten Level merkt man dann schnell, dass die Checkpoints doch nicht so freundlich gesetzt sind...

 

Bildergalerie von Rad Rodgers (8 Bilder)

Ansonsten sind die lediglich 8 Level wirklich an die 90er, im Grunde genommen sogar schon an die späten 80er angelegt. In der zweidimensionalen Welt kämpft man sich in sämtliche Richtungen auf der Suche nach vier Schlüsselsteinen und der Leveltür, die sie schließlich öffnen. Immer wieder läuft man an denselben Orten vorbei oder muss neben den Steinen auch noch Schlüssel suchen, um voranzuschreiten und wird dadurch zwangsläufig an Spiele wie Metroid erinnert, in denen die meiste Spielzeit auch dadurch erreicht wurde, dass man sich erst einmal in dem unübersichtlichen Labyrinth zurechtfinden musste - und in Rad Rodgers gibt es nicht einmal eine Karte! Besonders interessierte Zocker können sich auch noch auf die Suche nach sämtlichen Gegnern, Edelsteinen und Geheimräumen machen, die sich nicht selten auch ganz klassisch hinter unsichtbaren Durchgängen in Wänden verbergen.


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Rad Rodgers ist ein ziemlich kurzes Spiel, das lediglich Sammel- und Erkundungswütigen Langzeitmotivation bietet. Allerdings ist der Look wirklich hübsch, das simple Gameplay funktioniert und gerade der Erwachsenen-Modus mit Bluteffekten und derbem Humor macht ausgesprochen Spaß. Das Game macht sich außerdem einen Spaß daraus die "vierte Wand zu durchbrechen", also seine Charaktere in dem Bewusstsein sprechen zu lassen, dass sie sich in einem Videospiel befinden. Auch das führt zu lustigen Einlagen, gerade bei Anspielungen auf andere 90er-Spiele. Ebenso macht Rad Rodgers sich auch darüber lustig, dass das gesamte Spiel lediglich Welt 1 ist und auch, wenn man vom besiegten Endboss in einer Zwischensequenz Welt 2 erhält, endet das Spiel. Entsprechend ist einem mit den Dschungel-/Ruinen-Leveln und den nicht einmal 10 verschiedenen Gegnern darin relativ wenig Abwechslung geboten, auch wenn die Entwickler sich bei der Levelgestaltung durchaus Mühe gegeben haben - eine Ähnlichkeit ist dennoch nicht abzustreiten.


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positiv negativ
  • Derber Humor mit Anspielungen auf Zelda & Co. (für Kinder ausschaltbar)
  • Simples, angenehmes Gameplay ohne viele Funktionen
  • Hübsches Leveldesign mit abwechselnden Herausforderungen & vielen Verstecken
  • Gegner & Level sind wenig abwechslungsreich
  • Jedes Level ist ein unübersichtliches Labyrinth ohne Kartenfunktion
  • Viel zu wenig Bosse und Mini-Bosse





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