Raining Blood

Raining Blood

Originaltitel: Raivu
Genre: Splatter • Komödie
Regie: Noboru Iguchi
Hauptdarsteller: Asami
Laufzeit: DVD (101 Min) • BD (101 Min)
Label: Alive
FSK 18

Raining Blood   27.04.2015 von Beef Supreme

Die Welle der ultra-übertriebenen Japanosplatter, die sich gern mal tanklasterweise roter Brühe bedienen, scheint langsam abzuebben. Nur noch vereinzelt schlägt hier in den gemäßigteren Gefilden eine dieser Gore-Granaten ein, die meint, es Machine Girl oder Tokyo Gore Police gleichtun zu müssen. Raining Blood ist einer dieser Spezialisten, die die brutalen alten Tage wieder aufleben lassen will, nur um sie dann möglichst gewaltsam wieder zu meucheln ...

 

Naoto hat es wahrlich geschafft. Von daheim rausgeflogen, seinem Chef eine Erziehungsschelle in die Nüsse verpasst und abgebrannter als Rom unter Nero sumpft er sich so durch den Tag, immer drauf bedacht, den maximal unausstehlichen Drecksack zu geben. Und als gerade alles so klasse läuft erhält er einen Anruf, dass seine Mutter einkassiert wurde und bald Blut gurgeln darf, wenn er nicht an einem Triathlon gemäß einer Literaturvorlage teilnimmt. Praktischerweise liegt die Gebrauchsanweisung, ein Roman namens „Live“, schon postalisch der Drohung bei und Naoto joggt fluchenderweise los. Unterwegs trifft er auf ausreichend andere Menschen, die alle mit Handy und Buch in den Pfoten das gleiche Ziel anpeilen, nämlich einen wichtigen Menschen zu befreien. Blöderweise kommt nur des Gewinners Entführungsopfer wieder frei, und so entbrennt eine semi-temporeiche Schnitzeljagd in garantiert vollständig bescheuerten Sportleroutfits, die nur unterbrochen wird, um eine Peinlichkeit an die nächste zu häkeln.

 

Im Original heißt dieses Machwerk Raivu, was lose übersetzt so etwas wie Live heißt - wie der Schinken im Film, welch Zufall aber auch. Das verkauft sich aber nicht so geil wie ein reißerisches Raining Blood. Auf besagten Blutregen wartet man allerdings ziemlich lange, da der Film seine Käufer mit einer ausgedehnt-langweiligen Einführung straft und die Zeit vortrefflich dazu nutzt, dem Zuschauer tausend Gründe zu liefern, warum man Naoto auf alle Fälle tot sehen will. Und ist man nicht gerade damit beschäftigt, den Hauptakteur zu hassen, darf man handverlesene Peinlichkeiten und Slapstick untersten Niveaus betrachten, wie sie japanisch geprägte Filme so gerne verwenden. Schlüpfrige Schlüpferwitze dürfen da ebenso wenig fehlen, wie die klassischen Japano-Stereotypen der Marke Perversling, Feigling und Zuckerpüppchen. Und scheinbar hielten es die Macher wohl für eine gute Idee, permanent das eigentliche Ziel aus den Augen zu verlieren, nur um ihre bescheuerten Drehbucheinfälle selbstzweckhaft irgendwie reinzuquetschen. Natürlich wird’s dann doch irgendwann blutig, irgendwie muss ja die Reihe der unsympathischen Tollpatsche ausgedünnt werden. Meist geschieht das über vollkommen unwahrscheinliche Unfälle oder drehbuchinduzierte Dummheit, die fernab jeglicher Glaubwürdigkeit den Jean-Luc-Picard-Gedächtnis-Facepalm erzwingt. Oder wie würdet ihr reagieren, wenn ihr aus einer Düse punktuell heißes Wasser um die Möpse gejagt kriegt? Richtig, BH ausziehen und bloß nicht zur Seite treten. An dieser Stelle noch eine Entwarnung (-täuschung), blankgezogen wird trotzdem nicht, ist ja schließlich Japan und Pixel kosten teuer Geld. Nun endlich zum namensgebenden Protagonisten, dem Blutregen. Ab der zweiten Hälfte suppt’s ordentlich, leider aber fast nur digital. Mit echtem Blut wird, völlig untypisch und unverständlich, stark gegeizt, was den Reiz, sich diese Katastrophe anzutun, stark dämpft. Keine Kärcher-Aorten, keine Blutfontänen und keine Verkrüppelungsplastiken. Im Vergleich zu Übermassaker und Soziopathenreferenz Tokyo Gore Police gibt sich Raining Blood als laues Hobbygemetzel ohne große Kreativität.

 

Bildergalerie von Raining Blood (9 Bilder)

Auf technischer Ebene sollte man auch nicht zu viel erwarten. Man sieht dem Film an, dass kaum Kohle da war. Das Bild wirkt meist seltsam matt obwohl versucht wurde, möglichst viele Farben wider jeden Geschmacks reinzuwürgen. Dazu gesellt sich besagtes CGI-Blut, das auch nur bedingt begeistert, weil man es schon aus zwei Kilometer Distanz als unecht erkennt. Was den Sound angeht, so stellte sich Raining Blood für mich als wahre Prüfung heraus. Die Synchronisation ist jenseits von Gut und Böse und mit das schlechteste, was mir dieses Jahr den Gehörgang malträtiert hat. Dazu gesellt sich eine Jazzkapelle auf Speed, die es nicht schafft, fünf aufeinanderfolgende Minuten die Backen zu halten. Ständig dudelt so etwas wie Fahrstuhlmusik auf Acid durch die Boxen und tut ihr Möglichstes, eure Mordlust anzufachen.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Raining Blood ist eure Zeit nicht wert. Punkt. Die Grundidee ist ganz nett, aber so dilettantisch umgesetzt, dass es nur noch weh tut. Als Guilty Pleasure taugt das Teil hier auch nicht, denn weder haut einen der Goregehalt aus den Latschen, noch gibt’s irgendwelche anderen Schauwerte zu begaffen, die sich irgendwie lohnen würde. Die Musik und die Synchro nerven so hart, dass ich mir am liebsten das Trommelfell aufgebohrt hätte und die Dummheit dieser sogenannten Gags sucht ihresgleichen. Wer mit japanischem Niedrigniveau-Humor klar kommt leidet vielleicht nicht ganz so sehr, aber trotzdem ist Raining Blood eine Verschwendung von Ressourcen und Zeit. Zieht euch lieber die Interpretation von Slayer rein, die taugt bedeutend mehr.


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