Red Johnson's Chronicles- Einer gegen alle

Red Johnson's Chronicles- Einer gegen alle

Publisher: Lexis Numérique
Entwicklerstudio: Lexis Numérique
Genre: Adventure
Sub-Genre: Detektiv-Abenteuer
Art: Downloadtitel
Erscheinungsdatum: 12.09.2012
USK 12

Red Johnson's Chronicles- Einer gegen alle   23.10.2012 von GloansBunny

Eine Mischung aus L.A. Noir und Sherlock Holmes klingt nicht nur spannend, sondern ist es auch! Mit Red Johnson's Chronicles – One against all von Lexis Numérique gibt es endlich wieder Licht am Abenteuer- und Ermittlungsspiele-Horizont. Rentabel wie ein Kunstraub im ganz großen Stil oder harmlos wie ein Strafzettel wegen Falschparkens? Die Sofahelden kramen Lupe und UV-Lampe heraus...

 

Red Johnson ist ein Privatdetektiv, der sich den Großteil seiner Brötchen im bezahlten Dienste der Polizei verdient. Ohne Red wäre das Chaos in der Stadt Metropolis noch größer, als es sowieso schon ist. Statt Betonplatten pflastern Leichen die Gehsteige, Raubüberfälle gehören zum guten Ton und an jeder Ecke rotten sich Schnapsdrosseln und Bordsteinschwalben zu alkoholisierten Grüppchen zusammen. Nur die Ahnungslosen oder Lebensmüden verschlägt es in die dunklen Gassen von Metropolis, in denen Verbrecherbanden das Sagen haben. In eben jenen Sumpf aus Gewalt, Brutalität und Rache hat sich Red Johnson zurückgezogen. Seitdem er in einem Fall den Schwerverbrecher Teddy hinter schwedische Gardinen verfrachtet hat, ist ein gewaltiges Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Logisch, dass ihm für die Summe eines mittelständigen Jahresgehalts jeder an den Kragen will. Doch Red ist kein Kind von Traurigkeit und weiß sich zu wehren. Mit Intelligenz, Coolness und Waffenkenntnissen schüttelt er Kleinganoven und Nachwuchsgangster locker ab – bis sein Bruder Brown in die Fänge eines der Kartelle gerät. Von diesem Moment an zählt für Red nur eines: seinen Bruder retten. Welche dunklen Machenschaften sind am Werke, wer steckt hinter all den mysteriösen Ereignissen und was hat Reds Familie damit zu tun? Dies sind nur wenige Fragen, auf die es Antworten zu finden gilt. Willkommen in Metropolis! Willkommen in der irre spannenden, unterhaltsamen und kniffligen Welt von Red Johnson´s Chronicles – One against all!

 

Die Steuerung: kleiner Aufwand, große Wirkung ...

Man muss kein Atomphysiker sein, um Privatdetektiv zu werden. Und man muss kein Privatdetektiv sein, um selbigen durch sein Abenteuer zu lotsen. In klassischer Point-and-Click-Manier bewegt man ganz einfach per Analogsticks den virtuellen Zeiger und dreht ausgewählte Objekte oder die Kamera. Die Aktionsknöpfe ermöglichen die Interaktion mit Gegenständen und helfen beim Kombinieren und Agieren. Auf den Schultertasten verstecken sich Reds Ermittlungswerkzeuge wie die Lupe oder die UV-Lampe, dienen aber auch zum Scrollen in Schriftstücken und Notizheften. Zu Beginn des Spiels führen die Entwickler mit einem kleinen, unaufdringlichen Tutorial in die intuitive Tastenbelegung ein. Das Grundprinzip der Steuerung ist stets gleich, was für einen angenehm konstanten Spielfluss sorgt. Die Geschwindigkeit des Cursors ist zwar genretypisch eher etwas träge, die Präzision allerdings überzeugt umso mehr. Dank der durchdachten Steuerung kann der Spieler seine volle Konzentration auf die Dialoge und Rätsel richten – so macht knobeln Spass!

 

Grafik, Sound und Atmosphäre: Comic, Comedy und Charakter ...

Die Einführungssequenz weckt irgendwie Erinnerungen: Schwarze Figuren und Gegenstände vor weißem Grund, durchzogen von knallroten Blutspuren und cooler Musik. Wer hier an den Vorspann von James Bond-Filmen denken muss, liegt goldrichtig. Wow, das scheint optisch sehr vielversprechend zu sein!

 

Schnitt.

 

Flackernde Bildschnipsel in diversen Grautönen samt Unschärfen fügen sich zu einer Rückblende im melancholischen Film-Noir-Stil zusammen. Aha, das geschah also in Reds Vergangenheit, interessant!

 

Wieder Schnitt.

 

Die Gegenwart. Der Hauptcharakter sitzt in einer heruntergekommenen Hafenkneipe und hängt seinen düsteren Gedanken nach. Im bunten Comic-Look samt Cel-Shading-Ambitionen präsentieren die Herrschaften von Lexis Numérique ihr neuestes Werk und bleiben dieser Linie auch in den weiterführenden spielbaren Abschnitten treu. Hat man die anfängliche Reizüberflutung dreier Grafikstile erst mal verarbeitet, fühlt man sich schnell heimisch im dreckig-bunten Metropolis. Die leicht überzeichneten Figuren strotzen nur so vor Details und könnten unterschiedlicher kaum sein. Ob ranziger Penner, aufreizende Barkeeperin oder zwielichtiger Gangsterboss – man kann gar nicht anders, als sie zu mögen, den coolen Rotschopf Red eingeschlossen. Das berühmte Tüpfelchen auf dem i zeigt sich anhand der realistischen und flüssigen Animationen. Ob menschliche Bewegungsabläufe oder Mimik, mechanische Teile oder einfache Licht- und Schattenstrukturen, alles wirkt wie aus einem Guss und hinterlässt ein für einen Downloadtitel überdurchschnittlich gutes Grafikkonstrukt. Auch die Rätsel sind ansprechend visualisiert, ebenso die zahlreichen Hintergründe.

 

Bildergalerie von Red Johnson's Chronicles- Einer gegen alle (14 Bilder)

Die dichte Atmosphäre wirkt von Anfang bis Ende stimmig und fesselt an den Bildschirm, was nicht zu Letzt auch den tollen englischen Synchronsprechern samt exzellent eingedeutschten Untertiteln und dem großartigen Soundtrack zu verdanken ist. Mit viel schwarzem Humor, charismatischen Figuren und einem erfrischendem Grafikmix überzeugt Red Johnson's Chronicles – One against all in Punkto technischer Umsetzung auf ganzer Linie. Da kann man die häufigen, aber kurzen Ladezeiten getrost verschmerzen.

 

Gameplay und Inhalt: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute ...

L.A. Noir hat die Messlatte für Ermittlungsspiele extrem hoch gesetzt und gilt bis heute als Meilenstein dieses Genres. Lexis Numérique greift die Thematik auf und vereint knackige Rätseleinlagen, Kombinationsaufgaben und Quick-Time-Events zu einem tollen Detektivabenteuer auf Point-and-Click-Basis. Mit Hilfe diverser technischer Spielereien gilt es, Codes zu finden, Schlösser zu knacken oder Logikrätsel zu lösen. Der Schwierigkeitsgrad der in den Szenarien verteilten Kopfnüsse steigt mit fortschreitender Storyline rasant an und beschert auch Genrefans einiges Kopfzerbrechen. Dabei sind die Aufgaben sehr abwechslungsreich gestaltet und variieren in ihren Konstellationen. Der vermeintlich einfache Einstieg ins sechs bis acht Stunden umfassende Adventure steigert sich sehr bald auf hohes Ratefuchsniveau. Mit UV-Lampe und Lupe einen Gegenstand nach einem Passwort absuchen, Puzzlestücke zu einem Bild zusammensetzen, komplexe Zahlenrätsel lösen oder scharfsinnige Wortspiele entwirren sind nur ein Paar der Aufgaben, die dem Spieler gestellt werden.

 

Zwar wiederholen sich die ein oder anderen Abläufe, doch eintönig oder gar langweilig wird die Mischung aus Logik und Gehirnakrobatik nie. Scharfsinn, Geschwindigkeit und taktisches Handeln werden zudem in zahlreichen Ermittlungsfragen und Reaktionstests gefordert. Phantombilder anfertigen, Gegenstände analysieren, Tatorte untersuchen, Zeugen befragen, Angriffe via Quick-Time-Sequenzen abwehren... Die Liste der Gameplayvarianten scheint riesig zu sein. Wo einem bei unvermittelt eintretenden Schrecksekunden die Luft weg bleibt, folgt kurz darauf ein Rätsel, an dem man sich eine gefühlte Unendlichkeit die Zähne ausbeißt. Das Gefühl des Triumphes spornt dabei aber immer weiter dazu an, neue Puzzles zu lösen – auch, wenn der Schwierigkeitsgrad nicht immer optimal ausbalanciert ist. Sollte man einmal wirklich auf dem Schlauch stehen, so bietet das Spiel auf Wunsch mehr oder weniger hilfreiche Tipps an. Die richtigen Lösungsansätze gibt es aber nur gegen Credits, die man sich durch erfolgreiche Levelabschlüsse verdient. Je schneller und präziser Red die Aufgaben löst, desto besser die Wertung und umso höher die Einnahmen. Doch gerade bei den komplexeren Puzzles sind die Hinweise auch sehr teuer und reduzieren somit das virtuelle Konto rasch auf Taschengeldniveau. Das Spiel häufig zu speichern ist durchaus ratsam, wenngleich der Wiedereinstieg nach einem Ladevorgang gelegentlich mit Frust verbunden ist. Denn nicht selten ignoriert das Game den Levelfortschritt. Das bedeutet: Scheitert man in einem großen Level am beispielsweise fünften Rätsel und lädt aus Creditgier den zuvor angelegten Spielstand, heißt es "Pech gehabt!", Ladepunkt am Anfang des Szenarios bei Puzzle Nummer Eins. Zwar löst man dann die nun bekannten Aufgaben in Rekordzeit, befriedigend ist das allerdings nicht. Hier darf Lexis Numérique gerne nachbessern.

 

An der Geschichte gibt es hingegen nichts auszusetzen. Die Suche nach den Drahtziehern der Entführung von Reds Bruder gestaltet sich spannend und hat einige überraschende Wendungen parat. In den Leveln versteckte Notizen, Zeitungsausschnitte und Aufzeichnungen geben Einblick in Hintergrund und Verlauf der Ereignisse und beleuchten die einzelnen Charaktere. Natürlich darf man keinen Tiefgang Marke Ken Follett erwarten, für ein Arcadegame kann sich die Story aber durchaus sehen lassen.

 

Red Johnson's Chronicles – One against all bietet eine dem Preis von etwa 10 Euro durchaus angemessene Mixtur aus Puzzle- und Ermittlungsspiel mit tollen Charakteren, unzähligen Kopfnüssen und hübscher Grafik – ausreichend Festplattenkapazität vorausgesetzt. Hoffentlich arbeitet Lexis Numérique an weiteren Fällen für den coolen Rotschopf aus Metropolis...


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Ratefüchse, aufgepasst! Red Johnson's Chronicles - One against all bietet Puzzle- und Detektivaufgaben auf höchstem Niveau. Die intuitive Steuerung, die tolle grafische Gestaltung und die gelungene Vertonung sorgen für stundenlangen Spielspaß und werden von einer spannenden Story inszeniert. Die unzähligen Rätsel variieren in ihrer Ausführung und schöpfen aus dem genretypischen Vollen. Vom einfachen Absuchen von Gegenständen über komplexe Zahlen- und Worträtsel bis hin zu kniffligen Analysetätigkeiten ist alles geboten. Zudem sind Kombinationsgabe, Schnelligkeit und Scharfsinn gefragt, wenn Zeugen verhört, Tatorte besichtigt und Quick-Time-Events initiiert werden. Der anspruchsvolle Schwierigkeitsgrad ist für Einsteiger allerdings nicht geeignet, trotz zuschaltbarer Hilfefunktion. Profis und Knobelfans werden aber ihre wahre Freude mit dem coolen, charismatischen Rotschopf haben. Im Vergleich zu Red Johnson ist Sherlock Holmes spießig und James Bond ein Softie. Man darf gespannt sein, welche Abenteuer in Zukunft noch auf den Privatdetektiv warten!


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positiv negativ
  • Unzählige verschiedene Rätselarten
  • Anspruchsvoller Schwierigkeitsgrad
  • Netter Grafikmix
  • Toller Soundtrack, klasse Synchronsprecher
  • Spieldauer mindestens sechst Stunden
  • Hoher Wiederspielwert
  • Knapp drei GB Speicherplatz nötig
  • Hilfefunktion nicht immer optimal
  • Zwar kurze, aber häufige Ladezeiten
  • Schwierigkeitsgrad nicht für Anfänger geeignet





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