Remember me

Remember me

Publisher: Capcom
Entwicklerstudio: Dontnod Entertainment
Genre: Action-Adventure
Sub-Genre: Prügler
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 07.06.2013
USK 16

Remember me   20.06.2013 von Benji

Erinnerungen sind meist nur flüchtig. Manchmal ist es ein Geruch, manchmal ein Bild, manchmal auch nur ein kleines Geräusch, das uns an Tage und Dinge erinnert, die uns in gewisser Weise geprägt haben. Nach Urlaubsreisen kleben einige Menschen ganze Alben mit Bildern voll, nur um die Eindrücke und Gefühle der erlebten Zeit nachträglich festhalten zu können, und dennoch kann das Erlebte nie wieder in voller Pracht erneut durchgangen werden. Wäre es da nicht schön, wenn man eine Maschine hätte, die unsere Erinnerungen erneut erlebbar macht? Die uns vielleicht sogar die Möglichkeiten zum Austausch gibt? Nicht wirklich …

 

Es ist eine gesellschaftliche Revolution – vergleichbar mit der Einführung des Internets. In Remember Me befinden wir uns in der Zukunft und schreiben das Jahr 2084. Eine Firma namens Memorize vermarktet ein neues Implantat, dass das Leben weltweit massiv verändern soll. Mit Sensen haben die Menschen die volle Kontrolle über ihre Erinnerungen gewonnen. Sie können sie mit anderen teilen und neu erleben. Schlechte Erinnerungen können mit einem einfachen Handwisch wieder gelöscht und gute Erinnerungen über große Serveranlagen weltweit verschickt werden. Das Gedächtnis eines jeden Menschen wird zu nichts anderem, als einer voll kontrollierbaren Festplatte.

 

Wenig verwunderlich also, dass Memorize mit der Patentierung und Vermarktung dieser Technologie zum größten Unternehmen weltweit heranwächst. Sie besitzen ein Marktmonopol, stärker und mächtiger, als man es heutzutage von Firmen wie Google oder Facebook kennt. Nicht einmal mehr die Staatengemeinschaft kann gegen diese Übermacht ankommen, und so passiert das Unvermeidliche. Sensen erzeugt Abhängigkeiten, ähnlich einer Droge, und ist bei Weitem nicht fehlerfrei. In den Slums der Stadt tummeln sich dadurch immer mehr Menschen, deren Verstand durch fehlerhafte Erinnerungen völlig aufgeweicht ist – sogenannte Leaper. Doch gleichzeitig entwickelt sich auch eine Widerstandsgruppe, die es auf Memorize und ihre technologische Übermacht abgesehen haben. Die Erroristen, wie sich selber nennen, ist nicht weniger als eine Untergrundgruppe bestehend aus Hackern. Ihr Ziel ist die Zerstörung von Sensen und die damit verbundene Befreiung der Menschen.

 

Der Spieler schlüpft in die Rolle von Nilin. Sie soll eine der bekanntesten Erroristen sein. Als Einzige in der Lage bei einem Hack eines Implantates nicht nur die Erinnerungen von Menschen zu löschen, sondern sie sogar zu verändern. Doch all das erfährt die Protagonistin nur aus zweiter Hand, denn zu Beginn des Spiels ist es ausgerechnet sie, deren Erinnerungen fast komplett gelöscht wurden.

 

In den ersten Trailern von Remember Me hat Capcom mit der Idee der Gedankemanipulation gespielt. Wie kann man einen Menschen dazu bringen, sich selbst umzubringen? Mit Sensen ist das ganz einfach – man lässt ihn glauben, er hätte alles verloren, was er geliebt hat. Das sogenannte Remixen der Erinnerungen ist in der Geschichte des Spiels tatsächlich ein zentraler Punkt. Nilin nutzt diese Fähigkeit, um sich selber neue Verbündete zu schaffen und ihr Ziel zu erreichen. Als Spieler kann man dazu in vorbestimmten Szenen den Ablauf manipulieren. Ähnlich einer DVD-Steuerung kann man Vor und Zurückspulen. Neuralgische Punkte können angepasst werden. Diese zu finden, ist die eigentliche Herausforderung beim Remixen. Einmal die Waffe entsichert und den Hocker etwas umgestellt, schon erschießt ein Mann in seinen Erinnerungen seine Freundin. Tottraurig sucht er daraufhin den Selbstmord – Ziel erreicht.

 

Im eigentlichen Gameplay des Spiels machen diese Szenen allerdings nur einen minimalen Bestandteil aus. Tatsächlich kann man die, als Spieler vorgenommenen, Remixe an einer Hand abzählen. Das ist schade, bieten sie doch im sonst recht faden Videospielalltag mal etwas Neues. Verschmerzbar ist es aber allemal, denn der Rest des Spiels hat seinen ganz eigenen Reiz.

 

Bildergalerie von Remember me (25 Bilder)

Passend für Capcom ist Remember Me ein reinrassiger „Brawler“. Eines jener Spiele also, in denen man in relativ linearen Leveln Raum für Raum herankommende Gegnertruppen verprügelt. Anders ausgedrückt: Remember Me ist die Science-Fiction Variante eines Devil May Cry und macht diesen Job ausgesprochen gut.

 

Nilin besitzt zwar kein Schwert und keine Pistolen, kann aber umso besser schlagen und treten. Als Spieler wird einem direkt zu Beginn das Compo-Lab vorgestellt. In diesem kann man seine eigenen Combos gestalten. Das Spiel gibt dafür vorgefertigte Schablonen vor. Praktisch leere Combo-Hüllen, die nun vom Spieler mit entsprechenden Schlägen und Tritten gefüllt werden müssen. Im Spiel werden diese Kampfmanöver Impressions genannt und bieten jeweils einen ganz eigenen Vorteil. Einige geben z. B. Lebensenergie zurück während andere die Spezialattacken von Nilin aufladen. Als Spieler kann ich mir so mithilfe der Schablonen für jede Kampfsituation eine eigene Combo zusammenstellen. So wird in das klassische Prügeln eine ungekannte taktische Komponente eingebaut. Von der Idee her also schon mal super. Störend ist allerdings, dass das Spiel vor allem in den späteren Leveln versucht, mit speziellen Gegnertypen besondere Combos zu erzwingen. So gibt es z. B. Wachen, die durch eine elektrifizierte Rüstung mit jedem Schlag einen gewissen Teil an Schaden zurückgeben. Wer in diesem Fall keine Regenerationsimpressions verwendet, liegt schnell am Boden. Hier büßt der Spieler also wieder an Gestaltungsfreiheit ein.

 

Technisch sieht man Remember Me an, dass es auf die Bedürfnisse der aktuellen Konsolengeneration abgestimmt wurde. Die verwendete Unreal 3 Engine ist mittlerweile einige Jahre alt und hinterlässt im Spiel ihre Spuren. Während die Lichteffekte durchaus ansehnlich sind, können einige teils matschige Texturen nicht übersehen werden. Dennoch kann sich der gewählte Cyberpunk Stil sehen lassen. Das passend inszenierte Neo-Paris, wo nur wenige Kilometer zwischen protzendem Reichtum und dreckigen Slums liegen, erinnert an Filmklassiker wie Bladerunner. Auch der Soundtrack passt zu dieser Stimmung. Immer wieder wechselt das Spiel hier zwischen sanften Streichern und poppigem Elektrosound.

 

Fast ist man da schon geneigt zu trauern, dass es so lange gebraucht hat, bis der Cyberpunk es nach den 80er Jahren wieder zurück in die Medienlandschaft geschafft hat. Remember Me ist auf jeden Fall ein erster richtiger Schritt der zeigt, wie Spiele und Filme in diesem Setting angesetzt werden können.


Das Fazit von: Benji

Benji

Remember Me mag nicht das Spiel sein, was man nach den ersten Trailern erwartet hat, aber es ist dennoch solide und unterhaltsam. Zwar ist es schade, dass man das Remixen nicht stärker ausgebaut hat, aber das gut gemachte Kampfsystem tröstet darüber hinweg. Neo-Paris ist zudem ein gutes Beispiel für ein gelungenes Cyberpunk Setting und macht Lust sich Filme wie Bladerunner oder Total Recall noch mal anzusehen.


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