Risen 2

Risen 2

Publisher: Koch Media
Entwicklerstudio: Piranha Bytes
Genre: Rollenspiel
Sub-Genre: Action-Rollenspiel
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 27.04.2012
USK 12

Risen 2   05.08.2012 von Benji

Aye! Willkommen in der Karibik Ihr Landratten. Allen Nörglern zum Trotze ist das Piratensetting noch lange nicht tot. Auch wenn diverse Entwickler schon erfolglos versucht haben, mit einäugigen Freibeutern und quakenden Papageien ein Spiel auf die Beine zu stellen, lässt sich Piranha Bytes in Risen 2 nicht beirren. Mit straffen Segeln schicken sie ihren namenlosen Helden in die dunklen Gewässer, wo neben den verlausten Piraten auch Voodoo-Hexen und ein gefährlicher Kraken warten. Wir haben uns auf die Reise begeben und verraten Euch, ob die Gothic-Entwickler wissen, wie man ein Rollenspiel auch ohne Orks und Mittelalter aufbaut ...

Was für ein Durcheinander
Nachdem unser Held im Vorgänger erfolgreich den Feuertitan besiegt hat, steht die alte Welt kopf. Das Festland wird Stück für Stück aufgegeben und es bleibt eine brennende Küstenstadt unter der Führung der restlichen Inquisitoren. Um das Chaos letztlich perfekt zu machen, schwimmt vor der Küste auch noch ein Kraken fröhlich seine Bahnen. Der lässt es sich nicht nehmen die Besucher der Inquisition auf Caldera in Empfang zu nehmen, während sich unser Held dieses Schauspiel tatenlos mit ansehen muss. Glücklicherweise kommt es ausgerechnet in dieser dunklen Stunde zu einer Wendung. Denn als einzige Überlebende stapft ausgerechnet die Piratenbraut Patty aus dem Wasser. Diese hat gute Nachrichten für uns. Ihr Vater Kapitän Stahlbart kennt eine Waffe gegen den Kraken und dessen Titanen Mutter Marah. Alles was wir tun müssen, ist mit Patty nach Takarigua zu segeln.

Der Plan ist geschmiedet
Damit alles klappt, wird unser Held aus der Inquisition geworfen und darf verdeckt bei den Piraten ermitteln. Wir segeln also in die neue Welt und finden auf der bereits erwähnten Insel Takarigua unsere erste frei erkundbare Umgebung. Im Grunde ein schöner Einfall der Entwickler, da man hier in einem kontrollierten Bereich als Spieler langsam an die Mechanik des Spieles herangeführt wird. Risen 2 unterscheidet sich in seiner Spielweise nur marginal von seinem Vorgänger und Piranha Bytes erfolgreicher Gothic Serie. Mit dem Lösen von Quests und dem Töten von Gegner erhaltet Ihr Ruhmpunkte. Diese könnt Ihr in das Updaten von sechs Attributen investieren. Jedes Attribut unterteilt sich in drei Talente, die wiederum die Fertigkeiten im Kampf oder im Dialog charakterisieren. Steigert Ihr also z. B. das Attribut Gerissenheit, erhöhen sich die dazugehörigen Talente „Schmutzige Tricks“, „Diebeskunst“ und „Silberzunge“ um fünf Punkte. Außerdem ist es dadurch möglich bei den entsprechenden Lehrern Fähigkeiten zu erwerben wie etwa „Schlösser knacken“. Gerade Letzteres ist ein Relikt aus alten Gothic-Tagen und trägt enorm zur Motivation bei. So wird man als Spieler immer wieder dazu angetrieben, Gold und Ruhm zu sammeln, um dann verrückte Talente wie z. B. „Affentrainer“ zu erlernen, mit dem es möglich ist, einen kleinen Affen auf eine räuberische Tour zu schicken.

Der taktische Kampf
Nachdem wir uns mit unserem Helden in das klassische Rollenspielsystem wieder reingefunden haben, gehen wir auf Erkundungstour. Typisch für Risen fällt zunächst das Kampfsystem auf. Gerade im Schwertduell gegen menschliche Gegner wird klar, dass hier ein dreistes Hauen auf die Knöpfe zu keinem Ergebnis führen wird. Vielmehr muss man taktisch vorgehen. Es hilft auf den Schlag seines Gegners abzuwarten und wer ein echter stinkender Pirat sein will, der muss natürlich auch die fiesen Tricks beherrschen. So streuen wir im Kampf auch mal Sand in das Auge unseres Gegners oder ziehen im richtigen Moment unsere Pistole. Hier findet sich übrigens ein weiteres neues Element in Risen 2, denn Bogen und Armbrüste sind im Piratensetting Musketen, Schrottflinten und eben Pistolen. Letztere lassen sich als „Zusatzwaffe“ im Nahkampf einsetzen, während die starken Fernkampfwaffen nur zur Verfügung stehen, wenn man sich im Spielverlauf für die entsprechende Fraktion entscheidet.

Die Entscheidung
Das passiert nach etwa 9-10 Stunden Spieldauer, wenn unser Held an der Schwertküste landet. Dort kommt die Entscheidung, ob man sich im Kampf gegen verfeindete Piraten wieder der Inquisition anschließt oder der hübschen Eingeborenen-Prinzessin Chani hilft. Diese kann Euch in die Geheimnisse der Voodoo-Magie einweihen, während man in der Stadt bei den Truppen den Umgang mit Musketen lernt. Sowohl praktisch wie theoretisch hat sich gezeigt, dass diese Wahl eher schlecht ausbalanciert wurde. Natürlich ist eine halb nackte Voodoo-Hexe wesentlich charmanter als ein Trupp schwitziger Kerle, aber abgesehen davon bringen die Voodoo-Fähigkeiten auch im späteren Spielverlauf wesentlich mehr, als die Fernkampfwaffen. So lassen sich mithilfe der dunklen Magie Tränke brauen, sowie gefährliche Waffen herstellen. Voodoo Puppen können den Gegner im Kampf schwächen, nutzen sich allerdings bei Gebrauch ab. Zepter hingegen können beliebig verwendet werden und helfen beim trickreichen Umgang mit Gegnern. Warum z. B. nicht einfach mit einem wilden Alligator einen feindlichen Piraten überfallen. Kein Problem, falls man das Zepter der Macht in seinen Händen hält.

Bildergalerie von Risen 2 (16 Bilder)

Ebenfalls sind durch die neue Voodoo-Magie spezielle Möglichkeiten zum Lösen von Quests möglich. So könnt Ihr, solange Euch die Geschichte lässt, einen wichtigen Charakter per Voodoo Puppe übernehmen. Dadurch ergeben sich dann neue Lösungswege. Warum sich beim Meutern eines Schiffes mit den Wachen umherschlagen, wenn man als Kommandant diese einfach zum verdienten Mittagsschlaf schicken kann? Die Antwort liegt auf der Hand.

Auch wenn sich diese Variabilität in den Lösungswegen zunächst traumhaft anhört, nutzt Risen 2 solche Momente viel zu selten aus. Die erste Hälfte des Spiels ist zudem nahezu komplett linear. Erst nach etwa 15 Stunden, öffnet sich die Spielwelt, indem wir Kapitän unseres eigenen Schiffes werden und eine Crew um uns scharren können. Selbst dann wirkt die komplette Spielwelt stark fragmentiert. Per Befehl schippert die Crew samt Schiff zu den gewünschten Inseln, und auch wenn die sich in ihrem Umfang durchaus sehen lassen können, verliert man dadurch im Spiel das Gefühl einer zusammenhängenden Welt.

Die Technik
Das größte Manko in Risen 2 ist allerdings die technische Umsetzung. Zumindest hat es Piranha Bytes wieder geschafft, ein funktionierendes Spiel auf den Markt zu bringen. Nachdem schon der Vorgänger in dieser Hinsicht halbwegs befriedigend war, dürfte die katastrophale Veröffentlichung von Gothic 3 nun endgültig zu den Akten gelegt werden. Es gehört allerdings zu einem guten Spiel auch mehr, als nur zu funktionieren. Die Grafik von Risen 2 ist mit den schönen Lichteffekten und einer tollen tropischen Szenerie gelungen, sie ist aber dennoch verglichen mit anderen Titeln derzeit eher Standard. Das liegt vor allem daran, weil die Animationen nach wie vor eher mäßig in ihrer Umsetzung sind. Auch wenn die Entwickler hier Verbesserungen bewerben, merkt man davon als Spieler nur wenig. Wenn der Held z. B. zum Laufen ansetzt, dann wirkt das nur wenig ästhetisch, und wenn der Kraken im tosenden Sturm ein Schiff ins Meer zieht, dann mag man sogar aufgrund der steifen Inszenierung etwas schmunzeln. Hinzu kommt, dass im Test sehr oft flackernde und aufpoppende Objekte bemerkt wurden. Ein Problem das gerade, bei der sonst recht lebhaft inszenierten Dschungelwelt, negativ ins Auge fällt.

Kann man über solche Kleinigkeiten hinwegsehen, dann kann Risen 2 mit dem ungewöhnlichen Piratensetting durchaus Freude bereiten. Die witzigen Dialoge, die stimmige Umgebung und die tolle Spielmechanik tragen dazu bestens bei. Insgesamt darf man mit einer Spieldauer von mehr als 30 Stunden rechnen. Genug Inhalt also, falls man mal wieder mit entsprechender Akkulaufzeit auf einer einsamen Insel strandet.

Die Konsolenversion

Endlich gibt es das Spiel auch für die Xbox 360 und die Playstation 3, leider gibt es hier aber mehr Negatives, als Positives zu berichten. Die Technik war bei der PC-Version schon nicht zeitgemäß, die Konsolenversion ist allerdings noch viel schlimmer. Die geringere Qualität schlägt nicht nur bei den Lichteffekten zu Buche. Die Polygone wurden verringert, die Figuren sehen noch steifer aus, die Gesichtsanimationen könnten Playstation 2-Ursprung haben und die Texturen sind sehr karg. Immer wieder gibt es, trotz der detailarmen Grafik, Einbußen in der Performance. Hin und wieder ruckelt das Bild, kurze Ladepausen stören den Spielfluss und Kameraschwenks kommen ins Stocken. Ein positiver Punkt, dass es keine Ladezeiten bei der Schnellreise gibt, wird schnell negativ, wenn man dafür den einzelnen Bildaufbau innerhalb von ein paar Sekunden betrachten darf. Stück für Stück wird das Setting aufgebaut, was nicht gerade für die Technik des Spiels spricht.

Leider sind dies nicht alle Mankos, welche die Konsolenversion bietet. Die Schrift im Menü beziehungsweise während den Missionen ist schwer lesbar, und hin und wieder gibt es Tonaussetzer. Mal wird ein Effekt gänzlich vergessen, mal kommt er zu spät. Selbst Spielegrößen wie Skyrim trotzen vor Fehlern, doch diese kann man verzeihen, wenn der Rest passt. Leider passt bei Risen 2 auf der Xbox 360 oder der Playstation 3 vieles nicht! Nichtsdestotrotz ist es ein gutes Rollenspiel, wenn man bei der Konsolenumsetzung auf eine gute Grafik und damit eine stimmige Atmosphäre verzichten kann. Aufgrund der Mankos und der schlechten Umsetzung ziehen wir bei der Bewertung der Konsolenversion zwei Punkte ab!
 


Das Fazit von: Benji

Benji

Sicherlich hat Piranha Bytes hier keinen ernsthaften Konkurrenten für den Genre-Primus Skyrim erschaffen. Man muss den Entwicklern allerdings zugutehalten, dass sie nach dem Weggang von JoWood mit Risen wieder eine solide Rollenspielserie etabliert haben. Die Mechanik erinnert an die alte Gothic Reihe und Fans dieser Kultspiele dürften sich alleine deshalb wieder heimisch fühlen. Doch auch Genrefreunde im Allgemeinen können bei diesem Ausflug in die dunklen Gewässer auf ihre Kosten kommen. Risen 2 ist nämlich ein wunderbares Beispiel dafür, warum es sich lohnt, bei Rollenspielen vom klassischen Orks gegen Elfen wegzugehen. Dieses Spiel bietet in seinem Setting etwas Neues und Erfrischendes. Alleine deshalb sollte man es sich nicht entgehen lassen.


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positiv negativ
  • Intelligentes Kampfsystem ...
  • Grafik mit netten Lichteffekten ...
  • Tolles Piratensetting
  • Spielmechanik mit Gothic-Flair
  • Auch mit Gamepad problemlos spielbar
  • Viefältige Voodoo-Magie
  • ... das im Kampf gegen Tiere nicht ganz aufgeht
  • ... und schlechten Animationen
  • Teils fragmentierte Spielwelt
  • Zeitweise linearer Spielverlauf





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