Nach dem Reinfall von Gothic 3 wurden die Namensrechte an ein anderes Entwicklerstudio verkauft. Nun versucht es Piranha Bytes mit „Risen“ erneut und erhofft sich durch die Anlaufschwierigkeiten des inoffiziellen Vorgängers dieses Mal den Durchbruch. Ob Sie es mit Risen nun schaffen oder es doch alte Schwächen von Gothic mit sich ziehen, lest ihr in diesem Test ...
Du schleichst dich mit einer kleinen Gruppe als blinder Passagier auf ein Schiff der Inquisition, um dich in fremde Gewässer aufzumachen. Doch auf dem Weg in neue Gegenden entsteht ein Kampf zwischen dem Magier der Inquisition auf dem Schiff und einem Seeungeheuer, bei dem das Schiff von einer riesigen Welle erfasst wird und alle an Bord in die Tiefe gerissen werden. Als euer namenloser Charakter wieder zu sich kommt, findet er sich als Schiffbrüchiger auf einem Strand einer unbekannten Insel wieder. Viele sind bei der Naturkatastrophe ums Leben gekommen, doch eine Frau
hat mit euch überlebt. Ihr sucht einige Gegenstände bzw. eine Waffe in der Umgebung, um eurer charmanten Begleitung ein wenig Schutz bieten zu können. Dann kämpft ihr euch durch die ersten Gegner und werdet somit spielerisch an die Funktionalitäten und Abläufe von Risen herangeführt. Schließlich kommt ihr an ein kleines Haus, dass wohl mit Eile verlassen wurde, um das Weite zu suchen – doch die Gründe hierfür sind noch völlig unklar. Der Sturm zieht weiter, der Regen lässt nach und ihr könnt euch in dem Haus etwas umsehen. In einem kurzen Gespräch mit der Dame erfahrt ihr mehr über die einzelnen Spielfunktionen und die weiteren Vorgehensweisen. Allerdings wird schnell klar, dass Gothic Veteranen all das bereits kennen, denn schon nach den ersten Spielminuten kommt altes Feeling auf, doch auch Einsteiger finden den Weg schnell in das neue Rollenspiel. Die ersten Minuten sind vergangen und man findet etwas Zeit sich umzusehen. Risen glänzt durchaus durch seine Naturelle Vielfalt, an jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken und vor allem die Lust, zum Beispiel versteckte Höhlen zu erforschen, wird belohnt. Denn wer in Risen auch mal abseits des Weges nach Geheimnissen forscht, wird an vielen Stellen fündig und das Spiel macht hinsichtlich Atmosphäre einen sehr guten Eindruck – zumindest auf den ersten Blick. Nun denn, wir machen uns alleine weiter auf den Weg Richtung Landesinnere, da es unserer Begleitung doch verständlicherweise etwas zu gefährlich ist und, seien wir mal ehrlich, sie wäre nur „Ballast“ für uns.
Die Fraktionen
In Risen gibt es mehrere Fraktionen, für die ihr euch im Laufe des Spiels entscheiden könnt. Die Banditen kontrollierten die Insel bis die Inquisition aufgetaucht ist. Die beiden Parteien sind schlecht aufeinander zu sprechen und in den geheimnisvollen Ruinen suchen die Gauner nach Gold und wertvollen Artefakten. Im Hauptquartier der Banditen könnt ihr alles lernen, was mit Kampf und Diebstahl zu tun hat. Falls ihr euch also für die Banditen entscheiden solltet, macht ihr Karriere als Kämpfer. Die Inquisition tauchte auf der Insel nach dem plötzlichen Erscheinen der Ruinen auf, die aus der Erde kamen und verdrängten die Banditen aus der Hafenstadt. Ihr Ziel ist es, die Menschen auf der Insel zu beschützen und deshalb sperren sie alle Bewohner in der Hafenstadt ein. Doch die wahren Ziele sind zu Anfang des Spiels noch unbekannt. Bei der Inquisition werdet ihr zum Ordenskrieger ausgebildet, ein Mittelweg zwischen Kämpfer und reinem Magier. Schlussendlich möchte ich euch noch die dritte Fraktion in Risen vorstellen, die Magier. Diese teilen sich als Mitglieder des Magierordens mit der Inquisition die Vulkanfestung und haben sich auf die reine Zauberei spezialisiert, was im weiteren Spielverlauf die mächtigste Klasse darstellt.
Das Spielsystem
Den Spielern unter uns, die noch keine Erfahrungen mit Gothic machen konnten, möchte ich kurz das Spielsystem von Risen erzählen, das sich der bisherigen Piranha Bytes Serie aber sehr stark ähnelt. Grundsätzlich geht es in dem neuen „Rollenspielhit“ darum, seinen Charakter durch Levelaufstiege zu spezialisieren, zum Beispiel im Schwert- oder Stabkampf. Erfahrungspunkte sammelt man grundsätzlich durch das Töten von Monstern oder durch Erfüllen von Quests. Aber dies sind grundlegende Rollenspielelemente, die den meisten sicherlich bekannt sind. In Risen sieht das Charaktermenü wie in folgendem Screenshot aus. Es werden die Charakterattribute wie Stärke, Geschicklichkeit etc. aufgelistet sowie die verschiedenen Spezialgebiete, zu denen beispielsweise Schwertkampf oder das Anwenden von Taschendiebstahl zählen. Auch die Schmiedekunst oder das Herstellen von Zaubertränken kann erlernt werden, dadurch steigt die Spielvielfalt enorm an – trotzdem erfindet Risen das Rad nicht neu, was aber auch nicht relevant oder negativ anzustreichen ist. Es ist aber anzumerken, dass man keine, wie sicherlich aus anderen Rollenspielen bekannt, Skillpunkte erhält, um seine Charakterattribute zu verbessern. Man sollte in Risen auf seine Finanzen achten, denn jede Verbesserung kostet Gold und muss bei entsprechenden Trainern erworben werden. Des Weiteren können zum Beispiel die Spieler unter uns, die sich gerne den Banditen anschließen wollen, Schriftrollen finden, mit denen man auch magische Sprüche ausführen kann, um sich somit nicht ganz auf sein Schwert und Schild verlassen zu müssen. Man merkt also, egal für welche Fraktion man sich entscheidet, einen großen spielerischen Unterschied wird es nicht geben und das ist meiner Meinung nach auch gut so, denn somit kann man seinen Charakter auch nach der Entscheidung ein wenig formen und hat noch weitere Möglichkeit der Entfaltung.
Wann passiert mal was?
Aber trotz der facettenreichen Landschaften, die viele Möglichkeiten bieten, wie zum Beispiel Sumpflandschaften, Palmenwälder, düstere Fels- und Höhlenlandschaften und der kreuchenden Tierwelt scheint Risen doch etwas leblos zu sein. Denn letztendlich wirkt die Spielwelt doch recht statisch. Es gibt keinerlei Menschen, die sich frei in der Spielwelt bewegen. Das mag zwar an der Entscheidung der Inquisition liegen, doch die Menschen, die außerhalb der Stadt verweilen, harren starr an den einzelnen Ausgangspunkten aus. Auch gibt es beispielsweise keine Kämpfe unter den einzelnen Artenvielfalten der Tierwelt, die Risen durchaus zu bieten hat, aber nicht erfolgreich einzusetzen weiß. Ich habe keine Reisenden auf meinen Erkundungstouren getroffen, keine Jäger im Dickicht entdeckt oder Ähnliches erlebt, das zusätzlich Leben in die Spielwelt bringen würde. All das war in Gothic 3, wenn auch nur zum Teil, enthalten. Deshalb stellt sich die Frage, warum nicht nun auch in Risen, wenn man es doch schon einmal „erfolgreich“ angewendet hat? Nun ja, die Frage lässt sich ganz einfach erklären. Das Grundgerüst stammt aus dem zweiten Teil der Gothicserie, wie bestimmt schon diejenigen unter uns bemerkt haben, die das Spiel bereits „erleben“ durften. Ein weiterer Punkt, der negativ zu bezeichnen ist, ist die Technik von Risen. Der neue Rollenspielteil von Piranha Bytes ist zwar grafisch sehr hübsch anzusehen, doch auf den neuesten Stand, der 2009 entspricht, ist es noch lange nicht. Viele Texturen kommen matschig rüber, das Terrain ist teilweise grafisch nicht liebevoll gestaltet und besonders enttäuschend sind die Figuren, die vergleichsweise grob modelliert, schwach animiert und ohne nennenswerte Mimik gestaltet sind. Außerdem ist anzumerken, dass die Charaktermodelle mehrmals im Spiel vorkommen, was in der heutigen Zeit und mit den technischen Möglichkeiten meiner Meinung nach nicht mehr tragbar ist. Trotzdem ist Risen alles andere als hässlich, was vor allem an der geschickten Landschaftsarchitektur, der üppigen Vegetation und dem guten Einsatz von Lichtstimmungen liegt. Da können sich sogar Titel wie Mass Effect oder Fallout 3 ein „Scheibchen“ abschneiden. Und seien wir mal ehrlich, die Stärken der Gothic-Reihe bzw. des deutschen Entwicklerstudios liegen nicht in der Grafik, sondern in der spielerischen Vielfalt und der Atmosphäre, die die Rollenspiele vermitteln.
Das Kampfsystem
Wir haben bereits einige Déjà-vus in den letzten Absätzen festgestellt, dies trifft auch beim eingesetzten Kampfsystem von Risen zu. Wie bereits aus Gothic 2 bekannt, versucht man in Actiongefechten, gekonnt die gegnerischen Attacken zu parieren und mit gezielten Schlägen, den Gegner niederzustrecken. Der Spieler wehrt durch Halten der rechten Maustaste die Attacken des Gegners ab und durch wiederholtes Drücken der linken Maustaste führt man Angriffskombos aus. Je nach Monstertyp müsst ihr selbstverständlich die Taktik und den Kampfverlauf variieren. Wölfe haben zum Beispiel die Angewohnheit, den Spieler zu umkreisen und von der Seite in die Flanke zu fallen, wohin gegen Ghule gekonnt Blocks mit Eiszaubern durchbrechen und Rottwürmer normalen Angriffen fast immer ausweichen. Somit muss der Spieler jedes Mal sein Spielablauf variieren und es wird nicht langweilig. Im Laufe des Spiels lernt euer Charakter weitere Schlagvarianten für ihren Waffentyp, der Umstieg auf das nächstbessere Schwert oder die nächststärkere Rüstung liegen aber oft viele Spielstunden auseinander, denn Ausrüstung ist in Risen rar und entsprechend bedeutungsvoll. Fernkämpfer und Magier haben zwar den Vorteil von Distanzattacken, sind dafür aber im Nahkampf anfälliger. Die Feindesvielfalt ist durchaus ordentlich, aber für die Spielwelt dieser Größe doch zu gering. Das bedeutet auf Dauer verlieren auch die unterschiedlichen Vorgehensweisen der Feinde den Reiz.
Ich möchte nun zu einem geeigneten Abschluss des Testberichts kommen und meine Meinung im Fazit wiederspiegeln. Das Spiel ist ab 12 Jahren käuflich zu erwerben. Allerdings muss man dazusagen, dass die Kommunikation der einzelnen Charaktere teilweise sehr direkt ist und ich nur eingeschränkt einem 12 Jahre jungen Kind den Umgang mit Risen empfehlen möchte. Allerdings ist dies meine persönliche Meinung. Das neue Rollenspiel mit Awardpotenzial ist für den PC und die Xbox 360 erhältlich, wobei ich bei der Konsole klar abraten muss, da die Grafik bei Weitem nicht an die des PCs herankommt und somit auch die Atmosphäre leidet. Das bedeutet, wer einen halbwegs guten Rechner hat, sollte Risen auf dem PC genießen!
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