Shrooms - Extended Version

Shrooms - Extended Version

Originaltitel: Shrooms
Genre: Horror
Regie: Paddy Breathnach
Hauptdarsteller: Lindsey Haun • Jack Huston
Laufzeit: ca. 88 Min.
Label: Ascot Elite
FSK 16

Shrooms - Extended Version   12.10.2013 von Beef Supreme

Schon seit Mario wissen wir, dass Pilze merkwürdige Auswirkungen auf Menschen sowie Klempner haben können. Die einen werden größer oder meinen den Tod austricksen zu können, die anderen erfahren, angeblich, Halluzinationen, die bar jeder Beschreibung ablaufen. Shrooms versucht letzteren Trip der hoffentlich nüchternen Zuschauerschaft näher zu bringen. Film glotzen oder doch lieber wieder mit Mario-Trips schieben?

Fünf Jugendliche aus Amiland nehmen den langen Nicht-Drogen-Trip nach Irland auf sich, um sich dort mit einem einheimischen Gleichaltrigen mal so richtig das Hirn mit Pilzen zu pürieren. Natürlich funktioniert der Spaß nur weitab der Zivilisation im tiefsten irischen Busch. Selbstverständlich gehört auch zur Erfahrung, dass man alle Handys außer Reichweite aufbewahrt. Somit hätten wir schon die ganz klar schlüssigen Erklärungen für die unausweichliche Abgeschnittenheit von jeglicher Zivilisation. Der Ire spricht, die Amis springen. Beim Pilzesuchen degustiert Tara, eine der Ami-Teens, dann einen der Pilze und krepiert fast dran. Dem Pilz werden mystischen Fähigkeiten nachgesagt, etwa mit Göttern zu sprechen, die Zukunft vorauszusehen oder zu sterben. Sie überlebt knapp, aber Krankenwagen braucht ja kein Mensch, denn so ein Campingausflug soll ja wunder wirken.


Am ersten Abend sitzen alle, oh Wunder, noch nüchtern beisammen und der Ire haut eine Gruselgeschichte raus. Natürlich wahr und eidesstattlich beglaubigt. Die Story handelt von einem Kinderheim für jugendliche Gauner, in dem die Aufseher ganz schlimme Finger waren. Des Nachts gurgelt dann einer der Amis mit dem wohlklingenden Namen Bluto den angesetzten Pilztee und verdrückt sich ins Unterholz, um dort mit einer Kuh zu parlieren. Die unausweichliche Suche am nächsten Tag - natürlich sind alle dabei vollkommen zugedröhnt - fördert dann seine Leiche zutage, und Tara behauptet, es seien die Aufseher des Kinderfolterheims gewesen. Und tatsächlich schleichen unkoschere Gestalten durchs Gebüsch. Oder vielleicht auch nicht?


Shrooms addiert ein noch unverbrauchtes Element in das sonst so ausgelutschte Wald-und-Wiesen-Teenie-Slasher-Genre. Recht früh wird mit dem Pilzfestmahl begonnen und es verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Einbildung. Jedoch werden die Trips meist sehr unspektakulär dargestellt, was sehr schade ist, da hier jede Menge Potential vorhanden war. Die Konversation mit der Kuh war ein gelungener, wenn auch sehr weit hergeholter Ansatz, der dann aber nicht mehr weiter verfolgt wurde. Gerade die tristen Farben, die zwar gut zur bedrohlichen Atmosphäre des Films passen, wirken angesichts der Pilztrips etwas deplatziert. Hier wäre der ein oder andere Farb-Overkill passender gewesen. Auch auf der Logikebene gibt sich der Streifen eigentlich kaum Mühe, auch nur im Ansatz schlüssig zu wirken. Gerade nach dem gelungenen Ende fragt man sich noch mehr, wie das ganze überhaupt möglich war.

 

Bildergalerie von Shrooms - Extended Version (10 Bilder)

Aber abgesehen von solchen Kritikpunkten macht Shrooms vieles richtig. Das Tempo passt, und auch die Stimmung des Films kommt gut an. In Sachen "Gore" hätte man aber durchaus mehr zeigen können, gerade angesichts der Tatsache, dass die Blu-ray mit der Extended-Version wirbt. Leider sind diese Stellen hauptsächlich belanglose Dialogszenen, auf die man gut verzichten kann, da sie weder zur Handlung noch zum Spannungsaufbau beitragen. Dennoch wirkt der Film nicht langatmig und bleibt interessant, da man nie wirklich weiß, was nun real und was pilzige Halluzination ist. Schauspielerisch ist das hier ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wirken die Darsteller glaubwürdig, aber nur wenn man davon ausgeht, dass sie bei klarem Verstand sind. Der Drogenrausch jedoch wird, wenn überhaupt, kaum zelebriert und würde es nicht ständig erwähnt werden, würde der Zuschauer nicht merken, dass die Leutchen alle durch Lummerland trällern.


Technisch bewegt sich der Film im gehobenen Mittelmaß. Das Bild ist einwandfrei und bietet keinerlei Anlass zur Meckerei. Auch die Kameraführung weiß zu begeistern und erfasst die Situation meist im richtigen Winkel. Der Ton jedoch kann nicht immer überzeugen. Der Raumklang ist zwar da, aber die Qualität hat so einen leichten Garageneinschlag und ist nicht so richtig überzeugend abgemischt. Zudem ist die deutsche Synchro ziemlich unterirdisch und es empfiehlt sich, sein Englisch mit irischem Einschlag wieder aufzufrischen.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Shrooms hat ganz klar seine Macken. Logik gibt’s kaum und die Akteure bauen meist nur Scheiße, wobei man das ja hier auf das Waldgewächs schieben kann. Und trotz des niedrigen Blutgehalts hat mir der Streifen gut gefallen. Seine Atmosphäre hat mich überzeugt und die Spannung blieb konstant auf einem angenehmen Level. Die Trips sind zwar nicht so dargestellt, wie ich mir das vorstelle, wobei ich in der Hinsicht keine Erfahrung habe, aber das Vermischen von Wirklichkeit und Halluzination wird nett in den Kontext eingebettet und hat mir gut gefallen. Einzig das Ende lässt das Geschehene noch weiter ins Unmögliche wandern, aber das hat mich kaum gestört. Wer auf schlüssige Filme steht oder hier einen reinrassigen Drogenfilm erwartet ist falsch. Mit Shrooms erwartet einen eher ein kleiner aber feiner Teenie-Slasher mit einem ungewöhnlichen Ansatz und ein paar netten Ideen. Nur die Langfassung muss nicht unbedingt sein, da die meisten Szenen überflüssig sind.


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