Sim City

Sim City

Publisher: Electronic Arts
Entwicklerstudio: Maxis
Genre: Simulation
Sub-Genre: Strategie
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 07.03.2013
USK 6

Sim City   12.04.2013 von Christian Wirsig

Vor vielen Jahren war ich schonmal Bürgermeister. Ich muss aber zugeben, dass ich in dem Job nicht besonders gut war, und die meisten meiner Städte damals leider recht schnell pleite gegangen sind – Spaß gemacht hat es aber trotzdem. Und jetzt – 14 Jahre nachdem Will Wright seine Stadtbausimulation Sim City erstmals vorstellte – kann man sich wieder als Stadtoberhaupt beweisen. Ganz weg war die Spielereihe nie, wurde aber oft als kleine Nische abgestempelt. Das soll sich nun also mit dem neuen Sim City ändern. Mal sehen, was die Stadtstrategen von Maxis und Electronic Arts mit der neuen Version bieten ...

 

Das Intro deutet es bereits an: Sim City ist im Jahr 2013 größer, gewaltiger, dramatischer und gleichzeitig viel realistischer, aber auch komplexer als alle Vorgängerversionen. Komplizierter ist es deshalb glücklicherweise nicht, man hat als Bürgermeister nur etwas mehr zu tun. Dadurch ist das Game wirklich abwechslungsreich und wird so schnell nicht langweilig.

 

Nachdem ich mich lange nicht mehr mit der Städteplanung beschäftig habe, und Sim City nun so viele neue Funktionen bietet, ist das Tutorial (mit der vorbereiteten Stadt Sommerufer) ein idealer Einstieg – und der wird einem damit wirklich erleichtert. Vom ersten Moment an macht das Ganze so viel Spaß, dass man nach der Einführung gleich hier weitermachen möchte – aber man muss sich schon selbst eine Stadt bauen, von der ersten Straße und den ersten Häusern bis zu öffentlichen Einrichtungen, Schulen, Polizeistationen, spezialisierten Firmen, Touristenattraktionen und noch viel mehr.

 

Das ist das Schöne am neuen Sim City: Viel realistischer geht es kaum noch. Im Einführungsspiel werden neben der allgemeinen Bedienung kurz die Zusammenhänge erklärt. Denn wie im echten Leben hängt auch in unserer virtuellen Stadt vieles voneinander ab. Baut man zum Beispiel keine Schulen, sind die Bürger (auch hier heißen sie Sims) unglücklich und ungebildet. Ungebildete Bürger finden keine Arbeit und immer mehr davon werden kriminell, um nicht zu verhungern. Man braucht mehr Polizei, um das Verbrechen einzudämmen. Mehr Polizei kostet aber auch Geld. Ohne arbeitende Bürger, bekommt man aber kaum Steuern, und schon ist man in den Miesen. Und was bringt die schönste Touristenattraktion, wenn man keine gut ausgebauten Straßen und öffentlichen Verkehrsmittel hat, die die Besucher dorthin bringen? Die Folge sind Staus, lange Wartezeiten auf den Bus – und wieder: Unzufriedene Bürger, die sich nicht gerade freuen, wenn man schon wieder die Steuern erhöht, weil die Stadtkassen immer noch leer sind.

 

Dabei hat man aber wirklich enorm viele Möglichkeiten, die Stadt sinnvoll anzulegen und die Bürger zufrieden zu stellen. Im unteren Menü finden sich alle Baumöglichkeiten. Straßen verschiedener Größe; das Tool zum Ausweisen von Wohn-, Gewerbe- und Industriegebieten; Strom, Wasser, Abwasser und Müllentsorgung; Gesundheitswesen, Feuerwehr und Polizei; Bildung, öffentliche Verkehrsmittel und Parks; Katastrophen (ja, auch die gibt es wieder); und zu guter Letzt die Stadtverwaltung. An dieser Fülle sieht man bereits, wie komplex und realistisch Sim City geworden ist. Man muss sich um wirklich jeden Aspekt des öffentlichen Lebens in der Stadt kümmern. Und das ist noch nicht alles: Denn mit den neuen Spezialisierungen bekommt man eine zusätzliche Palette von Möglichkeiten – verschiedene Industriezweige wie Bergbau, Ölbohrungen und Elektronikunternehmen können angesiedelt werden, aber auch Kultur und Sport sowie Glücksspiel stehen zur Verfügung. Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, ein Handelszentrum aufzubauen und mit anderen Städten beziehungsweise dem „Weltmarkt“ Handel zu treiben. Baut man in seiner Stadt zum Beispiel Erz oder Kohle ab, oder entwickelt man in einer Fabrik Fernseher, kann man diese verkaufen und füllt so den oft chronisch leeren Stadtsäckel.

 

Am Anfang war die Autobahn

 

Dann legen wir doch mal los. Zunächst wählt man eines von acht Gebieten aus, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Vom kleinen Archipel mit zwei Städten, über die Urlaubsgegend mit großem Strand (ideal, um sich als Touristenstadt zu spezialisieren, für Bergbaufans allerdings ungeeignet), bis zur bewaldeten Zone mit 16 Städten. In jedem Gebiet kann man eine der Städte für sich auswählen und schon geht’s zur Stadtgründung.

 

Am Anfang war die Autobahn - das war’s auch schon. Jungfräulich liegt das Land vor uns. Also zunächst eine Hauptstraße einzeichnen, ein paar Nebenstraßen dranhängen, einige Wohngebiete festlegen, noch ein paar Zonen für Läden und Fabriken hinzufügen und schon kommen die ersten Bürger, bauen kleine Häuser, errichten Tankstellen, Imbissbuden, Supermärkte und die verschiedensten Fabriken. Der Detailreichtum kennt dabei keine Grenzen – aber dazu später mehr. Denn jetzt beginnen auch schon die Probleme. Die Bürger beschweren sich, weil sie keinen Strom und kein Wasser haben. Also schnell noch ein Wasserwerk und ein Kraftwerk errichtet. Praktisch ist, dass man sich nicht mehr um die Leitungen kümmern muss. Die werden automatisch mit den Straßen verlegt und jedes Gebäude wird versorgt. Da wir auch an die Zukunft denken, bauen wir gleich noch eine Müllhalde, denn früher oder später rebellieren die Sims, wenn ihre Mülltonnen nicht geleert werden. Ach ja, im Wohngebiet wird auch gleich noch ein kleiner Naturpark oder ein Sportplatz hinzugefügt – das hebt die Laune der Leute.

 

Wenn die Stadt nun langsam wächst, muss man immer mehr Aspekte kontrollieren. Schulen müssen errichtet werden, dazu braucht man aber auch Schulbushaltestellen, und das schönste Shuttlebus-Depot bringt nichts ohne strategisch verteilte Haltestellen in der ganzen Stadt. Glücklicherweise kann man nicht nur alle öffentlichen Einrichtungen, sondern auch das eigene Rathaus ausbauen: Verschiedene Abteilungen helfen dann bei der Bearbeitung allgemeiner Anfragen und geben manchmal hilfreiche Tipps. Auch die Sims selbst machen Vorschläge, wie man die Stadt ausbauen und verbessern kann – nimmt man die Vorschläge an und erreicht das entsprechende Ziel, gibt es oft sogar Belohnungen in Form von Simoleons, der Währung in Sim City.

 

Es bleibt spannend

 

Damit ist der Grundstein gelegt. Die Stadt kann nun wachsen – aber das macht sie natürlich nicht von ganz alleine. Laufend gilt es neue Wohngebiete auszuweisen, Platz für Industrie und Gewerbe zu schaffen, Straßen zu erweitern (denn nur dann können zum Beispiel aus kleinen Mehrfamilienhäusern große Wolkenkratzer werden), die Sims mit neuen Parks, Sportmöglichkeiten und anderen Dingen bei Laune zu halten, und vielleicht auch Touristen in die Stadt zu locken: Mit einem Obelisken, einem Eiffelturm oder einem großen Stadion. Dann braucht man früher oder später natürlich auch eine bessere Verkehrsanbindung als die alte Autobahn – Bahnhof, Flughafen und Fährhafen zum Beispiel.

 

Damit das nach mehreren Stunden (Echtzeit – im Spiel sind bereits Monate oder Jahre vergangen) nicht langweilig wird, passiert immer wieder etwas Neues. Herausforderungen locken mit Ruhm und Ehre (und Geld für weitere Investitionen), mit anderen Bürgermeistern der Region kann man gemeinsame Großprojekte starten und Handel treiben, Meteoriten zerstören Teile der Stadt, die Wirtschaft muss angekurbelt werden und manchmal greifen sogar Aliens an. Langweilig wird einem Bürgermeister also so schnell nicht. Zudem möchte man ja erleben, dass aus der Kleinstadt mit 50 Einwohnern eine Metropole mit Millionenbevölkerung wird. Dafür muss man aber auch ordentlich was tun. Es bleibt also lange spannend in Sim City. Langer Spielspaß ist garantiert und die Nächte sind mal wieder zu kurz …

 

Bildergalerie von Sim City (9 Bilder)

Gläserne Bürger

 

Wie schon gesagt, ist Sim City so detailreich, dass man Stunden damit verbringen kann, seine Stadt einfach nur genau kennenzulernen. Stichproben bei den Bürgern, Betrieben und Fabriken sind einerseits wichtig, um zu wissen, wo es Probleme gibt oder wo es gut läuft. Doch man kann zudem wirklich jedes Gebäude und jeden einzelnen Menschen genauer beleuchten: Einfach anklicken und schon offenbaren sich die Wünsche und Nöte, und man kann darauf reagieren. Aber es macht auch einfach nur Spaß, durch die Straßen zu schweben und das muntere Treiben zu beobachten, und hin und wieder jemanden anzuklicken, einfach nur um seinen Namen zu erfahren und was er gerade macht. Da haben sich die Entwickler (und die deutschen Übersetzer) echt Mühe gegeben. Jeder Sim, jedes Geschäft und jede Fabrik hat einen individuellen Namen, und die sind zumeist echt witzig. In meiner Stadt finden sich zum Beispiel das „Werk für Blei- und Babyrezepturen“, die „Burrito Füllmittel Inc.“, oder „Spuck und Co. Fleischpastetchen“. In der Datenbank scheinen abertausende Namen und Tätigkeiten festgelegt zu sein, denn obwohl die Stadt rasant wächst, habe ich noch keine doppelten Namen entdeckt.

 

Und nicht nur das: Beim Heranzoomen an die Stadt hört man den Lärm der Fabriken, fahrende Autos, spielende Kinder - Je nachdem, worauf man gerade zusteuert. Jedes Gebäude ist beim Anklicken auch hörbar. Die Fabrik stampft, im Krankenhaus werden Patienten verarztet, im Park zwitschern die Vögel, das Wasserwerk pumpt, der Strom britzelt durch die Leitungen, im Stadion läuft ein Rockkonzert.

 

Natürlich ist auch der Wechsel von Tag und Nacht deutlich spürbar. Nicht nur, dass es abends dunkel wird und die Lichter der Stadt sogar das Industriegebiet romantisch beleuchten, auch das Leben in Sim City richtet sich danach. Da sind die drei einstellbaren Geschwindigkeiten recht praktisch, wenn man eine zu ruhige Nacht schnell überbrücken möchte – oder an einem hektischen Tag die Zeit gerne etwas langsamer verstreichen lassen würde.

 

Zu meckern gibt es kaum etwas bei Sim City: Die Grafik ist detailreich und sehr schön gestaltet. Allerhöchsten Realismus wie bei den aktuellsten Egoshootern sollte man nicht erwarten – aber das tut dem Spielspaß keinen Abbruch. Hin und wieder treten allerdings kleinere Grafikfehler auf. Beim ersten Mal erschrickt man, wenn eine große Straße aussieht, als wäre sie gerade von einem Sandsturm überschüttet worden. Beim heranzoomen passt dann aber wieder alles. Der größte Nachteil ist die reine Server-seitige Speicherung der Spiele. Wenn es mal zu einem Absturz kommt, kann es daher leider passieren, dass die letzten Änderungen in der Stadt nicht mehr vorhanden sind. Zudem ist es damit nicht möglich, die aktuelle Stadt zu speichern und mal etwas Verrücktes auszuprobieren. Denn der Online-Speicher ist protokolliert alles erbarmungslos – ein Zurücksetzen auf einen früheren Speicherpunkt ist damit nicht möglich. Gemeine Experimente mit den eigenen Bürgern sollte man also nicht unbedingt machen.


Das Fazit von: Christian Wirsig

Christian Wirsig

Endlich mal wieder Bürgermeister sein. Sim City ermöglicht das mit bisher ungekannter Realitätsnähe und Komplexität. Dennoch ist der Einstieg kinderleicht, und mit jedem Tag, der in Sim City vergeht, lernt man neue Funktionen und Möglichkeiten kennen. Je nach Wachstum der Stadt, gibt es immer wieder neue Gebäude und Industriezweige, die das Game nicht so schnell langweilig werden lassen. Einzig negativer Punkt ist, dass das Spiel nur mit Verbindung zu den Origin-Servern gespielt werden kann und auch ausschließlich automatisch in der Cloud gespeichert wird. Abspeichern und Ausprobieren ist damit nicht möglich. Das tut dem Spaß aber kaum Abbruch und ich kann Sim City allen Strategiefans, Städtebauern und Simulationsfreaks wärmstens empfehlen.


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  • Spiel nur Online möglich – bei Serverausfall/-wartung: Pech gehabt
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