Sleeping Dogs

Sleeping Dogs

Publisher: Square Enix
Entwicklerstudio: United Front Games
Genre: Action
Sub-Genre: Open World Action
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 17.08.2012
USK 18

Sleeping Dogs   01.09.2012 von Torsten

Es ist schon so einige Zeit vergangen, dass ein Titel mit dem Namen True Crime angekündigt wurde, der eine fernöstliche Variante und direkte Konkurrenz zur Hit-Maschinerie aus dem Hause Rockstar Games offerieren sollte. Zwischenzeitlich wandelte sich der Name zu Sleeping Dogs, die Erwartungen an das Spiel blieben jedoch dieselben. Mit höchster Spannung und einer nicht geringen Erwartungshaltung hielt der Sofaheld die Promo-Disc verkrampft in seiner Hand, bevor er nach einem langen Tag auf der Gamescom diese endlich in das Laufwerk der heimischen PS3 einschieben konnte.

 

Wei Shen ist ein Undercover-Polizist des Hongkong Police Departments. Mittels sorgfältiger Legendenbildung soll er bei den Triaden eingeschleust werden. Ein gefährliches Unterfangen, aber Wei selbst ist in Hongkong aufgewachsen und hat alte Freunde und Kontakte in einer hiesigen kriminellen Vereinigung. Diese stammen aus seiner Vergangenheit, aus der Zeit bevor er nach Amerika ausgewandert ist.

 

Der kampfsportbegeisterte Cop ist für sein etwas zügelloses und zu leidenschaftliches Verhalten bekannt, aber auch dafür, dass er mehr als respektable Verhaftungszahlen aufweisen kann. Seine unorthodoxen Methoden werden in diesem Fall gefragt sein, um die Hintermänner der Vereinigung aufzuspüren und zu überführen. Aber wird sein Zugehörigkeitsgefühl ihm dabei nicht im Weg stehen, wenn er während der Ermittlungen seine eigene Vergangenheit aufarbeitet? Immer tiefer dringt er in die Organisation ein. Er muss die Vordermänner von seiner Loyalität überzeugen und Hindernisse beiseiteschaffen, doch muss er stets diese eine Grenze wahren, die einen eingeschleusten Undercover-Cop vom wirklichen Kriminellen unterscheidet. Als er dann das erste Mal eine Schusswaffe in die Hand nehmen muss, droht sich das Blatt zu wenden.

 

Die ersten Missionen des Spiels verlaufen gänzlich linear, um den Spieler beim Erlernen der Steuerung gezielt an die Hand zu nehmen. Das Bedienkonzept ist denkbar einfach. Es gibt eine Angriffstaste, die anhand des Timings eindrucksvolle Kombos locker von der Hand gehen lässt. Diese erweitern sich nach und nach, so bekommt er beispielsweise beim Auffinden verloren gegangener Jade-Statuen von seinem alten Meister neue Kombinationsmöglichkeiten gelehrt. Auch hier gibt es wieder einen kleinen Übungs-Kampf, sodass der Spieler niemals ins kalte Wasser geworfen wird, sondern vor dem Ernstfall seine neue Fähigkeit auf der Matte testen kann. Zusätzlich zu der Angriffstaste gibt es noch die Kontertaste. Hier wird, wie in Batman oder Captain America zuvor, durch eine farbliche Markierung angezeigt, dass die Attacke eines Gegners bevorsteht. Auf Tastendruck reagiert Wei automatisch auf diesen Angriff. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, ein Ziel zu „erfassen“. Dann richtet Wei seinen Blick nicht mehr von ihm ab, gleich, in welche Richtung er sich bewegt.

 

Das heißt allerdings nicht, dass er seine Kontrahenten vernachlässigt. Diese kann er nach wie vor seit- oder rückwärts attackieren. Ebenfalls variantenreich sind die Möglichkeiten, die Sleeping Dogs seinem Spieler offeriert, wenn dieser einen Gegner packen sollte. Dieser lässt sich als Rammschutz missbrauchen, mit einem galanten Wurf auf den Boden befördern, oder aber mit der Umgebung „kombinieren“. In recht brutalen und nicht gerade unblutigen Sequenzen wird dann der Kontrahent in den rotierenden Lüfter einer Heizungsanlage geschleudert, oder mittels Telefonhörer mehrfach auf ihm eingeschlagen, bis er zusammenbricht. Die Möglichkeiten sind zahlreich und erfinderisch. Wem das alles zu kompliziert ist, der darf auch einfach auf den Festgesetzten einprügeln.

 

Um von A nach B zu gelangen, sprintet der Undercover-Cop unermüdlich durch die Straßen, schwingt sich behände über Autos und Mülltonnen, erklimmt Vorsprünge und hechtet über Abgründe. Das kann auch ein Jackie Chan nicht besser. Längere Distanzen per pedes zurücklegen zu wollen scheint aber nicht gerade effektiv. So lässt sich eine große Anzahl an Fahrzeugen „ausleihen“. Je nach Fertigkeiten-Status schlägt er die Scheibe ein, wodurch die Alarmanlage anschlägt, oder er nutzt ein Diebeswerkzeug, das ihm etwas unauffälligeren Zugang zum Fahrzeug verschafft. Sitzt bereits jemand im Fahrzeug, so wird dieser kurzerhand „überredet“, doch auszusteigen.

 

Mit seinem robusten Charme dauert diese Prozedur nur wenige Sekunden und Wei verfügt über einen fahrbaren Untersatz. Wer gerne mal den Stuntman versuchen möchte, der darf andere Autos sogar während der Fahrt übernehmen. Wei öffnet auf Tastendruck die Fahrertüre und springt auf das Dach eines parallel zu ihm fahrenden Fahrzeugs. Ganz großes Kino. Der zu steuernde Fuhrpark erstreckt sich von Motorrollern und -rädern über Laster, Linienbusse, eine breite Palette an Pkw und auch über Boote. Die Fahrzeuge steuern sich allesamt sehr direkt und agil. Hier wirkt die Bodenlage deutlich direkter als beim großen Konkurrenten, dafür wirken Unfälle nicht mächtig genug. Bei voller Fahrt frontal in einen Bus gekracht? Ärgerlich, weil neu beschleunigt werden muss, aber das Fahrzeug ist dennoch nur leicht beschädigt. Grundsätzlich werden hiesige Spieler auch sehr oft dazu neigen in den Gegenverkehr einzubiegen, denn in Hongkong herrscht nun einmal Linksverkehr und daran muss man sich erst einmal gewöhnen.

 

Bildergalerie von Sleeping Dogs (15 Bilder)

Die Spielwelt wirkt groß und detailliert und überall gibt es etwas zu entdecken. Auf den Bürgersteigen umarmen sich verliebte Pärchen, in den Clubs wird getanzt und Ladenbesitzer buhlen um Kunden. Natürlich ist die Stadt längst nicht so bevölkert, wie es in der Realität der Fall wäre, aber ihr virtuelles Abbild wirkt glaubhaft genug, um sich in ihr zu verlieren, bei Tag wie auch bei Nacht. Menschen wirken gut animiert, auch die Kampfabläufe sind geschmeidig. Fahrzeuge hingegen sind oft etwas zu kantig und es mangelt an Details. Insgesamt macht Sleeping Dogs trotz einiger Grafikfehler optisch einen sehr guten Eindruck. Gleiches gilt für die Soundkulisse: diverse Radiosender, ordentliche Kampf- und Fahrgeräusche und sehr gute (englische) Sprecher mit vielen bekannten Namen wie Lucy Liu, Emma Stone oder Tom Wilkinson.


Das Fazit von: Torsten

Torsten

Was lange währt...wird endlich gut? Nein, es wird sogar sehr gut. So viel ist in diesem Fall sicher. Aber es gibt dennoch Grund zur Klage. Nicht, weil das Spiel bis zum Schluss nicht unheimlich viel Spaß bereitet hätte, sondern weil man bei der dargebotenen Anzahl an Möglichkeiten nicht das höchstmögliche Ergebnis erzielt hat und die im ersten Spieldrittel suggerierte Hit-Rakete einfach nicht gezündet wurde. Sleeping Dogs ist ein nachspielbarer Krimi im coolen Open-World-Szenario Hongkongs, ein Batman Arkham City im GTA-Universum, das viele Freiheiten aufzeigt, diese aber dann nicht bis zum Schluss auskosten lässt. Zu schlauchartig wirken viele der Missionszweige, zu linear der Spielverlauf ab den ersten Spielstunden. Sleeping Dogs wird Euch großartig unterhalten und doch wird es Euch nicht überraschen oder gar beeindrucken. Aber Fans von Spielen wie Yakuza, GTA oder Saints Row werden hier dennoch auf ihre Kosten kommen. Gleich, ob Ihr nun Fans von Martial-Arts-Kämpfen seid oder aber lediglich die Wartezeit auf den nächsten Clou des Genre-Vorreiters verkürzen wollt.


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  • Klamotten- und Fahrzeugkauf
  • Flüssiges Kampfsystem
  • Einfache Fahrzeugsteuerung
  • Gute Animationen
  • Hübsche Zwischensequenzen
  • Viele Missionen und hoher Spielumfang
  • Stellenweise zu linear
  • Unfälle nicht wuchtig genug
  • Neben den Missionen wenig zu erledigen





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