Zipper Interactive, ihres Zeichens zuletzt verantwortlich für überbordende Massenschlachten in MAG und vorangegangene SOCOM Teile, kredenzen uns seit Kurzem den neusten Ableger der SOCOM-Reihe. Hierzulande mit dem Zusatz „Special Forces“, taktiert Ihr euch mit SOCOM 4 irgendwo in der Gegend um Malaysia herum zum Sieg. Ob’s was geworden ist? Visier poliert und durchgeladen, Soldat!
Ihr verkörpert in einer außerkörperlichen 3rd Person Erfahrung den Special Forces Kommandanten Cullen Grey, dessen Namen man nur aus der Anleitung erfährt, da er im Spiel selbst nur als OpsCom bezeichnet wird. Nach Malaysia wurde er berufen, damit er die dort stationierten NATO Truppen unterstützt und, wie sollte es auch anders sein, dem Land den Frieden bringt. In einen Bürgerkrieg versunken strebt man also an, Razad, den lokalen Säbelrassler und Anführer der Revolutionäre, den Naga, die Genfer Konventionen vorzusingen. Unterstützt werdet ihr zu Beginn von Beck und Kessler, zwei deutsche KSK Kämpfern inkognito (interessant: Bei englischer Spracheinstellung heißen die beiden Schweitzer und Welsh, warum auch immer). Im Verlauf der 14 Missionen ballert, duckt, taktiert und kommandiert man sich durch den Dschungel und feindliche Basen, um zu erfahren, dass die Fronten doch nicht ganz so klar sind, wie es zu Anfang scheint.
Nach einer schön inszenierten Zwischensequenz wird man zunächst langsam an das Taktik-Shootertum herangeführt, sodass auch Serious Sam-Verfechter nicht gleich verprellt werden. Also hat man zuvorderst nicht viel mehr zu tun, als von Deckung zu Deckung zu laufen und (Zitat Oberbefehlshaber: „ein paar Bauern mit Maschinengewehren“) davon abzuhalten, euch Löcher in den Pelz zu brennen. Nachdem man dann mit ansehen musste, wie der Oberbefehlshaber mitsamt ein paar Militärstatisten gegrillt wurde, erlangt man die Möglichkeit, seinen zwei Mitstreitern Befehle zu erteilen. Mittels D-Pad weist man diese also an, entweder sich um einen zu scharen, zu bestimmten Positionen zu gehen oder Löcher in die Maschinengewehrbauern zu stanzen. Nach der dritten Mission gesellen sich noch zwei weitere verlorene Seelen - Chung und Forty-Five - zu eurem Trupp hinzu. Also marschiert ihr zu fünft durch zerbombte Städte, detailreiche Dschungel oder düstere Feindbefestigungen, um dort Informationen zu beschaffen, Zielpersonen umzunieten oder einfach nur so, um sie zu ärgern.
Vor jeder Mission erhaltet ihr von einer ominösen Stimme, genannt Oracle, ein Briefing, welches den nächsten Einsatzort und die dortigen Ziele beschreibt. Danach rüstet man mithilfe eines üppigen Waffenarsenals zur Schlacht. Meist lässt es sich aber darauf reduzieren, dass man vorgegebene Wegpunkte ablatscht, alles über den Haufen schießt, was zwischen zwei derselbigen steht und gegebenenfalls einen Schalter drückt. Was sich dezent banal liest, ist aber durchaus spannend. Denn wie schon einst der weise Konfuzius sprach: Der Weg ist das Ziel. Denn die Opposition gestaltet diesen nicht gerade einfach und fordert durchaus dazu auf, nicht nur mit dem Betonmischer durch den Porzellanladen zu fahren. Der Feind sucht Deckung, flankiert, verschleiert die Schusslinie mit Rauchgranaten und beschmeißt euren Trupp flächendeckend mit aggressiven Chinaböllern. Doch auch die eigenen tapferen Recken sind nicht ohne. Die tun nämlich dasselbe. Nur andersherum. Oft reicht es, einfach Eure beiden Teams vorzuschicken und diese erledigen dann anstürmende Gegnermassen im Alleingang. Sollte einer fallen, steht auch schon ein Kumpane mit der kindgerechten Portion Morphium im Anschlag da und bringt den Gestrauchelten wieder auf die Beine. Selbst kann man nicht geheilt werden. Kommandeure scheinen allergisch auf Heilmittel zu reagieren. Obwohl man gezielt Tötungen kommandieren und komplexe Wegpunkte anlegen und dann abarbeiten lassen kann, kommen eure Kumpels auch ziemlich gut ohne Herumkommandieren klar. Vielleicht etwas zu gut. Denn es stellt sich oft heraus, dass euer Vier-Mann-Trupp ohne Weiteres Napoleons Vormarsch
auf Preußen hätte aufhalten können. So kommt man sich manchmal auf die zweite Reihe verbannt vor, während euer quasi unsterblicher Trupp Horde um Horde platt walzt.
Um den ganzen Spielverlauf nicht in die Eintönigkeit abgleiten zu lassen, wurden einige Stealth-Missionen eingestreut, in denen ihr „Fisher-mäßig“ nicht auf die Kacke haut. Tut man es dennoch, stirbt man eines schleichenden Todes, da die wachsamen Augen der viel zu nüchternen Wachen nur wenig durchgehen lassen. Sollte es dennoch nötig sein, die Waffen sprechen zu lassen, stehen Messer, schallgedämpfte Sniper und MP zur Verfügung. Nur sollte darauf geachtet werden, den toten Tropf ins Dunkel zu zerren, auf das seine Kumpels bei seiner Sichtung nicht stutzig werden. Die Schleich-Einlagen sind eine sehr interessante Abwechslung, da man hier auf sich allein gestellt ist und sehr bedacht vorgehen muss. Dafür sieht man Gegnerpositionen, jedoch nicht deren Blickrichtung. Hat man in den anderen Missionen Rückendeckung, ist hier der Tod ein allzu häufiger Gast. Die Ziele sind meist Fortbewegungsmittel verwanzen oder Informationen beschaffen, um sich für die nächsten Missionen einen Vorteil zu verschaffen. Dieser wirkt sich aber nur auf dem Papier aus, denn selbst, wenn es gelingen sollte, das gesamte Feindeslager im Alleingang auszurotten, stehen alle am nächsten Morgen auf wundersame Weise wieder putzmunter auf Posten.

Abseits des SinglePlayers findet sich noch ein kleiner Missionseditor, der es einem erlaubt, eigene Aufträge zusammenzustellen. Was zunächst interessant klingt, entpuppt sich als SOCOM light. Denn zur Auswahl stehen nur sechs der 14 Lokalitäten und nur zwei mögliche Auftragsarten, nämlich Informationenbeschaffung oder Ziel elimieren. Desweiteren lassen sich Schwierigkeitsgrad und Feindanzahl festlegen. Guter Ansatz, doch hier wäre mehr mehr gewesen. Mehrere Ziele in einer Karte, mehr Karten oder die Möglichkeit, weitere Randbedingungen festzulegen, hätten hieraus einen mächtigen Missionseditor machen können.
Abseits des Single Players findet sich noch ein kleiner Missionseditor, der es einem erlaubt, eigene Aufträge zusammenzustellen. Was zunächst interessant klingt, entpuppt sich als SOCOM light. Denn zur Auswahl stehen nur sechs der 14 Lokalitäten und nur zwei mögliche Auftragsarten, nämlich Informationsbeschaffung oder Ziel eliminieren. Des Weiteren lassen sich Schwierigkeitsgrad und Feindanzahl festlegen. Guter Ansatz, doch hier wäre mehr mehr gewesen. Mehrere Ziele in einer Karte, mehr Karten oder die Möglichkeit, weitere Randbedingungen festzulegen, hätten hieraus einen mächtigen Missionseditor machen können.
Genug der Spielmechanik, ran an die Technik. Denn ein Shooter steht und fällt mit seinem Aussehen. Divengleich bietet SOCOM 4 genug Zucker für die Augen, wenn auch kein ganzes Schlaraffenland wie Uncharted 2 oder Crysis. Die Mimik wirkt sehr detailgetreu und der auf- und abwippende Kehlkopf eines beinah Erstickenden verleiht ein angenehmes Gefühl des Realismus. Auch Partikel- und Leuchteffekte kommen nicht zu kurz, wenn auch das Feuer in manchen Bereichen schwächelt. Doch im Großen und Ganzen befindet sich SOCOM optisch im oberen Mittelmaß. Auch klanglich weiß der Taktiker zu überzeugen. Ein asiatisch angehauchter Soundtrack, stimmig zum aktuellen Bildgeschehen abgemischt, untermalt eine sehr gelungene englische und eine mittelmäßige deutsche Sprachausgabe. Explosionen donnern kräftig durchs Gehölz und der schneidende
Schalldämpferton weiß zu gefallen. Nur die Sounds der schweren MGs hätten druckvoller ausfallen können.
Nun zum Schmankerl, lässt sich SOCOM doch auch fuchtelnd steuern. Abgeschreckt von Time Crisis‘ Move Einbindung, wurde ich positiv überrascht. Das Zielen geht leicht von der Hand und ist sehr präzise, eine ruhige Hand vorausgesetzt. Mannigfaltige Einstellungsmöglichkeiten erleichtern einem das harte Leben als Frontschwein unheimlich. Nur schade, dass es keine frei konfigurierbare Buttonbelegung, sondern nur Presets gibt. Auch mit dem Standardcontroller gehen die Kommandos und die Kugeln locker-flockig von der Hand. Einzig die Kamera macht hier und da Probleme, ist sie doch manchmal zu nah an Herrn Grey, sodass vom Umfeld nichts mehr erkannt wird. Oder sie zoomt bei entsprechender Postierung auf eine filigrane Holzvertäfelung. Dies kommt jedoch nicht allzu häufig vor. Nervig hingegen sind die Deckungsprobleme. Manchmal weigert sich Commander Grey aus der Deckung hervor zu kommen, egal wie sehr man ihm per Tastendruck zuspricht. Auch das Granatenwerfen aus der Deckung heraus will nicht immer gelingen.
Mit nur ein paar Wöchelchen Verspätung folgen nun noch ein paar Takte zum Multiplayer. Zunächst wird unterteilt zwischen kooperativem und kompetitivem Multiplayer. Der Coop Modus ist leider nur online spielbar und ist im Prinzip das Gleiche, wie die Missionen im erwähnten Editor, nur dass die KI-Kumpels durch Menschen ersetzt werden. Abwechslungsreicher gestaltet sich der „Ich töte international“ Multiplayer Modus. Dort hat man die Wahl, zwischen ehrlichem Team-Deathmatch, Bombsquad, Uplink und Last Defence. Die letzten drei Modi veranlassen einen dazu, bestimmte Dinge mit drei Zielen zu tun. Entweder etwas hochjagen, hacken oder markieren und dann hochjagen. Oder eben genau das zu verhindern. Also auf in die Schlacht. Wie im Singleplayer rüstet Ihr euch vor jeder Runde aus und könnt Eure Waffen, sowie Euch selbst durch Erfahrung verbessern. Das scheint heutzutage zum guten Ton zu gehören. Nur muss man richtig dran bleiben, da das Programm mit XP geizt und man für Kills nicht so viel erhält, wie für das Erfüllen von Missionszielen. Ergo zwingt das Spiel einen den Blutrausch zu unterdrücken und tatsächlich zu tun, was die Ziele vorschreiben. Nur schade, dass der Taktikpart ein wenig abnimmt, da man zum einen niemanden kommandieren kann und zum anderen es keine wirklichen Spezialisierungen gibt. Wird im Singleplayer zwischen Sniper und Tank unterschieden, kann im Multiplayer jeder alles machen. Unterm Strich bleibt ein solider Multiplayer Modus, der besser sein könnte, wenn er denn wollte, aber auch so ganz gut unterhält. Ein CoD'ler braucht hier keine Konkurrenz zu fürchten, doch für zwischendurch ballert es sich online ganz anständig. Leider ist auf den Servern nicht so viel los, was gelegentliche Wartezeiten nach sich ziehen kann. Vielleicht hat aber nur noch nicht jeder mitbekommen, dass Sony uns wieder online lässt.
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