State of Decay - Year One Survival Edition

State of Decay - Year One Survival Edition

Publisher: Microsoft
Entwicklerstudio: Undead Labs
Genre: Action
Sub-Genre: Survival-Strategie
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 28.04.2015
USK 18

State of Decay - Year One Survival Edition   13.05.2015 von GloansBunny

Zombies, Open World und Survival-Feeling sind einfach eine unschlagbar gute Kombination. State of Decay - Year One Survival Edition gilt in diesem Sektor als eines der besten Spiele, doch kann die neu aufgelegte Konsolenversion mit dem PC-Vorbild mithalten...?

 

Mutterseelenallein, völlig durchgefroren und mit einem mords Kohldampf im Bauch stehe ich hier, irgendwo in den USA. Nach einem wirklich witzigen Männerwochenende mit meinem besten Kumpel, viel Bier, einem windigen Zelt und haufenweise verbalem Blödsinn, spendet mir der ehemals fischreiche Teich aber jetzt keinerlei Trost mehr. Irgendwie war die letzte Flasche wohl zu viel, denn der fiese Blackout, der meine Erinnerungen an die letzten Stunden komplett gelöscht hat, wird nur von derben Kopfschmerzen und Magenkrämpfen übertönt. Naja, fast nur. Alles könnte einfach nur ein typischer, verkaterter Sonntagmorgen sein, wenn da nicht diese aufdringlichen, stinkenden und völlig durchgeknallten Typen wären, die stöhnend und sabbernd überall herumschlurfen. Erst dachte ich "Alter, mit so einem krassen Trip auf Absinth habe ich nicht gerechnet, ist ja wie in Dawn of the Dead hier!". Doch als ich einem dieser fauligen Kerle dabei zusehen durfte, wie er freudig die aufgedunsenen Gedärme einer Leiche verspeist, ging mir langsam ein kleines, flackerndes Licht auf: Scheiße, das hier ist eine verdammte Zombie-Apokalypse! So richtig echt, mit viel Moder, Blut und Untoten zum Anfassen... Wobei, letzteres sollte ich wohl besser vorerst sein lassen und schnellstmöglich von hier verschwinden. Ich muss einen Unterschlupf finden, Waffen, Essen, andere Überlebende, sofern es noch welche gibt. Ich muss das hier irgendwie mit heiler Haut überstehen, denn die einzige Alternative ist Sterben und / oder als hirnloser Zombie durch die Prärie zu wackeln. Auch wenn ich mich nach dem sinnlosen Besäufnis gestern alles andere als lebendig fühle, ich habe echt keinen Bock als einer von vielen schlurfenden, untoten Marcusen zu enden...
 
Grüße aus der Apokalypse 
Marcus Campbell
 
P.S.: Wer das liest ist doof, aber zumindest nicht tot!
 
Steuerung und Sound: gut portiert ist schon halb gewonnen...
Die Anpassung der intuitiven Maus- und Tastatursteuerung an die Konsolen ist durchaus gelungen. In gewohnter 3rd-Person-View lassen sich die zahlreichen Charaktere dank integriertem Tutorial relativ direkt und zielsicher durch Wald und Wiese dirigieren, Zombiehorden ihrer unterirdischen Bestimmung zuführen oder auch Fahrzeuge, zugegeben etwas sperrig, manövrieren. Die leichte Trägheit der frei justierbaren Kamera ist verschmerzbar, wenngleich auch durch diese der ein oder andere Lebenspunkt bei größeren Gegnermassen verloren geht. Die altbackene, kaum erklärte Menüführung der vorangegangenen XBox 360-Steuerung erhält einen neuen Schliff und funktioniert in der State of Decay - Year One Survival Edition wesentlich unkomplizierter, wenn auch nicht selbsterklärend. Insgesamt fühlt sich das Controllerlayout aber angenehm bekannt und durchdacht an, auch wenn sie nicht an die Präzision einer PC-Gamermaus heranreicht.
 
Beim Thema Sounddesign kann State of Decay - Year One Survival Edition überzeugen. Neben dem unaufdringlichen, aber stets stimmig platzierten Soundtrack sind es die tollen Umgebungsgeräusche, die den Spieler in ihren Bann ziehen. Das Rauschen des Windes in den Baumkronen, unheilvolles Knacken und Rumpeln, markerschütternde Schreie und geifernde, angenehm bekannt vertonte Zombies sorgen in satter Surroundqualität für echtes Apokalypse-Feeling. Die englischen Synchronsprecher der unzähligen Figuren sind ambitioniert authentisch und dank gut portierter deutscher Untertitel auch für nicht-multilinguale Spieler jederzeit verständlich.

Bildergalerie von State of Decay - Year One Survival Edition (20 Bilder)

Grafik, Gameplay und Umfang: Hässlicher Walking Dead mit viel Charisma...
Auf den ersten Blick macht die State of Decay - Year One Survival Edition auf der XBox One zunächst einen ganz passablen Eindruck. Die Auflösung in 1080p wirkt relativ scharf, wenngleich das optische Gesamtpaket mit seinen blassen Farben und den detailarmen Kulissen auch meilenweit von aktuellen Grafik-Krachern wie etwa Dying Light oder Dragon Age Inquisition entfernt ist. Pluspunkte sammelt das Indie-Game aber mit seinen individuellen Charakteren, den optisch gelungenen Waffen- und Gegnerdesigns, sowie den wirklich schönen Licht- und Schatteneffekten. Dass State of Decay - Year One Survival Edition 2013 ursprünglich als XBOX 360- und Steam-Downloadtitel erschienen ist, sieht man dem Spiel aber leider auch in der überarbeiteten XBox One-Version an. Obwohl die leistungsstarke, mit State of Decay eigentlich unterforderte Cry Engine 3 das Spiel antreibt, zwingen große Gegnerhorden und das Betreiben von Fahrzeugen die Framerate deutlich spürbar in die Knie. Warum Crysis 3 oder Ryse: Son of Rome bombastische Grafikpracht und stabile Bildwiederholungsraten präsentieren, State of Decay - Year One Survival Edition aber trotz gleicher Engine technisch schwächelt, bleibt ein Rätsel. Doch zum Glück ist Optik nicht das A und O, weshalb das Survivalspiel aus dem Hause Undead Labs in anderen Kategorien Fleißpunkte sammelt.
 
Denn das, was die State of Decay - Year One Survival Edition perfekt beherrscht, ist das unheimlich fesselnde, atmosphärisch dichte Gameplay. Man erwacht im Körper des jungen Marcus Campbell, trifft nach wenigen Sekunden auf die ersten Zombies und befindet sich plötzlich mittendrin im stark inszenierten Überlebenskampf. Schleunigst macht man sich nun in bewährter Third-Person-View auf die Suche nach einem Unterschlupf und anderen Überlebenden, um sich an einem geeigneten Ort ein Camp zu errichten. Mit einem dynamischen Tag-Nacht-Wechsel im Rücken heißt es nun wichtige Ressourcen wie Nahrung, Waffen und Treibstoff zu suchen, das eigene Camp auszubauen und die schweren Nächte zu überleben, stets begleitet von hungrigen, intelligenten Untoten, die dem Spieler nach dem Leben trachten. Auch fremde Menschen mit ähnlichem Schicksal laufen dem Spieler über den Weg, welche man anschließend zur Basis eskortieren und aktiv in die immer größer werdende Gemeinde integrieren kann. Mit ausreichend Vertrauenspunkten im Gepäck, welche man etwa durch das Beschaffen von Vorräten erwirtschaftet, lassen sich die Mitglieder des Camps auf Missionen schicken oder begleiten Marcus oder einen der anderen wählbaren Charaktere auf ihren Streifzügen. Doch was einfach klingt, entpuppt sich trotz cleverer KI schnell als riskantes Unterfangen, denn jeder Ausflug in das Umland könnte der letzte sein. State of Decay - Year One Survival Edition pfeift nämlich auf Respawn oder Rücksetzpunkte und konfrontiert die Spieler mit einem Permadeath-System. Stirbt eine Figur, so ist dies also dauerhaft. Wohl dem, der vorrausschauend handelt und seinen aktiven Charakter nicht mehr Gefahr aussetzt, als unbedingt nötig! Aber leichter gesagt als getan, denn die klugen, oft in Horden auftretenden Zombies sind stark, reagieren auf jegliche Art von Lärm und haben frisches Menschenfleisch eben einfach zum Fressen gern. Da kann Autofahren und das Durchsuchen eines mit verlockenden Schränken, Kisten und Möbeln ausgestatteten Hauses schnell im Desaster enden. Der unwiderrufliche Tod eines mühevoll aufgelevelten, gut ausgestatteten Charakters mit hohen Vertrauenswerten tut wirklich weh, das steht fest. Stealthkills via Hieb- und Stichwaffen statt Schusswaffengebrauch, und konsequentes Beobachten und Ausspähen der Umgebung samt gefährlicher Zombiehorden statt blindem Herumirren lautet die Devise. Dass die oberflächliche Story nicht der Rede wert ist, ist in Anbetracht des permanenten Überlebenskampfes in der atmosphärisch dichten Open World Nebensache. State of Decay - Year One Survival Edition fesselt stoisch an den Bildschirm, zieht einen unerbittlich in seinen charismatischen Bann und vermischt nahezu perfekt Ressourcenmanagement mit Survival-Gameplay. Grandioses und gleichzeitig herrlich frisches, unverbrauchtes Spielprinzip!
 
Wer nach rund 20 Stunden Spielzeit den Abspann über den Bildschirm flimmern sieht, hat die Qual der Wahl: das Hauptspiel nochmal von vorne beginnen und alles anders machen? Den alten Spielstand der XBox 360-Version importieren und die Figuren weiter verbessern? Oder einen der beiden enthaltenen DLCs zocken? Wer sich für die letzte Variante entscheidet, darf entweder im DLC "Breakdown" das Hauptspiel im Endlosmodus angehen, muss aber auf jegliche Story verzichten, oder aber das unterhaltsame "Lifeline" meistern. In diesem etwa sechs Spielstunden umfassenden Zusatzinhalt schlüpft der Spieler in die Uniform von Regierungssoldaten und darf hemmungslos zu Granate, Sturmgewehr und Pistole greifen, verschiedene Enden inklusive. Als Bonus übernimmt State of Decay - Year One Survival Edition hier erlernte Fähigkeiten wie etwa Munitionsherstellung in das Hauptgame, was den Wiederspielwert nochmals drastisch erhöht. Schade nur, dass auch die nagelneue, aufgehübschte State of Decay - Year One Survival Edition ohne jegliche Onlineanbindung daher kommt. Koop- und Multiplayerfreunde müssen leider draußen bleiben, obwohl das Spielprinzip geradezu danach schreit. Schade, aber wer weiß, was die Zukunft bringt? Die Apokalypse konnte schließlich auch niemand vorhersehen...

Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

Wie geil ist das denn?! State of Decay - Day One Survival Edition gibt mir endlich wieder neuen Überlebensgeist und Zombiespaß auf der XBox One! Mit aufpolierter, aber leider immer noch schwächelnder Grafik kommt dieses Survival-Actiongame mit allerlei Schmankerln daher: beinharter Überlebenskampf, ausgeklügeltes Ressourcenmanagement, ein mitunter schmerzendes Permadeath-System und unzählige Charaktere, die nur eines wollen: diese ganze Misere namens "Zombie-Apokalypse" überstehen. Taktisches Vorgehen, sehenswerte Action, eine enorm dichte Atmosphäre und clevere KI ergänzen sich perfekt mit einer etwas tristen, aber stimmigen offenen Welt, sowie zahllosen Loot- und Upgradefunktionen. Wer auf Survivalaction samt haufenweise Geheimnissen und coolen Figuren, viel spielerischen Inhalt und eine überragend gute Atmosphäre steht, ohne dabei allzu viel Wert auf High-End-Grafik zu legen, ist bei der State of Decay - Year One Survival Edition bestens aufgehoben. Neben einem indizierten Genreverwandten ist State of Decay - Year One Survival Edition mein derzeitiger Dauerbrenner im Laufwerk der Microsoft-Konsole!


Die letzten Artikel der Redakteurin:


positiv negativ
  • Sehr stimmige Zombie-Atmosphäre
  • Unterhaltsame Mischung aus Action, Survival und Ressourcenmanagement
  • Fordernder Schwierigkeitsgrad mit Permadeath-System
  • Unzählige Geheimnisse und Orte in einer großen offenen Spielwelt
  • Clevere KI auch bei den eigenen Gefährten
  • Steuerung und Sound super portiert
  • Sämtliche DLCs sind enthalten
  • Herrlich unverbrauchtes Gameplay
  • 1080p ja, aber Grafik noch immer weit unter Next-Gen-Niveau
  • Häufige Framerateinbrüche
  • Menüführung unübersichtlich
  • Keinerlei Koop- oder Onlinemodi trotz danach schreiendem Spielprinzip





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