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Street Fighter V

Publisher: Capcom
Entwicklerstudio: Capcom
Genre: Action
Sub-Genre: Kampfsport
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 16.02.2016
USK 12

Street Fighter V   15.04.2016 von Teppich

Es kommt mir vor als wäre es gestern gewesen! Wie aus dem Äther erschien der Street Fighter V Trailer letztes Jahr. Niemand hätte damit gerechnet - vor allem ich nicht. Keine sechs Monate später sitze ich Matt Dahlgren gegenüber, der mir auf der Gamescom eine spielbare Version präsentiert. Und zack ist es Winter und ich sitze zuhause und spiele bereits die Street Fighter V Beta! Wir schreiben nun April 2016, Street Fighter V erschien im Februar, das langerwartete März-Update vor ein paar Tagen und dennoch fällt es mir immer noch schwer ein Urteil zu fällen - und das als Hardcore-Fan...

 

Ich schalte erst mal einen Gang zurück! Was ist überhaupt Street Fighter?

 

Ursprünglich, also 1987, fand man Street Fighter in Arcades wieder und würde es heute weitestgehend als Beat'em'Up bezeichnen. Sprich der Spieler wirft einen Coin in die Arcade-Machine ein und verprügelt solange verschiedene Gegner und Bosse, bis er am Ende angelangt ist oder ihm aber die Münzen ausgegangen sind. Das hatte noch wenig mit einem Kampfspiel gemein, so wie wir es heute kennen. Der Grund für seine heutige Popularität erlangte Street Fighter durch die zweite Iteration, Street Fighter II, die es zwei Spielern ermöglichte gegeneinander anzutreten. Was Street Fighter II von anderen Kampfspielen unterschied? Hadoken, Shoyruken und Tatsumaki Senpukyaku! Häh? Was labert der da?

 

Diese drei zunächst befremdlichen Begriffe betiteln die wohl bekanntesten Spezialangriffe in einem Kampfspiel! Dabei handelt es sich bei dem Hadoken um einen Feuerball, der durch eine Viertelkreis-Bewegung nach vorne in Kombination mit einem Schlag-Button ausgeführt wurde. Genau! Neben seltsamen Namen für Spezialangriffe mussten noch seltsamere Kombinationen auf dem Pad ausgeführt werden. Das mag zunächst unglaublich kompliziert klingen, in der Praxis kann ein Spieler dies jedoch sehr schnell umsetzen. Beim Shoryuken, dem Dragonpunch, mag dies zwar nicht der Fall sein, würde aber auch den Rahmen des Artikels sprengen (haha).

 

Wildes Rumdrücken für den Sieg?!

 

Zwar hatte sich unter Geschwistern und Freunden bereits eingebürgert, dass wildes Rumdrücken der einzige Weg zum Sieg in Street Fighter sei, doch es steckte bereits so viel mehr hinter dem System von Street Fighter II - wenn auch nicht gänzlich beabsichtigt. So gibt es Combos, die mehrere Angriffe miteinander verbinden, die jedoch ein bestimmtes Timing erfordern, Special-Cancels und so viel mehr. Mit jeder weiteren Version von Street Fighter II wuchsen auch die innewohnenden Spielmechaniken - und es gab nicht gerade wenige Street Fighter II Versionen. Alleine 5 Versionen von 1991 bis 1995.

 

Auf Street Fighter II folgte die Street Fighter Alpha Serie mit rund drei Auskopplungen, die alle jeweils unzählige Itterationen zählen. Darauf folgte zum Jahrtausendwechsel Street Fighter III mit der wohl bekanntesten Street Fighter III: Third Strike Version. Jede dieser Street Fighter Veröffentlichung kam mit seinen eigenen System-Mechaniken daher wie z.B. dem Parry, und dem Alpha-Counter, Mechaniken, die die Spiele zwar interessanter gestalteten, sie jedoch für den Laien nahezu unspielbar machten - kein Vergleich zu Street Fighter II. Erst 8 Jahre nach der Veröffentlichung von Third Strike wurde Street Fighter 4 veröffentlicht, welches zum ersten Mal mit 3D-Modellen statt 2D-Sprites arbeitete. Auch hier wurden neue Mechaniken hinzugefügt wie z.B. die Focus Attacke, die es einem Spieler erlaubte einen Treffer zu absorbieren und sogar Spezialattacken in ihrer Animation zu stoppen um eine weitere auszuführen (Focus Attack Dash Cancel). Auch Street Fighter 4 wurden etliche Iterationen spendiert. So folgte auf den Release die Super Street Fighter 4 Version, darauf die Arcade Edition, darauf Arcade Edition 2012 und zu guter Letzt Ultra Street Fighter 4, welches erst Mitte 2014 erschien. Umso überraschender die Ankündigung von Street Fighter V, nachdem Ultra Street Fighter 4 noch kein Jahr gespielt wurde.

 

Die Sache mit dem V!

 

Nun aber zurück zum eigentlichen Problemkind: Street Fighter VWas kann es und was hat es mit dem V auf sich? Zunächst einmal beruft es sich auf die alten Systemmechaniken, die bereits in Street Fighter II und Third Strike so gut umgesetzt wurden. Das beginnt bei der Steuerung, dem Spieler stehen Leichter Schlag, Mittlerer Schlag und Schwerer Schlag zur Verfügung sowie Leichter Tritt, Mittlerer Tritt und Schwerer Tritt. Neu ist das V-System! So verfügt jeder Charakter über zwei, für ihn einzigartige Mechaniken, V-Skill und V-Trigger. Ich erkläre das System am besten einmal anhand von Ryu und Ken. Ryus V-Skill nennt sich Mind's Eye und wird ausgeführt indem er die beiden mittleren Buttons simultan betätigt. Wenn er dies tut ist Ryu in der Lage einen Angriff zu parieren, sprich der Treffer wird absorbiert und fügt Ryu keinen Schaden zu. Ein geübter Ryu kann also eine ganze Schlagfolge parieren, ohne Schaden zu nehmen und dem Gegner im Gegenzug eine ziemlich üble Kelle verpassen. Ryus V-Trigger Denjin Renki, ausgeführt durch das Drücken der beiden schweren Tasten, verstärkt hingegen seine Feuerbälle. So ist er in der Lage diese aufzuladen. Ferner noch kann ein aufgeladener Feuerball die Deckung des Gegners durchsprechen, sprich dieser ist nicht mehr in der Lage den nächsten Angriff zu Blocken. Ziemlich nützlich, huh!

 

Im Gegensatz dazu steht Ken! Sein V-Skill Quick Step erlaubt es über eine kurze Distanz zu rennen. Sehr nützlich, wenn man bedenkt, dass er Quick Step nach jedem ausgeführten Angriff nutzen kann. Wird Quick Step länger gedrückt gehalten so führt Ken einen kleinen Stepkick aus, der den Gegner auf den Boden wirft. Kens V-Trigger Heat Rush ist das krasse Gegenteil von Ryus Denjin Renki. Kens Füße werden in Flammen gehüllt und bei Aktivierung sprintet er nach vorne. Anders als bei Ryu verstärkt Heat Rush alle Spezialangriffe Kens und hüllt diese in Flammen. Sieht nicht nur cool aus, sondern entspricht auch Kens Persona. Denn Ryus Rivale ist ein Hitzkopf, was durch sein V-System passend dargestellt wird. Ähnlich verhält es sich auch mit Ryu, der zurückhaltende stoische Protagonist der Serie. Denn dieser setzt seine Stärken auf sein Hadoken, welches ohnehin schon besser aus der Ferne funktioniert und mit Bedacht eingesetzt werden sollte. Eine Designentscheidung, die sich durch die kompletten Street Fighter V Kämpferriege zieht. So wirkt V durchaus persönlicher, da die Stärken und Schwächen der Charaktere stärker hervorgehoben wurden. Einer der großen Pluspunkte des Spieles.

 

Darüber hinaus soll Street Fighter V eines sein: Zugänglicher!

 

Ein sehr wichtiger Punkt, den sich Capcom zum erklärten Ziel gemacht hat. So soll V doch schließlich eine breitere Masse Ansprechen. Doch so ganz hat es mit der Zugänglichkeit leider nicht geklappt. Was uns vor allem der holprige Start des Spieles gezeigt hat, sowie die negativen Kommentare auf Plattformen wie Amazon, Steam und Co.! Zwar wurden die Combos und die System-Mechaniken in Street Fighter V vereinfacht, doch nach Erklärungen suche ich vergebens. Leider ist man in den meisten Fällen auf Foren wie Reddit oder aber Youtube-Guides angewiesen. Ein Punkt an dem Capcom gänzlich versagt hat. Denn Spiele wie z.B. Microsofts Killer Instinct oder ArcSystems Guilty Gear XRD machen es dem Spieler definitiv einfacher ihr Spiel zu verstehen, indem sie z.B. ausführliche Tutorials anbieten, in denen der Spieler buchstäblich "spielend" das Spiel und seine Mechaniken beigebracht bekommt. Zwar kam mit dem großen März-Update ein neues Tutorial hinzu, dieses zeigt einem Spieler jedoch nur wie etwas funktioniert. Nicht aber wie er es in einem Kampf anwenden kann. Sprich es ist lediglich eine Reihe von Präsentationen, die abgespielt wird, während der Spieler fleißig zuschauen muss, jedoch keine Möglichkeit der Interaktion geboten kommt. So geht es einfach nicht!

 

Darüber hinaus bietet Street Fighter V keinen Singleplayer-Content. Nicht dass das Hardcore-Fans interessieren würde. Diese wollen schließlich nur funktionierende System-Mechaniken, eine 1v1 Offline Option sowie einen funktionierenden Online-Modus. All dies bietet Street Fighter V auch. Problem sind jedoch jene Spieler, die sich einen Prügler wünschen, bei dem sie erst einmal dem CPU ordentlich aufs Fressbrett geben können, neue Kämpfer freischalten und z.B. einen Story-Modus durchspielen. All dies suche ich vergeblich in Street Fighter V. Im Grunde handelt es sich bei dem Release um einen Early-Access-Titel! Rund 60€ werden derzeit für Street Fighter verlangt. Der derzeitige Story-Modus bietet ca. weniger als eine Stunde Spielzeit, bei welchem lediglich drei Kämpfe bestritten werden. Denn der eigentliche Story-Modus ist erst für Juni angedacht!

 

Und hier liegt auch der Unmut für Capcoms neuesten Street Fighter Titel begraben. Denn bis auf das Grundgerüst, ist noch nicht wirklich ein Spiel vorhanden. Als Grund dafür wurde bisher oft die Capcom Pro Tour, Capcoms hauseigene E-Sports Marke genannt. Demnach sollte das Spiel so früh wie möglich fertig gestellt werde, so dass die Profis sofort loslegen können, um ein spannendes Finale der Tour im Dezember hinzulegen. Das mag zwar schön und gut für die E-Sports Fans von Street Fighter klingen. Ist aber knallhart am Otto-normal-Spieler vorbeigemarktet. Pech gehabt!

 

Bildergalerie von Street Fighter V (18 Bilder)

Zumindest taugt der Online-Modus, oder?

 

Kommen wir dann einmal zum technischen Aspekt von Street Fighter V. Funktioniert der Online-Modus? Jetzt ja. Funktioniert er gut? Ja, sehr gut sogar. Der Netzcode in Kombination mit der guten System-Mechanik macht Street Fighter V letztlich zu einem guten Titel, wenn man denn bereit ist, sich alles selbst beizubringen - sprich Hardcore-Fans werden mit V bestens bedient sein. Der Online-Modus besteht aus Freundschafts-Matches, Battle-Lounges und Ranked Matches. Zu erwähnen währen sowohl die Battle-Lounges als auch die Ranked Matches. Die Battle-Lounges lassen, März-Update sei gepriesen, nun 8-Spieler Lobbies zu. Ferner noch kann der Host entscheiden wie viele Runden gespielt werden und nach welchem Format, wie z.B. Best of 2 oder Best of 10. Das für mich wohl wichtigste Feature in Street Fighter V, da ich nach einer Niederlage sofort weiterspielen kann und wir nicht noch einmal durch den nervigen Auswahl Bildschirm für die Kämpfer müssen. Hut ab Capcom, gut gemacht! Ferner noch wäre da nun auch der Ranked-Modus, in welchem nun auch endlich um einen Rang gekämpft werden kann. Neben den bereits bekannten Ranglisten gibt es nun nämlich auch ein Ligen-System, welches von Bronze bis Platin reicht - eventuell auch bis Diamant aber soweit kam einfach noch niemand. Darüber hinaus ist es im Ranked auch möglich ein Rematch einzufordern, wenn beide Spieler einverstanden sind, kann es eine bis zwei zusätzliche Runden geben, jenachdem wie es gerade läuft. Auch hier hat Capcom auf die Wünsche der Community gehört und im März Update nachgebessert

 

Auf der technischen Seite muss sich Street Fighter V, zumindest auf dem PC, nicht schämen. Es läuft rund mit 60 Frames pro Sekunde, wie es sich für ein Kampfspiel gehört, und sieht dabei auch noch unverschämt aus. All das hat es natürlich der Unreal 4 Engine zu verdanken. Auch soundtechnisch muss sich das Spiel keineswegs verstecken. Ein Bomben Soundtrack mit wunderbaren Tracks, die jedem einzelnen Kämpfer angepasst wurden und ihr altes Street Fighter II Flair dabei nicht verlieren. Alles in allem ist Street Fighter V solide, aber halt eben nur für Fans. Einsteiger sollten erst einmal die Finger davon lassen und bis zum großen Juni-Update warten, dann sollte auch der Singleplayer-Modus nachgebessert sein.


Das Fazit von: Teppich

Teppich

Mir wurde auf jeden Fall das Herz gebrochen. Mir wäre nichts lieber gewesen als ein weiterer super Street Fighter-Titel im Portfolio Capcoms. Stattdessen wurde uns gerade mal das Grundgerüst eines Spieles präsentiert, welches bei weitem noch nicht fertig ist. Natürlich bessert Capcom nach, und zwar kostenlos. Was auch schön sein mag, nur ist es fraglich, ob sie nicht bereits potentielle Käufer vergrault haben. Denn problematisch wird die ganze negative PR sowie die durchwachsenen Bewertungen, die sich Capcom im Laufe der letzten Monate eingehandelt hat. Auch ich persönlich bin unzufrieden was Street Fighter V betrifft. Ja, das Spiel funktioniert und ich hatte bereits einige der intensivsten Street Fighter Momente - doch es fehlt soviel. Ich sehe wie Freunde das Spiel einfach links liegen lassen, da sie nicht genug Hilfe bekommen und dank fehlendem Singleplayer nicht zum Weiterspielen ermutigt werden - von fehlenden Spielhilfen einmal abgesehen. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten und vielleicht kann ich zum Juni hin frohe Kunde verbreiten. Falls ihr ein Beginner seid und mit dem Gedanken spielt Street Fighter V zu kaufen, wartet erstmal ab! Entweder bis Juni oder auf einen Sale, denn den vollen Preis ist es derzeit noch nicht wert - leider.


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positiv negativ
  • V-System
  • Alter Soundtrack in neuem Gewand
  • Abwechslungsreiche Grafik
  • Durchdachter online Modus
  • Rollback-Netcode
  • solide 60 Frames
  • Abwechslungsreiche Kämpferriege
  • mangelnder Content
  • schlechter Storymodus
  • PS4 Sticks werden auf PC nicht unterstützt
  • Survival-Modus für die Tonne
  • Diverse technische Probleme
  • Nicht Einsteigerfreundlich
  • Ein schlechtes Tutorial
  • Kein Wiederspielwert





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