Take Shelter

Take Shelter

Originaltitel: Take Shelter
Genre: Drama/Thriller
Regie: Jeff Nichols
Hauptdarsteller: Michael Shannon • Jessica Chastain
Laufzeit: Ca. 121 Minuten
Label: Ascot Elite
FSK 12

Take Shelter   07.09.2012 von Beef Supreme

FSK 12, keine Zombies, keine obskuren Tode und keine unzähligen Liter Blut. Take Shelter passt eigentlich so gar nicht in mein bevorzugtes Filmgenre des hirnbefreiten Metzelns. Dennoch habe ich mich dazu durchgerungen, meine Seele mit etwas weniger untragbarer Gewalt zu belasten. War diese Exkursion ins Reich des „normalen“ Films etwas wert, oder muss ich erst einmal mit etwas Braindead neutralisieren?

 

Curtis, ein normaler Familienvater, lebt mit Frau Samantha, stummer Tochter und Hund in einem kleinen und sehr abgelegenen Häuschen. Er hat so seine alltäglichen Probleme, Rechnungen, das nächste Sonntagsessen, den Zaun ausbessern. Eines Tages jedoch zieht ein gewaltiger und bedrohlicher Sturm auf, der einen dunklen und öligen Regen mit sich bringt. Zum Glück ist da noch der Sturmschutzbunker im Garten. Doch dieser ist total verwahrlost und bietet somit keinen Schutz. Dann reißt sich auch noch der Hund los und zerfleischt Curtis‘ Arm. Als Nächstes wäre dann wohl das Töchterchen dran. Doch Curtis wacht schweißgebadet auf. Vom Traum derart besessen, setzt Curtis nun alles daran, seinen Bunker wieder auf Vordermann zu bringen. Denn der Sturm wird kommen.


Eigentlich ein ganz normales Unterfangen, würden die Träume nicht mit grausiger Regelmäßigkeit jede Nacht zur Hölle werden lassen. Jedes Mal zieht ein Sturm auf, gefolgt von einem Desaster und jeden Morgen wacht Curtis völlig aufgelöst auf und verhält sich noch seltsamer, noch besessener davon, den Bunker zu vollenden. Seine Albträume  gehen so weit, dass er weder seiner Frau, noch seinem besten Freund mehr traut. Seine Halluzinationen am Tag helfen auch nicht, die Situation zu verbessern und es droht, alles in die Brüche zu gehen.


Take Shelter beginnt sehr ruhig, baut aber schon von Anfang an eine unglaublich dichte Atmosphäre auf. Gerade bei sehr ruhigen Filmen besteht die Gefahr, dass schnell Langeweile aufkommt. Nicht so hier, denn Längen gibt es im gesamten Film nicht. Trotz der im Kern simplen Geschichte schafft es der Regisseur, ein realitätsnahes Bild zu zeichnen. Nach und nach verfolgt der Zuschauer, wie Curtis den Verstand verliert. Oder vielleicht auch nicht. Denn genau das ist die Stärke von Take Shelter: Obwohl nur alltägliche Dinge gezeigt werden, wie zum Beispiel ein Frühstück oder der Arbeitsalltag, entsteht eine fast greifbare Spannung, ohne dass man wirklich sagen könnte, warum. Keine schnellen Schnitte und keine wilden Kamerafahrten und trotzdem besteht im gesamten Film eine bedrohliche Grundstimmung, die stetig zunimmt. Dabei bleibt der Film von Anfang bis Ende unvorhersehbar und spannend bis zum Schluss, denn die Frage, ob Curtis wirklich irre ist oder nicht, wird auch erst ganz am Ende beantwortet.


Bildergalerie von Take Shelter (7 Bilder)

Abgesehen von einem wirklich sehr gelungenen Drehbuch und ausgezeichneter Regiearbeit, wird der Film von den herausragenden Schauspielern getragen. Die Realitätsnähe mit der Curtis (dargestellt von Michael Shannon) sich immer weiter von selbiger entfernt, wird hervorragend dargestellt. Auch seine Frau (gespielt von Jessica Chastain) die immer mehr unter der psychischen Belastung leidet, legt eine unglaublich gute Performance hin. Das Bild ist auch über jeden Zweifel erhaben. Die Farben sind kräftig, das Bild ist scharf und auch dunkle Einstellungen sind perfekt ausgeleuchtet. Die Stürme, sowie weitere Effekte sehen auch wirklich gut aus. Hier noch ein großes Lob an die gelungene Kameraführung. Die musikalische Seite  ist zudem ein Traum, stimmig bis zur letzten Note und nur dann eingesetzt, wenn er auch wirklich benötigt wird. Es gibt viele Einstellungen, die komplett auf Musik verzichten, doch wenn man ihn hört, ist es Zucker für die Ohren. Hier stimmt eigentlich alles.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Ich war skeptisch. Sehr sogar. Doch was der Regisseur Jeff Nichols hier abgeliefert hat, hat all meine Erwartungen übertroffen. Selten so einen stimmigen Film gesehen. Wie ich mit Curtis mitgefiebert habe, wie ich ihn einerseits gehasst habe, weil er so ein Depp wird, aber andererseits mir auch wünschte, dass er vielleicht doch recht hat, weil er mir sympathisch ist. Die Charakterzeichnung in Take Shelter ist auf allerhöchstem Niveau. Und obwohl die Geschichte eigentlich nur ums wahnsinnig werden geht, ist es doch Spannung pur bis zum Schluss. Schaut ihn euch an, auch wenn Ihr nur auf endlose Blutströme steht, der Film hier ist einfach klasse. Ein ruhiger Sturm.


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