Tales of Monkey Island

Tales of Monkey Island

Publisher: Eurovideo
Entwicklerstudio: Telltale Games
Genre: Adventure
Sub-Genre: Point & Klick Adventure
Art: Midpreis Titel
Erscheinungsdatum: 09.11.2010
USK 0

Tales of Monkey Island   25.01.2011 von Manu

Die Gerüchteküche brodelte heftig. In einigen Blogs wurde berichtet, dass ein neues „Monkey Island“-Spiel in der Mache sei. Wieder andere Gerüchte besagten, es würde ein Remake des ersten Teils mit neuer Grafik und Sprachausgabe geben. Das Beste an den Gerüchten: Beides hat sich zum Glück bewahrheitet! Ob Telltale Games das große Erbe der „Monkey Island“-Serie erfolgreich weiterführen kann, erfahrt ihr hier…

Erst mal vorweg: Wie kann es Telltale Games wagen, einfach so die heilige Mutterkuh des Adventure-Genres anzufassen? Alle Skeptiker können sich aber beruhigt zurücklehnen und tief durchatmen: Das Team wurde von Dave Grossman angeführt, einer der Hauptautoren und Designer des ersten Teils. Ron Gilbert wurde extra für ein paar Tage eingeflogen, um der Serie seinen Segen und sein Feedback zu geben. Es ist also alles in Butter. Natürlich wusste auch Lucasarts Bescheid und arbeitete eng mit Telltale Games zusammen. Die Musik wurde ebenfalls wieder vom gleichen Komponisten (Michael Land) geschrieben und Dominic Armato wurde erneut Guybrush Threepwood seine Stimme leihen. Nachdem wir diese Zweifel aus dem Weg geräumt haben, noch ein paar Worte zu den jetzigen Produzenten des Spiels: Telltale Games hat was geschafft, was bis vor kurzem in der Computerspielbranche als tot und nicht machbar galt: Das Adventure-Genre wieder zu beleben.

Am Anfang werdet Ihr mitten ins Geschehen. geworfen. Ihr seht den mächtigen und bösen LeChuck, wie er Guybrushs Frau Elaine auf einem Schiff gefesselt hält und mitten in den Vorbereitungen für ein Voodoo Ritual versunken ist. Wie es sich für einen echten Helden gehört, taucht Guybrush Threepwood natürlich in letzter Sekunde auf, um Elaine zu retten. Er hat dazu alles besorgt, was auf seinem mysteriösen Voodoo-Rezept steht, um LeChuck zu stoppen. Ein mysteriöser Säbel, der nur noch mit sprudelndem Root-Bier übergossen werden müsste, soll LeChuck endgültig erledigen. Natürlich geht etwas schief und Guybrush verwandelt stattdessen LeChuck in einen Menschen und verpasst sich selbst eine von einer dämonischen Seuche besessene Hand. Als dann auch noch das Schiff explodiert, fängt das Abenteuer erst richtig an. Gestrandet auf einer unbekannten Insel, macht sich Guybrush auf die Suche nach einem Weg, um Elaine erneut zu retten ...

So beginnt das Spiel „Tales of Monkey Island“. Die Steuerung ist so simpel, wie sie für ein Adventure-Game sein kann und muss. Ihr steuert Guybrush wie auch schon bei den anderen Telltale Games wahlweise mit der Tastatur oder Ihr wählt die neue, komfortable Steuerung mit der Maus. Dazu lasst Ihr die linke Maustaste gedrückt und seht sogleich einen kleinen roten Pfeil an einem Kreis, der Euch anzeigt wohin eure Figur läuft. Mit der rechten Maustaste rennt Ihr. Lasst Ihr die Tasten los, bleibt Ihr stehen und Eure Maus ist wieder als Cursor in Aktion.

Klickbare Objekte erkennt Ihr an einem eingeblendeten Beschreibungswort und bei Klick erhaltet Ihr in der Regel einen Kommentar, eine Detailansicht, eine kurze Sequenz oder Guybrush steckt den Gegenstand einfach ein. Mit einem Klick auf die mittlere Maustaste öffnet sich Euer Inventar. In diesem könnt Ihr die Gegenstände ganz klassisch miteinander kombinieren. Dazu gibt es zwei „Slots“ in die Ihr die Objekte legt und über ein „Plus“-Icon in Verbindung bringt. Wenn die Gegenstände zusammen passen, erhaltet Ihr eine entsprechende Reaktion. Wollt Ihr die Objekte dagegen einfach nur in die Hand nehmen, verwandelt sich Euer Cursor in eine Miniaturansicht der Items, sodass Ihr nur noch auf das Objekt klicken müsst, mit dem Ihr den Gegenstand in Verbindung bringen möchtet. Auch hier zeigt sich, dass das Team den Humor der Monkey Island-Reihe stark verinnerlicht hat. Stets erhaltet Ihr einen schnippischen Kommentar der NPCs oder von Guybrush selber. Natürlich könnt Ihr die NPCs auch direkt ansprechen und erhaltet in der Regel nach einer kurzen Einleitungsszene verschiedene Dialogoptionen zur Auswahl. Wie in der Serie bestehen die Auswahlmöglichkeiten aus vor Ironie und Sarkasmus strotzenden Sätzen, die sich Guybrush selbst jedoch meist verkneift und die höfliche Variante ausspricht.

Die Charaktere, Orte und Situationen, denen Ihr auf der Insel begegnet, versprühen durch und durch den Monkey Island-Flair. Ihr trefft Piraten, die seltene Porzellan-Action-Figuren sammeln, einen verrückten, französischen Exil-Arzt, der Euch die dämonische Hand abhacken will und mysteriöse Experimente betreibt, einen rasenden Reporter, der Euch zu Unheil anstiftet, ein Schiff, das komplett aus Strandgut gebaut ist und Bowlingpins am Steuerrad aufweist, sowie viele weitere ähnlich skurril anmutende Dinge.

Die Rätsel sind mal nahe liegend, mal knackig, mal müsst Ihr Sachen in der richtigen Reihenfolge machen, mal Gegenstände erst mit anderen Sachen kombinieren, bevor sie an einer anderen Stelle passen oder Ihr müsst sie einfach der richtigen Person zeigen. Es wird euch bestimmt nicht oft passieren, dass Ihr stecken bleibt oder nicht wisst, was euer nächstes Ziel ist. Die Telltale-Engine ist zudem so gut programmiert, dass sie selbstständig merkt, wenn Ihr nicht weiter wisst, und Euch nach und nach dezente Hinweise anhand der Kommentare der NPCs gibt. Wie schnell diese Hinweise kommen, könnt Ihr in den Einstellungen selbst festlegen.

Die Grafik ist wie gewöhnlich im 3D-Comiclook gehalten und fügt sich nahtlos in die grafische Evolution der Serie ein. Die Musik verströmt die gewohnten und geliebten karibischen Klänge, wechselt zu bedrohlichen Stücken bei LeChuck und die wiederkehrende Voodoo-Lady hat ihren eigenen Soundtrack erhalten. Die Sprachausgabe kann sich wirklich hören lassen und ist auf Deutsch oder Englisch einstellbar. Egal für welche Tonspur Ihr Euch entscheidet, alles ist hochprofessionell umgesetzt. Die Schauspieler zeigen ihr ganzes Können im rollenden „ARRR!“ der Piraten oder in den obskuren Akzenten der Charaktere und unterstreichen den abgedrehten Humor der Serie. So erhält das Spiel wiederum ihre aberwitzige Seite, welche für ein ganz eigenes und gelungenes Flair sorgt. Hier sollten sich andere Hersteller und Produktionen doch mal eine Scheibe abschneiden, denn so sollte sich eine gelungene Synchronisation anhören. Einzig die etwas überflüssige Option, sich die Untertitel einblenden zu lassen, gehört etwas feiner ausgearbeitet. Diese ist nämlich teilweise von der Ausdrucksweise her etwas seltsam und von Rechtschreibfehler überhäuft - schade, aber nicht wirklich störend.

Übrigens findet Ihr auf der DVD neben dem eigentlichen Spiel auch noch einiges an digitalem "Tinneff", wie es liebevoll auf dem Cover beschrieben wird. Dabei könnt Ihr Euch zusätzliche Screenshots, Trailer, Wallpaper, Concept-Arts oder kürzere Filme mit den Kommentaren der Entwickler anschauen. Dabei handelt es sich eigentlich um nichts was man sich als Fan vielleicht auch nicht schon im Internet hätte anschauen können, nett ist es aber allemal. Dabei sei nur der Vollständigkeit halber darauf hingewiesen, dass die Filme, Trailer und Kommentare lediglich in englischer Originalsprache vorliegen, aber nichtsdestotrotz gut zu verstehen sind.


Das Fazit von: Manu

Manu

Die starken Zweifel, ob es je wieder ein neues Monkey Island geben wird, waren durchaus angebracht. Umso überraschender kam die Ankündigung von Telltale Games. Das Warten hat sich gelohnt. Die Profis, die in den vergangenen Jahren erfolgreich bewiesen haben, dass das Adventure-Genre noch lange nicht tot ist, haben den ganz großen Wurf mit der Lizenzierung von Monkey Island gemacht. Die insgesamt fünf Episoden zeigt so viel Liebe zum Original und wirkt dennoch frisch und neu. So wird es nicht nur den Spiele-Veteranen schwer fallen, das Spiel zur Nahrungsaufnahme zu unterbrechen. Doch auch ohne Nostalgie-Bonus ist es einfach ein gutes Adventure-Game, mit viel Humor, toller Stimmung und spannenden Rätseln.


Die letzten Artikel des Redakteurs:


Das Fazit von: DeWerni

DeWerni

Ich kann mich meinem Vorredner eigentlich nur anschließen. Das Adventure-Genre schien lange tot zu sein, doch nun erfährt es eine Wiederauferstehung, wie man es beispielsweise auch an der mit Spannung erwarteten anstehenden Veröffentlichung von The Next Big Thing sehen kann. Wer hat die Abenteuer des Guybrush Threepwood nicht geliebt? Auch wenn das Spiel einige Macken hat und nicht ganz an die Abenteuer längst vergangener Zeiten herankommen kann, so macht es trotzdem wieder Spaß, in die Rolle die Rolle des mächtigen Piraten zu schlüpfen und einige neue und lustige Abenteuer zu durchleben. Die gute technische Realisierung und die gelungene deutsche Synchronisation tun ihren Rest dazu und sorgen für eine Atmosphäre, in der sich auf jeden Fall Fans der Serie wohl fühlen müssen. 


Die letzten Artikel des Redakteurs:


positiv negativ
  • Teile des Originalteams an Bord
  • Gut geschriebene Dialoge
  • Charme der Originalserie sehr gut eingefangen
  • Tolle, durchgeknallte Charaktere
  • Rätsel fordernd, nicht zu leicht
  • Spiel gibt dezente Hinweise, falls man hängen bleibt
  • Professionelle Sprachausgabe
  • Teilweise seltsam übersetzt
  • Manchmal etwas nervige Steuerung
  • Nicht wirklich "Ab 0 Jahren"





Kommentare[X]

[X] schließen