The Book Of Legends

The Book Of Legends

Publisher: rokapublish
Entwicklerstudio: Aldorlea Games
Genre: Rollenspiel
Sub-Genre: Rundenbasiertes Rollenspiel
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 14.02.2014
USK 6

The Book Of Legends   27.06.2014 von Wolf

Mit The Book of Legends erscheint ein kommerzialisiertes "RPG Maker"-Spiel des Entwicklers Aldorlea Games in der Tradition der guten alten Japano-RPGs. Den Spieler "erwarten spannende Erkundungstouren und knifflige Boss-Kämpfe". Mit Charme, Witz und aufheiternden Dialogen soll das Spiel für langanhaltenden Spielspaß sorgen. Weiterhin verspricht der Klappentext über 40 Stunden Spielzeit, zwei Schwierigkeitsgrade, zahlreiche Charaktere, eine fesselnde Geschichte und liebenswerte Figuren. Ist das Spiel eine eierlegende Wollmilchsau oder doch nur halbes Hähnchen? Finden wir es heraus ...

 

Vor Beginn des Spiels darf der Spieler zwischen zwei Schwierigkeitsgraden, einfach und schwierig, wählen (check!). Wer "einfach" wählt, darf sich alle 50 Schritte auf einen "Zufallskampf" mit anschließender automatischer Speicherung und partieller Heilung aller Gruppenmitglieder freuen. Wer sich für "schwer" entscheidet, muss alle 40 Schritte einen "Zufallskampf" absolvieren, bekommt alle zehn Kämpfe eine automatische Spielstandssicherung spendiert und darf keine automatische Heilung nach den Kämpfen erwarten. Nach gefällter Entscheidung geht es genretypisch mit einem Intro in Spielgrafik los.

 

Irgendein nicht näher motivierter Herrscher einer nicht näher motivierten Stadt ruft seine Berater zusammen und eröffnet ihnen, dass irgendein nicht näher motivierter Dämon in irgendeinem nicht näher motivierten Turm seiner Erwachung harrt. Er informiert seine Berater weiterhin darüber, dass sie nutzlos sind, denn er habe bereits einen superstarken nicht ganz konventionellen Vagabunden damit beauftragt, den Dämon mittels einer speziellen Tinktur wieder in den Tiefschlaf zu versetzen. Besagter Herumtreiber ist Jordan, der Protagonist der Handlung. 

 

Jordan ist ein ziemliches *zensiert*, chauvinistisch, nie um einen herabwürdigenden Spruch verlegen, und er kann mit Tieren reden. Nun wird man in die lieblos gestaltete Spielwelt mitten in einen Wald geworfen. Das Ziel der ersten Aufgabe liegt irgendwo im Süden. Je nach Schwierigkeitsgrad wird man außerhalb von Städten alle paar Meter von "Zufallskämpfen" genervt, auch wenn man bereits viel stärker als die Angreifer ist. Hier kommt die Fähigkeit "Rush" ganz gelegen, welche die Kämpfe gegen schwächere Gegner deutlich abkürzt, indem die Gruppenmitglieder alle einfach mit ihrem Standardangriff attackieren. Je nachdem, wie gründlich man ist, schließt sich bald das erste neue Mitglied der Gruppe an: Hans, der Hahn.

 

Hat man sich erst einmal aus dem Startwald herausgekämpft, was durchaus etwas dauern kann, da es keine vernünftige Übersichtskarte gibt und die Spielwelt derart lieblos zusammengestöpselt wurde, dass alles irgendwie gleich aussieht, kommt man an mindestens sechs ausgewachsenen Dörfern vorbei, bevor man überhaupt die erste Aufgabe abschließen kann. Erkundungstouren? Ja, aber spannend sind sie nicht. Dazu sind die Gegner und Kämpfe stellenweise überhaupt nicht ausbalanciert. Der erste Wolfboss, der der Gruppe begegnet, entpuppt sich als unbezwingbares One-Hit-Wonder. Auf dem einfachen Schwierigkeitsgrad spielt sich das Spiel im Kampf gegen Giftspinnen in einer Abfolge aus Dauerparalyse der Gruppe und passiver Heilung derselben gerne mal zehn Minuten lang selbst, bevor der Spieler mal wieder einen Befehl geben kann.

 

Die erwähnten vielen Dörfer mit ihren vielen nutzlosen Nichtspielercharakteren sind ein echtes Problem. Man weiß nicht, welcher NPC wichtig ist und welchen man ruhig ignorieren kann. Also muss man sie alle ansprechen und die großteils dämlichen Dreizeiler wegdrücken.  Aufheiternde Dialoge kann man praktisch an einer Hand abzählen. Viele der Dialoge wirken gezwungen, rabiat oder sexistisch und sind wenig geistreich. So weiß man praktisch von Anfang an, dass - Achtung Spoiler! - man den verdammten Dämon mit der Tinktur natürlich nicht ins Land der Träume befördern, sondern aufwecken wird. Vorweggegriffen: Die Geschichte fesselt nicht, da sie 0815-Rollenspieleinheitsbrei ist.

 

Auf der Reise stoßen praktisch an jeder Ecke neue Gruppenmitglieder hinzu. Tipp der Redaktion: Eve die Kuh kann für 20 Manapunkte Milch geben, ein Heiltrank, der 60 Punkte heilt. Leider unterscheiden sich die Mitstreiter nicht signifikant voneinander und leveln auch nicht mit, wenn sie gerade auf der Ersatzbank sitzen, so dass man seltenst Teile der Mannschaft auswechselt. Somit gibt es zwar viele Charaktere, aber wenig Charakter. Die Figuren bleiben größtenteils äußerst blass.

 

Bildergalerie von The Book Of Legends (10 Bilder)

Handwerklich gesehen ist The Book of Legends ebenfalls kein Meisterstück. Das Spiel kommt als englische Originalversion, sprich: eine deutsche Version existiert nicht. Nun rechnet man in einer übersetzten Version vielleicht damit, dass Texte nicht in die Textboxen hereinpassen und über den Rand herausragen. Hier bekommt man dieses Feature jedoch sogar in der Originalversion geliefert. Die Musik kann man nach der dritten Wiederholung nicht mehr ertragen und die Grafiken und insbesondere deren Anordnungen sehen wie zusammengeklaubt aus. Das geht sogar so weit, dass der Charakter hinter einigen Objekten einfach komplett verschwindet und man evtl. nicht mehr weiß in welche Richtung man laufen muss, um da wieder rauszukommen. Insgesamt ist The Book of Legends also für Rollenspielliebhaber eher ein Chicken Nugget denn ein Foie Gras.


Das Fazit von: Wolf

Wolf

Leider hält The Book of Legends kaum welche der vollmundigen Versprechen. Ja, die zwei Schwierigkeitsgrade existieren. Ja, die Spielzeit von mehr als 40 Stunden ist sicherlich gegeben, allerdings nur aufgrund des Umstands, dass man viel Zeit damit verbringt, durch die lieblos dahingeklatscht wirkende Welt zu laufen und dabei alle paar Schritt mit einem Zufallskampf belästigt zu werden sowie sich langweilige Dialoge durchzulesen, nur um irgendwann den richtigen Typen/Questgeber zu finden. Ja, auch zahreiche Charaktere sind vorhanden. Allerdings haben diese größtenteils keinen Charakter, sind blass und das genaue Gegenteil von Charmant oder Witzig. Als Rollenspielliebhaber lässt man von diesem Titel lieber die Finger. Auch Einsteiger sollten sich lieber eines der klassischen JRPGs holen.


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positiv negativ
  • Schöne Charakterzeichnungen
  • "Rush"-Befehl für schnelleren Kampfablauf gegen unterlegene Gegner
  • Lieblos zusammengestückelte Spielwelt
  • Blasse Charaktere
  • Nervige "Zufallskämpfe" nach festgelegter Schrittzahl
  • Monotone Musik
  • Standardgeschichte
  • Stellenweise unangemessene Sprache





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