The Fades

The Fades

Originaltitel: The Fades
Genre: Fantasy / Horror
Regie: Farren Blackburn • Tom Shankland
Hauptdarsteller: Lily Loveless • Iain De Caestecker
Laufzeit: Ca. 396 Minuten, ca. 55 Minuten pro Episode
Label: Edel Germany GmbH
FSK 16

The Fades   26.09.2012 von Beef Supreme

Was passiert nach dem Tod? Die einen meinen, sie harren in Odins Goldenen Hallen Ragnarök, die andern denken, sie werden explosiv mit 72 Jungfrauen schäkern. Und andere wiederum sagen, dass man danach Harfe zupfend auf irgendeiner Wolke Platz nimmt. Alles Humbug, will man denn der britischen Serie The Fades, zu deutsch Tage des Grauens, Glauben schenken. 2010 im Heimatland erschienen, schaffte es die Serie nun auch zu uns ...


Die Toten werden verscharrt und dann ist Ruhe. Oder? Nicht ganz. Jeder Verblichene hinterlässt einen Fade. Das ist ein genaues Abbild seiner selbst in einer Art Geisterform. Immateriell, unsichtbar, für die normale Bevölkerung nicht wahrnehmbar. Nach einer gewissen Zeit hat sich das Umhergewandele sowieso erledigt, denn die meisten fangen irgendwann an, komisch zu leuchten und explodieren, ebenso nicht wahrnehmbar, in einem grellen Licht und sind dann weg vom Fenster. Zumindest lief das früher so. Mittlerweile zerreißt es nicht mehr alle Fades, und die, die übrig sind, sind dazu verdammt, auf ewig auf der Erde zu wandeln, unfähig mit der Umwelt zu interagieren oder sich bemerkbar zu machen. Doch nicht alle Menschen sind blind gegenüber der Fades. Paul, ein 17-jähriger Junge, kann sie sehen, versteht aber nicht, was er da sieht. Auch hat er sehr reelle Alpträume, die ihn ins Bett machen lassen. Nicht gerade cool für einen pubertierenden Jugendlichen, vor allem wenn man vom sozialen Umfeld so sehr geschätzt wird wie Fußpilz.

 

Eines Tages trifft er auf Neil, der ebenfalls Fades sehen kann. Zwar schießt Neil bei der ersten Begegnung auf ihn, aber das gibt sich irgendwann. Neil erklärt Paul, dass er nicht irre ist und dass er besondere Fähigkeiten besitzt. Paul solle doch bitte den Angelics beitreten, ein Verein, der sich mit den Fades beschäftigt. Der Haken daran, die Fades werden langsam wieder materiell und fangen an, Leute zu futtern. Nicht so toll, denken sich die Angelics und ein paar von der Fraktion meinen, dass Paul irgendwie wichtig ist, obwohl er Bettnässen zelebriert. Dabei hat Paul schon genug damit zu tun, nicht über Gebühr gehasst zu werden und hat zunächst eigentlich keine Lust auf einen Nebenjob.


Klingt irgendwie wie ein „from zero to hero“-Konzept, ist es aber nicht. Denn die Fades sind gerade zu Beginn kaum präsent. Seltsam eigentlich, sind sie doch die namensgebenden Figuren. Dieses eigenartige Konzept kann durchaus volles Rohr in die Hose gehen, da der Fokus zu Beginn auf den Figuren liegt. An sich nicht besonders schlimm, aber ein sozial ausgestoßener Bettnässer im Fokus und Charaktere, die alle einen an der Klatsche haben? Es scheint kein normaler Mensch ins Drehbuch geschafft zu haben. Das kann abschrecken und man muss schon eine Weile nach dem Potential buddeln, bis man endlich einen Hoffnungsschimmer sieht. Doch gibt man The Fades eine Chance, entwickelt sich die Serie zu einem spannenden Zeitvertreib. In der kurzen Zeit kaum zu realisieren, werden noch einige Nebenplots aufgerissen, die plausibel in die Haupthandlung verflochten werden und keinesfalls aufgesetzt wirken. Wo sich andere Serien mehrere Folgen Zeit nehmen, neue Charaktere einzuführen, oder behutsam einen Handlungsstrang einzuflechten, muss es angesichts der geringen Folgenanzahl hier etwas schneller gehen. Das hat zur Folge, dass hier das Erzähltempo enorm hoch ist. Das ist aber komischerweise gar nicht schlimm, denn so bleibt The Fades durchgehend interessant und hat keinerlei Längen.


Gerade im zweiten Drittel wird noch mal eine Schippe Spannung drauf gelegt und The Fades nimmt so richtig an Fahrt auf. Die Fades rücken mehr in den Vordergrund, Paul kommt etwas vom Waschlappentum weg und akzeptiert nach und nach seine Kräfte und dass er nicht ganz normal ist und auch die anderen Gestalten werden so langsam sympathisch. Die Story wirkt zwar streckenweise etwas an den Haaren herbeigezogen, wird aber in ihrem Rahmen durchaus plausibel an den Mann gebracht. Auch hier ist das Problem, dass es einfach zu wenige Folgen sind, um anständig ausholen zu können. So verhält es sich auch mit den Plottwists. Wenn man nicht hinschaut, schlagen sie hinterrücks zu. Wirklich voraussehbar ist hier überhaupt nichts. Das macht Spaß, das macht Laune.

 

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Technisch sieht man, dass die Regisseure Shankland und Blackburn mit einem Apfel und einem Ei auskommen mussten. Gerade Leuchteffekte wirken nicht besonders überzeugend. Schade dass BBC Three so arm ist. Doch sie haben das Beste aus der Situation gemacht und es sehen nicht alle Effekte mies aus. Die Handgemachten überzeugen auf ganzer Linie, gerade Schleim und Verfall bekommen sie sehr gut hin und auch der ein oder andere CGI Rabe kommt ganz gut. Dafür überzeugen aber die Schauspieler auf ganzer Linie. Gerade bei verarmten Produzenten steht und fällt die Serie mit der Qualität des Drehbuchs und die der Schauspieler. Und beides kann hier absolut punkten. Zwar sind allesamt irgendwie komische Vögel und man weiß streckenweise nicht, ob man den Leuten Zuckerbrot oder doch eher die Peitsche in den Rachen rammen soll, aber das muss wohl so sein. Logiklücken und irrationale Handlungen dürfen natürlich auch nicht fehlen, aber beides hält sich im Rahmen und trübt den Gesamteindruck nicht zu sehr. Aber manchmal fragt man sich schon, wie die Fades überall herumstrolchen können, obwohl sie keine Türen öffnen können.


Die deutsche Synchronisation hat glücklicherweise alles richtig gemacht. Im Englischen verstehe ich die Originalstimmen kaum. Das liegt am britischen Zungenschlag. Wer damit klar kommt, dem sei, wie immer, die Originalvertonung empfohlen. Meiner einer versteht kein Wort und ist über die gute Synchro froh. Was ich der Serie aber übelnehme, ist das Ende. Ein Schlag ins Gesicht. In der letzten Folge kommt der Regisseur mit seinem 1866 Seiten starken Script und zieht es dem Zuschauer facebookstyle voll hämischer Genugtuung quer über die Visage. Gemeint ist das Ende. Ein Cliffhanger der einen zum Schreien bringt. Das Tolle daran isr, es wird erst einmal keine zweite Staffel geben, weil BBC Three lieber irgendeine Werwolf-Vampir-Serie weiter finanziert, als aus dem riesigen Potential noch mehr rauszuholen. Dafür gibt es keinen Abzug, die Serie kann nichts dafür, aber es sollte dennoch erwähnt werden, dass man erst einmal unzufrieden die Glotze ausmacht, wissend dass man vielleicht nie erfahren wird, welchen Schabernack Paul noch treiben wird. Dafür sind auf der letzten der 3 DVDs noch ein paar Extras versteckt, zusätzliche Szenen und ähnliches. Leider alles auf Englisch ohne Untertitel.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Nach zwei Folgen hatte ich schon keine Lust mehr. Irgendwie wars schon cool, aber ich konnte mich nicht mit diesen kaputten Menschen anfreunden. Pauls Freund Mac machte auf mich den Eindruck eines kindervergewaltigenden Serienkillers, seine Schwester den einer gut besuchten Hafenhure und eigentlich alle Charaktere waren nur zum Kopfschütteln. Dieser Ersteindruck wurde aber zum Glück nicht bestätigt. Mac wird noch die coole Sau, die ein Sidekick sein muss und auch die anderen wurden mir nach und nach sympathisch. Dass zu Anfang die Fades nur sporadisch relevant sind, kann den einen oder anderen vergraulen, gerade bei den komischen Leuten, gibt man der Serie eine Chance, entwickelt sich wirklich eine kleine Perle, die zu Recht schon einige Awards abgestaubt hat. Ab der dritten Folge wirds richtig cool - versprochen! Davor ist es auch nicht schlecht, aber etwas anstrengend. Gebt der Serie eine Chance! Wenn Ihr es vertragen könnt, zum Schluss sitzen gelassen zu werden, ist The Fades bis dahin einen Blick Wert.


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