Der Wilde Westen war schon etwas rau. Man macht Jahre lang mit Freunden Geschäfte, geht einen Whiskey trinken und gewinnt oder verliert Geld beim Glücksspiel, und auf einmal hat man eine Kugel von einem der angeblichen Freunde im Rücken. So ein Mist aber auch! Grund genug, sich dann als Toter bei den charakterlosen Menschen zu rächen…
Nach einer kurzen Einführung der Steuerung und der Geschichte unseres toten Helden geht es auch schon gnadenlos zur Sache. Wir spielen den „Gunstringer“ - eine tote, blaue Marionette, die von seinen Freunden in den Rücken geschossen wurde. Nein, ich habe keinen Whiskey zu viel getrunken, es ist in der Tat so, wie ich Euch davon berichte. Der Gunstringer möchte sich also rächen
und hat ein schönes Foto bei sich, auf dem alle seine zukünftigen Opfer zu sehen sind. Nach und nach müssen wir sie zu den Würmern unter die Erde bringen und somit unseren Helden wieder glücklich machen.
Gesteuert wird das Ganze nicht – wie man meinen könnte – per Controller, sondern per Kinect. Zielt man mit dem rechten Finger auf den Bildschirm, dann sehen wir einen roten Kreis, der quasi Kimme und Korn darstellt. Ziehen wir nun die rechte Hand nach oben, so löst sich ein Schuss aus unserer virtuellen Waffe. Unser Held läuft alleine, aber wir können ihn mit der linken Hand nach links und rechts steuern, und wenn wir die Hand nach oben ziehen, dann springt er. Des Öfteren geht er automatisch in Deckung und wir können wie bei einem richtigen Shooter nach links oder rechts schauen und die Gegner abballern. Natürlich gibt es auch diverse Bosskämpfe, die immer ein wenig anders gestaltet sind. Auch wenn es der erste Endgegner ist, der Wedelschlauchmann ist immer noch mein Fable. Ähnlich wie bei Child of Eden funktioniert die Steuerung sehr gut, nach ein paar Minuten macht es einen Heidenspaß, die Gegner gen Boden zu bringen. Auch wenn man sich ein wenig vorkommt wie ein Dirigent bei Mozart, es macht trotzdem Spaß. So ballern und springen wir durch die Level, und werden ständig von irgendwelchen Menschen verfolgt. Wenn wir uns umsehen, dann stellen wir fest, dass alles eine Marionettenaufführung ist. Um uns herum sitzt nämlich das Publikum, welches unsere Geschichte verfolgt. Machen wir unsere Sache gut, so jubeln sie und klatschen. Verlieren wir Lebenspunkte oder segnen das Zeitliche, so buhen sie uns aus. Grund genug, uns mehr anzustrengen und den Level erneut zu spielen. Generell wird der Humor großgeschrieben, im gesamten Spiel kommt man aus dem Schmunzeln nicht mehr raus. Dies zeigt sich vor allem in den Zwischensequenzen, die man unbedingt ansehen sollte. Doch auch während des Spiels, kommt es immer zu Lachern. Mittendrin greifen Menschen ins Spielgeschehen ein. So platzieren Hände eines unbekannten mitten im Spiel eine Dynamitstange, die alles zum Einsturz bringt oder aber sie schubsen Steine an, um uns den Weg zu erschweren. Solche und andere Gags findet man permanent im Spiel, egal ob nun während des Spielens oder in den Videosequenzen.
Das Spiel selbst lässt sich aber nicht einfach als Shooter abstempeln. Nein, da steckt mehr dahinter. Man muss zwar viel Ballern, doch einige Jump&Run-Sequenzen, sowie verschiedene Einlagen versüßen uns den Spielspaß. Diese werden dreidimensional präsentiert, man läuft quasi wie bei einem 3rd Person Shooter nach vorne. Doch selbst diese Sequenzen sind abwechslungsreich, es gibt sogar klassische 2D Elemente. Doch wer ein echter Mann ist – ups, war – der kann nicht nur mit der Bleispritze umgehen, sondern auch mit seinen Fäusten. Manche Gegner muss man per Boxkampf ausschalten – Ich fühlte mich fast wie Henry Maske. Oder nein, doch nicht! Die volle Konzentration muss man dem Spiel in verschiedenen Passagen schenken, wenn man mit beiden Händen zwei Pistolen steuert. Es kommen extrem viele Gegner und man kann dort beweisen, dass man multitaskingfähig ist. Schön ist ebenso, dass sich sogar zwei Spieler vor dem Bildschirm tummeln dürfen. Aber gut gemacht, wurde dies in meinen Augen nicht. Der zweite Spieler dient lediglich der Unterstützung und kann keinen zweiten Helden spielen. Der Gunstringer wird quasi geteilt und das ist eigentlich nur Mist.
Technisch gesehen ist „The Gunstringer“ nichts Besonderes, doch bei einem Kinect-Titel darf man auch kein technisches Highlight erwarten. Das was für den kleinen Preis geboten wird, kann sich allerdings sehen lassen. Alles kommt im Comic-Stil daher, die verschiedenen Level sind sehr abwechslungsreich und die Charaktere wirken sehr lebhaft. Hört man sich die Stimmen genauer an, so sind auch diese gut gelungen. Der Erzähler bringt gute Atmosphäre ins Spiel, dieser könnte direkt aus einem Western sein. Übersetzt wurde nichts, die komplette Sprachausgabe wurde in Englisch beibehalten – Es gibt aber deutsche Untertitel. Spielt man das Spiel länger, so nerven die ständigen Wiederholungen aber sehr.
Die Programmierer von Twisted Pixel hätten hier definitiv mehr draus machen können. Wer übrigens gerne seine Arme im Fitnessstudio trainiert, der kann auch zwei Stunden „The Gunstringer“ spielen. Ihr werdet merken, dass Euch dann die Arme abfallen.
Zum Schluss noch etwas sehr Positives. Bei der Retail-Verpackung von „The Gunstringer“ liegen zwei Download-Codes bei. Mit einem kann man sich zu Testzwecken einen 2-Tages-Gold-Account freischalten, doch der andere ist wesentlich interessanter. Microsoft hat hier nämlich einen Key für „Fruit Ninja Kinect“ dazugelegt. Normalerweise kostet dies etwa 10 Euro und ist nun kostenlos als Vollversion dabei. Wer keine Ahnung hat, was dieses Spiel ist, der sollte sich hier unseren Artikel durchlesen. Ach ja bevor ich es vergesse, Microsoft hat einige Downloadinhalte angekündigt, den ersten davon gibt es schon auf dem Marktplatz. Es heißt "Die Chroniken vom Wedelschlauchmann", ist fast 2 GB groß und kostenlos - von daher solltet Ihr zugreifen.
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