The Splatters

The Splatters

Publisher: Microsoft
Entwicklerstudio: Spiky Snail
Genre: Geschicklichkeit
Sub-Genre: Puzzle
Art: Downloadtitel
Erscheinungsdatum: 11.04.2012
USK 0

The Splatters   20.05.2012 von GloansBunny

Bunte Farbkugeln lässig gegen allerlei Dinge klatschen lassen und dabei möglichst viele Punkte erzielen – klingt zunächst wie die Kurzanleitung eines Paintball-Trainers für Laien. The Splatters ist aber weniger ein blutiges Ballerspiel, als sein Titel vermuten lässt. Vielmehr wartet hier ein waschechtes Geschicklichkeitsspiel darauf, frustresistente Puzzlefans in einen quietschbunten Suizidmarathon zu entführen ...

Via Xbox LIVE Arcade hopst der Knobelspaß für 800 Microsoft Points ganz frech und unkompliziert auf die Festplatte. Bereits im Vorspann lässt sich erahnen, dass sich das Spiel selbst nicht sehr ernst nimmt und durchaus Laune machen könnte. Mit dem Slogan "Das Leben ist kurz. STIRB MIT STIL!" untertitelt grinsen zwei knallrote, erbsenförmige Farbkleckse unter ihren Kamikaze-Stirnbändern hervor und fordern dazu auf, die Starttaste zu drücken. Gesagt, getan, und nur wenige Sekunden später findet man sich in einem Tutoriallevel wieder. Das Ziel des Spiels besteht darin, bunte Farbboller mit Kulleraugen gegen im Areal befindliche Bomben zu schleudern, um diese zu zerstören. Klingt eigentlich machbar.

Eine Textbox erklärt schrittweise die denkbar einfache Steuerung: Im bewährten Angry Birds-Stil per Analogstick die Schussrichtung und Intensität vorgeben, in die der Farbbeutel fliegen soll, mit dem A-Knopf zum Abschuss freigeben oder Sonderaktionen aktivieren und mit den Schultertasten in Rotation versetzen. Auf Wunsch mit B einen anderen Klecks anwählen und durch Start ins Pausenmenü gelangen. Punkt. Mehr Knöpfe werden nicht benötigt. Simpel, eingängig und völlig ausreichend für einen Arcadetitel.

Also weiter im Text. Die knuffigen, wabbeligen Farbbeutel betteln mit ihren Blicken geradezu darum, durch die comicartigen, überdrehten Abschnitte gewirbelt zu werden. Das knallbunte Design Marke "Volkshochschulkurs: Malen wie Bob Ross oder zumindest so ähnlich" wirkt frisch und unverbraucht. Überzogene Konturen heben die glibberigen Spielfiguren hervor, die mit ihrem Grinsen und Blinzeln enormen Charme versprühen. Wenn diese dann schwungvoll gegen Widerstände in Form von Wänden, Dornen oder Bomben prallen, zerplatzen sie effektvoll. In einem großen Schwall ergießt sich das farbige Innere der Flecken in die Umgebung, schwappt über Hindernisse hinweg und hinterlässt bunte Spuren- und ein ähnlich befriedigendes Gefühl der Zerstörung wie die wütenden Piepmätze der Konkurrenz.

Das erschrockene Gejapse oder ein freudiges "Huiiii!" aus den virtuellen Kleckskehlen passt genauso ideal zum vielfarbigen Levelgepansche wie der klassisch-piepsige Puzzlesoundtrack. Die zahlreichen akustischen Platz- und Schwappeffekte sorgen für gute Laune- im Gegensatz zum Gameplay.

Bildergalerie von The Splatters (10 Bilder)

Dieses macht anfangs noch richtig viel Spaß, erfordert es doch ein gewisses Maß an Taktik und Feingefühl, um die Flugphasen der witzigen Farbkugeln zu einer möglichst spektakulären Kombowelle zu verbinden. Doch mit dem Fortschreiten der Level steigt auch der Schwierigkeitsgrad enorm an. Um die Bestwertung zu erhalten, müssen immer neue Stunts eingeübt werden. Wo zu Beginn noch simple Rotationen ausreichen, verlangen die Entwickler bereits ab Level 5 Zusatzaktionen wie Loopings, Flugangriffe und viele mehr. Zwar nimmt das Spiel einen hier mit Hilfstexten an die Hand, dennoch artet die muntere Farbspielerei aber bald in kompliziertes Herumgematsche mit Levelstruktur und arg kurzem Kombofenster aus. Außerdem ist die Anzahl der verfügbaren Kleckse pro Level relativ gering. Pro Ziel gibt es meist nur ein farblich passendes Gegenstück. Zerplatzt dieses bei einem missglückten Angriff, hilft oft nur ein Neustart des Levels. Frust ist vorprogrammiert. Die Möglichkeit, über den Menüpunkt "Splatter-TV" Lösungsvideos ambitionierter Gamer zu betrachten, ist zwar hilfreich, aber irgendwie erniedrigend. Welcher Spieler möchte schon freiwillig zum Teil hochkomplexe Abläufe fremder Highscorehalter auswendig lernen, um bis zum finalen Level vorzudringen? Eben. Schade, dass die Entwickler unter den Fittichen von Microsoft so wenig Wert auf ein gutes Balancing gelegt haben. Das trübt den Spielspaß deutlich mehr als die sich wiederholenden Level. Trotzdem steckt unter der gallertartigen Glibberhaut der Splatters ein weicher, bunter Kern mit viel Liebe zum Detail.


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

The Splatters ist ein quietschbuntes Puzzlevergnügen für Geschicklichkeitsfanatiker mit starken Nerven und einem Hang zu dezentem Masochismus. Das knallige Design des Games überzeugt zwar mit seinen witzigen Spielfiguren und der bewährten Technik im Stile von Angry Birds, kann aber bei Weitem nicht mit dessen Balancing mithalten. Schon zu Beginn der Farbkleckserei schwenkt The Splatters von "mit etwas Taktik klappt das schon" in "Sch***, da muss ich mir ja schon wieder ein Hilfevideo anschauen" um. Oft ist der von den Entwicklern angedachte Lösungsweg der einzig richtige, und zwar mit auf Millisekunden getimten Abläufen, die kaum oder nur nach x Versuchen zu meistern sind. Entweder reißt man sich vor Wut die Haare vom Kopf oder kaut irgendwann verzweifelt auf dem Controller herum. Gelegenheitsmaler sollten lieber die kostenlosen Vögel der Konkurrenz spielen. Puzzleprofis dagegen dürfen aber gerne zugreifen und die Dritten gleich mal prophylaktisch in COREGA Tabs einlegen. An den Highscores beißt man sich nämlich schlichtweg die Zähne aus.


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