Thelma

Thelma

Originaltitel: Thelma
Genre: Thriller • Drama • Mystery
Regie: Joachim Trier
Hauptdarsteller: Eili Harboe • Kaya Wilkins
Laufzeit: DVD (116 Min) • BD (121 Min)
Label: Koch Media Home Entertainment
FSK 12

Thelma   22.08.2018 von MarS

Der Mysterythriller Thelma des preisgekrönten norwegischen Regisseurs Joachim Trier sollte eigentlich der norwegische Beitrag zur Oscarverleihung 2018 als "Bester fremdsprachiger Film" werden, doch nachdem die Jury aus einer Rekordmasse von 92 Filmen wählen musste, verpasste das Werk ebenso seinen Einzug in die Liste der Nominierten wie beispielsweise auch Fatih Akins Aus dem Nichts. Ein schlechtes Zeichen oder nach Fatih Akins Thriller eine weitere schlechte Wahl der Jury? 

 

Inhalt

 

Die schüchterne Thelma (Eili Harboe) ist gut behütet in einem von strengen religiösen Ansichten beherrschten Elternhaus aufgewachsen. Nun verlässt die junge Frau erstmals die ländliche Idylle ihrer Heimat, um in Oslo zu studieren, stets überwacht von ihrem Vater (Henrik Rafaelson) und ihrer besorgten Mutter (Ellen Dorrit Peterson). Auf dem Campus lernt sie Anja kennen, und zum ersten Mal in ihrem Leben entdeckt Thelma die Freuden von ungezwungener Freiheit und der Liebe. Doch mit ihrer Freiheit kommen plötzlich auch geheimnisvolle epileptische Anfälle und alptraumhafte Träume zum Vorschein, deren Herkunft Anja sich nicht erklären kann...

 

Thelma ist eines dieser Werke, die tatsächlich nur dann funktionieren, wenn es dem Zuschauer gelingt sich voll und ganz auf den Film einzulassen. Außerdem ist es von Vorteil, ein Faible für kunstvoll arrangierte Kompositionen zu besitzen, denn nur dann kann die Mischung aus visuellen Eindrücken und unheilsschwangerer Akustik ihre eigentliche Wirkung entfalten. Auf sehr ruhige, fast andächtig zelebrierte Art und Weise erzählt Regisseur Joachim Trier eine überraschende und wendungsreiche Coming-of-Age Geschichte, die vor allem von der erschaffenen Atmosphäre in Verbindung mit der großartigen Leistung von Hauptdarstellerin Eili Harboe lebt. Diese spielt die durch eine konservative Erziehung geprägte junge Frau, die mit zahlreichen bisher unerlebten Gefühlen konfrontiert wird, mit solch Hingabe, dass dadurch die Ereignisse bis aufs Äußerste intensiviert werden. Aber auch Henrik Rafaelson und Ellen Dorrit Peterson, nach Lifjord - Der Freispruch ein weiteres Mal gemeinsam vor der Kamera, können als undurchsichtige, religiös beinahe fanatische Eltern auf ganzer Linie überzeugen. Nicht umsonst werden immer wieder Erinnerungen an Brian de Palmas Carrie wach, nachdem einige Handlungselemente und charakterliche Hintergründe durchaus Parallelen zu der Geschichte von Stephen King aufweisen. Abgesehen von der bedachten Inszenierung weiß Thelma aber auch immer wieder gezielt Schockmomente zu setzen, die dem Zuschauer wie ein Kloß im Hals stecken bleiben, was dem Mysterythriller einen zusätzliche, sehr horrorlastige Komponente beschert, auch wenn die eigentliche Geschichte sich "lediglich" um das Erwachen der Selbständigkeit einer jungen Frau dreht.

 

Bildergalerie von Thelma (7 Bilder)

Details der Blu-ray

 

Die Blu-ray liefert ein Bild mit sehr guter Schärfe, der es jedoch ein wenig an Detailreichtum und Durchzeichnung mangelt. Dezentes Filmkorn fällt zwar immer wieder ins Auge, jedoch nie negativ ins Gewicht. Das Kontrastverhältnis ist gut ausbalanciert, die Farbgebung mit Ausnahme stilisierter Szenen natürlich und lebhaft. Insgesamt hinterlässt das Bild einen sehr guten Eindruck auf gutem HD-Niveau, ohne sich dabei als Highlight zu präsentieren. Deutlich positiver schneidet die Tonspur ab, die eine hervorragende Dynamik liefert und der akustischen Präsenz von Effekten und Score die perfekte Bühne bietet. Dank feiner Signalortung und sauberer Ausgabe von Sprache und Soundeffekten ist der Ton ein echtes Erlebnis.


Das Fazit von: MarS

MarS

Thelma ist gleichzeitig ein mit Horrorelementen angereicherter Mysterythriller wie auch ein kleines Kunstwerk. Joachim Trier gelingt es, trotz des sehr ruhigen, beinahe andächtigen Erzählstils eine großartige Atmosphäre zu erzeugen, und dabei eine stellenweise schockierende Coming-of-Age Geschichte zu erzählen, die einen zu fesseln weiß. Voraussetzung ist allerdings, dass man sich auf Thelma voll und ganz einlässt, denn ansonsten könnte es einem auf Grund der unheilsschwangeren, mit wenigen Ausnahmen eher zurückhaltenden Inszenierung schnell langweilig werden. Nicht unbedingt für den Mainstreamzuschauer geeignet, aber beeindruckend, packend und intensiv.


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