Top Gun - Hard Lock

Top Gun - Hard Lock

Publisher: 505 Games
Entwicklerstudio: Headstrong Games
Genre: Arcade-Flugzeugshooter
Sub-Genre: Klassischer Film-Arcade-Flieger
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 03.04.2012
USK 16

Top Gun - Hard Lock   04.06.2012 von DeWerni

Es ist ja schon etwas ungewöhnlich, dass viele Jahre nach einem Film das entsprechende Spiel noch auf den Markt geworfen wird. Nichtsdestotrotz steht der Titel Top Gun für spannende und unterhaltsame Flugaction. Wir haben uns in die Rolle von Maverick gewagt und geschaut, ob das Spiel an den Film herankommt. Take my breath away – oder auch nicht … ?!

Der Film Top Gun sollte den meisten von Euch bekannt sein, auch oder gerade, weil dieser mittlerweile gut 25 Jahre alt ist.
Zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung ist es keinem Spiel gelungen, so richtig in die Fußstapfen des Films zu treten, sie gingen alle mehr oder weniger in der Versenkung unter. Nun wagt sich 505 Games ein viertel Jahrhundert später nochmals daran, ein lizenziertes Spiel zum Film zu präsentieren. Als ich das Spiel zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich gleich ein wenig skeptisch, denn ob das etwas angestaubte Top Gun Prinzip heute noch funktioniert, wage ich zu bezweifeln. Allerdings hat man auch nie etwas gegen einen ordentlichen Flug-Shooter einzuwenden. Das Cover verspricht schon einmal spannende Dogfights, einige interessante integrierte Flugzeuge und einen herausfordernden Einzelspielermodus. Na, dann nichts wie rein mit der Scheibe in die Konsole!

Was ist aus Maverick geworden?!

Im eigentlichen Film spielte Tom Cruise in der Rolle des Maverick einen der Hauptcharaktere.
So viel sei aber gleich zu Beginn verraten: Die Story des Games hat mit dem eigentlichen Film nicht mehr viel gemeinsam. Vielmehr geht es auch nicht um die damalige Fliegergeneration, sondern um deren Nachkömmlinge. So schlüpft man in die Rolle eines unbekannten Piloten, der gerade den Abschluss an der Top Gun Academy gemacht hat. Von dort wird man direkt ins kalte Wasser oder besser ins Krisengebiet im Nahen Osten geworfen. Naher Osten? Naja, wieder mal Einheitsbrei und nichts Neues. Es handelt sich also um das moderne Top Gun, angesiedelt in einem aktuellen Krisengebiet in der heutigen Zeit. Dann gibt es aber doch noch ein paar Dinge, die an die guten alten 80er erinnern. Denn man darf die Missionen zumindest im klassischen F-14-Kampfjet angehen. Als Gegner warten dann die typischen, russischen MiGs darauf, von Euch abgeschossen zu werden. So gibt es einen Mix aus klassischen Fliegern der 80er Jahre und aktuellen Modellen. So muss man dann 15 Missionen bestehen, die grundlegend sehr abwechslungsreich gestaltet sind. Die Ziele reichen vom einfachen Angriff diverser Luftziele, über Aufklärungsmissionen und Eskortieraufträge bis hin zum Bombardieren von strategisch wichtigen Bodenzielen. So erlebt man die ganze Facette eines erprobten Kampfpiloten, die Kampagne dauert dabei für den geübten Spieler nur gute fünf Stunden. Was hier eigentlich nicht verkehrt und recht spannend klingt, ändert sich bei genauer Betrachtung vor allem der Steuerung sehr schnell.

Take my breath away …?!

Nach dem Intro bekommt man noch ein kurzes Briefing zur anstehenden Mission, damit man weiß, was man zu tun hat.
Dieses ist seltsamerweise in Englisch mit deutschem Untertitel gehalten, während der Rest des Spiels eher schlecht als recht synchronisiert ist. Und schon ist man auch mitten im Geschehen drin. Doch wer nun auf knallharte simulationslastige Luftkämpfe gehofft hat, der wird hier etwas enttäuscht. Denn realistisch ist etwas anderes, auch wenn man natürlich den Flieger schon unsanft auf dem Boden zur Explosion bringen oder durch gegnerische Flieger vom Himmel geholt werden kann. Doch dies dauert eine ganze Weile, es sei denn, man gerät in den Hard Lock des Gegners, doch dazu gleich mehr. Die Munition ist unendlich, es ist also einfach drauf losballern angesagt. Außerdem regeneriert der eigene Flieger sogar nach einem Missionsabschnitt ein wenig. Spaßig, aber eben nicht realistisch – Arcadeaction steht im Vordergrund.

Bildergalerie von Top Gun - Hard Lock (15 Bilder)

Das grundlegende Gameplay trägt dann nicht unbedingt zur Langzeitmotivation bei. Prinzipiell sind Dogfights, bei denen jeder jeden jagt und kurz vor dem Abschuss steht, ja nicht schlimm. Sie fördern eigentlich den Spielspaß, die Spannung und die Herausforderung, doch hier hat man mit dem Ansatz von Quick-Time-Sequenzen etwas zu sehr in die Steuerung eines Fliegers eingegriffen. Zunächst einmal kann man diesen natürlich ganz normal steuern, taucht allerdings ein Gegner auf, sieht das gleich ganz anders aus. Kommt Ihr ihm nahe und wollt ihn ins Raketenvisier nehmen, startet Ihr den sogenannten Hard-Lock-Modus einfach mit einem Klick auf einen angezeigten Button. Um die Steuerung des Fliegers braucht Ihr Euch vorerst nicht mehr zu kümmern. Dann heißt es, den Gegner lang genug im Visier zu halten, damit die automatische Raketenzielvorrichtung das gegnerische Flugzeug erfassen kann. Dies wird zu Beginn der Sequenzen noch nicht unbedingt gelingen. Nach einer gewissen Zeit müsst Ihr dann an dem Gegner dranbleiben, während dieser versucht Eurem Visier mit geschickten Manövern zu entkommen. Dies gleicht dann im Prinzip kleinen Minispielen oder Quick-Time-Sequenzen, bei denen Ihr die Sticks im richtigen Moment in die angezeigte Richtung bewegen müsst. Gelingt die Meisterung des Minispiels besser als dem Gegner, was mit ein wenig Übung kein Problem ist, dann wird das Raketenvisier größer und eine Erfassung zum Abschuss einfacher. So gelingt es früher oder später eigentlich fast immer, den Gegner abzuschießen. Gelingt ein Raketentreffer in diesem Modus, ist das gleichbedeutend mit einem Abschuss. Was für den Gegner gilt, kann aber auch Euch selber in gleicher Weise treffen. Alternativ zu den Raketen könnt Ihr auch jederzeit mit dem MG feuern und dem Gegner Stück für Stück Schaden zufügen. Auch dieser Hard Lock Modus klingt zunächst richtig gut, aber wer das Game zockt, wird schnell feststellen, dass auch dieser Modus spätestens nach dem zehnten Kampf eintönig, langweilig und unterfordernd wirkt.

Bei Bodenzielen sieht das Ganze etwas anders aus. Diese müsst Ihr nach dem Umschalten der Waffen auf die Bomben nur kurz in Eurem Bombenkorridor zur Anvisierung halten, dann trifft die abgefeuerte Ladung auf jeden Fall ihr Ziel. Insgesamt ist das Gameplay nicht wirklich schlecht und macht kurzzeitig auch richtig Spaß. Doch hätte man mehr Abwechslung und Tiefgang eingebaut, hätte aus dem Titel ein Knaller werden können. So bleibt es – leider – bei einigen Stunden öder und langatmiger Arcadeaction.

Wo sind all die Flieger hin?!

Vielversprechender ist der Mehrspielermodus: Deathmatch und Team-Deathmatch stellen dabei nur die typischen Vertreter eines Shooters dar. Allerdings hat Top Gun: Hard Lock da noch etwas mehr zu bieten: Danger Zone stellt eine Art Wellenbewältigung dar. Ihr werdet von immer stärkeren und größeren Wellen an Flugzeugen angegriffen und müsst die gemeinsam bekämpfen. Auch diese Idee ist nicht wirklich neu, macht aber mit den richtigen Mitspielern eine Menge Spaß. Und dann gibt es da noch zwei Koop-Missionen, die Ihr mit maximal vier Spielern gemeinsam angehen könnt. Dies wäre der Ansatz für ordentlichen Spielinhalt gewesen. Denn dieser Modus macht so richtig Spaß. Leider ist eben aufgrund der Anzahl von lediglich zwei Missionen das Spielvergnügen auch schon relativ schnell wieder vorbei. Zudem gibt es noch ein großes Manko: Es gibt einfach kaum Mitspieler auf den Servern. Klar kann man so mit einigen Freunden die Danger Zone oder die beiden Koop-Missionen angehen, aber ein richtiges Deathmatch – egal ob als Allein- oder Teamflieger – kommt leider selten zustande. So ist man dann doch meist wieder auf den Offlinemodus angewiesen – schade!

Staub oder neuer Glanz?

Ganz so eindeutig lässt sich diese Frage auf jeden Fall nicht beantworten.
Denn Top Gun: Hard Lock sieht ohne Frage gut aus, ist allerdings trotzdem nicht ganz auf dem aktuellen Stand. Optisch überzeugen können vor allem die Flugzeugmodelle und die Explosionen, die wirklich bombastisch umgesetzt sind. Problematisch wird es allerdings bei einem Blick auf den Boden während eines Tiefflugs, denn da tritt einer der Schwachpunkte ans Tageslicht: die Bodentexturen. Diese sind doch äußerst schwach und etwas matschig umgesetzt. Mit diesem Problem steht der Titel im Genre zwar nicht alleine da, das soll allerdings keine Ausrede sein. Zudem wirkt der Rest des Umfelds zwar nicht wirklich schlecht gestaltet, aber dann doch etwas zu lieblos und detailarm. Da wäre mehr Potenzial da gewesen. Etwas anders – im positiven Sinne – sieht das Ganze im Bereich Sound und Musik aus. Denn da kann das Werk sicherlich punkten, sowohl bei den Effekten als auch der musikalischen Untermalung. Auch wenn die deutsche Synchronisation weniger gelungen ist und sich manchmal etwas plump anhört, ist der Rest wirklich gut umgesetzt. Einzig und allein der letzte Bumms fehlt ein wenig, ansonsten stechen wie auch bei der Grafik die Explosionen positiv heraus. Genial ist zudem der Soundtrack, der teilweise dem Original entspricht. Es macht schon richtig Laune, wenn man die Mission erledigt hat, zu den Tönen des Original Themes von Harold Faltermeyer zurück zum Stützpunkt zu fliegen – perfektes 80er Jahre Feeling!


Das Fazit von: DeWerni

DeWerni

Top Gun: Hard Lock ist wieder einmal eins dieser Spiele, das man nicht so richtig einordnen kann, weil es eben weder richtig gut noch wirklich schlecht ist. Auf der einen Seite hat man richtig guten Ideen (zum Beispiel der Lock Modus) verbaut, auf der anderen wirkt die wenig motivierende Story im Einzelspielermodus und auch die technische Realisierung teilweise etwas in die Jahre gekommen. Einzig die Onlinevariante im Koop-Modus könnte auch für längere Spielmotivation sorgen und den einen oder anderen Fan an die Konsole binden. Leider genügt es in Summe aber nicht, einen bekannten Filmtitel herzunehmen, um ein gutes Spiel zu kreieren. Da hätte man vielleicht etwas mehr investieren müssen. So erreicht man weder Einsteiger im Arcadebereich richtig noch den begeisterten Flugsimulatorfan. Wenn man nach ein paar spannenden Onlinestunden sucht oder einen Kumpel hat, der das Spiel ebenfalls besitzt, kann man durchaus einen Blick riskieren, ansonsten würde ich bei Interesse eher zu Genrealternativen greifen.


Die letzten Artikel des Redakteurs:


positiv negativ
  • Teilweise Original Filmsoundtrack
  • Schöne Gesamtpräsentation
  • Spannende Luftkämpfe
  • Überzeugender Hard-Lock-Modus
  • Intuitive Steuerung
  • Viele freischaltbare Boni
  • Guter Online-Koop-Modus
  • Schlechte deutsche Synchronisation
  • Kaum Onlinespieler verfügbar
  • Wenige Koop-Missionen
  • Unpassende Quick-Time-Events
  • Zu wenig Flugkontrolle
  • Wenig Abwechslung





Kommentare[X]

[X] schließen