Torchlight II

Torchlight II

Publisher: Daedalic
Entwicklerstudio: Runic Games
Genre: Rollenspiel
Sub-Genre: Action-RPG
Art: Lowprice
Erscheinungsdatum: 20.09.2012
USK 16

Torchlight II   02.10.2012 von Benji

Als Diablo 3 im Mai erschienen ist, hätte die Begeisterung kaum größer sein können. Die Fans haben Jahre gewartet, um die offizielle Fortsetzung des Primus im Action-RPG-Genre zu feiern. Obwohl das Spiel von vielen Magazinen und Blogs überragende Noten bekommen hat, waren viele Fans dennoch enttäuscht. Diese haben sich stattdessen in ihrer Hoffnung an den zweiten Teil von Torchlight geklammert. Kann die vergleichsweise kleine Produktion dem großen Diablo tatsächlich gefährlich werden? Wir haben uns wieder in die Monsterherden geworfen, um uns dem Vergleich zu stellen …

 

Horden von Skeletten und Zombies schwirren um mich herum. Mein Streitkolben zittert unter der Wucht jedes Schlages, und während Knochen brechen und Monster kreischen, gibt mir das Geräusch der klimpernd fallenden Schätze ein wohliges Gefühl der Genugtuung. Da ist es wieder, dieser komische Effekt, den Action-RPGs auf mich als Spieler haben. Ich weiß ganz genau, dass man mich hier mit primitiven Instinkten an ein Gameplay zu binden versucht, dass simpler nicht sein könnte, und dennoch springt in mir bei jedem „guten“ Fund ein kleiner gieriger Benji auf und ab.

 

Nachdem es in den letzten Jahren relativ ruhig um dieses Genre geworden ist, wird man in diesem Jahr schon beinahe überschwemmt. Beim Release des ersten Teiles von Torchlight hatten die Spieler zumindest noch sichtlich weniger Alternativen und waren gerade deswegen so froh, dass dieses kleine Spiel ihre Sehnsucht auf einen würdigen Diablo-Nachfolger etwas besänftigt hat. Nun konkurrieren beide Reihen miteinander und die Frage, welches Spiel wirklich besser ist, könnte nicht spannender sein. Es dürfte also wenig verwundern, wenn ich im folgenden Artikel Torchlight 2 vor allem mit dem im Mai erschienenen dritten Teil von Diablo vergleiche.

 

Die Geschichte von Torchlight 2 ist denkbar simpel. Ein unbekannter Alchimist hat die Essenz einer uralten Kreatur an sich gerissen und nutzt diese jetzt um die Welt ins Chaos zu stürzen. Um ihn aufzuhalten, macht sich eine Reihe von Helden auf den Weg und verfolgt ihn. Viel mehr steckt nicht hinter diesem Acion-RPG und auch, wenn das nicht sehr viel weniger ist, als Diablo 3 derzeit zu bieten hat, konnte Blizzard bei seinem Release dank des größeren Budgets zumindest mit einer effektvolleren Inszenierung aufwarten.

 

Schon mal ein klarer Punktgewinn für den Primus, aber das muss gerade in diesem Genre nichts heißen. Viel wichtiger als die Geschichte ist hier nämlich die konkrete Umsetzung des Gameplays, und da macht Torchlight 2 vieles anders und einiges davon auch sichtlich besser. Das fängt bei Spielbeginn direkt mit einem ganz entscheidenden Unterschied an. Denn zunächst suche ich mir als Spieler den Schwierigkeitsgrad aus. Ich kann als erfahrener Spieler sofort auf Veteran einsteigen und langweilige Stunden auf normal vermeiden.

 

Sobald ich dann einen Charakter erstellt habe, geht es ohne Umwege ins Spiel. Obwohl man Torchlight 2 auch über das Internet mit seinen Freunden spielen kann, ist die Online-Verbindung keine Pflicht. Serverausfälle wie Diablo 3 sie zum Start hatte, können hier also nicht zu ähnlich starken Problemen führen.

 

Zumal das im Grunde aus der Sicht vieler enttäuschter Fans nicht mal das Hauptmanko war. Denn Blizzard hat mit seinem Spiel erkennbar auf eine breitere Spielerschaft gesetzt. Das Skill-System wurde mithilfe einiger Erfahrungen aus World of Warcraft um einiges gekürzt. Das neue System hat zwar immer noch einige taktische Züge besessen, aber kaum noch Möglichkeiten zur individuellen Anpassung geboten. Auch Torchlight 2 hat nun ein leicht angepasstes System, aber dieses stützt sich nach wie vor auf dem Prinzip der Individualisierung. Jede Klasse besitzt drei Bäume, die jeweils zehn Skills mit 15 Stufen besitzen. Jeder Punkt, der investiert wird, sollte gut bedacht werden, denn nur die letzten drei Punkte können zurückgesetzt werden. Insgesamt ist es also hier stärker möglich einen ganz eigenen, auf seine Spielbedürfnisse, angepassten Skillset zu erlangen. Außerdem wird vom Spieler eine stärkere Voraussicht verlangt. Experimente sind zwar möglich, können aber im späteren Spielverlauf nur schwer rückgängig gemacht werden. Hier wäre zumindest die begrenzte Möglichkeit schön gewesen, an bestimmten Stellen seine Skill-Punkte komplett neu zu belegen. Etwa, wenn man mit dem Charakter in einen weiteren Spieldurchlauf startet. Dennoch ist festzuhalten, dass Torchlight 2 an diesem Punkt wesentlich mehr Spaß bringt und mich als Spieler stärker bindet.

 

Bildergalerie von Torchlight II (15 Bilder)

Zum Beispiel auch, wenn es darum geht, nach einem Level-Aufstieg meine Charakterpunkte zu vergeben. Was bei Diablo 3 mittlerweile vollautomatisch passiert, wird bei Torchlight 2 noch komplett dem Spieler überlassen. Nach jedem Aufstieg kann ich fünf Punkte auf vier Attribute verteilen und damit meinen Charakter nach dem Skillset nun auch wertetechnisch komplett individualisieren. Wobei hier eine Option für faule Spieler schon hilfreich gewesen wäre, denn die schiere Überzahl an Werten und Kalkulationen kann den einen oder anderen verwöhnten Spieler schon mal abschrecken.

 

Die vier spielbaren Klassen orientieren sich an ein typisches RPG-System:

 

  • Der Engineer ist eine typische Tank- und Nahkämpfer-Klasse, die allerdings mit einigen interessanten Pet-Fähigkeiten ausgestattet ist. So kann man sich z. B. über die Skills eines Baumes zu einer Art mechanischen Necromancer machen und verschiedene Roboter auf seine Gegner ansetzen.
  • Der Embermage ist ein klassischer Magier, der sich in seinen drei Bäumen auf die verschiedenen Elemente spezialisieren kann. Dabei kann er entweder zum frostigen Eismagier, zum infernalen Feuermagier oder zum „schockenden“ Blitz-Magier werden.
  • Der Outlander ist ein Fernkämpfer, der in Torchlight klassischerweise sowohl altertümliche Bögen und Armbrüste, aber auch moderne Musketen und Pistolen verwenden kann.
  • Der Berserker ist ein schneller Kämpfer, dessen Skills allesamt im Zeichen des Wolfes stehen. Dabei kann es durch die Hilfe einiger Fähigkeiten sogar sein, dass man ganze Gruppen von Wölfen auf seine Gegner hetzen kann.

 

Jede Klasse spielt sich einzigartig und bietet teilweise interessante Skills, die in ihrem Einfallsreichtum durchaus das große Diablo 3 hinter sich lassen. Insgesamt fehlt dann aber die Würze, die dort z. B. eine Klasse wie der Hexendoktor mit sich gebracht hat. Die vier spielbaren Klassen von Torchlight bringen nämlich im Grunde nur die üblichen Spielvarianten mit sich und lassen etwas Experimentierfreudigkeit vermissen.

 

Insgesamt fühlt sich der Spielaufbau ein wenig flüssiger an, als in vielen anderen Action-RPGs. Das liegt auch daran, dass man in Torchlight 2 einige nette Funktionen hat, um lästige Stadtportale zu vermeiden. Schwachen Loot kann man auf Wunsch ausblenden, und wenn die Taschen dennoch vollgemüllt sind oder man dringend neue Tränke braucht, kann man wie im Vorgänger sein Haustier in die Stadt schicken.

 

Hat man sich erst mal in das Gameplay eingefunden, kann man sich getrost durch die vier Akte des Spiels durchkämpfen. Das Level-Design ist im Vergleich zu Diablo 3 überraschend gut. Die einzelnen Umgebungen bieten tatsächlich sogar mehr Abwechslung, werden aber naturgemäß durch die simple Cell-Shading-Grafik limitiert. Ganz klar kann Blizzard mit seinem Action-RPG wesentlich epochaler inszenieren, als dass beim kleinen Torchlight 2 möglich wäre. Dennoch machen Feuerwände, Blitze und Pfeilstürme einiges her und geben dem Spiel den Schwung, den es braucht, um den Spieler auch langfristig an die Tastatur zu fesseln.

Das Fazit von: Benji

Benji

Wer ein Faible für das Genre hat, der wird wohl mit Torchlight 2 mehr Spaß haben, als mit Diablo 3. Während Blizzard mit seinem Spiel versucht hat, neue Akzente zu setzen und eine breitere Spielerbasis ansprechen wollte, versucht Torchlight 2 eben das klassische Action-RPG zu sein. Entsprechend wurden bei den Klassen und beim Gameplay kaum Änderungen vorgenommen. Das sorgt auf der einen Seite sicher für mehr Freiheiten für Experten, kann auf der anderen Seite aber auch altbacken wirken und neue Spieler abschrecken. Mir persönlich fehlt bei Torchlight 2 die Experimentierfreudigkeit, die man zumindest Blizzard in einigen Punkten nicht absprechen kann. Die macht nämlich den Unterschied zwischen einem reinen Grafikupdate und einem wahren Nachfolger wie Diablo 3 aus.


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positiv negativ
  • Klassisches Action-RPG ...
  • Individualisierbare Charakterwerte ...
  • Experimentierfreudiges Skillsystem
  • Keine Online-Pflicht
  • Frei wählbarer Schwierigkeitsgrad
  • ... dem ein paar Neuerungen gut getan hätten.
  • ... die auch überfordern können.





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