Tretbootfahrer

Tretbootfahrer

Originaltitel: Tretbootfahrer
Genre: Drama
Regie: Markus Pelzl
Hauptdarsteller: Mika Metz • Giulia Beckmann
Laufzeit: DVD (73 Min)
Label: Reborn Rebel Productions

Tretbootfahrer   28.03.2016 von MarS

Der Bayer Markus Pelzl hat es sich zum Ziel gesetzt, sich mit seiner Firma "Reborn Rebel Productions" neben den weitläufigen Ladengeschäften im Bereich Medienproduktion auch zu einem in Deutschland etablierten Independent-Studio zu entwickeln. Ein ehrgeiziger Plan, der mit dem Drama Tretbootfahrer, dem ersten Spielfilm des Labels, seinen Anfang nehmen soll. Wirklich ein schwieriger aber auch mutiger Start, befasst sich der Film mit dem unbequemen Thema Alkoholismus, wo doch die meisten Independent-Regisseure lieber in das überlaufene Horror-Genre investieren. Der No-Budget-Film setzt den Startschuss für weitere geplante Projekte, bei denen sich sowohl das Budget erhöhen als auch die Schauspieler im Gegensatz zu vielen anderen Independent-Produktionen eine entsprechende Gage bekommen sollen. Ob der Film ein vielversprechender Start oder eher ein Opfer der extrem schwierigen Anfangsphase ist, soll die folgende Kritik klären...

 

13 Jahre lebte Frank (Mika Metz) in einer festen Beziehung. Nun ist er wieder bei seiner Mutter eingezogen, lebt von einem Tag in den Nächsten und schottet sich selbst immer mehr ab. Da lernt er in einer Bar Tanja (Giulia Beckmann) kennen und sie verlieben sich in einander. Doch die Beiden teilen fortan nicht nur ihr Leben miteinander, sondern auch ihren selbstzerstörerischen Alkoholismus, der sich unbemerkt in ihren Alltag eingeschlichen hat. Zusätzlich gestaltet sich die Zweisamkeit durch die Vorgeschichte Tanjas schwierig, denn ihr ehemaliger Lebensgefährte hatte sich im Drogenrausch selbst umgebracht. Und so entwickelt sich ein Teufelskreis aus Abhängigkeit, Frustration und unkontrollierbaren Emotionen, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint...

 

Tretbootfahrer zeigt auf intensive Art und Weise - und vor allem ohne zu Beschönigen - die Folgen von Alkoholismus für die Einzelperson, aber auch das Umfeld. Die teilweise verstörenden Szenen sorgen beim Zuschauer einerseits für Abscheu, auf der anderen Seite jedoch auch dafür, dass man sich mit der Thematik auseinandersetzt und sich Gedanken darüber macht. Gleichzeitig zeigt der Film aber auch auf, dass fast jeder in unserer Gesellschaft seine eigene Form der Abhängigkeit besitzt, und so beginnt man sein eigenes Leben und das seines eigenen Umfelds einmal genauer zu betrachten. Tretbootfahrer bringt ein unbequemes Thema an die Öffentlichkeit und schockiert mit seiner Darstellung und dem Ablauf der Geschichte. Das Ende des Films inklusive der abschließenden Texttafeln hinterlässt ein flaues Gefühl in der Magengegend und wirkt auch noch über die Laufzeit hinaus. Insgesamt wirkt Tretbootfahrer sehr bedrückend und melancholisch und kann durch die drastische Bildsprache sowie dem Verlauf zwar wachrütteln, dementsprechend aber auch kaum echte Hoffnung vermitteln. Der Teufelskreis des Alkoholismus scheint schier undurchdringbar.

 

Die Darsteller füllen dabei ihre Rollen hervorragend aus, vor allem Mika Metz spielt den alkoholabhängigen und labilen Frank absolut glaubwürdig und überzeugend. Die Dialoge sind zu jederzeit stimmig und realistisch, ohne aufgesetzt oder eben gespielt zu wirken. Die in einzelne Kapitel eingeteilte, episodenhafte Inszenierung nimmt dem Film leider etwas den Fluss und verhindert dadurch ein stimmigeres Gesamtbild des ansonsten überzeugenden Dramas, verfehlt aber dennoch nicht seinen Zweck. 

 

Bildergalerie von Tretbootfahrer (11 Bilder)

Das Bild der DVD zeigt sich sehr gut und präsentiert den Film in einer sauberen Schärfe und mit schönem Detailreichtum. Dezentes Filmkorn ist ab und an sichtbar, wirkt aber niemals störend. Auch kleinere weichere Momente fallen nicht negativ ins Gewicht. Schwarzwert und Kontrast sind stimmig und die teilweise stilisierte Farbgebung unterstützt passend die jeweilige Situation im Film. Der Ton ist frontgerichtet und wenig dynamisch, die stets verständlichen, klaren Dialoge reichen aber völlig aus, um den Inhalt des Films zu transportieren.


Das Fazit von: MarS

MarS

Tretbootfahrer ist ein drastisches Drama, das die Thematik der Volkskrankheit Alkoholismus völlig unbeschönigt und kompromisslos darstellt und zum Nachdenken anregt. Leider verpasst es der Film Hoffnung für Betroffene zu vermitteln, was zwar einen mutigen Schritt entgegen dem Mainstream setzt, dadurch aber eher für Außenstehende interessant ist, die in ihrem Umfeld etwas verändern möchten oder sich selbst helfen wollen, bevor sie überhaupt erst in die Abhängigkeit geraten - dies vermittelt Tretbootfahrer allerdings hervorragend. Handwerklich und schauspielerisch stark ist der Film jedenfalls ein gelungener Einstieg ins Filmgeschäft und lässt auf weitere Werke von Markus Pelzl und seinem Team hoffen!


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