Uncharted: The Lost Legacy

Uncharted: The Lost Legacy

Publisher: Sony
Entwicklerstudio: Naughty Dog
Genre: Action
Sub-Genre: 3rd-Person-Action
Art: Midprice
Erscheinungsdatum: 23.08.2017
USK 16

Uncharted: The Lost Legacy   13.09.2017 von Beef Supreme

Mit Uncharted 4: A Thief’s End hat Entwickler Naughty Dog die Geschichte um Nathan Drake zu einem fulminanten und würdigen Abschluss gebracht. Glücklicherweise bedeutete das damals noch nicht das Ende der Uncharted-Reihe. Mit Uncharted: The Lost Legacy dürfen wir uns ein vorerst letztes Mal auf die actionreiche Schatzsuche begeben, nur dass wir dieses Mal Nathans Flamme aus Teil 2 Chloe Frazer an der Seite von Nadine Ross, dem Böse-Buben-Sidekick aus dem vierten Teil, begleiten. Gelingt es den wehrhaften Damen an den Charme vom Erfolgsgespann Nathan und Sam Drake heranzureichen?

 

Alte Bekannte - Neue Feinde

 

Nathan hat sich mit seiner Familie endgültig zur Ruhe gesetzt. Das bedeutet aber nicht, dass alle Schätze gefunden, alle historischen Stätten un Schutt und Asche gelegt worden sind. Also übernimmt Chloe Frazer und macht sich auf den Weg nach Indien. Dort soll sich ein altes Horn, der Sage nach das Horn Ganeshs, einer mächtigen indischen Gottheit, herumtummeln. Historie hin, Legende her, das Teil bringt ordentlich Bares, Motivation genug, durch ein Land zu tingeln, das gerade am Rande des Bürgerkriegs steht. Doof nur, dass Separatistenanführer Asav sich nicht nur mit dem indischen Militär anlegt, sondern auch hinter dem Horn her ist. Wäre ja sonst auch zu leicht. Zum Glück hat Chloe Verstärkung in Form von Ex-Söldnertruppenanführerin Nadine Ross. Ihre Truppe Shoreline ist sie inzwischen los und verdingt sich als Solo-Söldnerin, aktuell auch in Indien, auf der Suche nach dem äußerst wertvollen Stück Elfenbein. Gemeinsam drischt, hüpft, ballert und rätselt sich das weibliche Duo Infernale durch verwinkelte Ruinen, überwucherten Dschungel, beengte Höhlen und weite Steppen. Und haben dabei ständig einen lockeren Spruch auf den Lippen, selbst wenn der Bleihagel mal dichter ist.

 

Indien - Ein Land voll Curry und Blei

 

Nach einem relativ gemächlichen Einstieg auf einem indischen Basar und einem darauffolgenden Stealth-Abschnitt in denen neben den bedeutenden Charakteren auch die neue Mechanik des Schlossknackens eingeführt wird, geht’s auch direkt Uncharted-typisch actionreich los. Um an das gewünschte Artefakt zu gelangen, muss nämlich zuerst Rebellenführer Asav beklaut werden, was dem natürlich nur so semi gefällt. Nachdem sich Chloe und Nadine also zügig neue Feinde gemacht haben, fliegen die Kugeln natürlich tief und The Lost Legacy zeigt, dass es ein waschechtes Uncharted ist. Gewohnt actionreich und filmreif inszeniert flieht man über die Dächer Indiens, während aus allen Rohren auf einen geschossen wird. Das macht Spaß, das macht Laune! Genau das richtige Maß zwischen spannungsgeladener Action und ruhigeren Erkundungsmomenten, das war schon immer die Stärke der Reihe und auch dieses Spin-Off stellt hier keine Ausnahme dar. Auf intensive Gefechte folgen ruhige Sequenzen, in denen man die beeindruckende Landschaft genießen und erkunden kann, Schätze sucht und sich einen Weg durch die hervorragend gestalteten Areale bahnt. The Lost Legacy bietet genau genommen wenig neues, doch das bewährte Konzept wird äußerst hochklassig und kurzweilig umgesetzt und Kenner der Reihe fühlen sich sofort zuhause. Seien es die gelungenen Kletterpassagen oder die ausgefeilten Rätsel, über denen man durchaus auch mal eine Weile brüten muss, um auf die Lösung zu kommen, langweilig wird’s in Indien jedenfalls nicht.

 

Bei den Kämpfen allerdings tritt ein leichtes Manko zutage. Vermeiden lassen sich die Auseinandersetzungen zwar nicht, Leichen pflastern also auf alle Fälle Chloes Weg, doch meist hat man die Wahl, Asavs Truppen leise um die Ecke zu bringen. Es scheint allerdings, als ob die indischen Rebellen alle was an den Augen hätten, denn deren Sichtradius ist außerordentlich eng und kurz. Anders kann ich es mir nicht erklären, wie es sonst möglich ist, sich so leicht an sie heranzuschleichen und ihnen das Gesicht in den Nacken zu drehen. Ohne größere Mühe ist es also möglich, ganze Camps auszulöschen, ohne dass auch nur ein Schuss fällt. Und das ohne größere Stealth-Mechaniken, wie Leichen verstecken oder Ablenkungen erzeugen. Stolpern Patrouillen auf einen gefallenen Mitstreiter, sind sie kurz verdutzt, jedoch lang genug, damit man sie gemütlich daneben legen kann. Und schnell ist dieses Malheur auch schon wieder vergessen. Kurz: Die Stealth-Passagen sind zu leicht.


Die Feuergefechte hingegen sind da schon eine Ecke intensiver. Treffen können die Buben nämlich. Flankieren auch. Es bietet sich also an, immer in Bewegung zu bleiben, sucht man die direkte Konfrontation. Allerdings kann es vorkommen, dass einem dabei das an sich gelungene Deckungssystem in die Quere kommt und man an Mauern oder Ecken „kleben“ bleibt, während die Rebellen gemächlich Chloe durchsieben. Solche Macken können frustrieren, kommen aber zum Glück nicht allzu häufig vor, wenn man nicht allzu nervös auf die Kreis-Taste einhämmert. Für die Abwechslung beim fröhlichen Grabenkampf steht einem auch ein ganzer Satz neue Bleispritzen zur Verfügung, mit denen es so richtig Laune macht, neue Belüftungslöcher in die Hemden von Asavs Männern zu stanzen, wie zum Beispiel die Krivosk-YS, eine Handfeuerwaffe mit Zielfernrohr oder die Carrigan 53, ein Sturmgewehr mit ordentlich Bums. Einige Waffen, die es bisher nur im Uncharted-4-Multiplayer abzufeuern gab, wie die Harbinger Sniper oder die Arrowhead A3c, haben in The Lost Legacy nun auch ihren Weg in den Singleplayer gefunden.

 

Treffen sich ein Schatzsucher und ein Söldner...

 

Einen großen Teil des Charmes der Uncharted-Reihe machte schon immer die Beziehung der Charaktere untereinander aus. Seien es Nathan und Sully oder Nathan und Sam, ohne die Chemie zwischen dem immer präsenten Duo, wäre es nicht das Gleiche. Gleich vorweg, Sorgen an dieser Stelle sind unbegründet. Chloe erreicht zwar nicht ganz den lockeren Witz und die Sympathie eines Nathan Drake, doch das Gespann Frazer-Ross macht seine Sache mehr als gut und weiß mit einer natürlichen Beziehung, die sich im Laufe des Spiels immer weiter entwickelt, zu überzeugen. Anfangs nur auf professioneller Ebene nähern sich die beiden im Verlauf immer weiter an, was auch noch geschickt dazu genutzt wird, um die Storylücke zwischen Uncharted 4 und The Lost Legacy zu schließen, zumindest was Nadine und ihr Leben nach Shoreline betrifft. Man erfährt so einiges über die Hintergründe der beiden und ehe man sich versieht, sind einem die beiden fast so sehr ans Herz gewachsen, wie einstmals die Gebrüder Drake und Sully.

 

Es gibt viel zu tun...

 

Wer ob des Umfangs mit sich hadert, ob dieses quasi Add-On tatsächlich seine 40 Euro wert ist, dem sei gesagt, dass Uncharted: The Lost Legacy ordentlich Spielzeit bietet. Zwar nicht ganz so viel wie die vollwertigen Titel, doch je nach Schwierigkeitsgrad ist man durchaus zwischen 8 und 10 Stunden beschäftigt, bis man den Abspann scrollen sieht. Und diese Zeit ist wahrlich gut investiert, denn das Spiel bleibt durchweg interessant und spannend, einerseits was die Abwechslung der Spielmechanik angeht, andererseits entfaltet sich auch die Story um das Horn und den Geschehnissen im vom Bürgerkrieg geplagten Indien. Und ganz nebenbei frischt das Spiel auch das Wissen um die Mythologie Indiens auf. Wem das nicht reicht, kann sich im vollwertigen Uncharted 4-Multiplayer vergnügen, ohne Uncharted 4 besitzen zu müssen. Oder aber man schnappt sucht sich 2 weitere Mitstreiter und stellt sich im Survival-Modus immer weiternachrückenden Feindeswellen entgegen. Hier bekommt man noch was für sein Geld.

 

Bildergalerie von Uncharted: The Lost Legacy (15 Bilder)

Zucker für die Sinne

 

Technisch ist Uncharted: The Lost Legacy wie gewohnt über jeden Zweifel erhaben. Optisch war und ist die Uncharted-Reihe weiterhin Referenz auf der PS4. Seien es Partikel-Effekte, Licht- und Schattenspielereien, wenn die Sonne zwischen dem Laub hervor scheint, überzeugende Spiegelungen im Wasser oder einfach die atemberaubende Architektur. Um hier was zu meckern zu finden, müsste man ganz genau hinschauen. Und dann wird man wohl eher von der detailverliebten Grafikpracht überwältigt, die die Jungs gewohnt flüssig auf die Bildschirme zaubern. Gleiches gilt für die akustische Untermalung, die immer stimmig zur Situation erklingt. Ob ruhige majestätische Klänge, wenn sich gerade ein atemberaubendes Panorama eröffnet oder treibende Sounds zum Klang der Sturmgewehre. Atmosphäre? Können sie. Nur die Steuerung reagiert manchmal etwas träge, was in hektischeren Situationen gelegentlich für ungewollte Aktionen sorgt. Abgesehen davon stellt Uncharted: The Lost Legacy zusammen mit Uncharted 4 weiterhin die technische Speerspitze der aktuellen Konsolengeneration dar.


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Schätze suchen und Despoten ärgern macht auch ohne Nathan, Sully und Kollegen so richtig Spaß. Uncharted – The Lost Legacy steht seinen Vorgängern in rein gar nichts nach und bietet die gewohnt hohe Qualität, die man von Naughty Dog kennt und schätzt. Hier von einem DLC zu sprechen würde dem Titel nicht gerecht, denn der Umfang übertrifft so manchen Vollpreistitel. Auch das was geboten wird kann durchweg begeistern und überzeugt mit einer gelungenen Mischung aus Action, Rätseleinlagen und Erkundung. Die Stealth-Einlagen sind zwar etwas zu leicht, doch die intensiven Feuergefechte können dafür mehr als entschädigen. Dieser letzte Ausflug ins Uncharted-Universum weiß von Anfang bis Ende zu begeistern und schließt die Reihe mehr als würdig ab. Zwar bleibt etwas Wehmut zurück, doch wer weiß, vielleicht dürfen wir uns eines Tages erneut auf Schatzsuche begeben. Vielen Dank, Naughty Dog, für 10 schöne Jahre und 5 hochklassige Spiele!


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positiv negativ
  • Atemberaubende Grafik
  • Ausgezeichnete Mischung aus Action, Rätseln und Erkundung
  • Riesengroßer Umfang
  • Vollwertiger Multiplayer
  • Sympathische Charaktere
  • Wunderschöne Landschaften
  • Herausfordernde Feuergefechte
  • Interessanter Einblick in die indische Mythologie
  • Kinoreife Inszenierung
  • Viele freischaltbare Extras
  • Zu einfache Stealth-Passagen
  • Steuerung manchmal zu träge





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