Unfriend

Unfriend

Originaltitel: Friend Request
Genre: Horror • Thriller
Regie: Simon Verhoeven
Hauptdarsteller: Alycia Debnam-Carey
Laufzeit: DVD (88 Min) • BD (92 Min)
Label: Warner Home Video
FSK 16

Unfriend   23.06.2016 von Beef Supreme

Anständige Horrorfilme aus Deutschland sind so häufig wie die berüchtigte Nadel im Heuhaufen. Umso erstaunlicher wird das Ganze wenn der Regisseur bisher nur Schnulzenkomödien gedreht hat, die sich vom Niveau her eher auf Parketthöhe orientieren. Doch Regisseur Simon Verhoeven weiß mit seinem neusten Output Unfriend doch so manchen Kritiker deutscher Machwerke zu überraschen...

 

Laura führt ein fast perfektes Leben. Unbeschwert tingelt sie von Party zu Party, hat jede Menge Freunde, real wie auch auf sozialen Netzwerken und hat mit Tyler einen hübsch anzusehenden Stecher der sie liebt. Um die Nummer perfekt zu machen ist sie auch noch eine exzellente Studentin und noch nicht mal arrogant. Es läuft also bei Laura. Eines Tages kreuzt eine neue Kommilitonin namens Marina in ihrem Psychologie-Kurs auf und versucht sich mit Laura als beliebtestes Mädel im Kurs anzufreunden. Aus Mitleid mit der schüchternen und etwas seltsam anmutenden Marina nimmt Laura ihre Freundschaftsanfrage im gebräuchlichen sozialen Netzwerk an. Schnell entpuppt sich Marina jedoch als Stalkerin, die Lauras in jeder freien Minute mit irgendwelchem Müll vollspamt. Dramatisch wird das ganze erst, als Laura ihren Geburtstag feiert und Marina nicht einlädt. Als Marina Laura am nächsten Tag konfrontiert, eskaliert die Sache und einen Tag darauf ereilt Laura die Nachricht, dass ihre Haus- und Hofstalkerin sich aufgeknüpft und abgefackelt hat. Seltsamerweise herrscht immer noch reger Betrieb auf Marinas Profil und immer merkwürdigere Dinge geschehen in Lauras Umfeld. Alpträume stehen an der Nachtordnung und auch auf Lauras Social Media Profil erscheinen seltsame Posts fragwürdigen Inhalts. Lauras fast perfektes Leben beginnt so langsam zu bröckeln. Dabei war das erst der Anfang!

 

Mit gemischten Erwartungen bin ich in diesen Film gestartet. Habe ich einen weiteren 08/15 Teenie-Horrorstreifen erwartet, wurde ich doch schnell eines Besseren belehrt. Unfriend stellt auf erschreckend glaubhafte Art und Weise die Abhängigkeit der Jugend von sozialen Netzwerken zur Schau. Du bist nur jemand, wenn die Anzahl der Freunde möglichst hoch ist. Der Film fasst den Zerfall von Lauras Leben schön in der Zahl ihrer Freunde zusammen. Je beschissener es der guten Frau geht, desto mehr „Freunde“ wenden sich von ihr ab. Unfriend schafft es gekonnt realen mit Cyberhorror zu vermischen, sodass der Facebook-Süchtling von heute sich durchaus angesprochen fühlen kann. Denn nicht nur im Browser passieren seltsame Dinge, auch Lauras echte Welt geht so langsam den Bach runter. Der Film baut konstant Spannung auf und lässt den Zuschauer dabei im Dunkeln was die Ursache der Vorkommnisse sein könnte.

 

Abgesehen vom sehr gelungenen psychologischen Horror streut der Film auch hin und wieder einige Jump Scares ein, die sogar erstaunlich gut sitzen. Selbst Horror-Veteranen dürften nicht alle erahnen, was nur für den Film spricht. Begleitet werden die gut eingestreuten Horrorelemente durch eine dichte Atmosphäre, die jederzeit Übles erahnen lässt. Angefangen von seltsamen Visionen bis hin zu immer verstörenderen und unerklärlichen Postings auf Marinas Profil. Unterstützt wird das Gezeigte durch einen exzellenten Soundtrack und großartige Soundeffekte, der jederzeit zur Stimmung passen. Natürlich wird hier auch gestorben, vielleicht nicht so zahlreich, wie in anderen Vertretern des Genres, doch dafür werden die Tode durchaus satt dargestellt. Wenn’s denn mal saftet, dann sieht‘s auch nach was aus. Somit ist für jeden was dabei.

 

Bildergalerie von Unfriend (12 Bilder)

Technisch ist der Film über jede Kritik erhaben. Einwandfreies Bild, grandioser Sound und überaus gelungene CGI-Effekte ergeben hier ein homogenes Gesamtbild und runden den schon inhaltlich überzeugenden Streifen passend ab. Hoch anzurechnen ist dem Film, dass er darauf verzichtet, die Gore-Sequenzen zu animieren. Wenn’s suppt, dann kommt der Mann mit dem Bluteimer ums Eck. Sehr gut. 


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Selten wurde ich von einem deutschen Film so sehr überzeugt. Anfangs war mir gar nicht bewusst, dass Unfriend eine deutsche Produktion ist, denn anzusehen ist es dem Film keinesfalls. Er hat mir sehr gut gefallen und mich mehr als einmal überrascht. Einerseits ist der Handlungsaufbau nicht so träge, wie bei anderen Horrorstreifen und andererseits wird hier ein erfrischend unverbrauchtes Thema behandelt, das in der Form noch nicht zu sehen war. Aber auch die klassischen Horroraspekte, wie Jump Scares, Atmosphäre und der gelegentliche gewaltsame Tod werden von Unfriend passgenau und höchst überzeugend umgesetzt. Eine klare Empfehlung für alle, die keine Lust mehr auf urlaubende Teenies im Gebüsch haben.


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