Kein Cover vorhanden: upload/articles/3_gvD8yp56PIcZ2MjyW2nX.JPG

WWE 12

Publisher: THQ
Entwicklerstudio: Yukes Co
Genre: Action
Sub-Genre: Wrestlingsimulation
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 22.11.2011
USK 16

WWE 12   20.12.2011 von GloansBunny

Verschwitzte Männer in knappen Outfits, irrwitzige Namen und halsbrecherische Kämpfe - das ist Wrestling! Mal sehen, ob die amerikanische Variante des Ringkampfes mehr ist als nur heiße Luft...

Mit Wrestling verbinde ich eine ganz bestimmte Erinnerung aus Kindheitstagen: Ich sitze mit meiner besten Freundin im muffigen Zimmer ihres Bruders, permanent auf irgendwelche Geräusche aus dem Hausflur achtend. Es ist höchste Vorsicht geboten, denn vor uns steht er, der heilige Gral von Sandras großem Bruder: Ein 30 auf 30 cm messender Wrestlingring aus Hartplastik, umgeben von Dutzenden Actionfiguren mit beweglichen Gliedmaßen. Voller Ehrfurcht und Respekt betrachten wir Hulk Hogan und den Undertaker, die uns mit ihrer lizensierten WWE-Aufmachung geradezu magisch anziehen. Wir wissen, dass auf unerlaubtes Benutzen, Anfassen und Anschauen der Minifighter die Todesstrafe steht, aber die Versuchung ist einfach zu groß. Nur ein einziges Mal die Plastikfäuste schwingen, nur ein Mal große, böse Jungs verprügeln, für einen Moment das fühlen, was Sandras Bruder so am Schaukampf liebt! Wir stellen also hoch konzentriert das doch schon etwas abgenutzte Matellspielzeug in den Ring, debattieren mit unserem kindlichen Laienwissen den anstehenden Kampf, als plötzlich hinter uns ein Geräusch ertönt. Mit dumpfen Knall fällt die mit Hulk Hogan behangene Tür ins Schloss und ein großer, schlaksiger Schatten verdunkelt uns die Sicht. Was dann folgte, war die lebhafte und äußerst reale Demonstration komplizierter Würfe und Griffe, wie sie nur ein pubertärer Wrestlingfan mit zu viel Energie und ungebetenen Gästen im eigenen Zimmer anwenden kann. Meine Erinnerung endet mit diversen blauen Flecken, durchgewetzten Hosen und einem unbeschreiblich schmerzhaftem Muskelkater...

Die gängige Psychologenmeinung zum Thema Ängste ist die Konfrontationstherapie. Und wie könnte ich mich besser meinem Kindheitstrauma stellen, als mit einem Videospiel? Ohne die Schrammen am eigenen Körper erleben zu müssen, stürze ich mich also in den virtuellen Ring. Nachdem ich mir einen ansehnlichen Charakter zusammengebastelt habe, geht es auch schon los. Bewegen kann ich meinen zukünftigen Wrestlingstar mit dem linken Analogstick, kombiniert mit L2 rennen und mit L1 die Seile benutzen oder den Ring betreten oder verlassen. Das Digikreuz erlaubt mir, meinen Angreifer zu verhöhnen, ein Druck auf R2 blockt gegnerische Angriffe oder kontert diese. Per R1 visiert mein Alter Ego einzelne Körperteile an, der rechte Stick positioniert situationsabhängig einen angeschlagenen Gegner. Die Aktionstasten machen ihrem Namen alle Ehre: Viereck löst einen Schlag aus, mit X greift mein Wrestler nach seinem Gegenüber, die Kreistaste dient zum Einleiten diverser Spezialgriffe (Irish Whip) und Dreieck löst zu gegebener Zeit einen Finisher aus. Mit etwas Übung und Koordination einzelner Tasten lassen sich Kettengriffe und weiterführende Kombinationsangriffe leicht miteinander verbinden. Die vielen englischen Fachausdrücke für sämtliche Würfe, Griffe und Tritte sind vermutlich nur versierten WWElern geläufig, was den Spielspaß aber keineswegs beeinträchtigt.

Die Auswahl an Spielmodi ist genretypisch und für mich als Wrestlinglaie gut nachvollziehbar. "Road to Wrestlemania" beispielsweise ist eine Art Storymode, in dem man einer vorgegebenen Handlung mit festen Charakteren folgt. Zwar kann ich nicht selbst entscheiden, mit welchem Kämpfer ich spielen möchte, aber das gibt der flüssigen Geschichte ihre eigene Dynamik. In Worldmode und Exhibition hingegen bleibt es mir überlassen, welchem Gegner ich mit welchem Athleten den Allerwertesten versohlen darf. Zusätzlich ermöglicht THQ durch die "Create a..."-Menüs mir, meinen eigenen Wrestler, dessen Einzug in die Arena oder einen individuellen Ring zu erstellen: Größe, Aussehen, Kampfstil, Farbe der Seile, Zuschauerreaktion, Gestik und vieles mehr darf ich nach Belieben verändern, der Kreativität werden hier kaum Grenzen gesetzt. Wer ein Kenner von World Wrestling Entertainment ist, wird sich bestimmt über die große Auswahl an Profikämpfern wie zum Beispiel Sheamus, Cena oder The Rock freuen oder ganz einfach eine virtuelle Kreuzung aus den eigenen WWE- Lieblingen entwerfen.

Das Grafikniveau ist ebenso beeindruckend wie es damals die Hämatome an meinen Schienbeinen waren. Schön ausgearbeitete Oberflächentexturen, tolle Lichteffekte und realistische Farben in HD- Auflösung überzeugen. Die Animationen des Publikums und vor allem der Kontrahenten im Ring wirken äußerst realistisch und geben den flüssigen Bewegungsabläufen viel Dynamik. Selbst die Aktionen eines 150 Kilogramm schweren Kampfkolosses sind geschmeidig. Der gelegentliche Zeilenversatz bei Kamerafahrten über das Publikum ist unschön, aber nicht wirklich störend. Das Minenspiel der Akteure ist THQ besonders gut gelungen. Wut, Zorn, Gehässigkeit, Freude und unzählige andere Gefühlsregungen spiegeln sich auf den manchmal deutlich zerschrammten Gesichtern der Ringer wieder. Die Konterfeis der Raufbolde sind fotorealistisch ins Game kopiert, ebenso die Kleidung. Klasse! Stühle, Ring und andere Gegenstände sind nicht nur optisch gut integriert. Demolieren erlaubt! Lediglich die weiblichen WWE-Stars wirken stellenweise etwas künstlich, wobei die Barbiepuppenoptik sicherlich nicht ganz unbeabsichtigt ist. In gewissen Kampfsituationen haben sich kleinere Grafikfehler eingeschlichen, beispielsweise überlagern sich zwei Gegner gerne mal beim Gerangel an der Ringgrenze. Aber das nimmt kaum Einfluss auf das Gameplay, also kann man hier leicht ein Auge zudrücken.

Am Soundkonstrukt gibt es nichts zu meckern. Passend zu den optisch meist auf "Böser Bube" getrimmten Akteuren liefern die Entwickler eine zumeist rockig-trashige Titelauswahl. Die Vertonung der Charaktere ist gut gelungen. Schläge, Tritte und andere Kampfhandlungen sind glasklar und synchron zur Bildfolge. Die Reaktion des Publikums trägt einen großen Teil zur Stadionatmosphäre bei: Anfeuern, Auspfeifen, Beschimpfen, Unterstützen und alles, was Wrestlingfans sonst noch im Repertoire haben, scheint hier aus 10.000 Kehlen zu tönen.


Diverse Spielvarianten sorgen für Abwechslung in WWE 12. Neben dem Storymodus kann ich in Exhibition und dem Weltmodus mit einem Fighter meiner Wahl antreten. Egal ob Übungskampf, Prügelei zu Dritt oder das berühmt- berüchtigte Steelcagematch, jede Variante ist anders. Die Geschmeidigkeit des flüssigen Spielverlaufes macht einen Großteil der tollen Qualität dieser Simulation aus. Zusammen mit den enorm realistischen Animationen und den filmreifen Zwischensequenzen entsteht eine beeindruckende Wrestlingatmosphäre. Der Stadionsound der Zuschauer tut sein übriges. Ein ausgeglichener Schwierigkeitsgrad und unzählige spielbare Stars aus dem lizensierten WWE-Universum zeichnen das Spiel natürlich genauso aus wie der Multiplayermodus. Als Neuling der Reihe habe ich online logischerweise ebenso wenig Chancen, wie ich sie im realen Leben gegen Hulk Hogan hätte. Aber WWE 12 macht Spaß und schließlich kann ich zumindest in etwa nachvollziehen, wie sich ein Bodyslam anfühlt. Aua, da ist es wieder, mein Kindheitstrauma... Na dann, Konfrontationstherapiemodus aktivieren und schnell noch eine Runde "Exhibition" spielen!


Das Fazit von: GloansBunny

GloansBunny

WWE 12 hält, was der Titel verspricht: World Wrestling Entertainment. Flüssige Animationen in HD, tolle Soundeffekte mit richtig authentischer Stadionatmosphäre, massig Gestaltungsmöglichkeiten und abwechslungsreiche, spannende Fights. Egal ob auf der Matte, in den Seilen oder zwischen ihnen hängend, WWE 12 macht Spaß und ist ein gutes Training für die Finger. Auch wenn ich kein Fan von Smackdown und Co bin, eine kleine Prügelei für Zwischendurch lohnt sich. THQ serviert hier eine typisch amerikanische Freizeitbeschäftigung, die sowohl im Abendprogramm diverser Sportkanäle als auch auf der heimischen Konsole immer mehr Anhänger findet. Fans von Beat'Em Up Games sollten auf jeden Fall schon mal ihren Einmarsch in den Ring proben.


Die letzten Artikel der Redakteurin:


positiv negativ
  • Volle WWE- Lizenz
  • Tolle Grafik, filmreife Gesichtsanimationen
  • Eingängige Steuerung
  • Viele Gestaltungsmöglichkeiten
  • Soundtrack gut gelungen
  • Verschiedene Spielmodi
  • Gelegentliche Grafikfehler
  • Für Laien zu viele Fachbegriffe
  • Weibliche Figuren wirken zu künstlich





Kommentare[X]

[X] schließen