Walker

Walker

Originaltitel: Walker
Genre: Action • Western
Regie: Alex Cox
Hauptdarsteller: Ed Harris
Laufzeit: BD (96 Min)
Label: Koch Media Home Entertainment
FSK 18

Walker   14.11.2017 von Beef Supreme

William Walker lebte Mitte des 19. Jahrhunderts und war ein vielseitig gebildeter Mann. Mit 19 Jahren beendete er sein Medizinstudium, legte noch als Anwalt nach, verdingte sich als Journalist und zu guter Letzt fand er seine Berufung als sogenannter Filibuster, oder auch Freibeuter. Den letzten Teil seines Lebens widmete er dem Versuch, mehrere Staaten in Mittelamerika zu erobern, was ihm kurzzeitig auch gelang. Walker erzählt auf bizarre und übertriebene Art und Weise die Episode aus Walkers Leben, in der er Nicaragua eroberte und für zwei Jahre beherrschte...

 

In biographischer Erzählweise verfolgt der Film William Walker kurz nach seiner Niederlage in Mexiko. Zwar angeklagt doch freigesprochen wollte er sich seiner Frau und seinem Privatleben widmen, bis mehrere Ereignisse zusammentrafen. Wirtschaftsmagnat Vanderbilt unterbreitete ihm den Vorschlag in Nicaragua einzufallen und für „Stabilität“ und „Demokratie“ zu sorgen. Ursprünglich nicht für die Idee zu begeistern, wurde Walkers Frau von der Cholera dahingerafft, was ihm eine Perspektive als Staateneroberer erstrebenswerter erscheinen ließ, als sich der Trauer und dem Schmerz hinzugeben. Mit 57 Mann fiel er in Nicaragua ein und eroberte die Hauptstadt Granada, was ihn für 2 Jahre an die Macht brachte, zunächst über eine Präsidentenmarionette, später selbst als gewählter Präsident jedoch ohne Gegenkandidat. Walkers Macht bröckelte aber so langsam vor sich hin, als er es sich mit Vanderbilt verscherzte, der bis dahin seine komplette Unternehmung finanzierte und seine Macht stützte. Alles scheint vor die Hunde zu gehen, was Walker aber nicht davon abhielt, weiter mit Pathos und Selbstüberschätzung das Land mit Schmackes gegen die Wand zu fahren.

 

Walker ist keine leichte Kost. Durch die biographische Erzählweise fehlt es dem Film an einem Spannungsbogen, was das Gezeigte etwas vor sich hinplätschern lässt. Das gleicht er aber durch die Intensität der Bilder aus, was einerseits durch einen für die damalige Zeit extrem hohen und explizit dargestellten Gewaltgrad und andererseits durch einen bizarr und fast schon wahnsinnig anmutenden Walker bewerkstelligt wird. Einerseits völlig empathielos gegenüber seinen loyalen Mitstreitern, die im Kreuzfeuer wie die Fliegen krepieren, während er sich nach dem Wohlbefinden seines Arztes erkundigt oder inmitten einer Schießerei Klavier spielt und auf der anderen Seite bei Kleinigkeiten ausrastet und zu überstürzten und unvernünftigen Handlungen neigt. Walker, hervorragend von Ed Harris dargestellt, erfüllt alle Kriterien eines durchgeknallten und verblendeten Diktators, der mit seiner Macht nichts Sinnvolles anzufangen weiß. Nach der Eroberung Nicaraguas stagniert die Handlung und man verfolgt fast nur noch den Verfall von Walkers Geisteszustand und damit gleichzeitig den Niedergang des Landes, das unter seiner Herrschaft leidet und an den Rand des Untergangs getrieben wird. Regisseur Alex Cox versucht sich gleichzeitig an einer Parabel und streut anfangs noch fast unauffällig, im weiteren Verlauf aber immer deutlicher, Parallelen zur damaligen Außenpolitik Amerikas und der Reagan-Regierung ein. Plötzlich überholt ein Mercedes einen Pferdekarren, Walkers Söldner trinken Coca Cola oder rauchen Marlboro. Man bedenke, der Film spielt Mitte des 19. Jahrhunderts. Was als stilistisches Mittel der Gesellschaftskritik gedacht war, lässt den Film aber viel an Glaubwürdigkeit einbüßen und ließ mich zweifeln, ob der Film tatsächlich auf wahren Begebenheiten beruht. Was er im Übrigen tut.

 

Bildergalerie von Walker (10 Bilder)

Für einen Film aus dem Jahr 1987 ist er erstaunlich gut gealtert. Das Bild sieht vergleichsweise gut aus, wenn auch farblich nicht immer akkurat. Ein Lob hingegen an die stimmungsvolle Filmmusik, die untypisch zum Stil des Films mit seichten aber atmosphärischen Klavierklängen fast schon Melancholie erzeugt. Noch ein Wort zu den umfangreichen Extras. Im vorliegenden Mediabook von Koch Media ist ein 20-seitiges Booklet sowie eine Bonus-DVD enthalten, die weitere Hintergrund-Infos zum Film sowie ein detailliertes Making-Of und Regisseurkommentare bereithält. 


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Walker ist sicher kein schlechter Film, jedoch auch nicht so gut wie er sein könnte, hätte Regisseur Cox nicht versucht, Parallelen zur modernen Welt einzuflechten. Dies zerstört die Immersion und die Glaubhaftigkeit des Films und ließ mich am Wahrheitsgehalt des Gezeigten zweifeln. Denn das ist gar nicht so schlecht und weiß durch einen wahnsinnigen Walker und starke Bilder zu überzeugen. Der Gewaltgrad ist ziemlich hoch und die Darstellung überzeugend, was aber nicht den Kern des Films ausmacht. Ed Harris zelebriert einen ausgezeichneten William Walker und trägt den Film fast im Alleingang. Unterstützt wird er durch einen überaus gelungenen Score der durch melancholische Klänge das Leid der Bevölkerung gut zu unterstützen weiß. Leider fehlt es dem Film etwas an Vortrieb weswegen sich der Film viel länger anfühlt als die Laufzeit von guten 90 Minuten. Dennoch, kein schlechter Film, der auch nicht vergisst, manchmal etwas Humor einzustreuen, auch wenn dieser nicht immer passt. 


Die letzten Artikel des Redakteurs:




Kommentare[X]

[X] schließen