White Knight Chronicles

White Knight Chronicles

Publisher: Sony
Entwicklerstudio: Level 5
Genre: Rollenspiel
Sub-Genre: Anime-Rollenspiel
Art: Midprice Titel
Erscheinungsdatum: 26.02.2010
USK 12

White Knight Chronicles   22.02.2011 von Maninger

Wie lange dauert es wohl, ein Spiel von der japanischen Originalfassung nach Deutschland zu portieren? Mit einem Jahr haben sich die Entwickler von White Knight Chronicles sehr viel Zeit gelassen. Ob sich das warten gelohnt habt? Lest weiter...

 

Die Hauptgeschichte des Spiels beginnt in dem Königreich Balandor. Seit längerem tobt ein Krieg mit dem Königreich Faria und endet mit der Ermordung der Königin von Balandor. Daraufhin versucht unser Herrscher, die zwei zerstrittenen Lager wieder an einem Tisch zu versammeln und den lang ersehnten Frieden für beide Völker auszuhandeln. Die Initiationsfeier von Prinzessin Cisna scheint dafür der passende Anlass zu sein. Zur selben Zeit schlüpfen wir in die Rolle des Jünglings Leonard. Der Gehilfe eines Wirtes ist die Hauptperson in White Knight Chronicles. Als wir in Form von Leonard in das Schloss geladen werden, bekommen wir mit, wie beide Könige bei der Friedensfeier von einer 3. Partei, den Magi, getötet werden. Die Magi, welche bis dahin eher eine Leben im Schatten geführt haben und auf der Suche nach uralten Kampfartefakten sind, schaffen es trotz starker Gegenwehr, die Prinzessen zu entführen und so entsteht das Leitmotiv für Leonard und ein atemberaubendes Abenteuer beginnt. 

 

Ja, ich weiß. Klischeehafter könnte die Geschichte wohl kaum sein. Ein Jüngling, der an seinen Aufgaben wächst, stärker wird und irgendwann die entführte Prinzessin vor dem komplett in schwarz gekleideten Ritter rettet. Außerdem noch ein paar niedliche Hasenmenschen in die Städte platzieren und schon hat man ein Rollenspiel, das man schon an die fünf Mal in ähnlicher Weise durchgespielt hat. Aber obwohl die Geschichte auf denn ersten Blick nichts Neues zu bieten hat und manche der Charaktere komplett austauschbar wirken, merkt man sofort, dass vor allem in den Details viel Einfallsreichtum, Witz und Originalität steckt. Auch die Charaktere, wie der etwas mürrische aber immer besonnenen Eldore, welcher unsere Gruppe begleitet oder der schwarze Ritter wissen von Anfang an zu überzeugen und geben bis zuletzt Rätsel auf.

 

Irgendwie fehl am Platz:
Im Laufe Eures Abenteuers wird Eure Gruppe sich ausweiten, bis Ihr sechs Charaktere besitzt. Dabei wird es ein Charakter mit einer Konstanz, wie ich sie noch nie miterleben durfte, immer wieder schaffen, jegliche Stimmung, die das Spiel versucht aufzubauen, mit seinem emotionslosem Gesicht und seiner Sprachunfähigkeit zunichte zu machen. Seid Ihr schon darauf gekommen, wer damit gemeint ist? Ja, das sind wir. Am Anfang des Spiels erstellen wir einen eigenen Charakter, welcher dann entweder bei Onlinequests als Hauptperson, oder im Spielverlauf als Zusatzcharakter benutzt wird. Diese Person wirkt vor allem in der Hauptgeschichte sehr lieblos integriert und nervt spätestens bei der zweiten Cutscene mit seinem ausdruckslosen Gesicht.

 

Die Spielwelt ist in zwei Arten von Orten unterteilt. In Städten oder Dörfern können wir uns mit Bewohnern unterhalten, kaufen uns neue Ausrüstungen, erwerben neue Quests oder durchleben neue Schlüsselszenen, um die Hauptgeschichte weiter voranzutreiben. Jedoch sind für meinen Geschmack diese Areale deutlich zu groß geraten. Es kommt nicht selten vor, dass Ihr, aufgrund der überdimensionalen Laufwege, für alle Besorgungen die Ihr in den Städten zu erledigen habt, mehrere Stunden beschäftigt seit. Das bremst einfach den Spielfluss gewaltig. Anders verhält es sich da in den gewaltigen Außenarealen. Diese lassen für Rollenspielfans mit einem ausgeprägten Sammler- und Entdeckerwillen keine Wünsche offen. Die Hauptziele sind jederzeit auf der Karte mit einem Sternchen versehen und lassen uns die freie Wahl, ob wir uns strickt von A nach B bewegen oder uns in der Umgebung umsehen, jede verstecke Schatztruhe finden, oder einfach mit den unzähligen Monstern kämpfen wollen. Auch von den Umgebungen ist wirklich alles vertreten, von Wiesenfeldern über steile Gebirgspässe oder aber auch Wüsten, Wälder oder Sumpfgebiete ist alles vorhanden, was das Herz begehrt.

 

Natürlich verbringt man die Hauptzeit des Spiels mit dem Bekämpfen von unterschiedlichsten Monstern. Ob Ihr Euch aber einem Kampf stellt, bleibt immer Euch selber überlassen. Von Eurer sechsköpfigen Gruppe seid Ihr immer in einer Gruppe zu dritt unterwegs. Da Gegner zu jederzeit auf dem Kampffeld sichtbar sind, könnt Ihr entweder an ihnen vorbeilaufen oder Euch der Konfrontation stellen. Die Kämpfe laufen dabei in Echtzeit ab. Um eine Aktion auszuführen seht Ihr einen kreisförmigen Ladebalken. Sobald dieser sich komplett aufgeladen hat, könnt Ihr Eure Aktion ausführen. Stärkere Aktionen können dabei Aktionschips oder Manapunkte (MP) verbrauchen. Aktionschips laden sich langsam auf, wenn man Schaden bei Monstern erzeugt oder Treffer einsteckt. Die Kämpfe gegen kleinere Gegner wie Echsen, Bienen, Skorpione oder Wölfe benötigen selten eine besondere Taktik. Bei größeren Gegnern jedoch ist es ratsam, sich die verschiedenen Trefferzonen und elementare Schwächen genauer anzusehen. Verschiedene Trefferzonen, wie zum Beispiel der Kopf mancher Monster, können nur getroffen werden, wenn man sie mit Magie attackiert oder aber das Monster aus dem Gleichgewicht bringt. Treffer an diesen Stellen erzeugen meist einen deutlich höheren Schaden.

 

Sollte man jedoch einmal trotz intensiven Trainings an seine Grenzen bei einem Monster stoßen, bleibt einem immer noch die Verwandlung in den White Knight. Diese gewaltige Ritterrüstung, auf die Leonard sehr schnell nach Spielbeginn Zugriff bekommt, verschafft ihm einen gewaltigen Stärkezuwachs. Durch ihre Größe ist es ihr nicht nur möglich, alle Trefferzonen des Gegners direkt anzuvisieren, sondern durch verschiedene Ausrüstungsmöglichkeiten kann sie auch die Statuswerte der anderen Charaktere erhöhen. Leider sind aber, vor allem durch die einfache Verwandlung in den White Knight, welche nur ein paar Aktionschips benötigt, die Kämpfe meist sehr anspruchslos. Nur selten werden Gefechte wirklich anspruchsvoll oder fordernd.

Für jedes besiegte Monster bekommt man rollenspieltypisch Erfahrungspunkte, mit welchen man im Level aufsteigt und seine Fähigkeiten verbessert. Der eigene erstellte Charakter ist in der Entwicklung dabei komplett uneingeschränkt. Er kann daher alle der acht vorgegebenen Klassen (Einhandwaffen, Zweihandwaffen, Speere, Großäxte, Bögen, Stäbe, heilende Magie oder Elementarmagie) erlernen. Die Hauptcharaktere können immer nur unter sechs der acht Klassen wählen. Ob man also seinen Charakter zu einem reinen Nahkämpfer macht, er aus der Distanz mit Pfeil und Bogen agieren soll, oder die Gegner mit mächtigen Zaubern vernichten soll, bleibt Euch überlassen. Ein Auge sollte man zusätzlich auch immer auf Gegenstände halten, welche man entweder von erledigten Gegnern erhält oder welche durch glitzernde Stellen in der Umgebung gekennzeichnet werden. Im späteren Spielverlauf lassen sich nämlich diese Gegenstände zu mächtigen Waffen oder Verbrauchsgegenständen kombinieren.

 

Ein weiterer, wichtiger Aspekt des Spiels sind die Quests, die man bestreiten kann. Für jedes Gebiet gibt es unzählige Aufgaben zu erledigen, die man alleine oder online mit einer Gruppe bis zu vier Leuten erledigen kann. Leider bleibt die Motivation bei diesen Aufgaben sehr schnell auf der Strecke, wenn man sie alleine angehen möchte. Die Aufgaben sind so gut wie immer gleich aufgebaut und ohne die helfende Unterstützung seiner zwei Kameraden sind viele schlicht und einfach nicht lösbar. Sollte man aber die Möglichkeit besitzen, sich mit seinen Freunden online zusammenzuschließen und die Missionen in 4er Gruppen anzugehen, sieht das gleich deutlich anders aus. Durch einen Sprachchat oder auch dem Voicechat bleibt man in Kontakt, teilt sich Aufgaben auf und bekämpft zusammen gigantische Endgegner. Wenn man online gerade nicht auf Monsterjagd geht, gibt es zusätzlich einen kleinen Städtebau-Modus. Wer schon mal Dark Cloud gespielt hat, weiß sofort, wovon ich spreche. Ihr erbaut Euch selber eine kleine Stadt, versucht Bewohner zum Einzug zu überreden, verschönert die Stadt und könnt sogar online Freunde einladen, Eure Stadt zu begutachten. Dieses kleine Gimmick ist sehr motivierend und macht immer wieder Spaß.

 

Bei der Technik des Spiels bin ich dagegen etwas gespaltener Meinung. Die Grafik etwa kann in den Cutscenes vollkommen überzeugen und bietet oftmals eine fabelhafte Weitsicht in den Levels. Doch im Spiel sind die Texturen matschig,  und es kommt nicht selten vor, dass Objekte oder Gegner einfach im Bild auftauchen. Dagegen steht der fabelhafte Soundtrack, der immer für die richtige Stimmung sorgt und das ganze Geschehen elegant untermalt. Sehen lassen darf sich das Spiel auch mit einer Spielzeit von 30-40 Stunden, die aber nur die Hauptgeschichte umfasst und noch etliche Nebenquests auch nach dem Durchspielen für Euch bereithält.


Das Fazit von: Maninger

Maninger

Das Spiel hat sicherlich viele Qualitäten. Zu allererst natürlich die kostenlose Möglichkeit, mit seinen Freunden online Quests zu bestehen und gigantische Monster zu besiegen. Auch haben mir die ausladenden Areale gefallen. Diese sind reich gefüllt und für das Erkunden der entlegensten Winkel wird man stets mit mächtigen Waffen oder Gegenständen belohnt. Auch das Kampfsystem ist überraschend vielschichtig und weiß zu überzeugen, obwohl leider viel zu oft monotones Einschlagen auf den Gegner zum selben Ergebnis führt. Jedoch zieht sich der leichte Schwierigkeitsgrad und die zwar liebevoll gestaltete, aber doch sehr klischeebehaftete Story wie ein roter Faden durch das sonst wirklich hervorragende Spiel.


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