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X Rebirth

Publisher: Koch Media
Entwicklerstudio: EGOSOFT
Genre: Simulation
Sub-Genre: Weltraum
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 15.11.2013
USK 12

X Rebirth   05.02.2014 von Teppich

Vor rund 14 Jahren erwarb ich eine Zeitschrift des Axel Springer Verlags. Darauf befand sich der erste Teil eines Spieles, welches mich durch meine Jugend begleitete. Die Rede ist von Egosofts X: Beyond the Frontier. Inzwischen ist viel Zeit vergangen und die X-Serie ist gewachsen, genauso wie ich! Der neueste Teil der Serie, X Rebirth, soll die Wiedergeburt des Spieles einleiten und kommt mit einigen radikalen Änderungen daher. Lassen wir uns überraschen, ob diese das Spiel verbessern oder verschandeln ...

 

Im Sommer des vergangenen Jahres flimmerte ein fast schon opulent gestalteter Trailer über meinen Bildschirm. Alles wirkte größer, besser und vor allem schöner. Er versprach die große Freiheit auf kleinstem Raum – schließlich wurden wir in der Auswahl unserer Vehikel beschnitten: Es gibt nur ein Raumschiff. Mit exakt einem Raumschiff sollen wir uns zufriedengeben? Um über diese Enttäuschung hinwegzutrösten warb man jedoch mit dem Kommando über eine ganze Flotte von Schiffen und epischen Schlachten, in einer Größe, wie sie uns bisher noch nicht bekannt war. Ach, wäre es doch bloß bei diesem Trailer geblieben, die Realität sieht nämlich ganz anders aus!

 

Ach komm schon, das ist doch nur ein Bug

 

Die Überschrift entspricht in etwa dem derzeitigen Stand des Spieles: Es wimmelt vor kleinen Käfer. Viele  Bugs wurden zwar im Laufe der Wochen nach Release beseitigt, doch die kleinen Mistviecher sind ganz schön hartnäckig. Doch Bugs sind im Vergleich zum Rest des Spieles ein eher kleines und fast schon nichtiges Problem. Denn diese können beseitigt werden – Designfehler hingegen sind ein größeres Kaliber! Ebenso kann von Spielfluss gar nicht erst die Rede sein, denn der will bei mir nicht aufkommen. Sorry, aber es widert mich an! Dabei möchte ich mich doch nur in der Galaxie verlieren, in der ich bereits in den anderen X-Teilen so viel Zeit verbracht habe.

 

Doch warum genau, möchte bei mir kein Spielspaß aufkommen? Liegt es an der Verstümmelung der Spielmechanik, den hirntoten Dialogen, der verhunzten Synchronisation, der Zombie-Ki oder stören mich eher die Brüste meiner Kollegin? Ich kann es "noch" nicht ganz auf den Punkt bringen. Und warum genau muss ich noch mal Raumstationen besuchen? Deus Ex'sches Spindplündern? Die Antwort auf diese Frage kann ich nicht geben, denn richtig Handeln kann in den leer gefegten Cyber-Techno-Strippklubs doch kein Schwein!

 

Nicht bewegen, ich hab mein Hirn verloren!

 

X Rebirth kommt, wie die meisten Titel der X-Serie, mit einer Kampagne daher. Und die ist gar nicht mal so gut – anfangs sogar unspielbar! Nicht weil sie dämlich war, nein, weil diese elendigen Bugs das Weiterspielen unmöglich machten. Inzwischen sollte die Kampagne jedoch möglich sein und wenn es nicht funktionieren sollte – draufklopfen und pusten, hat beim SNES damals ja auch funktioniert!  Spaß beiseite, die Kampagne von Rebirth ist eine mittlere Katastrophe. Generell waren gute Geschichten noch nie Egosofts Steckenpferd, jedoch konnten sie diese immer mit gutem Spieledesign kaschieren. 

 

Dumm nur, dass Rebirth nichts besitzt, um zu kaschieren. Denn nebst miserablen Spieledesign, schlechter Grafik, abstürzendem Sound und dummen Dialogen – Entschuldigung, aber die sind wirklich miserabel – kann Rebirth mit nichts Punkten, außer vielleicht mit seinen Verkaufszahlen. Böse Zungen mögen behaupten, man habe mit Absicht ein unfertiges Spiel zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt gebracht – aber pssst, diese These habt Ihr nicht von mir!

 

Kannst du nicht endlich mal die Schnauze halten!

 

Innovation, am besten jetzt und überall. So oder so ähnlich könnte einer der Designansätze für Rebirth lauten. "Ok, die Fans wünschen sich also einen Haufen Raumschiffe, eine Cockpit-Perspektive, viele Raumstationen, einen Handel und eine Forschung. Das hatten wir doch alles schon, lass uns mal etwas Neues machen. Ein Cockpit bekommen sie wieder, hatten wir ja letztens weggelassen." Stattdessen wünschen sich die Fans nun kleine Minispielchen beim Warpen! Ja liebe Programmierer,  Ihr könnt mich auch mal knuspern! 

 

In Rebirth angekommen knallt man Euch also erst einmal hinter das Steuer des wohl hässlichsten Raumschiffes der Galaxie, quasi der Geier unter den Vögeln. Der Vogel ist nicht nur hässlich, weil das arme Kerlchen so gestaltet wurde, nein, auch die Texturen sind der gröbste Matsch. Und leider Gottes, müssen wir uns in diesem Kahn auch noch bewegen. Mein persönliches Highlight ist ja das Ein- und Aussteigen. Aber die Texturen sind nicht Euer einziger Begleiter, denn kaum zwei Minuten nach Spielstart bekommt Ihr Besuch. Und irgendwie nistet sich der Besuch auch noch ein, diese lästige Plage. 

 

Reden kann sie im Übrigen auch und Brüste gibts auch noch. Das hat nun nichts mit Sexismus zu tun, nur streckt sie Euch die Dinger alle fünf Minuten entgegen. Lara Crofts ehemalige Dreiecksmöpse waren damals schöner anzusehen! Zumindest die Aufwertung des Schiffes ist geblieben. Wie bereits in jedem Teil der X-Serie könnt Ihr Euer Schiff mit neuen Waffen aufrüsten, den Laderaum erweitern und so weiter. 

 

Sollte der Platz mal nicht mehr reichen muss ein neues Schiff her. Wie Ihr da rankommt ist eure Sache – das Schöne an X. Ihr besitzt die Freiheit, ein Schiff zu kapern, zu bauen oder Ihr kauft Euch einfach eines. Den Pilotensessel dürft Ihr jedoch nicht wechseln, stattdessen muss eine Crew angeheuert werden, die sich um Euer neues Schiff kümmert. Diese lassen sich jedoch befehligen, Ihr könnt ihnen also nur mitteilen, was sie gefälligst zu erledigen haben. Im späteren Spielverlauf wachsen die Schiffe, die Ihr erwerben könnt, einer der wenigen positiven Punkte, denn die großen Raumschiffe sind wirklich schön anzusehen – von innen und außen! 

 

Bildergalerie von X Rebirth (7 Bilder)

Am Spieler vorbeigedacht!

 

Mehr fällt mir zu X Rebirth derzeit wirklich nicht ein. Egosoft wollte neues schaffen und die Serie wiederauferstehen lassen. Eine Idee, die ich nicht ganz nachvollziehen kann, denn war X wirklich jemals tot? Die Jungs haben die letzten Jahre wirklich viel gute Arbeit geleistet und es gab keinen Teil der Serie, der mich wirklich abschreckte. Die Fähigkeit am Spieler vorbeizuentwickeln, bewiesen sie jedoch bereits mit X³, als sie die Cockpit-Perspektive wegfallen ließen. Ich meine, was ist eine gute Weltraumsimulation ohne Cockpit. Doch zum Glück gab es ja die Modding-Szene!

 

Es wurden so viele schlechte Entscheidungen getroffen, es wurden so viele Fehler im Design gemacht, dass ich mich echt fragen muss, ob das Spiel wirklich fertig ist. Nehmen wir z. B. die begehbaren Raumstationen - eines der Hauptfeatures des Spieles. Nur sind diese nicht wirklich "begehbar". Es ist im Grunde nur ein linearer Pfad, der zu irgendeinem abgehalfterten Typen in einer Bar oder einem Klub führt. Der Name suggeriert Freiheiten, die in Wirklichkeit gar nicht erst existieren. Die Stationen wirken weitestgehend leer, sie dienen keinen weiteren Zwecken und das einzig Interaktive sind die Spinde, die man entleeren kann. Die Idee einer begehbaren Station ist großartig, doch die Umsetzung ist maßgebend!

 

Die Frage, die sich letztendlich stellt, ist Folgende: Kann Rebirth noch gerettet werden? Und die Antwort lautet: "Ja, aber nicht von den Entwicklern!" Rebirth wird vollständig überarbeitet werden, und zwar von der Community selbst, einer Gefolgschaft, die nun bereits seit 14 Jahren für die Gestaltung des Spieles zuständig ist. Die Modder waren bisher immer ein Bestandteil des Spieles und haben in den vergangenen Jahren erstaunliches geleistet. Ich traue ihnen zu, aus Rebirth das Juwel zu machen, dass es hätte werden können.


Das Fazit von: Teppich

Teppich

Ganz ehrlich, ich wäre froh gewesen, wenn jemand den Entwicklern bei der Konzeption von Rebirth mal ordentlich in den Bauch getreten hätte. Es hätte uns zumindest eine Totgeburt erspart. Das Spiel wurde in einem unfertigen Zustand veröffentlicht. Es wurde von Bugs und Performance-Problemen heimgesucht. Es gab inzwischen eine Menge Patches, die zumindest die gröbsten Probleme beheben und dennoch muss das Spiel noch einen weiten Weg gehen. Es bleibt mir weiterhin unerklärlich, warum die Entwickler dem Spiel einer Wiedergeburt unterziehen wollten. Man hätte durchaus die bisherigen Werke als Grundlage nutzen können und diese um sinnvolle Ideen erweitern können. Stattdessen müssen wir uns mit diesem Konglomerat halb garer und unausgereifter Ideen auseinandersetzen.


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