Yakuza Apocalypse

Yakuza Apocalypse

Originaltitel: Gokudou daisensou
Genre: Action • Horror • Komödie • Thriller
Regie: Takashi Miike
Hauptdarsteller: Hayato Ichihara
Laufzeit: DVD (120 Min) • BD (115 Min)
Label: Koch Media Home Entertainment
FSK 18

Yakuza Apocalypse   01.03.2016 von Beef Supreme

Miike ist wieder zurück. Nachdem sein letzter Film The Lion Standing in the Wind eher gemäßigter war, dreht der japanische Film-Workaholic wieder wie gewohnt kräftig am Rad. Yakuza Apocalypse heißt sein aktuelles Werk und beherbergt, wie wir es alle von Takashi Miike gewohnt sind, wieder allerlei Wahnsinn...

 

Der Film eröffnet ganz klassisch mit einem formidablen Blutbad. Man sieht einer Ein-Mann-Armee dabei zu, wie sie reihenweise Yakuza mit einem Schwert niedermetzelt, um sich selbst zum Boss der Unterwelt emporzuheben. Fortan wird er auch nur noch als „Der Boss“ bezeichnet und schart loyale Yakuza um sich. Kageyama ist wohl sein loyalster Unterling, was auch daran liegt, dass dem Boss das Wohlergehen der Bevölkerung am Herzen liegt. Wenig Gewalt und viele Wohltaten, die den Bürgern auch durch die schweren Zeiten der Rezession helfen, gehen auf sein Konto und dafür verehrt Kageyama den Boss. Eines Tages wird er Zeuge wie der Boss von zwei ominösen Gestalten so richtig derbe den Frack vollkriegt. Das geht soweit, dass sie ihm den Kopf von den Schultern zwirbeln, was den Boss aber nicht davon abhält, sich noch einen Snack an Kageyamas Halsschlagader zu gönnen, bevor er endgültig abkratzt. Nun dämmert es auch Kageyama, das der Boss ein Vampir war und er jetzt wohl auch einer ist. In seinem Blutdurst produziert er selbst eine Reihe von Blutsaugern, bevor er sich in Zurückhaltung üben kann. Miikes Interpretation nach, wird man durch einen Biss nicht nur zum Vampir, sondern auch automatisch zu einem Yakuza, was der menschlichen Yakuza überhaupt nicht schmeckt. Um den Wahnwitz komplett zu machen, stehen auf der anderen Seite ein Typ im Froschkostüm, noch einer mit Schnabel und Schildkrötenpanzer und noch weitere seltsame Gestalten, die ein Problem mit den Yakuza haben, ob menschlich oder nicht!

 

Miike ist wieder voll in seinem Element. Beginnt Yakuza Apocalypse zwar brutal aber zumindest einigermaßen gemäßigt, nimmt der Grad an Abgedrehtheit um Verlauf immer weiter zu. Der Film lässt sich in der ersten Hälfte viel Zeit für die Einführung in die Geschichte und der Charaktere, weswegen hier nicht zu viel Action zu erwarten ist. Vereinzelt werden auch hier schon seltsame Gegebenheiten gezeigt, wie zum Beispiel eine in einen Keller eingesperrte Strickgruppe, ausschließlich alte Männer, nackt versteht sich. Denen werden dann auch gelegentlich die Füße gebrochen. Warum? Das geht den Zuschauer nichts an. Das ist die typische Handschrift Miikes, der gern den Zuschauer durch solche Momente überrascht. Endgültig dreht der Film dann mit dem Tod des Bosses ab, als dann seltsame Gestalten die Bühne betreten, wofür auch keine Erklärung geliefert wird. Ab der zweiten Hälfte geht’s dann auch richtig rund und aus dem gemächlichen Gangsterfilm wird ein Vampir-Actioner mit viel Blut und Gemetzel. So richtig einstufen lässt sich Yakuza Apocalypse nämlich nicht, denn von jedem Genre steckt so ein bisschen hier drin. Dennoch sollte man hier keinen Film mit Schizophrenie oder Identitätskrise erwarten, denn irgendwie passen die Elemente zueinander, zumindest wenn man offen für diese Art des Genremixes ist.

 

Unterwegs passiert es aber öfter, dass der Film den Faden verliert. Als dann ein 3-Fronten-Krieg zwischen Yakuza, Vampiryakuza und den Typen die allen Yakuza ans Leder wollen entbrennt, fällt es schwer zu erkennen, wer nun quasi die „Guten“ sind und was der Film nun eigentlich vermitteln will. Das ist der Moment, indem dem Film der Fokus abhandenkommt, denn außer Kageyama fehlt dem Zuschauer ein Bezugspunkt für seine Sympathie. Ab hier sollte man dann jegliche Versuche, das Gezeigte zu verstehen, über Bord werfen und sich einfach nur berieseln lassen. Denn nun mischt ein riesiger Plüschfrosch mit, der mal so richtig Maulschellen verteilt. Auch hier ist das "Warum?" sekundär.  Sofern man sich auf diese Art des Geschichtenerzählens einlassen kann, macht dieser wirre Film auch richtig Spaß. Man sollte nur nicht zu viel Wert auf Konklusion legen, denn Yakuza Apocalypse hält nicht besonders viel vom Fragen beantworten.

 

Technisch wird dieses filmgewordene Kuriositätenkabinett sauber umgesetzt. Ein einwandfreies Bild gewährt einen ungehinderten Blick auf die absichtlich mies gestalteten Kostüme. Auch der Sound ist gewohnt gut, wobei sich der Score höflich zurückhält und schnell vergessen ist. Die Effekte allerdings überzeugen durch knackigen Sound. Auch die CGI-Abteilung macht ihren Job ganz ordentlich, wobei man bei Miike nie genau sagen kann, was nun Absicht oder Pfuscherei war. Hauptsache ist jedoch, dass das Blut noch aus dem Kanister stammt und nicht aus dem Rechenknecht.

 

Bildergalerie von Yakuza Apocalypse (8 Bilder)


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Ein abschließendes Fazit zu finden, fällt mir bei Yakuza Apocalypse nicht leicht. Einerseits gefällt mir Miikes Stil und der latente bis offensichtliche Wahnsinn, den er so gern in seine Filme einfließen lässt; und beidem mangelt es hier nicht. Andererseits fehlen mir im Mittelteil der Fokus und der vielbeschriene rote Faden. Nach dem Tod des Bosses dümpelt der Film ein wenig vor sich hin und weiß nichts mit sich anzufangen, möchte man meinen. Klar, die bescheuerten Szenen nehmen zu und der Gewaltgrad steigt, aber so richtig befriedigend ist das nicht. Zusammen mit dem mehr als fragwürdigen Ende hinterlässt Yakuza Apocalypse einen zwiespältigen Eindruck. Fans von Miikes irreren Werken können hier gern ein Auge riskieren. Gemäßigteren Filmconnaisseuren ist der Film nur bedingt zu empfehlen.


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