Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon

Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon

Publisher: Nintendo
Entwicklerstudio: PlatinumGames
Genre: Action-Adventure
Sub-Genre: Puzzle
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 17.03.2023
USK 12

Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon   29.04.2023 von LorD Avenger

Die Bayonetta-Trilogie hat ein Ende gefunden, doch die Geschichte der berühmten Umbra-Hexe ist damit noch nicht beendet - eine Reise in die Vergangenheit lädt uns nämlich nicht nur zu ihrer Vorgeschichte ein, sondern auch zu völlig neuem Gameplay...


Story


Als Tochter einer verbotenen Liebesbeziehung ist die junge Hexe Cereza verstoßen und ihre Mutter eingesperrt worden. Um sie allerdings zu retten begann Cereza ihre magische Ausbildung bei der ebenfalls verstoßenen Hexe Morgana. Doch das Erlernen der Umbra-Hexereien bedarf Zeit, Geduld und auch ein gewisses Maß an Talent - von dem Cereza nicht sonderlich viel mitbringt. Als ihr im Traum dann aber ein Junge erscheint, der ihr eine Macht verspricht, mit der sie ihre Mutter befreien kann, wirft sie alle Warnungen ihrer Lehrerin über Bord und betritt den von gefährlichen Feen regierten Verbotenen Wald aus dem bisher kaum jemand wieder zurückgekehrt ist...

 

Bayonetta Origins ist Programm - das Spiel erzählt sozusagen die Entstehungsgeschichte von Bayonetta, deren Geburtsname Cereza lautet und deren kindliches Ich wir hier steuern. Anders als die sexy, selbstsichere Hexe, die sich von keiner Situation aus der Ruhe bringen lässt und die jeder noch so großen Bedrohung mit Schlafzimmerblick, Grinsen und einem frechen Spruch begegnet, ist ihr früheres Ich das genaue Gegenteil - geplagt von Selbstzweifel, ängstlich, tollpatschig und stümperhaft. Doch konfrontiert mit Lebensgefahr und dem unumstößlichen Wunsch ihre Mutter zu retten kristallisieren sich langsam gut erkennbare Parallelen zu der Frau heraus, die Cereza einst werden wird.

 

Gameplay

 

Anders als die Bayonetta-Games, haben wir hier kein lineares Hack and Slay vor uns, sondern ein geradezu Zelda-esques Märchen-Adventure mit der einen oder anderen Metroidvania-Anleihe. Der Fokus des Spiels liegt auf dem Erkunden des Verbotenen Waldes und dem Lösen von simplen Umgebungsrätseln, aber natürlich auch dem Bestehen von Kämpfen gegen die allgegenwärtigen Feen (die weniger wie die Feen aus unserer Vorstellung aussehen und mehr wie Herzlose aus Kingdom Hearts). Aber wie gesagt, die Kämpfe gestalten sich signifikant anders als wir es von Bayonetta gewohnt sind, da Cereza selber eigentlich gar keinen Schaden verursachen kann. Sie ist lediglich in der Lage Dämonendornen heraufzubeschwören, die Gegner für eine kurze Zeit handlungsunfähig machen.

 

Um Schaden auszuteilen beschwört sie, wie es sich für eine Umbra-Hexe gehört, einen Dämon aus der Unterwelt. Anders als vorgesehen bindet sie ihn aber nicht an ihre magischen Haare, sondern versehentlich an ihr geflicktes Katzenplüschtier, das sie stets mit sich herumträgt. So ist der mürrische Dämon stets bei ihr und kann zu seiner vollen Größe ausbrechen, sollte die Situation es erfordern. Cheshire, so tauft Cereza ihren Dämon, kann mit seinen Krallen und seinem Maul angreifen und ohne großartige Tastenkombinationen Kombos aneinanderreihen, die mit den meisten Gegnern kurzen Prozess machen. Sein Gameplay wird noch deutlich variantenreicher, da die vier von der Story geforderten Elementarkerne Elementkräfte in Cheshire freisetzen, zwischen denen man nach Belieben jederzeit wechseln kann und die andere Angriffe bereithalten, die gegen bestimmte Gegnertypen auch unverzichtbar sind. 

 

Knackpunkt des Gameplays: Man steuert sowohl Cereza als auch Cheshire gleichzeitig, denn jeweils ein Joycon ist einem der Charaktere zugeordnet. Der linke Stick steuert Cereza, die linken Schultertasten lassen sie mit ihren Dornen angreifen und die Richtungstasten sind für Items zuständig, während der rechte Stick Cheshire steuert, die Schultertasten ihn angreifen lassen und die Buchstaben-Knöpfe für seine Elementvariationen reserviert sind. Das funktioniert im Großen und Ganzen recht gut, erfordert aber ein bisschen Eingewöhnung. Ich persönlich hatte immer Koordinationsprobleme, wenn Cereza gerade nicht auf der linken und Cheshire nicht auf der rechten Seite des Bildschirms unterwegs war. Außerhalb von Kämpfen bevorzugte ich daher auch stets Cheshire in seine Kuscheltierform zurückzurufen, um nur Cereza steuern zu müssen.

 

Die Umgebungsrätsel übrigens erfordern sämtliche Formen. So hat auch Kuscheltier-Cheshire seinen Mehrwert, kann er doch große Pflanzen packen und Cereza damit über Abgründe schleudern. Seine Elementkräfte hingegen ermöglichen das Nutzen von Sprungfederpilzen, das Niederreißen von Wänden, das Überqueren von Wasser oder das Löschen von Feuer - alles Fähigkeiten, die neue Wege erschließen, nicht selten auch in bereits zuvor besuchten Arealen, in die das Spiel einen geschickt auf Umwegen zurückführt ohne das Gefühl auszulösen backtracking betreiben zu müssen (also aktiv dieselben Wege zurücklaufen zu müssen, wie es in Metroidvania-Games oft der Fall ist).

 

Bildergalerie von Bayonetta Origins: Cereza and the Lost Demon (5 Bilder)

Grafik & Stil

 

Auch der Look des Spiels unterscheidet sich von den Bayonetta-Spielen, obgleich man die Zugehörigkeit vom Franchise in vielen Elementen deutlich erkennt. Zum einen ist das Spiel sehr märchenhaft aufgezogen, wird nicht zuletzt auch innerhalb eines Märchenbuchs erzählt. Die Zwischensequenzen werden von umblätternden Seiten vorangetrieben und die Umgebungen, in denen das Spiel stattfindet, sehen geradezu wie mit Wasserfarben gemalt aus. Dass die gesamte Geschichte und die meisten Charaktere mit Ausnahme von Cereza von einer talentierten Erzählerin gesprochen werden, trägt zum Erlebnis bei (Ton ist englisch, Untertitel deutsch).

 

Auch erleben wir keine Third Person-Ansicht, sondern eine feste Kameraperspektive von schräg oben (ähnlich wie z.B. bei Diablo-Spielen), die nicht beeinflusst werden kann (wie denn auch, wo keine Sticks oder Tasten mehr dafür übrig sind).



Cover & Bilder © Nintendo © SEGA Published by Nintendo


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Bayonetta Origins prangt nur verschwindend klein über dem eigentlichen Spieletitel, weil das Spiel an sich nicht mehr viel mit der Hack and Slay-Trilogie zu tun hat. Der Spielverlauf, der eher an ein frühes Zelda erinnert, die parallele Steuerung von Cereza und ihrem Dämon, die vielen Umgebungsrätsel und natürlich die märchenhafte Aufmachung stehen ebenso für sich wie die Geschichte. Man braucht keine Vorkenntnisse aus Bayonetta-Spielen, um Cereza and the Lost Demon vollumfänglich verstehen zu können und auch Fans des Franchises werden sich in erster Linie an stilistischen Mitteln erfreuen, die sie wiedererkennen werden - augenöffnende Enthüllungen für die Jahre später stattfindende Hauptgeschichte gibt es nicht wirklich. Dafür aber eine eben buchstäblich märchenhafte Geschichte, die in vielen Teilen zwar sehr vorhersehbar ist, aber schön erzählt und inszeniert wird und eine tolle, ungewöhnliche Freundschafts-Story bebildert. Die Spielwelt ist abwechslungsreich und das Freilegen der neuen Wege macht Spaß - ebenso das Finden der zahlreichen versteckten Sammelgegenstände mit denen man sich auch nach Spielende noch ausgiebig beschäftigen kann. Bayonetta Origins im Titel war sicher notwendig für die PR-Aufmerksamkeit, inhaltlich steht das Spiel aber felsenfest für sich und ist ganz sicher ein gutes Stück besser geworden als Bayonetta 3 selbst.


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positiv negativ
  • Märchen-Thema wird konsequent und stilvoll umgesetzt
  • Clever verschachtelte Spielwelt mit vielen Verstecken und Geheimnissen
  • Keine Bayonetta-Vorkenntnisse erforderlich, enthält aber nette Anspielungen für Fans
  • Optionen ermöglichen die recht geringe Spielschwierigkeit weiter zu minimieren
  • Gegner sind sich optisch sehr ähnlich, treten aber in zahlreichen Variationen auf
  • Story ist relativ vorhersehbar und simpel gestrickt
  • Das parallele Steuern der beiden Protagonisten führt ab und an zu Koordinationsschwierigkeiten





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