Kein Cover vorhanden: upload/articles/Bildschirmfoto2012-02-03um16.18.53_Avfgo8lTFZHVvtjhEocx.jpg

Slog 018 - Österreich ist toll und blutig

Genre: Audio-Blog der Sofahelden
FSK 0

Slog 018 - Österreich ist toll und blutig   16.10.2013 von Janine

Mike hat sich für die neueste Ausgabe für unseren Slog mit dem österreichischen Regisseur Adrian Goiginger zusammengesetzt. Er hat mit ihm unter anderem über seinen Film Hi Fonyód aus dem Jahr 2013 gequatscht und wir haben das Interview nachfolgend für Euch in gekürtzer Form niedergeschrieben. Diejenigen, die sich das Ganze anhören möchten, können das natürlich ebenfalls tun. Unsere Filmkritik zu Hi Fonyód findet Ihr natürlich auch bei uns auf der Seite, diese solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen.
 
 

Ihr könnt diese Folge auch hier downloaden
 
 
Mike: Hi Adrian, stell dich einfach mal vor.
 
Adrian: Ich bin 22 Jahre, heiße Adrian und bin gerade dabei meinen Kinofilm Hi Fonyód auszuwerten und nach dem grandiosen Review von Euch, freut es mich natürlich, dass wir uns mal unterhalten können.
 
Mike: Thema Film. Wie kommt man dazu, einfach mal einen Film zu drehen? Weil Regisseur ist und kann ja nicht jeder sein. 
 
Adrian: Also ich mach das schon lange. Seit ich 11 bin, möchte ich Regisseur werden und seit ich 16 bin, mache ich praktisch Filme. Da ist alles Mögliche dabei - von Kurzfilmen, über Musikvideos bis hin zu eben Spielfilmen. Hi Fonyónd ist mein zweiter Film. Es geht um drei Brüder, die nach dem Selbstmord ihres Vaters zu dem Ort dieses Selbstmordes fahren und schauen, dass sie die Tragödie dort verarbeiten. Am besten ist es aber, wenn man den Film sieht, ohne dass man was von der Handlung kennt. So ist man dann genauso geschockt, wie ihr.
 
Mike: Ich habe ihn mittlerweile auch angeschaut, und ich hätte den Film nicht so schlecht bewertet, wie unser Redakteur. Aber wie kommt ein 22-Jähriger dazu, solch einen Film zu drehen? Du musst doch was geraucht haben?

Adrian: *lacht* Ich bin von den ganzen Mainstream-Produktionen, die ins Kino kommen, einfach total abgestumpft und gelangweilt. Besonders wenn man sich anschaut, was in die Kinos kommt. Ich wollte einfach mal einen Film machen, der komplett auf alle Konventionen "scheißt". Besonders wenn es um Charakterentwicklung, der Dramaturgie und sonstiges geht. Es gibt keine Drei-Akt-Struktur und es ist alles sehr verstörend. Ich find es einfach perfekt! Ich wollte einen Film machen, wo sich Leute an den Kopf gestossen fühlen.
 
Mike: Ich geb dir definitiv Recht, wobei ich einfach nur den Kopf schütteln kann. Du hast mit dem Film zwei Dinge erreicht: Man denkt über die Sinnlosigkeit nach und man ist schockiert, von dem, was passiert. Ein paar Szenen waren wirklick so amüsant, weil sie so daneben waren. Die Geschichte ist definitiv cool.
 
Adrian: Der Film fängt ja komplett anders an, nicht so, als wenn man es vermuten könnte, was passiert. Der Einstieg ist relativ locker und amüsant und dann wird die Handlung immer absurder. Dadurch wird eine ganz andere Wahrnehmung aufgebaut. Daher kann man auch über gewalttätige Szenen auch lachen und das ist das kuriose an dem Film - es funktioniert.
 
Mike: Es ist einfach was komplett anderes, das ist klar. Egal, was die Leute sagen, ist eines sicher: Der Film bleibt sicherlich in den Köpfen, weil der Film einfach so anders ist. Viele Filme in Deutschland sind einfach "nett" und ihr habt sicherlich auch eine ganz andere Wahrnehmung von Filmen bei euch in Österreich.
 
Adrian: Jeder zweite Film, der in Österreich ins Kino kommt, ist in Deutschland ein Skandalfilm. Wir haben denke ich, einen makaberen Humor. Da prallen zwei Welten aufeinander.
 
Mike: Das stimmt auf jeden Fall. Sicherlich liegt es bei uns auch an der FSK, wenn ich überlegen, was bei uns alles geschnitten ist. Ich denke auch, dass das deutsche Kino gar nicht wirklich bereit für solch einen Film ist. 

Adrian: Ja, was ich bislang gehört habe, waren alles so Kritiken wie von euch. Es waren auch alles deutsche Kritiker. In den nächsten Tagen kommen auch einige Reviews von österreichischen Kritikern hinzu und ich bin gespannt, wie die den Film beurteilen. Wenn ich die Premieren in Österreich anschaue, ist der Film hier ziemlich gut angekommen.
 

Bildergalerie von Slog 018 - Österreich ist toll und blutig (5 Bilder)

Mike: Meist ist es ja so, dass ein Skandal in den Köpfen hängen bleibt, und so ist es auch bei deinem Film.
 
Adrian: *lacht* Ja, so sollte das auch sein. Wobei ich sagen muss, dass man bei Kritiken ja nie weiß, worauf Acht gegeben wird. Bei eurer Kritik geht es ja beispielsweise nicht um die schauspielerische Leistung, sondern nur um die perfide Geschichte. Das finde ich sehr gut.
 
Mike: Wir geben unser Bestes, dass wir immer realitätsnah schreiben, auch wenn die Redakteure natürlich immer anders mit Filmen umgehen. Aber was ganz anderes: Was ist denn deine Zukunft? Was planst du?

Adrian: Ich plane vieles, natürlich. Ich bin seit fast zwei Jahren dabei, einen Film zu produzieren, der ausschließlich auf einer öffentlichen Männertoilette spielt - also es wird nicht wirklich "normaler". Auch habe ich nun ein Drehbuch geschrieben über einen kleinen Jungen in der Drogenszene. Vor drei Tagen habe ich übrigens bei der Filmakademie in Baden-Würtemberg angefangen zu studieren, und das wird alles in Zusammenarbeit mit dieser laufen.



Kommentare[X]

[X] schließen