Alle Jahre wieder. Was retourniert in diesem Zeitraum? Richtig: Weihnachten, Ostern, der Ramadan und die Steuererklärung. Ach ja, der Geburtstag natürlich auch. Und da gehört es einfach zum guten Ton, der Person, welche dieses Schicksal ereilt hat, ein vortreffliches Geschenk zu bereiten. Nicht nur schnöden Mammon, vergängliches Wiesengestrüpp oder Hüftgoldbeschleuniger, sondern etwas Kreatives soll dieses Jahr her, denkt sich Alexandra. Und unter Anleitung von Rolf de Heer wird man dieses Geschenk nicht so schnell vergessen.
Ein neuer Tag bricht an. Alexandra schlägt die Augen auf und blickt auf ihren Mann Steve, welcher sich im diffusen Sonnenlicht noch im Bett räkelt. Heute ist ein besonderer Tag, denn ihr Ehemann hat es wieder geschafft seit seinem letzten Geburtstag 365 Tage am Stück zu überleben. Das will natürlich gefeiert werden. Ihre beiden Kinder stürmen schon euphorisch das elterliche Schlafzimmer und überfallen ihren Vater mit Glückwünschen und Geschenken. Doch auch an einem solch speziellen Tag muss ein Businessman wie Steve wieder seiner Profession frönen, auf das der Kühlschrank immer schön gefüllt bleibt.
Doch auch das soll der Freude keinen Abbruch bereiten. Kollegen gratulieren, Sekretärinnen schmachten, der Geburtstagskuchen der Vorstandsriege schmeckt und sogar die Beförderung kommt wie bestellt auf den Tisch. Besser kann es für Steve nicht laufen. Dass die Bilder seiner Familie auf seinem Schreibtisch auf Wunsch seiner Frau verschwunden sind, fällt da nicht ins Gewicht. Daheim warten ja die Originale. Diese sind umtriebig und nutzen die Zeit seiner Abwesenheit, ihm eine schöne Feier zu bereiten. Die Kinder basteln eine Geburtstagsbanderole und Alexandra packt derweil deren Sachen. Der Abend soll nämlich etwas ganz Besonderes werden und ist nur für Erwachsene vorgesehen. Flugs die Kinder bei der Bekannten geparkt und schon kann der Abend kommen. Steve wird nämlich ein Geschenk erhalten, welches er so schnell nicht mehr vergisst.
Alexandra, namensgebende Ehefrau, startet in diesem kleinen Kammerspiel ein
ausgeklügeltes Projekt, in dem ihr Mann Hauptakteur zugleich Opfer darstellt. Dieser Film kommt mit minimalen Schauplätzen, Schauspielern und Effekten aus. Fast alles spielt sich nämlich im Hochsicherheitsheim Steves ab, welcher vor einem Fernseher sitzt. Und obwohl es kaum Schauwerte gibt, es stirbt niemand, es werden keine Gliedmaßen abgetrennt, ja es schneidet sich noch nicht einmal jemand an einem Stück Papier, bleibt dieser Film fast durchgängig spannend. Fast.
Man bemerkt nämlich von Anfang an, dass etwas im Argen ist im Hause Steve. Alexandra verhält sich komisch, Steve gibt sich patriarchalisch und doch väterlich. Zu erraten, was noch kommen wird, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Von dieser Unvorhersehbarkeit lebt der Film. Es könnte nämlich jederzeit alles passieren. Doch genau das tut es nicht. Es passiert kaum etwas, und dennoch funktioniert dieser Film. Leider nur bis zum Punkt der Auflösung. Zu diesem Zeitpunkt hat man zwar schon (erst?) Dreiviertel des Films hinter sich gebracht, aber trotzdem verliert der Film ab dem Zeitpunkt viel an Flair. Wurde bisher gekonnt Atmosphäre über den ganzen Film aufgebaut, fällt diese ab der Auflösung in sich zusammen und der Hauptpfeiler, besagte Unvorhersehbarkeit, weicht einer, trotz harscher Konsequenzen, gewissen Banalität. Und trotzdem ist Alexandra’s Project nicht schlecht. Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg brillant und überzeugen auf ganzer Linie. Nicht umsonst hat der Film auch einige Preise abgestaubt. Wo exzellent begonnen wurde, macht der Film leider den Fehler und löst zu früh auf, ohne danach noch mehr Pulver für die Spannung zu liefern.
Blicken wir in den Fernseher. Und was man dort sehen kann überzeugt. Aufgrund erwähnter Sicherheitsvorkehrungen sind alle Fenster meist fest verriegelt und verursachen dadurch hauptsächlich Dunkelheit. Damit kann der Film gut umgehen, will sagen, das Bild ist durchweg schön anzusehen, klar und nicht verrauscht. Der Ton lässt sich eigentlich nur anhand der Synchronisation bewerten, da kaum Soundeffekte vorhanden sind. Sie ist sehr gelungen und steuert entsprechend gelungene Nuancen zur Atmosphäre bei. Zusatzmaterial lässt sich auch sichten und liest sich wie folgt: Behind the Scenes, Interview, Trailer zu Film und eine Trailershow. Zudem befindet sich der Film in einem schicken Pappschuber und die Hülle an sich enthält zudem noch Hintergrundinformationen. Nur schade, dass auf dem Schuber und auch noch auf der Hülle ein unschöner Altershinweis sein Unwesen treibt.
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