Es war einmal ein kleiner Zombie. Fröhlich untot schlurfte er durch die Lande, um ein wenig Hirn zu suchen, denn seins war ihm durch eine Ladung Schrot abhandengekommen. Doch er war nicht wie andere Zombies. Er war etwas ganz Besonderes. Er war Chilene. Und genau das sollte ihm zum Verhängnis werden. Armageddon of the Living Dead (AotlD) erzählt seine Geschichte. Oder doch nicht?
Hier könnte Ihre Story stehen. Wenn es denn eine gäbe. Also da ist mal die Erde. Und die Sonne. Und die hat keinen Bock mehr zu scheinen oder so. Auf jeden Fall ist jetzt Dämmerung, und zwar die ganze Zeit über. Und deswegen gibt’s Zombies. Oder so. Oder ein Virus, das aus allen Menschen Zombies macht.
Aber doch nicht aus allen Menschen. Kindern mit einem Adidas-Gedächtnis-Mal auf dem Hals passiert nichts. Oder doch. Gasmasken-Militärs knallen die ab. Aber nicht immer. Oder so. Oh Gott …
70 Minuten. Nur lumpige 70 Minuten galt es zu überbrücken, um endlich den Abspann flimmern zu sehen. Es war ein Ritt durch die Hölle. Camille, unterirdisch backsteinig gespielt von „Camille Lynch“, ist ein solches Mädchen mit kiemenartigen Malen am Hals. Und deswegen lassen die Zombies/Infizierten/Zeugen Jehovas sie in Ruhe. Aber ihre Mutter kratzt irgendwie ab, weil sie zehn Minuten lang Wissenschaftlern mit M16 beim Sterben zusehen mussten. Jetzt soll Camille zum Meer. Dort warten laut krakeliger Kinderzeichnung ein Segelboot und ein riesiger Kraken. Und das ist scheinbar ganz großes Tennis. Warum, weiß man nicht. Ist auch egal. Hat wahrscheinlich nicht mal den Regisseur oder Drehbuchautor interessiert. Es beginnt die hirnloseste Aneinanderreihung zusammenhangsloser Szenen seit Germany's next Topmodel.
Wo soll man nur beginnen … Bei der Laufzeit? AotlD hat eine Netto-Laufzeit von nicht einmal 70 Minuten. Und diese Zeit wird effizient genutzt, um dem gemarterten Zuschauer körperliche Schmerzen zu bereiten. Doch dazu später mehr. Aber in 70 Minuten wird so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann, damit man seinen Haufen Zelluloid mit aller Gewalt gegen die Wand fährt. Spannung: Fehlanzeige. Dieses uninspirierte Gelatsche durch miserabel animierte CGI-Kulissen lädt nur zum Davonlaufen ein. Schauspielkunst: Ich wage es nicht, hier irgendjemanden Schauspieler zu nennen. Wird Kristen Stewart schon Talent- und Emotionslosigkeit nachgesagt (bestens zu bestaunen in Snow White and the Huntsman), machen hier alle den Eindruck, als
wären es ausgestopfte Leichen mit zertrümmerter Gesichtsmuskulatur, die an Fäden gezogen werden. Gut, zur Story wurde ja schon gesagt, dass sie nicht existent ist. Ein best-of-Ghetto-Schauplätze-Zusammenschnitt würde genauso viel erzählen. Dazu gesellt sich ein vollkommen bescheuertes Ende, das einen über die verschwendete Zeit weinen lässt.
Selbstredend quillt diese manifestierte Hirnlosigkeit über, vor Logik- und Kontinuitätsfehlern, dass es sich nicht einmal lohnt, überhaupt damit anzufangen. Sagen wir so, laut Shakespeare würde ein Affe irgendwann alle Werke Shakespeares abgetippt haben, hätte er unendlich Zeit. Ich sage, für diese Leistung hier, hätte ein Orang-Utan auf Crack nicht einmal sieben Minuten gebraucht.
Und nun zur vorsätzlichen Körperverletzung. Auch bekannt als „die Technik“! So etwas habe ich noch nie gesehen. Nicht eine Szene, keine einzige Einstellung, ja nicht einmal ein schäbiges Bild im gesamten 70-minütigen Trauerspiel kommt ohne mindestens einen Effekt oder Farbfilter aus. Nach zehn Minuten nervt’s. Nach 20 wird’s richtig ungemütlich, und nach der Hälfte der bildgewordenen Tortur möchte man nur noch erblinden. Dieser viel zu hoch kontrastierte Grünfilter, das schreiend rote, rekordverdächtig schlecht animierte Blut, oder der vollkommen überzogene Fish-Eye-Effekt, die Verantwortlichen wissen, wie man sich in Guantanamo Bay Freunde macht.
Bildergalerie von Armageddon Of The Living Dead (7 Bilder)
Ebenso verhält es sich mit dem Ton. Schlechte Synchros bin ich gewohnt, die perlen an mir ab wie ein frisch gezapftes Pils. Doch das hier ist bar jeder Beschreibung. Und weil’s die Herren hier wie mit den Bildfiltern halten, kommt auch kein Frame ohne viel zu laute Vordergrund-Beschallung aus. Zum Brüllen schlecht abgemischter Sound muss echt jede Einstellung begleiten, selbst wenn nur Sand oder eine verfallene Mauer gezeigt wird. Nicht auszuhalten. Zum Glück war kein Bohrer zur Hand. Als Extra wird ein Wendecover angegeben. Auch das tröstet meine blutenden Ohren nicht.
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