Baronin von der Tankstelle

Baronin von der Tankstelle

Originaltitel: Baronessen fra benzintanken
Genre: Komödie
Regie: Annelise Reenberg
Hauptdarsteller: Maria Garland • Ghita Nørby • Dirch Passer
Laufzeit: DVD (119 Min)
Label: KNM Home Entertainment GmbH
FSK 16

Baronin von der Tankstelle   09.08.2016 von LorD Avenger

Eines schönen Tages erfährt die junge Automechanikerin Anne, dass die Mutter ihres verstorbenen Vaters eine Baronin ist und sie als Erbin ins Auge gefasst hat. Voraussetzung dafür ist, dass Anne zur "feinen Dame" umerzogen wird, und dabei stellen nicht nur die Französisch-Stunden ein Problem dar. Wiederholt kommt es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Anne und der Baronin, und natürlich möchte das Schlossgespenst auch noch ein Wörtchen mitreden...

 

Ich würde mich weiß Gott nicht als Experten für die Oldies unter den DVD-Filmen bezeichnen, aber der spontane Ersteindruck bei Baronin von der Tankstelle war: Typisch Oldie. Zu allererst natürlich ist er geschlagene 2 Stunden lang, obgleich die Handlung an und für sich relativ simpel gestrickt ist. Die Kulissen wirken größtenteils sehr Sitcom-mäßig und sind offenkundig Studiobilder, ausgenommen die Außenaufnahmen vom gewaltigen Schloss Borreby auf der dänischen Insel Seeland. Aus Dänemark stammt dieser Streifen nämlich, auch wenn man ihm das nicht anmerkt (sollte man in dieser Hinsicht Vorurteile haben). Die Charaktere sind größtenteils liebenswert, entwickeln sich dazu oder sind die ganz deutlichen unliebsamen Antagonisten und die Schauspielerei an sich ist auch noch eine ganz andere, weil alles viel... natürlicher wirkt. Ja, nennen wir es aus Mangel an alternativen Begrifflichkeiten "natürlicher". Die Darsteller spielen nicht mit der Kamera, sondern nur miteinander, wie in einem zuschauerlosen Theaterstück.

 

Bildergalerie von Baronin von der Tankstelle (3 Bilder)

Wie gehabt, die Geschichte ist sehr simpel gestrickt, lässt sich aber mit jeder einzelnen Szene sehr viel Zeit. Wir beginnen mit einer Vorstellung des Schlosses, des Personals und natürlich der Baronin, die jüngst ihren Sohn verloren hat und damit gezwungen ist, das Schloss an eine andere verfeindete Familie zu vererben. Wie ein Wunder taucht aber der örtliche Rechtsanwalt auf mit der Entdeckung, dass ihr Sohn ein uneheliches Kind hatte, das in der Nähe an einer Tankstelle arbeitet. Die Rettung ist also gekommen - vermeintlich - denn die junge Anne wurde von zwei Mechanikern aufgezogen und verhält sich auch entsprechend. Ganz und gar nicht geeignet als Nachfolgerin einer vornehmen, reichen Baronin. Eine klassische "lustige" Ausgangsposition für eine klassische alte Komödie. Das "lustig" setze ich bewusst in Anführungszeichen, weil sich der Humor hier in Grenzen hält. Klar, vieles ist einfach nicht mehr zeitgemäß, weil wir es schon oft genug gesehen haben in den vergangenen 50 Jahren, aber das meiste ist auch gar nicht darauf ausgelegt, Lacher zu erzeugen. Das spielt auch dem Gefühl zu, das ich vorher beschrieben habe: Es wird nicht gekünstelt mit der Kamera gespielt, alles wirkt viel natürlicher. In wie fern das nun gut oder schlecht ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich persönlich empfand den Film nicht als langweilig, was aber auch mit daran lag, dass ich ihm nicht über die vollen zwei Stunden meine volle Aufmerksamkeit schenkte. Das ist nämlich auch etwas, das Baronin von der Tankstelle ist: Ein Hintergrundgeräuschfilm. Man kann sich die erste und die letzte Viertelstunde anschauen, den Rest dazwischen nebenbei laufen lassen und man bekommt trotzdem alles mit, weil die Geschichte ebenso simpel ist und die Schauplätze ohnehin immer dieselben. Daran ändert auch das freundliche Schlossgespenst nicht viel.


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Baronin von der Tankstelle ist ein "alter Film" nach allen Regeln der Kunst: Lang, simpel und - aus Mangel an besseren Begriffen - natürlich. In einer Zeit, in der selbst einfache Komödien actiongeladen und schnelllebig sind ist dieser Film ungewohnt und man muss sich sicherlich erst einmal gehörig umstellen, um ihn angemessen genießen zu können. Dann funktioniert er aber gut, denn obgleich die Geschichte alles andere als anspruchsvoll oder innovativ ist (kein Wunder bei einem halben Jahrhundert voller Nachahmer), sind die Charaktere UND Darsteller absolut liebenswert und halten das Stück sympathisch am Laufen. Genau das ist es nämlich eher als ein Film nach heutigen Maßstäben: Ein Theaterstück. Das kommt von der Laufzeit auch eher hin.


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