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Battlefield 1
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BEWERTUNG |
25.10.2016 von TorstenNachdem sich die Welt der Shooter mehr und mehr in die Gegenwart oder sogar in Zukunftsvisionen verlagert hat, erlangt ein Trailer mit ganz anderem Setting höchste Beliebtheit. Der Trailer, um den es geht, zeigt Spielszenen vom neuen Hit-Aspiranten aus dem Hause DICE. Und dieses Battlefield 1 betritt ein eher seltener genutztes und doch nicht minder furchtbares Schlachtfeld. Der zweite Weltkrieg rang den meisten Shooter-Freunden nur noch ein müdes Gähnen ab, wie wäre es also nach den ganzen Abstechern in die Zukunft zur Abwechslung mal mit dem ersten Weltkrieg?
Bewegende Schicksale in episodenhafter Erzählung
Die meisten Käufer eines Spiels aus der Battlefield-Reihe konzentrieren sich seit jeher auf den Mehrspieler-Part. Nichtsdestotrotz wird auch eine Einzelspielerkampagne geboten und diese geht in diesem Jahr einen anderen, erfreulich ungewöhnlichen Weg der Inszenierung. Die Einführung stimmt schon einmal nachdenklich: „Es folgen Frontkämpfe. Du wirst vermutlich nicht überleben.“ Und in den nächsten Minuten schlüpfen wir immer wieder in die Uniformen von Soldaten, die in schier ausweglosen Situationen um das nackte Überleben kämpfen…und verlieren. Das Gefühl, das wir vermittelt bekommen, ist beklemmend und erschreckend. Wir hören das Gebrüll unserer Kameraden, schießen auf die aus dem Nebel kommenden Soldaten, die uns immer weiter zurückdrängen. Die Magazine werden nur so durchgereicht, bis wir uns an den Waffen der gefallenen Soldaten bedienen müssen. Aber irgendwann können wir uns dem nicht enden wollenden Ansturm der Übermacht nicht mehr erwehren und fallen. Wir fallen, nur um im nächsten Moment in den nächsten Soldaten zu springen, dem das gleiche Schicksal bevorsteht.
Nach der Einführung gelangen wir zu einer Landkarte, die uns fünf verschiedene Episoden frei anwählen lässt. Jede erzählt die Geschichte eines anderen Soldaten und spielt in einem anderen Szenario. Wir erleben die beklemmende Atmosphäre eines jungen Soldaten, der sein Berufsleben als Chauffeur begann und im Krieg als Fahrer von „Big Bess“, eines britischen Mark V – Panzers dient. Wir werden als schwer gepanzerter Auditi über felsige Alpenhänge die Österreichisch-ungarischen Streitkräfte zurückdrängen, als australischer Haudegen Schiffsangriffe koordinieren und als weibliche Assassine im Orient kämpfen. Wir werden aber auch als betrügerischer Pilot die Lüfte erobern. Ein breit gefächertes Einsatzfeld und nah am Schicksal der Soldaten orientierende Erzählungen. Es verdeutlicht den Schrecken des „Krieges, der alle Kriege beenden sollte“. Natürlich wird hier und da etwas mit dem Patriotismus übertrieben und selbstverständlich werden nur die Geschichten der Alliierten erzählt. Denn den „bösen Deutschen“ darf natürlich niemand zum Sieg verhelfen. Dabei würden gerade diese Geschichten das Bild des Krieges, das hier in seiner Gesamtheit zu präsentieren versucht wird, abrunden. Junge Soldaten, die an das glaubten, was ihnen erzählt wurde und die in Konflikte geschickt wurden, die nicht ihre eigenen waren. Ohne in den Geschichtsunterricht abzudriften oder Diskussionen über Gut und Böse anzufachen, aber die Geschichte wird nun einmal aus der Sicht des Siegers geschrieben, eine gegenteilige Ansicht verneint oder schlichtweg ignoriert.
Mehrspieler-Schlachten auf höchstem Niveau
Kernstück des Spiels sind die gewaltigen Kämpfe auf zahlreichen Schlachtfeldern. Und hier wird auch oder gerade im Setting des ersten Weltkriegs so richtig was geboten. In den – zumeist üblichen -Spielmodi wie Team-Deathmatch, Rush oder Eroberung tummeln sich bis zu 64 Spieler auf einem Server. Königsdisziplin des Mehrspieler-Parts ist dieses Mal aber ohne Zweifel der Operationen-Modus. Von Infanterie über Kavallerie, Panzerwagen und Fluggeräten tummelt sich alles, was in einem Krieg befehligt oder bedient werden konnte. Als Unterstützung dienen hier sogar mächtige Kriegs-Zeppeline oder schwer bewaffnete Panzerzüge. Die Schlachtfelder sind sehr abwechslungsreich und in mehrere Sektoren unterteilt. So konzentrieren sich die Schlachten auf jeweils einen Teilbereich der riesigen Karten, an denen strategisch wichtige Ziele erobert beziehungsweise verteidigt werden müssen. Schafft es das Team der Angreifer, die Ziele zu erobern, geht es nahtlos weiter in den nächsten Sektor. Dabei ändern sich auch innerhalb der Karten Vegetation oder Beschaffenheit der Umgebung und die damit vorherrschenden Bedingungen. So starten wir beispielsweise in Schützengräben und Ruinen, gehen von dort über auf freie Felder, verlagern die Schlacht in ein Burganwesen und stürmen am Schluss noch einen Bahnhof. Derart abwechslungsreich waren Schlachten bislang noch nie.
Freigespielte „Kriegsanleihen“ investieren wir in neue Schießeisen. Die meisten sind allerdings erst in späteren Klassenrängen verfügbar. Denn neben dem allgemeinen Rang gibt es auch klassenabhängige Beförderungen und gerade diese haben einen gewaltigen Zeitanspruch. So leveln wir jeweils als Sturmsoldat, Sanitäter, Versorgungssoldat oder Späher, aber auch als Panzerfahrer, Kavallerist oder Pilot auf. Unterschiedliche Panzer und Flugzeuge können auch aufgewertet oder angepasst werden. Und selbst für „Werkswaffen“ existieren von Anfang an Anpassungsmöglichkeiten für Visiereinrichtungen, Rückstoßkorrektur und Bajonetts. Dieses System ist sehr löblich und gilt von nun an als Referenz für künftige Spiele. Löblich ist ebenfalls die Möglichkeit, auch auf Konsolen über einen Serverbrowser den bevorzugten Schlachtplatz zu suchen. Leider gilt dies nicht für den größten Modus des Spiels. Da Partien dieses Modus aber gerne mal bis zu einer Stunde andauern wäre dies wichtig. Ebenso wichtig wäre bei einigen Karten allerdings auch die Limitierung von gewissen Klassen. Während der übermäßige Einsatz von Sanitätern durch die Möglichkeit der gegenseitigen Heilung und Wiederbelebung zwar auf seine Art auch übermächtig wäre – dies wird so allerdings einfach nicht praktiziert – ist eine andere Klasse durchaus geeignet, eine Partie unspielbar zu gestalten. Denn wenn wir in einer Gebirgskette von einem vollen Dutzend gegnerischer Scharfschützen erwartet werden, ist an eine erfolgreiche Überquerung des freien Feldes kaum zu denken. Hier wäre eine Limitierung der Späher-Klasse oder aber die Bereitstellung einer größeren Anzahl gepanzerter Fahrzeuge wünschenswert. Denn das Angriffsteam hat durch mangelnde Deckung oft nicht die Möglichkeit mit ebenso vielen Spähern zurückzuschlagen, zumal die stationären Verteidigungsgeschütze die wenigen möglichen Verschanzungspositionen leicht aushebeln würden. Die mangelnde verbleibende Anzahl an „Sturmpersonal“ hier mal außer Acht gelassen. So bleiben natürlich auch bei Battlefield 1 ein paar Anpassungen der Balance auf der To-Do-Liste stehen, nichtsdestotrotz gibt es für den Mehrspieler-Part eine glatte Eins.
Grafik und Sound vom feinsten
Dass die Frostbite-Engine ein kraftvoller Antrieb für ein gut aussehendes Spiel sein kann, ist natürlich keine Überraschung. Dass Battlefield 1 damit allerdings derart gut aussehen würde ist jedoch schon etwas überraschend. Die dichte Vegetation in den Waldabschnitten, die grünen Wiesen mit im Wind wehenden Grasbüscheln, die hübschen kleinen Dörfer und die zerstörten Ruinen, die mit zahlreichen Schützengräben vor Invasoren Schutz bieten sollen. So abwechslungsreiche Szenarien haben wir in einem Spiel nur selten zu Gesicht bekommen. Und doch wirken sie in sich abgeschlossen und absolut stimmig und somit keineswegs zusammengewürfelt. Das Gefühl einer „echten“ Schlacht wurde bislang auch kaum solchermaßen wuchtig übertragen wie es hier der Fall ist und es gibt subjektiv mehr „Battlefield-Momente“ als in jedem Serienableger zuvor. Dichte Rauchschwaden überziehen das Schlachtfeld, ein Zeppelin stürzt brennend vom Himmel und begräbt einen Bunker unter sich. Nur wenige Meter weiter entlädt ein Bomber im Sturzflug seine tödliche Fracht auf eine befestigte Stellung, während wir im Mark V Panzer auf den feindlichen Schützengraben zurollen. Im Hintergrund der gedämpfte Kampfschrei eines im Bajonettsturm tobenden Soldaten und das Knattern eines Stand-MGs, das den Ausstieg unserer gemeinsam in der rollenden Konservenbüchse befindlichen Soldaten verhindern möchte. Es gibt kaum Spiele, die den Schrecken des Krieges derart effektvoll und beeindruckend präsentieren wie es Battlefield 1 zu meistern imstande ist.
Getragen wird die Kulisse dabei natürlich vielerorts vom grandiosen Bombast-Sound des Spiels, der mit wuchtigen Explosionen und toller „Sound-Verfremdung“ begeistert, die beim Besteigen eines Panzers oder beim Aufsetzen einer Gasmaske entsteht. Eine dichte Hintergrundkulisse untermalt jede Runde des Spiels und wir fühlen uns nicht nur als Beobachter sondern als tragendes Teil des Ganzen inmitten des Zentrums einer gewaltigen Schlacht.
Das Spiel wurde auf der Playstation 4 getestet. Das Fazit von: Torsten
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