Uncharted 4: A Thiefs End

Uncharted 4: A Thiefs End

Publisher: Sony
Entwicklerstudio: Naughty Dog
Genre: Action
Sub-Genre: Action-Adventure
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 10.05.2016
USK 16

Uncharted 4: A Thiefs End   21.05.2016 von Torsten

Jede Ära muss sicherlich irgendwann ihr Ende finden. Und bei vielen Franchises mit ihren endlos weichkopierten Ablegern wirkt das einst so begeisternde Konzept längst abgedroschen und öde. Auch die Uncharted-Reihe glänzte nicht wirklich mit bahnbrechend innovativen Spielelementen. Allerdings kombinierte das Team von Naughty Dog bereits bekannte Mechanismen derart homogen, dass das nun drohende Ende der Serie wie ein Schlag ins Gesicht anmutet. Denn, soviel sei vorweggenommen, der Genre-König wird mit seinem letzten Abenteuer erneut gekrönt.

 

Ist es das wirklich wert?

 

Geld macht bekanntlich nicht glücklich. Sagt man jedenfalls. Und doch strebt ein Großteil der hiesigen Bevölkerung nach Reichtum und Macht. Zu verlockend scheint die Möglichkeit, alle Träume verwirklichen zu können. Und davon werden nicht mehr viele übrig bleiben wenn es gleich um satte 400 Millionen US-Dollar geht. Denn so viel soll der verschollene Schatz der Piraten-Legende Henry Avery wert sein. Für eine derart hohe Summe würden nicht wenige alles auch nur Erdenkliche tun. Nathan Drake hat jedoch andere Beweggründe. Der Archäologe, Abenteurer und Dieb hat seit dem Kindesalter versucht, dem Geheimnis des Piratenschatzes auf die Spur zu kommen, um das Vermächtnis seiner toten Mutter zu vervollständigen. Er hat sich dafür später sogar zusammen mit seinem Bruder in ein Gefängnis sperren lassen, um auf dem dortigen Gelände nach Hinweisen suchen zu können. Allerdings starb sein Bruder bei dem anschließenden Gefängnisausbruch und so brach er die Suche ab.

 

12 Jahre später, nach - wie wir Spieler uns in drei Serienteilen nur allzu gern erinnern mögen – zahlreichen gefährlichen Abenteuern, hat sich Drake endlich zur Ruhe gesetzt und seine langjährige Abenteurerkollegin Elena geheiratet. Er arbeitet als Taucher für ein Bergungsunternehmen. Tagein, tagaus der gleiche Ablauf. Kein erfüllendes Leben für jemanden, der bereits hundertfach von des Messers Schneide gesprungen ist. Seine bewegte Vergangenheit voller illegaler Aktivitäten möchte er aber hinter sich lassen. Bis zu dem Tag, an dem sein Bruder von den Toten aufersteht und ihn bittet, ein längst geschlossenes Kapitel wieder zu öffnen.

 

Stetige Evolution

 

Im Zuge stetiger Weiterentwicklung hat sich die Uncharted-Reihe binnen der vergangenen Teile technisch immer wieder gesteigert. Neu ist dieses Mal eine Anzeige über den Köpfen der Gegner, die den aktuellen Alarmierungsstand angibt. Eine Raute füllt sich, sobald Drake in den Sichtbereich der Wache kommt. Färbt sie sich gelb, so ist die Wache misstrauisch und geht der Sache nach. Färbt sie sich dann orange, so ist der Gegner alarmiert, informiert seine Kollegen und eröffnet das Feuer. Damit es erst gar nicht so weit kommt, bestehen mehrfache Möglichkeiten. Entweder umgehen wir Wachen, indem wir ihre Laufwege analysieren, Deckungen, Vorsprünge und Vegetation nutzen. Hilfreich ist hier die Möglichkeit, Wachen mittels Tastendruck zu kennzeichnen. Dann sehen wir sie auch durch Wände hindurch und erforschen so einfacher den sicheren Weg durch das bewachte Areal. Wir können die Wachen auch nacheinander leise ausschalten. Dafür nutzen wir Deckungen und hohen Pflanzenbewuchs, in dem wir uns vor neugierigen Blicken schützen können. Und die dichte Vegetation bietet neben der Versteckmöglichkeit auch noch einen weiteren Vorteil. Aus ihr heraus können wir ungesehen und unbemerkt Wachen ausschalten und diese danach auch verstecken. Als finale Alternative oder aber letzter Ausweg dient der gewaltsame Durchbruch durch den Einsatz zahlreicher Waffen. Dann heißt es Deckung suchen und gut zielen.

 

Abseits der lauten Momente gibt es aber auch wieder ausgiebigste Kletter-Einlagen. Die verbesserte Grafik-Engine verbirgt anfangs gekonnter die möglichen Ansatzpunkte für eine Kletter-Partie. Aber wenn wir genauer hinschauen erkennen wir immer wieder die gleichen Merkmale, wie hervorgehobene Kantenvorsprünge und mit Kratzspuren versehene Balanciermöglichkeiten. Unseren Greifhaken versenken wir in weichem mit Seilen umwickelten Material und schwingen uns mittels Seil ein ums andere Mal gekonnt über schwindelerregend tiefe Abgründe.

 

Rätsel dürfen natürlich auch nicht fehlen. Diese sind wieder recht fair, um nicht zu sagen einfach gehalten, um den Spielfluss nicht allzu stark einzuschränken. Etwas Denkarbeit wird dann aber doch noch von uns verlangt, wenn wir im Notizbuch nachschlagen und das Gekritzel auf Papier mit dem Bild in der „Realität“ abgleichen und schlussfolgern müssen. Immer mal wieder gibt es auch actionreiche Fahrpassagen, in denen wir unseren Geländewagen auf Geländegängigkeit testen. Hier kommt dann auch vermehrt die Seilwinde zum Einsatz, mit deren Hilfe wir uns an steilen Klippen emporziehen. Das alles wirkt natürlich nicht neu, funktioniert es doch bereits seit dem ersten Serienteil ganz hervorragend, ist aber in serientypischem Reifeprozess mittlerweile nahezu ohne geltenden Verbesserungsvorschlag ausgearbeitet.

 

Bildergalerie von Uncharted 4: A Thiefs End (8 Bilder)

Vorgetäuschte Freiheit und die stillen Momente

 

Ob wir nun zu Fuß, im Wasser oder aber im Boot oder Fahrzeug unterwegs sind, eines wird schnell klar: Die Areale sind dieses Mal um einiges größer und vor allem freier zu erkunden. Immer wieder gibt es Abzweigungen und Kreuzungen, an denen wir den richtigen Weg zunächst erkunden müssen. Diese neu erlangte spielerische Freiheit bietet neben dem großen Plus an Glaubhaftigkeit jedoch auch gleich zwei negative Punkte. Zum einen reduziert sich oft der Spielfluss, wenn durch lange Fahrpassagen das Tempo herausgenommen wird. Und zum anderen wird uns diese Freiheit nur vorgespielt. Denn gleich welchen Weg wir zunächst einschlagen, am Ende werden wir durch überschneidende Richtungen und Sackgassen an ein und dasselbe Ziel geleitet. Meckern wollen wir aber nicht. Immerhin ist der Mehraufwand bei dem Verzicht auf Schlauchlevels enorm und wir haben lange Zeit zumindest das Gefühl der Freiheit, einen individuellen Weg einschlagen zu dürfen. 

 

Naughty Dog scheint für Uncharted 4 zudem einen kleinen Seitenblick auf andere Spiele wie beispielsweise das grandiose The Last of Us genommen zu haben. Denn neben knallharten Schießereien, akrobatischen Kletterpassagen und den meisterhaft gescripteten Einspielungen gibt es auch immer wieder stille Momente, die dem Spiel zu deutlich mehr Tiefgang verhelfen. Die Seitenhiebe und Anspielungen zwischen den Protagonisten aber auch die intimen Gespräche mit Drakes Bruder, Sullivan oder Elena erinnern stellenweise an die Gespräche zwischen Noel und Ellie, die uns erst so richtig ins Spiel versinken lassen. Des Weiteren gibt uns das Spiel wieder die Möglichkeit, wenn auch nur in recht kurzen Passagen, mit anderen wichtigen Charakteren in dritter Person zu spielen. Gerade in den Passagen der Kindheitszeit Drakes aber auch im Epilog wirkt dies sehr gelungen. So gelungen, dass wir diese Passagen gerne näher ausgearbeitet wissen möchten.

 

Multiplayer

 

Neben der bereits zum Kauf verpflichtenden 14 bis 18 Stunden andaurnden Einzelspielerkampagne gibt es auch dieses Mal wieder einen Mehrspieler-Part. Drei geläufige Spielmodi müssen hier reichen. Dafür gibt es jede Menge freischaltbarer Gimmicks und alle wichtigen Charaktere des Hauptspiels. Sicher, die Karten sind hier und da etwas zu verwinkelt, aber das ist für Deckungsschlachten natürlich eher vorteilhaft. Bei einem 3rd-Person-Shooter bleibt hier jedoch der Nachteil bestehen, dass sich an der Spielfigur vorbei schielen lässt und somit ahnungslosen Gegnern mühelos aufgelauert werden kann. Gelungen sind hingegen die mystischen Fähigkeiten, die sich auch hervorragend für den taktischen Vorteil des Teams einsetzen lassen. Fähigkeiten, schwere Waffen und Helfer lassen sich jederzeit mit verdienten Münzen durch ein komfortables Ingame-Overlay-Hub aktivieren. Das ist ebenso einfach wie vorbildhaft zugleich. Alles in allem ist der Multiplayer natürlich nur ein etwas aufgesetzt wirkendes „Nice to have“. In ihm verbirgt sich aber dann doch nicht zuletzt dank des motivierenden Skill- und Upgrade-Systems mehr Spaß als sich anfangs vermuten ließe.

 

Technik

 

Die Vorgänger (Test der PS4-Portierung), allen vorweg natürlich Uncharted 3 (Test der PS3-Fassung) waren schon eine Augenweide und zeigten zu was die Playstation 3 noch zu leisten imstande war! Aber Uncharted 4 stellt vermutlich mit wenigen Ausnahmestellen, die nach wie vor das PS 3-Grundgerüst offenbaren, das technisch vermeintlich maximal mögliche der Playstation 4 dar. Wir bewegen Nathan Drake nicht durch die Spielwelt, wir sind Nathan Drake! Wir rennen mit ihm nicht gegen Wände oder bleiben an Bäumen hängen. Nathan drängelt sich an Personen vorbei, streift mit der Hand am Baum oder der Wand entlang, wenn er entlangschreitet. Er rutscht, schwingt und fällt so realistisch, dass eine reale Vorlage kaum authentischer wirken könnte. Natürlich gibt es auch hier Limitierungen. Das Feuer der Fackeln verbrennt keine Äste und Blätter, Sprünge in den Matsch hinterlassen nur eine Fußspur und vielerorts lassen sich die ewig gleichen Texturen und Gegenstände ausmachen. All das ist aber lediglich Kritik auf höchstem Niveau, Uncharted 4 sieht wirklich atemberaubend gut aus. Der Soundtrack ist gewohnt großartig, die Synchronisierungen und die Auswahl der Sprecher hervorragend! Jederzeit wird durch ihre Leistung die Atmosphäre punktgenau transportiert. Auch hier gibt es also nichts zu beanstanden.


Das Fazit von: Torsten

Torsten

Ich weiß noch sehr genau wie sprachlos ich damals in den ersten Minuten des dritten Teils vor der PS 3 saß, derart fassungslos war ich ob der gebotenen visuellen Darbietung in butterweicher Bildabfolge. Bei Uncharted 4 ging es mir dann mancherorts ebenso! Sah The Order: 1886 schon extrem gut aus, bietet Uncharted 4 an vielen Stellen eine kaum zu steigernde Postkarten-Idylle. Das weiß das Entwickler-Team natürlich nur zu gut und lässt uns daher auch in zahlreichen künstlich geschaffenen Verschnaufpausen die volle Gunst der grafischen Qualität auskosten. Aber nicht nur die beeindruckende Darstellung begeistert. Auch die Vertonung ist erstklassig, die auf dem Punkt sitzenden und nahtlos ins Spiel integrierten Script-Sequenzen suchen ihresgleichen und das Motion Capturing ist das Beste, was ich in meinem doch recht weit zurück reichenden Spielerleben bislang zu Gesicht bekommen habe. So glaubhaft, so absolut real habe ich mich noch mit keinem Alter Ego durch eine virtuelle Spielwelt bewegt. Und was ist das nur für eine wundervolle Spielwiese, die mir Naughty Dog hier in ihrem vermeintlichen Abschluss-Meisterwerk präsentiert? Die einzelnen Elemente des Spiels, die allerorts zwar stark repetitiv und allseits bekannt sind, sind derart glaubhaft und absolut homogen zu einem nahezu perfekten Spielergebnis vermengt, dass die wenigen Kritikpunkte geradezu lächerlich kleinlich wirken. Uncharted 4 ist das meiner Meinung nach bislang technisch stärkste Konsolenspiel und darf aufgrund seiner fast perfekt vermengten Spielelemente in keiner Sammlung fehlen!


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positiv negativ
  • Absolut glaubhafte Animationen
  • Unzählige Schätze zu finden
  • Zahlreiche Artworks, Bilder und Sequenzen freischaltbar
  • Hoher Wiederspielwert, nicht zuletzt durch mehrere verschiedene Spielmodifikationen
  • Mehrspielerpart mit motivierendem Skill- und Upgradesystem
  • Mehr Freiheit und Erkundungsmöglichkeiten
  • Vollendetes Klettersystem mit deutlichen Hinweisen von möglichen Vorsprüngen
  • Klasse Synchronisation
  • Multiplayer-Modus mit motiverenden Upgrades
  • Stimmiger Soundtrack
  • Hervorragende Synchronsprecher
  • Neben lauten und actionreichen auch viele stille Momente
  • Rätsel zu Gunsten des Spielflusses zu anspruchslos





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