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Blackguards

Publisher: Daedalic
Entwicklerstudio: Daedalic Entertainment
Genre: Rollenspiel
Sub-Genre: Rundenbasiertes Rollenspiel
Art: Fullprice
Erscheinungsdatum: 22.01.2014
USK 12

Blackguards   09.02.2014 von Wolf

Mit Blackguards, das in der Welt des Schwarzen Auges spielt, wagt sich Daedalic Entertainment an ein rundenbasiertes Rollenspiel heran. Es soll dem Spieler ein insofern innovatives Rollenspielerlebnis bescheren, als dass die "Helden" der Geschichte allesamt Schurken, Verbrecher, Drogenabhängige etc. sind. Die Geschichte soll daher besonders düster und schmutzig wirken. Das Gelingen dieses Vorhabens steht und fällt mit der Umsetzung der Kämpfe und dem tatsächlichen Rollenspielanteil ...

 

Blackguards beginnt stilecht mit der Charaktererstellung. Der Spieler kann sich hier für sein Geschlecht, eine vorgefertigte Klasse, Aussehen und Name seines Avatars entscheiden, wobei für das Aussehen leider nur je Geschlecht fünf verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Für penible Spieler wurde ein "Expertenmodus" in die Charaktererstellung eingebaut. Hier kann man seine Abenteuerpunkte auf beliebige Basiswerte, Talente, Zauber und Sonderfertigkeiten verteilen. Das "Das Schwarze Auge (DSA)"-Regelwerk ist hier originalgetreu umgesetzt worden. Auch die Startausrüstung des Helden kann hier ausgewählt werden. Hierauf sollte man allerdings nicht allzu viel Zeit verwenden, da man nach dem ersten Kampf ins Kittchen geworfen wird und sämtliche Ausrüstungsgegenstände wieder verliert.

 

Die Geschichte beginnt in der Stadt Neetha im Königreich Drôl auf dem Kontinent Aventurien von Dere. Der Protagonist wird verdächtigt die Tochter des örtlichen Grafen Urias, Elanor, getötet zu haben und wird ins Gefängnis gesteckt. Dort lässt ihn der Freund Elanors, Lysander, foltern. Lysander scheint einen bestimmten Namen vom Protagonisten erfahren zu wollen. Wenig später gelingt es einem Mitgefangenen, dem Zwerg Naurim, die Zellentüren zu öffnen. Er befreit auch den Protagonisten, wodurch die beiden einen Ausbruch starten. Auf dem Weg nach draußen stößt ein weiterer Mitgefangener zu den beiden, praktischerweise ein Magier aus Al'Anfa, Zurbaran. Zu dritt gelingt der Ausbruch, aber anstatt sich danach wieder zu trennen, beginnt die Gruppe Nachforschungen über Elanors Tod anzustellen. Die Reise beginnt.

 

Insgesamt umfasst die Handlung Blackguards fünf Kapitel. Auf dem Weg zum Finale werden auf bis zu 200 individuellen und von Hand erstellten Hexschlachtfeldern rundenstrategische Kämpfe ausgetragen. Dabei existieren oft mehrere Möglichkeiten, eine Schlacht zu gewinnen. Auf vielen Feldern gibt es interaktive Objekte, die der Spieler zu seinem Vorteil nutzen kann. Es ist doch viel leichter ein Seil zu durchtrennen um die Gegner mit einem herabfallenden Kronleuchter zu erschlagen, als diese mühsam selbst zu bekämpfen. Leider gibt es auch viele Karten, auf denen man zunächst nicht weiß, wie die Siegbedingung lautet. Wenn man die Worte "Es kommen immer mehr!" hört, sollte man sofort aufhören Gegner zu töten, da diese so lange immer wieder neu auftauchen, bis die Siegbedingung erfüllt ist. Das kann frustrierend werden, wenn man gleich am Anfang den mächtigen und teuren Zauber für die Hälfte seiner Astralpunkte gezaubert hat, nur um festzustellen, dass er total nutzlos war.

 

Auf der Weltkarte reist man mittels eines Schnellreisesystems bequem per Klick zwischen den einzelnen Schauplätzen hin und her. Diese sind liebevoll von Hand gezeichnet worden und tragen zu einer stimmigen, jedoch leider nicht sonderlich lebendigen Spielwelt bei. Die Nichtspielercharaktere bewegen sich zwar in einer Endlosschleife, bleiben aber ansonsten statisch. Irgendwann muss so ein Werkstück doch fertig geschmiedet sein. Dennoch ist die Spielwelt insgesamt als dunkel und sehr atmosphärisch zu beschreiben.

 

In zahlreichen Nebenquests erhält der Spieler wertvolle Abenteuerpunkte. Speziell in den höheren Schwierigkeitsgraden sollte man von dieser Möglichkeit auch unbedingt Gebrauch machen, da man hier weniger Abenteuerpunkte erhält und einige der Kämpfe richtig knackig werden können, wenn man gerade nicht die richtige Fertigkeit hat. In punkto Nebenquests hat Daedalic Entertainment mindestens in einem Fall etwas Originelles geleistet. Spieler, die Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten gespielt haben, können in Blackguards glaubhaft erspielen, was aus einem der dortigen Charaktere geworden ist.

 

Die benötigte Ausrüstung erhält man klassisch als Beute nach einem Kampf oder per Kauf über einen Händler. Leider gibt es dermaßen viele Händler, dass man während des Spiels viel Zeit mit Shopping verbringt, da man normalerweise nicht genug Geld hat, um gleich alle benötigte Ausrüstung zu kaufen – Wo war noch gleich der Händler mit Rüstung XYZ?. Des Weiteren geschieht es relativ selten, dass man einen besseren Gegenstand bekommt. Insbesondere, wer seinen Fokus auf eine magienutzende Spezialisierung legt, wird herbe enttäuscht. Alle passende Rüstungsteile sind bereits im ersten Kapitel verfügbar.

 

Bildergalerie von Blackguards (12 Bilder)

Blackguards war bereits seit Anfang Dezember im "Steam-Early-Access"-Programm für zahlende Kunden verfügbar. Leider sind auch nach der offiziellen Veröffentlichung noch einige Fehler im Spiel enthalten, die die Atmosphäre und somit den Spielspaß trüben. Dazu zählen so profane Dinge wie dass die Inventarbilder von Stiefel und Helm vertauscht sind, Debug-Strings im Kampflog angezeigt werden oder plötzlich deutscher statt englischer Text angezeigt wird. Es gibt aber auch schwere Fehler, wie die Nichtabschließbarkeit eines Kampfes, wenn bestimmte Ereignisse eintreten.

 

Aus rollenspielerischer Sicht, hat sich Daedalic Entertainment bemüht, die Charaktere dunkel zu inszenieren. Das funktioniert mit mäßigem Erfolg. Aufgaben geben häufig bessere Belohnungen, wenn der Spieler sich böse verhält. Allerdings kommt es nie zu Aktionen der Gruppenmitglieder, die wirklich schockieren oder als besonders schlimm empfunden werden. Die Handlung an sich ist interessant und besitzt eine plötzliche Wendung, aber leider auch einen sehr schwachen Abschluss. VORSICHT SPOILER! In einem Post im offiziellen Forum des Spiels schreibt ein Spieler: "Nach XYZs Tod kommt bei mir noch ein Dialog zwischen Naurim und Aurelia und dann ist das Spiel vorbei. Sollte da nicht noch etwas kommen?". Die offizielle Antwort lautet: "Das ist in der Tat das Spielende!".


Das Fazit von: Wolf

Wolf

Was für eine Kombination! DSA und rundenbasierte Strategie! Die Mischung ist genial und funktioniert in Blackguards wirklich hervorragend. Die taktischen Kämpfe ziehen den Spieler derart in ihren Bann, dass bei dem Vorhaben, "nur noch den nächsten Kampf" zu bestreiten, Stunde um Stunde vergeht. So gut die Kämpfe auch funktionieren, so bleibt jedoch leider die rollenspielerische Komponente zu sehr auf der Strecke. Der Abschluss ist einfach deutlich zu schwach und die vielen kleinen Fehler, die sich von der offenen Beta in das fertige Spiel hinüberretten konnten, trüben die Atmosphäre deutlich. Der ein oder andere Monat Politur hätte dem Spiel sicher gut getan. Für Rollenspielpuristen ist Blackguards daher sicherlich kein Muss. Rundenstrategen, die etwas Rollenspiel nicht abgeneigt sind, sollten allerdings unbedingt zuschlagen.


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positiv negativ
  • Wunderschöne handgezeichnete Grafik
  • Hervorragende Umsetzung der DSA-Spielregeln
  • Fesselnde Rundenstrategiekämpfe mit mehreren Siegmöglichkeiten
  • Atmosphärisches Aventurien
  • Gastauftritt eines Charakters aus Satinavs Ketten
  • Einige Fehler aus der Betaphase
  • Teilweise unklare Siegbedingungen
  • Erzählerisch sehr schwaches Finale
  • Zu geringe Ausrüstungsvielfalt





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