Buffalo 66

Buffalo 66

Originaltitel: Buffalo 66
Genre: Drama
Regie: Vincent Gallo
Hauptdarsteller: Vincent Gallo • Christina Ricci
Laufzeit: DVD (105 Min) • BD (110 Min)
Label: Koch Media Home Entertainment
FSK 12

Buffalo 66   26.04.2017 von Beef Supreme

Die Wahrscheinlichkeit, dass man schon mal über den Namen Vincent Gallo gestolpert ist, ist relativ hoch, ist der gute Mann doch sehr breit gefächert im Unterhaltungs- und Kunstbusiness unterwegs. Diese Fähigkeiten nutzt er in seinem Regiedebüt Buffalo ’66, den man auch getrost „Gallo and some other dudes“ hätte nennen können, da er für Hauptrolle, Regie, Drehbuch, Screenplay und die Musik verantwortlich ist. Fast alles aus einer Hand also. Kann sowas funktionieren?

 

Eigentlich ein schöner Tag für Billy Brown (Gallo), kommt er doch nach 5 Jahren Knast endlich wieder frei. Was für andere ein Grund zum Jubeln darstellt, stürzt Billy jedoch in weitere Probleme, denn es steht als erstes ein Besuch der Eltern an. An sich gar nicht so tragisch, doch Billy hat seine Eltern im Glauben gelassen, dass er einen sehr guten Job und eine liebende Frau hat, also ein zufriedenes Leben führt. Glücklicherweise weiß sich der gute Billy mit einer Spontanentführung zu behelfen und greift sich mit Layla (Christina Ricci) eine Ad-hoc-Ehefrau, mit der er vor seinen Eltern glänzen kann. Der Besuch läuft dann auch weit katastrophaler als angenommen, da seine Eltern Billy nicht leiden können, ihn für all ihr Unbill verantwortlich machen und die angespannte Atmosphäre förmlich zum Schneiden ist. Layla hingegen entwickelt das Stockholm-Syndrom und fängt an, Billy, obwohl kalt und abweisend, immer mehr zu mögen. Er aber will davon nichts wissen, denn er hat nicht vor, einen weiteren Sonnenaufgang zu erleben. Und er möchte jemand ganz speziellen mitnehmen, der in seiner Vorstellung für sein ruiniertes Leben verantwortlich ist.

 

Der minimalistische Start, graue Texttafeln mit biederer Schrift, hat mich schon innerlich mit den Augen rollen lassen und ich stellte mich auf ein ödes Arthouse-Drama mit pseudo-künstlerischem Anspruch ein. Glücklicherweise sollte ich eines Besseren belehrt werden, denn Buffalo ’66 weiß tatsächlich zu begeistern. Überzeugend folgt der Film dem Schicksal Billys und stellt eine spannende Entwicklung des Charakters dar, der nach außen vorgibt, ein harter, unnahbarer Hund zu sein, innerlich aber immer noch ein hilfloser, zerbrechlicher Junge ist, der in seinem Leben niemals Liebe erfahren hat. Gallo liefert dabei eine hervorragende Performance ab und trägt seinen Film fast im Alleingang. Nicht unerwähnt bleiben soll auch Christina Ricci, die als Layla ebenfalls eine fantastische Figur abgibt und perfekt mit Gallo harmoniert. Gemeinsam schaffen die beiden einen sehr sehenswerten Film, der trotz dürrer Handlung und minimalistischen Bildern interessant bleibt. Aber auch als Regisseur kann Gallo hier überzeugen, mischt er doch immer mal wieder dezent künstlerisch anmutende Szenen mit ein, beispielsweise eine Gesangseinlage von Billys Vater, oder Bildcollagen, die Billys Vergangenheit beleuchten und die Vergangenheit des Charakters beleuchten. Dabei beweist er das nötige Fingerspitzengefühl und verliert sich nie in Effekthascherei. Man könnte zwar ankreiden, dass das Verhalten Laylas anfangs nicht besonders schlüssig ist, wer hilft schon freiwillig seinem Entführer, doch im Verlauf ergibt das durchaus Sinn. Ganz allgemein finden sich nicht viele Kritikpunkte, das sich zu keiner Zeit wie ein Erstlingswerk anfühlt. Gallo liefert hier ein erstaunlich wertiges Produkt ab, das durchaus lohnt, gesichtet zu werden.

 

Bildergalerie von Buffalo 66 (13 Bilder)

In technischer Hinsicht fällt auf, dass das Bild ganz klar einem Film aus den 90ern entspricht. Daran ändert auch die Blu-Ray-Auswertung nichts. Das muss aber nichts Schlechtes bedeuten, da das manchmal körnige und farbreduzierte Bild durchaus zur tristen Atmosphäre des Films beiträgt und keinen wirklichen Kritikpunkt darstellt. Und da Gallo seine Finger auch bei der Sounduntermalung mit im Spiel hatte, passt diese stimmig ins Gesamtkonzept seiner Vision des Films. Wie alles andere auch, sehr minimalistisch und in homöopathischen Dosen aber immer passend platziert und stimmig zur Atmosphäre eingesetzt. In Sachen Effekten gibt es nicht besonders viel zu bewundern, abgesehen von der Schlussszene, die handwerklich zwar gut gemacht ist, aber stilistisch einen Bruch zum Rest des Films darstellt. 


Das Fazit von: Beef Supreme

Beef Supreme

Buffalo ’66 startet eigenartig, doch wer sich durch die minimalistische Aufmachung und den Mangel an Dialog in den ersten 10 Minuten nicht abschrecken lässt, wird mit einem erdigen, realistischen Drama belohnt, das so manchem aus der Seele sprechen könnte. Keine abgedrehte Story, keine an den Haaren herbeigezogenen Wendungen, nur die harte, traurige Realität. Der Film schafft es aber, trotz seines tristen Tons nie in Bitterkeit zu versinken, sondern sogar manchmal humoristische Elemente durchblitzen zu lassen und bringt sogar noch eine kleine Romanze unter, die nicht im Hollywood-Kitsch ersäuft. Rundum ein sehenswerter Film und ein sehr gelungenes Debüt mit einem starken Vincent Gallo an allen Fronten.


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